Politische Kulturforschung reloaded

Tagung des Arbeitskreises "Politik und Kultur" der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft

Die moderne Demokratie erlebt gerade mehrere Prozesse kultureller Transformation. Diese sind sowohl strukturell als auch konjunkturell. Zu den strukturellen Veränderungen gehören die Globalisierung politischer Kommunikation und Organisation sowie die immer stärkere Vermengung von Öffentlichkeit, Privatheit und Politischem in einer immer mehr mediatisierten Gesellschaft. Instagram, Twitter, Facebook oder Meetups taugen nicht nur zur sozialen Vernetzung und Selbstinszenierung, sondern auch für die politische Auseinandersetzung und Organisation sozialer Bewegungen. Teilweise sind die Grenzen zwischen diesen unterschiedlichen Nutzungen nicht mehr festzumachen. Konjunkturell kann man von Herausforderungen der Demokratie sprechen: Die Bedrohung des islamistischen Terrorismus, die Zunahme von Populismus, vor allem Rechtspopulismus, die Schwierigkeiten, mit Migration umzugehen, sowie die damit verbundenen Abwehrreaktionen und identitären Antworten innerhalb der Gesellschaft gehören dazu. Doch zugleich sind neue Formen politischen Protestes, sozialer Bewegung und politischer Partizipation zu beobachten. Was diese Erscheinungen untereinander und mit weiteren gegenwärtigen Trends in Europa und weltweit verbindet, ist die Wirksamkeit kultureller Dispositionen der Wahrnehmung und Beurteilung des Politischen sowie politischen Entscheidens und Handelns.

Angesichts dieser strukturellen und konjunkturellen Veränderungen erscheint der traditionelle Ansatz politischer Kulturforschung, bei dem vor allem politische Präferenzen untersucht werden, als nicht mehr ausreichend. Auch behavioristische Ansätze können die Komplexität aktueller politischer Kulturen nicht mehr erfassen. Das bereits 2006 formulierte Plädoyer der Politikwissenschaftlerin Wendy Brown, die Grenzen der politischen Theorie mithilfe benachbarter Disziplinen zu erweitern, gilt auch für die politische Kulturforschung.

Die Tagung – vorbereitet von Paula Diehl (Bielefeld), Hans J. Lietzmann (Wuppertal) und Wolfgang Bergem (Siegen) – des Arbeitskreises "Politik und Kultur" zum Thema "Politische Kulturforschung reloaded" fragt nach den Befunden neuerer Forschung zum Zusammenhang von Politik und Kultur und sucht nach innovativen theoretischen, programmatischen und methodischen Ansätzen. Das Verständnis politischer Kultur steht im Zentrum der Diskussion und ist dabei offen für Perspektiven sowohl auf die politischen Dimensionen von Kultur als auch auf die kulturellen Dimensionen von Politik.

Anmeldungen bitte bis zum 26. März 2017 an politikwissenschaft(at)uni-wuppertal(dot)de. Die Tagung findet im Gästehaus der Bergischen Universität, Campus Freudenberg, Rainer-Gruenter-Str. 3, Wuppertal statt.

Weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier.