Die Entdeckung des „labor unrest“

Beverly Silvers Einfluss auf die aktuelle Arbeits(kampf)forschung

Der Begriff Labor unrest (Arbeitsunruhen) wurde Anfang der 2000er-Jahre vor allem in der transnationalen Diskussion über Beverly Silvers Arbeit Forces of Labor. Workers´ Movements and Globalization since 1870 geprägt.1 Es war eine Zeit, in der die seit Ronald Reagans Regierungsperiode in den frühen 1980er-Jahren weitgehend zurückgedrängte US-Arbeiter_innenbewegung langsam wieder an Boden gewann. Eine Voraussetzung für ihre sogenannte Revitalisierung war, dass die Gewerkschaften begannen, „andere“ Formen der kollektiven Organisation in Betracht zu ziehen: So wurde etwa über Ähnlichkeiten und Bezugspunkte zwischen traditionellen Formen der Arbeiter_innenvertretung und aktueller migrantischer Selbstorganisation nachgedacht. Vor diesem Hintergrund übernahm und reformulierte man auch Konzepte aus der Gemeinwesenarbeit (community organizing, workers´ centre), sowohl in der Dienstleistungsgewerkschaft SEIU als auch später im Change-to-Win-Bündnis verschiedener Gewerkschaften.2 Und schließlich erkannten diese US-Verbände auch das urbane Territorium (namentlich die Global City mit ihrem expandierenden Dienstleistungssektor) als Schauplatz von (Arbeits-)kämpfen sowie Protesten gegen Illegalisierung und für soziale Rechte an. Vorbild waren nicht zuletzt die spektakulären Arbeitskämpfe der 1970er-Jahre in Südkorea, Brasilien oder Südafrika, die jenseits der Vorstellung eines globalisierten race to the bottom nunmehr auch als Beispiele erfolgreicher kollektiver Organisierung angesehen wurden.

Für die Forschung hatten diese Erfahrungen vor allem zwei Konsequenzen: In Silvers Buch steht – mehr als in vielen anderen Texten aus der US-Forschung zum Organizing3 – die Forderung nach einer Historisierung und Globalisierung der Arbeitsforschung im Mittelpunkt. Gleichzeitig war allerdings im Kontext der 1990er-Jahre die Bezugnahme auf Arbeitskämpfe als Forschungsthema nicht selbstverständlich. Sie galt der sozialwissenschaftlichen Debatte dieser Zeit oft als anachronistisch – nicht nur in den USA, sondern auch in der Bundesrepublik.

Der global turn der Arbeits(kampf)forschung

Indem sie dagegen anschreibt, begründet Silver zugleich die Notwendigkeit eines historical und global turn der Arbeitsforschung:

“Those who see a terminal crisis of the labor movements tend to see the contemporary era as fundamentally new and unprecedented, in which global economic processes completely have reshaped the […] terrain on which labor movements must operate.“4

Demgegenüber zeigt Silvers Analyse anhand von Materialien, die die World Labor Group der University of Binghamton (im Folgenden: WLG) zuvor erhoben hatte,5 dass Arbeitsunruhen nach 1870 im transnationalen Maßstab einer zyklischen Verschiebung unterliegen, die in den einzelnen Branchen ungleichzeitig stattfindet und durch die politische Geschichte, vor allem die Kriege und Befreiungsbewegungen des 20. Jahrhunderts, zutiefst geprägt ist. Silver machte die Verknüpfung der Kämpfe um Arbeits- und Lebensbedingungen mit politischen und ökonomischen Konjunkturen zum Thema und griff insofern ein altes Thema der Streikforschung erneut auf. Sie betonte, dass die Verlagerung der Schwerpunkte von Arbeitsunruhen von (Süd)europa nach Brasilien, Südkorea oder Südafrika der Verlegung der Zentren globaler Automobilproduktion seit den 1980er-Jahren entspreche. Ähnliches sei zuvor anhand des „Textilzyklus“ zu beobachten gewesen und werde möglicherweise auch in der Zukunft in anderen wichtigen Branchen geschehen. So ging Silver auf der Grundlage aktueller Wertschöpfungsketten sowie deren Verknüpfung „just-in-time“ bereits Anfang der 2000er davon aus, dass zukünftig der Logistiksektor eine zentrale Rolle im Streikgeschehen spielen werde.

Den Umstand, dass die Verdichtung von sozialen Konflikten im Betrieb den Verlagerungen des Kapitals folgt, hatte David Harvey kurz zuvor als Hinweis auf den Zusammenhang zwischen sozialen Kämpfen, dem tendenziellen Fall der Profitrate und ihrem spatial fix gelesen.6 Silver griff diesen Gedanken auf: Es sei sogar die wichtigste Form der Flucht des Kapitals vor dem tendenziellen Fall der Profitrate. Angesichts der erneut gestiegenen Bedeutung globaler Städte wie Los Angeles, London oder Frankfurt als Zenten der Koordination von Kapitalströmen sei der spatial fix sogar als Grundmotiv neoliberaler (Stadt-)Politik zu verstehen. Konflikte um städtische Räume und Arbeitskämpfe haben aus dieser Perspektive eine gemeinsame Ursache: Beide sind Folgen des Versuchs global agierender Unternehmen, neue Anlagesphären zu erschließen oder, besser gesagt, neue Ausbeutungsformen der Ware Arbeitskraft zu etablieren. Diese räumliche Verbindung, die Harvey in Bezug auf lokale und auf globale Situationen, also den urbanen Raum als solchen einerseits und die globalen Wertschöpfungsketten andererseits, skizziert, bezeichnet Silver als „indirekte“ Form einer globalen Verbindung der Zyklen des labor unrest.

Eine wichtige Beobachtung Silvers war jedoch, dass Arbeitsunruhen z.B. in Automobilbetrieben in ganz unterschiedlichen Weltregionen, zu unterschiedlichen historischen Zeiten und in verschiedenen sozio-kulturellen Kontexten ähnliche Formen hervorgebracht hatten. Vor diesem Hintergrund schien die Feststellung, dies habe mit ähnlichen strukturellen Voraussetzungen bzw. mit Verschiebungen von Investitionsschwerpunkten auf der Kapitalseite zu tun, unbefriedigend. Wenn das Kapital sich bewegt, wie bewegen sich dann die Arbeitenden? Was haben sie dem transnationalen spatial fix entgegenzusetzen? Diese Frage bearbeitete Silver unter Bezugnahme auf den Machtressourcenansatz nach E. O. Wright. Namentlich unterschied sie zwischen associational und structural power sowie zwischen marketplace und workplace bargaining power, also zwischen Machtformen, die einerseits mit den Bewegungen des Kapitals verbunden sind, indem sie durch Arbeitsmarkt und Rationalisierungsmodi vermittelte Gelegenheiten für Beschäftigte schaffen, die eigene Interessenperspektive zur Geltung zu bringen. Gleichzeitig sind diese Machtformen nicht nur strukturell determiniert, sondern mindestens ebenso durch die Arbeitenden-Assoziation (durch kollektive Aktionen und gewerkschaftliche Organisierung) vermittelt.7 Der Eigensinn des Protests wird, wie Silver betont, durch die Arbeitenden aktiv verbreitet und transnational vermittelt. Zu unterscheiden sei hier wiederum zwischen verschiedenen Arten der transnationalen „Verbundenheit“. Explizite Formen der Vermittlung durch direkte Kontakte werden von Silver als solidarity bezeichnet, implizite Vermittlungsformen (das transnationale „Nachahmen“ von Forderungen und Aktionsformen) diffusion genannt.

Auf dieser Grundlage konnte Silver die Dynamik des Verhältnisses zwischen Arbeit und Kapital anders fassen als in der soziologischen und historischen Forschung üblich. Denn die Untersuchung des labor unrest trägt nicht zuletzt dazu bei, die Geschichtsmächtigkeit der aktiven Anteile, die sich Arbeiter_innen in dieser Konstellation erobern, zu begreifen. Dabei berücksichtigte Silver durchaus die politische Ambivalenz solcher Einsätze: Labor unrest ist nicht unbedingt emanzipatorisch per se, was Silver anhand der kollektiven Organisierung zur Abwehr von Neuankömmlingen auf dem betrieblichen Arbeitsmarkt illustrierte (oder mit anderen Worten: Labor unrest kann sich auch mit rassistischen Zuschreibungen verbinden).

Beverly Silver und die Quantifizierung der Unruhen

In der deutschsprachigen Debatte wurde der Begriff zunächst außerhalb der institutionalisierten akademischen Sphäre aufgenommen, sodass er namentlich unterschiedliche intellektuelle Traditionen des autonomen Marxismus inspirierte.8 Aber auch Silvers bereits erwähnte Beobachtung, dass Arbeitskämpfe sich im Bereich von Personen- und Warentransport angesichts der Empfindlichkeit von Unternehmensnetzwerken in Zeiten von lean production und just-in-time als besonders wirkungsvolle Erweiterung der Machtressourcen erwiesen, trug zu seiner Bekanntheit bei.9 Zuerst wurde dieser Effekt 2006 angesichts des Streiks beim Flugzeug-Caterer Gate Gourmet in London und Düsseldorf ersichtlich; bis heute folgten zahllose weitere Arbeitskämpfe in unterschiedlichen Logistikbereichen. Seit Mitte der 2000er-Jahre bemühten sich dann auch zentral- und nordeuropäische Gewerkschaften, die die in den beiden Jahrzehnten zuvor erlittenen Verluste an Mitgliedern und Einfluss wettmachen wollten, um systematische Evaluationen von „Machtressourcen“.10 Auf dieser Grundlage schließlich hat insbesondere die Forscher_innengruppe um Klaus Dörre an der Universität Jena den von Silver ausformulierten „Machtressourcenansatz“ zum Ausgangspunkt einer Neubestimmung strategischer Momente betrieblichen und überbetrieblichen Gewerkschaftshandelns gemacht.11

Insgesamt hat seit der Veröffentlichung von Forces of Labor das Interesse an „ungewöhnlichen“ Arbeitskämpfen von Gruppen wie Lokführer_innen oder Erzieher_innen in Teilen der Forschungscommunity stark zugenommen. Ebenso werden Arbeiten zur jüngsten Geschichte und aktuellen Streiks in Indien, China, Südafrika, Südkorea oder Brasilien mittlerweile auch in der deutschsprachigen Debatte wahrgenommen.12 Eine Öffnung hat also stattgefunden, zugleich muss aber festgestellt werden, dass entscheidende Probleme des Ansatzes von Beverly Silver und der WLG weiterhin ungelöst erscheinen. Diese Probleme hat, wenn man so will, die deutsche Debatte seit den späten 2000er-Jahren geerbt.

So ist der Aspekt der „Zählbarkeit“ des labor unrest bereits in früheren Projekten aus Binghamton, in denen ja lange Zeiträume und globale Phänomene rekonstruiert werden sollten, immer besonders wichtig gewesen. Er stellt auch deshalb ein Problem dar, weil mit dem Begriff labor unrest gerade nicht nur „offizielle“ und legale Streiks gemeint sind. Vielmehr soll auf der einen Seite ein weites Spektrum von Protestformen und auf der anderen Seite der Übergang von „latenten“ zu „offenen“ Formen des Protests thematisiert werden. Inwiefern ein solch hoher Anspruch, der die Dimension des betrieblichen und überbetrieblichen Alltagshandels mit globalen Prozessen der Wertschöpfung und der Politik verbinden will, überhaupt einlösbar ist, hat man in der Rezeption der Forschungen sowohl der WLG als auch später des Werks von Silver oft hinterfragt.13 Kritik riefen aber vor allem die in der Tendenz wenig soliden Quellen hervor, namentlich die Artikelsammlung aus der London und New York Times, mit deren Hilfe Silver jene langen Zeitreihen und Regressionsanalysen konstruierte, die ihren Befunden zugrunde liegen. Besonders heikel ist, dass sie den Großteil dieser Quellen aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum bezieht und lediglich mit dem Vorschlag verbindet, auch Texte aus dem globalen Süden in den Recherchefundus aufzunehmen.

Freilich liegt auch ein begriffliches Problem vor – wie sich bereits im (kaum rezipierten) Anhang des Buches zeigt, in dem die Autorin ihre methodischen Ausgangspunkte darlegt. Dort lesen wir: „There is a whole other sphere of hidden acts of resistance (undeclared and unacknowledged class-warfare), which precisely because it remains undeclared are not […] as easily identifiable as unrest.” Sodann werden im Anschluss an James Scott alltägliche Formen des Widerstands aufgezählt: “foot dragging, soldering, shoddy workmanship, undeclared slowdowns, pilfering, false compliance, desertion, absentism, feigned ignorance, slander, sabotage, ‘accidents‘.”14 Es ist klar, dass die Quantifizierung eines derart weit gefassten labor unrest auf der Mikroebene an eine dreifache Grenze stößt: Erstens sind unsichtbare Formen per se nicht „zählbar“, zumal, wie aus vielen sozialen Revolten bekannt ist, die Bewertung der Medien selbst eine Rolle spielt, die wichtige Ereignisse entweder gar nicht wahrnehmen, spät wahrnehmen, überzeichnen oder sogar selbst konstruieren können. Zweitens ist zu berücksichtigen, dass der Umschlag von der latenten in die offene Form des Widerstands oft unkalkulierbar ist beziehungsweise zumindest auf den ersten Blick spontan erfolgt, ein wesentliches Moment des von Alf Lüdtke systematisch untersuchten „Eigensinns“ der Revolten.15 Drittens sind die Formen des Widerstands selbst oft mehrdeutig. Nur ausgehend von der Liste, die Scott formuliert hat, können wir zum Beispiel danach fragen, ob Selbstgefährdungen oder Selbsttötungen, zu denen sich immer wieder Beschäftigte unter extremer Belastung im Arbeitsprozess gedrängt sehen, eigentlich eine Widerstandsform sind oder nicht. Auch ist zu klären, ob Proteste, die sich gegen andere Arbeiter_innen richten und die Silver systematisch als boundary drawing bezeichnet, wirklich als Alltagswiderstand gelten können.

Im Anhang von Forces of Labor finden sich zwar solche Fragen, doch auf einer empirischen Grundlage, die lediglich zwischen 0 und 1 unterscheidet, sind sie im Grunde nur voluntaristisch zu beantworten. Silver räumt durchaus ein: „[I]n some contexts, these are indeed forms of labor unrest […], in other, they are merely forms of adaption to the commodification of labor.“16 Aber wer entscheidet letztlich über diese Grenze? Und was fangen wir mit Konfliktformen an, die beides sein können, siehe etwa die Kämpfe um mehr Autonomie im Arbeitsprozess, die sowohl als „forms of labor unrest“ als auch als „adaption to the commodification of labor“ gelten können? Wie man auf dieser Grundlage subtile Widerstandsformen wie „false compliance“ bewerten soll, bleibt leider ebenso unklar.

Freilich ist nicht die Bewertung von Widerstandsformen an sich problematisch – denn die Auseinandersetzung mit deren Ambivalenz muss selbstverständlich gesucht werden. Vielmehr liegt die Schwierigkeit darin, dass die Geschichtsmächtigkeit proletarischen Eigensinns bei Silver allein von der Entscheidung einer virtuellen, selbsternannten Institution abhängt, ob der fragliche Protest nun eigentlich „zählt“ oder nicht. Greift man nun zu der Notlösung, zu eruieren, ob der Inwertsetzungsprozess durch Proteste nun gefördert oder behindert werde, muss man aber auch historische Aspekte berücksichtigen: Mancher Protest, der den Zeitgenossen als selbstorganisiert und antikapitalistisch erschien, wurde bekanntlich einige Jahrzehnte später als Ausgangspunkt (kapitalistischer) Innovation betrachtet. In der Tat ist labor unrest nur begrenzt quantifizierbar; vor allem jedoch ist es ein Irrtum, seine Geschichtsmächtigkeit rein quantitativ fassen zu wollen. Der lineare Zusammenhang zwischen der Quantität der „Kämpfe“, der Menge an Streiks usw. einerseits und dem „Stand der Bewegung“, des „proletarischen Bewußtseins“ usw. andererseits ist vielmehr ein Mythos, der sich nicht nur in der marxistisch inspirierten US-Arbeitsforschung, sondern auch in Teilen der deutschen Arbeitssoziologie (und vor allem unter Arbeitssoziolog_innen, die sich für Arbeitskämpfe interessieren), bis heute hartnäckig erhalten hat. 17

Streiks und Aufstände zählt man nicht wie Schäfchen vor dem Einschlafen. Sie sind vielmehr umkämpfte, widersprüchliche Phänomene, die nicht in eine, sondern in viele Richtungen weisen. Genau zu ermitteln, welche Ziele sie verfolgen und welche Wirkungen sie haben, sollte auch die Aufgabe aktueller, kritischer Arbeitsforschung sein – auch und gerade, wenn sie sich selbst als parteiisch versteht. Silvers mittlerweile fünfzehn Jahre alter und weltweit sehr stark rezipierter Text inspiriert uns dazu, historisch-spezifische und transnationale Entwicklungen als zentrales Moment der Geschichte des labor unrest zu begreifen. An diesen ersten, verdienstvollen Schritt konnten und werden auch in Zukunft weitere Forschungen anknüpfen.

Fußnoten

1 Beverly J. Silver, Forces of Labor. Workers´ Movements and Globalization since 1870, Cambridge, MA, 2003. Für Anmerkungen zu diesem Text danke ich Jörg Nowak.

2 All diesen Tendenzen hat Ken Loach 2005 in seinem Film Bread and Roses ein Denkmal gesetzt: Im Zentrum steht die (gerade heute reichlich aktuell anmutende) Geschichte der Arbeitskämpfe im Prototyp der Global City, Los Angeles, erzählt anhand der Arbeitsbiografie einer illegalisierten mexikanischen Migrantin, die als Gebäudereinigerin in einem Bürokomplex der kalifornischen Metropole um ihre Rechte kämpft.

3 Vgl. zu den eher auf die US-Situation bezogenen Texten als „Klassiker“ der Forschung zur Organisierungstraditionen im Dienstleistungssektor Ruth Milkman, L.A. Story. Immigrant Workers and the Future of the US Labor Movement, New York 2006.

4 Silver, Forces, S. 25.

5 Research Working Group on World Labor, Global Patterns of Labor Movements in Historical Perspective, in Review. A Journal of the Fernand Braudel Centre 10 (1986), 1, S. 137–155.

6 David Harvey, Globalization in Question, in: Rethinking Marxism 8 (1999), 4, S. 1–17.

7 Silver, Forces, S. 13–16. Vgl. Erik O. Wright, Working Class Power, Capitalist-Class Interests, and Class Compromise, in: American Journal of Sociology 105 (2000), 4, S. 957–1002.

8 So argumentiert in Anschluss an den historischen Operaismus etwa Christian Frings, Die Ungleichzeitigkeiten der „globalen Revolution“. 1968 im Weltsystem, in: Peter Birke / Bernd Hüttner / Gottfried Oy (Hrsg.), Alte Linke, neue Linke. Die sozialen Kämpfe der 1968er Jahre in der Diskussion, Berlin 2009, S. 49–67.

9 Vgl. etwa Torsten Bewernitz, Die neuen Streiks, Münster 2008.

10 Eine kritische Würdigung dieser Ausrichtung findet sich in Peter Birke, Die große Wut und die kleinen Schritte. Gewerkschaftliches Organizing zwischen Protest und Projekt, Hamburg / Berlin 2010.

11 Klaus Dörre, Die strategische Wahl der Gewerkschaften. Erneuerung durch Organizing, in: WSI-Mitteilungen 1 (2008), S. 3–10.

12 Siehe neben vielen anderen: Lu Huilin Pun Ngai, Unfinished proletarianization: Self, anger, and class action among the second generation of peasant-workers in present-day China, in: Modern China 36 (2010), 5, S. 493–519; Ravi Ahuja, Informalisierung und Arbeitskämpfe in Indien. Eine zeithistorische Perspektive auf die Gegenwart, in: WSI-Mitteilungen 5 (2014), S. 353–360; Jörg Nowak, Massenstreiks im Bausektor Brasiliens, 2011–2014, in: Sozial.Geschichte Online 17 (2015), S. 15–50.

13 Franz Naetar konstatierte, der andernorts empathische Bezug auf die handelnden Subjekte in Arbeitskämpfen gehe im Rahmen der Quantifizierung in der Tendenz verloren – Silvers Buch schildere eine „ewige Tretmühle der Klassenkämpfe“ (Franz Naetar, Vorstellung und Diskussion von Beverly J. Silver: „Forces of labor – Workers’ Movements and Globalization since 1870”, in: grundrisse 9 (2004), 1, S. 19–26, hier: 26 www.grundrisse.net/grundrisse09/9silver.htm).

14 Silver, Forces, S. 184; vgl. James Scott, Weapons of the Weak, New Heaven, CT, 1985.

15 Alf Lüdtke, Lohn, Pausen, Neckereien: Eigensinn und Politik bei Fabrikarbeitern in Deutschland um 1900, in: Ders., Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus, Hamburg 1993, S. 120–160 (englische Originalausgabe: Cash, Coffee-Breaks, Horseplay: Eigensinn and Politics among Factory Workers in Germany circa 1900, in: Michael Hanagan / Charles Stephenson (Hrsg.), Confrontation. Class Consciousness, and the Labor Process. Studies in Proletarian Class Formation, New York 1986, S. 65–95).

16 Ebd., S. 185.

17 Z. B. bei Stefan Schmalz / Steffen Liebig, Ein neuer Protestzyklus? Zum Wandel des sozialen Konflikts in Westeuropa, in: Klaus Dörre et al. (Hrsg.), Arbeit in Europa. Marktfundamentalismus als Zerreißprobe, Frankfurt am Main, S: 229–245.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Philipp Staab.