Prostitution und Sexarbeit

Call for Papers für eine Ausgabe der Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Deadline: 15. November 2020

Die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen um Sexarbeit und Prostitution betreffen das Verhältnis von Prostitution und Staat oder die Frage nach individueller Freiheit und sexueller Selbstbestimmung. Insbesondere umstritten sind Formen und Wirkungsweisen politischer Regulierung, nicht zuletzt deshalb, weil das Feld sehr heterogen ist und einzelne Sexarbeitende von den Regulierungen sehr unterschiedlich getroffen werden. Zugleich steht aber auch in Frage, wie Sexualität als solche wissenschaftlich erforscht und kulturell repräsentiert wird, mit welchen konkreten normativen Inhalten ‚Emanzipation‘ historisch wie aktuell gefüllt wird und in welchem Modus sie gesellschaftlich durchgesetzt werden kann. Der gesellschaftliche Umgang mit dem Thema und den intendierten und nichtintendierten Wirkungen von Regulierung verdient einen genaueren Blick.

Gegenwärtig erfahren Fragen nach Formen und Grundlagen für Grenzziehungen zwischen kommerzieller und nichtkommerzieller Sexualität eine erhöhte Aufmerksamkeit. Noch jüngste Forderungen im Zuge der Covid-19 Pandemie nach einem dauerhaften ‚Verbot von Prostitution‘ machen sichtbar, dass Prostitution und Sexarbeit (weiterhin) stark konfliktbehaftete Themen sind. Hierbei stehen die Unterscheidung zwischen heterosexuellen, queeren, und Trans-Identitäten sowie die Bedeutung normativer Vorstellungen von Beziehungen, Sexualität und Intimität in der Diskussion.

Als Wissensobjekt ist Sexarbeit/Prostitution daher stark diversifiziert. Dies zeigt sich sowohl entlang unterschiedlicher disziplinärer Perspektiven als auch thematischer Inhalte, die häufig vor allem interdisziplinär bearbeitet werden müssen, da unterschiedliche Ebenen wie staatliche Regulierungen, soziale Strukturen, (kulturelle) Repräsentationsformen und die Konstitution von Identitäten ineinandergreifen. Der Heftschwerpunkt will solche unterschiedlichen Perspektiven und spezifische disziplinäre wie inter-disziplinäre Zugänge sichtbar machen.

Erwünscht sind sowohl empirische als auch theoretisch informierte Beiträge, die auch intersektionale und postkoloniale Perspektiven auf Prostitution und Sexarbeit (etwa vor dem Hintergrund von Arbeit/Armut, Migration, Staatsbürgerschaft und Geschlecht) sichtbar machen. Dazu gehören folgende mögliche Schwerpunkte:

Mögliche Themen und Fragestellungen im Einzelnen

  • Darstellungen „der“ Prostituierten oder „des” Freiers in Musik, Kunst, Literatur, Film und Theater
  • der historische und gesellschaftliche Wandel des Verständnisses von Sexarbeit/Prostitution und dessen Niederschlag in rechtlichen Regulierungen
  • die Theorie der Prostitution, die Ökonomie der Sexarbeit und die besondere Form des Tauschs in der Prostitution
  • Kontroversen über die (internationale) Regulierung von Prostitution und Sexarbeit und/oder deren Auswirkungen
  • das Verhältnis von Prostitution und Geschlechter(un)ordnung
  • Sexarbeit und feministische Solidarität im Zeitalter von #MeToo
  • Debatten um „carceral“ bzw. „anti-carceral feminism“

Verfahren und Zeitplanung

Wir bitten um die Einreichung eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 15. November 2020. Beiträge aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland können gern auch auf Englisch eingereicht werden. Die Redaktion arbeitet mit dem Online-Redaktionssystem OJS. Daher bitten wir Sie, sich auf www.budrich-journals.de/index.php/gender als Autorin oder Autor für die Zeitschrift GENDER anzumelden und Ihr Abstract dort einzureichen und hochzuladen. Die Einladung zur Beitragseinreichung erfolgt im Falle einer positiven Einschätzung bis zum 06. Dezember 2020. Der Abgabetermin des fertigen Beitrags im Umfang von max. 50.000 Zeichen (inkl. aller zusätzl. Angaben, vgl. https://www.gender-zeitschrift.de/fileadmin/media/media-fgf/download/zeitschrift-gender/Richtlinien_fuer_Autor_innen.pdf) ist der 16. Mai 2021. Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein mehrstufiges Review-Verfahren, auf dessen Grundlage die endgültige Auswahl der Beiträge getroffen wird; dabei sind Hinweise zur Überarbeitung eher die Regel als die Ausnahme. Diese werden den Autor_innen von den Herausgeberinnen zurückgemeldet. Im Falle einer hohen Anzahl von positiv begutachteten Beiträgen behält sich die Redaktion vor, eine abschließen-de Auswahl vorzunehmen und ggf. Beiträge in einer späteren Ausgabe zu veröffentlichen.

Über GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft

Das Spektrum der Zeitschrift umfasst gesellschaftliche und kulturelle Themen – sozialpolitische Fragen zu Gleichheit und Gerechtigkeit haben ebenso Platz wie Fragen nach den Inszenierungen und kulturellen Deutungen von Geschlecht. Intendiert ist ein breites Spektrum von Themen und wissenschaftlichen Disziplinen, in denen Geschlechterfragen reflektiert werden. Dem multidisziplinären Charakter der Zeitschrift entsprechend sind sozialwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche, naturwissenschaftliche und andere Analysen willkommen.

Haben Sie noch Fragen? Für inhaltliche Informationen wenden Sie sich bitte an die Herausgeber_innen des Schwerpunktheftes Prof. Dr. Nicola Behrmann (behrmann(at)rutgers(dot)edu), Prof. Dr. Sabine Grenz (sabine.grenz(at)univie.ac(dot)at), Prof. Dr. Martin Lücke (martin.luecke(at)fu-berlin(dot)de), Dr. Heike Mauer (heike.mauer(at)uni-due(dot)de), Dr. Romana Sammern (romana.sammern(at)sbg.ac(dot)at) und Prof. Dr. Maria Wersig (maria.wersig(at)fh-dortmund(dot)de). Für formale Informationen und Fragen zum Publikationsprozess wenden Sie sich bitte an die Redaktion der GENDER (redaktion(at)gender-zeitschrift(dot)de)

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