Amateurfußball – Fußball der Amateur_innen

Call for Papers der Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft. Deadline: 15. Januar 2020

Die Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft versteht sich als interdisziplinäre Publikation für wissenschaftliche Beiträge, die den Fußball und seine Bezüge zum Alltag der Menschen und ihrer Gesellschaft theoretisch und/oder empirisch thematisieren. Willkommen sind Beiträge aus der Soziologie, Sozialpsychologie, Erziehungs-, Politik-, Kultur-, Medien-,Sozial- und Sportwissenschaft sowie der (Sport-)Ökonomie, die sich mit dem Fußball in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Einbindung beschäftigen.

Die alltägliche Wahrnehmung des Fußballs ist weitgehendgeprägt durch die professionelle Welt des globalen Spiels. Im Anschluss an jüngere Diskussionen in Bezug auf Ausprägungen des Amateurfußballs im internationalen Kontextwollen wir uns, in dieser Ausgabe von Fußball und Gesellschaft, auf den nicht-professionellen Bereich des deutschen Fußballs konzentrieren. Das gilt besonders für den Männerfußball – Frauen spielen in den höchsten Ligen seltener unter professionellen Bedingungen. Ihr Spiel ist weitaus enger mit dem Status als Amateurin verknüpft.

Wir gehen dabei davon aus, dass idealistische bzw. romantisierende Klassifizierungen des Amateurfußballs und seine oft postulierte Trennung vom Profi-Bereich zunehmend Risse erhalten. Denn im Amateurfußball lassen sich zunehmend gegensätzliche Tendenzen von Globalisierungsanforderungen, Professionalisierungszwang und Leistungsorientierung einerseits sowie Lokalität und Freizeitorientierung andererseits feststellen.

Dies ist tendenziell zurückzuführen auf gesellschaftliche Prozesse wie einer zunehmenden Singularisierung und Neoliberalisierung einerseits und politischen Anforderungen an den Sport hinsichtlich der Inklusion unterschiedlicher Personengruppen, der unterstellten Gewaltprävention, oder möglichen gesundheitsfördernden Aspekten anderseits. Es ist anzunehmen, dass diese gesellschaftlichen Prozesse potentiell zu Transformationen oder Metamorphosen des Spiels führen, da Akteure (beispielsweise Vereine) oftmals widersprüchlichen neuen Anforderungen und Ansprüchen gerecht werden müssen. So zirkulieren auf der Ebene von lokalen Vereinen zu Vorstellungen verdichtete Wahrnehmungen, die auf einer grundlegenden Orientierung am global-professionellen Fußball basieren. Besonders augenfällig zeigen sich die Herausforderungen, die der nicht-professionelle Fußballsport zu bewältigen hat, am – gesamtgesellschaftlich relevanten! – Spannungsverhältnis von Effizienz, Optimierung und Druck (Fortschritt, ‚Anschluss nicht verlieren‘, Imitation) auf der einen Seite, und andererseits der Vorgabe – unter kontrollierten Bedingungen! – ‚Spaß‘ zuhaben.

Amateurfußball, wie der Sport im Allgemeinen, zeichnet sich durch Aspekte der Geselligkeit und Vergemeinschaftung aus und vermittelt potentiell entsprechende Werte. Gleichzeitig geht es auch im nicht-professionellen Fußball um maximalen Erfolg und eine optimale Vorbereitung auf den Wettbewerb. Amateurfußballer_innen unterwerfen sich damit in ihrer Freizeit Verhältnissen der Arbeitswelt und Zwängen der Ökonomisierung des eigenen Körpers bzw. der eigenen Biografie. Dieser Nexus von Professionalisierungserwartungen und Spaß findet sich etwa auf der Ebene des Kinder- und Jugendfußballs: Kindersollen in einem auch architektonisch überschaubaren und kontrollierten Rahmen ‚Spaß‘ haben, sich erproben und Freizeit erleben. Diese ‚Erprobung‘ ist jedoch aus Sicht vieler verantwortlichen Eltern hochgradig zweckrational und von Optimierungsbestrebungen gekennzeichnet: Fußball ist fest in den elterlichen Erziehungsplan eingebunden.

Wir laden Kolleg_innen dazu ein, theoretische und/oder empirische, deutschsprachige Studien zu diesem Themenfeld einzureichen. Beiträge können in der Breite der Sozial- und Humanwissenschaften (inter-)disziplinär verortet sein. Beiträge können sich exemplarisch mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Was bedeutet es, Amateurfußballer_in zu sein?
  • Welche Funktionen hat der Amateurfußball auf individueller, sozialer und gesellschaftlicher Ebene?
  • Wie bildet der Amateurfußball soziale Ungleichheiten ab und reproduziert sie ggf.?
  • In welchem Verhältnis stehen Profi- und Amateurbereich zueinander?
  • Wie wird die Figur des männlich konnotierten Amateurspielers diskursiv und praktisch konstruiert – wie gegen die weibliche Amateurspielerin abgegrenzt?
  • Wie lässt sich die Subwelt des Kinder- und Jugendfußballs analytisch einordnen?
  • Welche Entwicklungstendenzen sind im nicht-organisierten bzw. Bolzplatzfußball nachvollziehbar?

Einsendeschluss für Beiträge zum Themenschwerpunkt „Amateurfußball“ ist der 15. Januar 2020. Wir planen eine Veröffentlichung des Themenhefts im Mai 2020.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Herausgeber dieses Schwerpunkthefts:

Christian Brandt (Bayreuth) Email: christian.brandt(at)uni-bayreuth(dot)de

Prof. Dr. Jochem Kotthaus (Dortmund) Email: jochem.kotthaus(at)fh-dortmund(dot)de

Dr. Kristian Naglo (Marburg) Email: naglo(at)staff.uni-marburg(dot)de

Allgemeine Anfragen richten Sie bitte an: redaktion_fug(at)budrich-journals(dot)de.

Autor_innenhinweise finden Sie unter:http://www.budrich.de/Zeitschriften/Autor_innenhinweise_FUG.pdf

Call for Papers (PDF)