Technik und Zukunft

Call for Papers der Zeitschrift Technikgeschichte. Deadline: 31. Mai 2020

Die Kooperation der Zeitschrift „Technikgeschichte“ (tg.nomos.de) mit dem „Jahrbuch Technikphilosophie“ (jtphil.nomos.de) widmet sich im Jahr 2021 dem Schwerpunktthema „Zeit“. Die „Technikgeschichte“ ruft in diesem Zusammenhang zur Einreichung von Abstracts für Beiträge zu einem Themenheft mit dem Fokus „Technik und Zukunft“ auf.

Die Erforschung historischer Zukünfte hat in den letzten Jahren in der Geschichtswissenschaft Konjunktur. Der zunächst ungewohnte Plural „Zukünfte“ hat sich dabei etabliert. Er betont, ausgehend von spezifischen historischen Konstellationen, die prinzipielle Offenheit historischer Verlaufsprozesse. Eine dezidierte Fortschreibung dieses Gedankens im Sinne einer kontrafaktischen „was wäre wenn?“-Geschichtsschreibung gilt allerdings weiterhin eher als Gegenstand literarischer oder essayistischer denn als Gegenstand wissenschaftlicher Reflexionen.

In neueren Überblicksdarstellungen historischer Zukunftsdebatten (Radkau 2017) oder der Geschichte der Zukunftsforschung (Seefried 2015, Eberspächer 2019) nehmen technikhistorische Zusammenhänge breiten Raum ein. Darüber hinaus sind historische Zukünfte von Seiten der Technikgeschichte jedoch trotz der zentralen Rolle, die Zukunftsentwürfe technischer Entwicklungen in innovationsorientierten Gesellschaften einnehmen, bislang nicht systematisch erforscht. Zwar befassen sich technikhistorische Studien seit langem mit Zukunftsentwürfen unterschiedlicher Reichweite. Das gilt für die historische Innovationsforschung ebenso wie für Arbeiten zur Geschichte der Science Fiction bzw. „Technology Fiction“ (Fraunholz/Woschech 2012). Eine kohärente Begrifflichkeit oder übergreifende Methodenreflexionen zu zentralen Aspekten des Verhältnisses von Technik und Zukunft haben sich jedoch bislang nicht etabliert. Die Technikgeschichte kann an dieser Stelle an Debatten aus der allgemeinen Geschichtswissenschaft um Zukunftsentwürfe als gesellschaftliche Aushandlungsprozesse ebenso anschließen wie an Fragestellungen der Technikfolgenabschätzung.

Versteht man historische „Technikzukünfte“ als die Arten und Weisen, mittels derer Gesellschaften in unterschiedlichen Medien über zukünftige Technologien kommunizieren, rückt eine große Bandbreite von Untersuchungsebenen in den Blick: über Sprach- und Bildmedien hinaus sind dabei auch die kulturellen Codierungen materieller Objekte und ihres Designs in Rechnung zu stellen. Nicht zuletzt geraten damit auch historische Formen der emotionalen Aufladung des Themas „Technik und Zukunft“ oder unterschiedliche Zeitdimensionen in den Fokus. Geprägt werden solche Technikzukünfte weit über „klassische“ Forschungsgegenstände der historischen Science Fiction hinaus von sehr unterschiedlichen Akteursgruppen in Literatur, Film und Kunst ebenso wie in Marketing und Werbung, in Unternehmen, der Forschungsförderung oder der institutionalisierten Zukunftsforschung.

Doch das Thema „Technik und Zukunft“ umfasst mehr als nur die Strukturen der gesellschaftlichen Kommunikation über zukünftige oder zukunftsweisende Technologien. Zu fragen ist auch nach den konkreten Alternativen historischen Technikeinsatzes ebenso wie nach dem Abgleich historischer Zukunftsentwürfe mit de facto erfolgten Entwicklungspfaden von Technologien – trotz möglicher Fallstricke „retrospektiver Besserwisserei“ (Radkau). Von besonderem Interesse ist damit insgesamt das komplexe Verhältnis zwischen Wahrnehmungsmustern des Verhältnisses von Technik und Zukunft einerseits und konkreten Handlungen der historischen Akteurinnen und Akteure andererseits. Dies gilt für konkrete Innovationspfade in der Produktentwicklung ebenso wie für das Verhalten und die Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer von Technik oder für die mit Technikvisionen einhergehenden Entwürfe zukünftiger Gesellschaftsformen. Damit bietet das Thema zahlreiche interdisziplinäre Bezüge, die wirtschafts- und sozialhistorische ebenso wie kulturhistorische Ansätze umfassen.

In dem skizzierten thematischen Rahmen sind für das Themenheft „Technik und Zukunft“ der „Technikgeschichte“ Beiträge zu historischen Beispielen der „Science Fiction“ bzw. „Technology Fiction“ ebenso willkommen wie solche, die alltagsnähere Aspekte des Themas Technik und Zukunft untersuchen – sei es auf der Ebene der Produktion, sei es auf der Ebene der Nutzung von Technologien wie auch der Kommunikation darüber. Fallstudien aus allen Epochen und zu allen Technologien sind ebenso erwünscht wie methodische und interdisziplinäre Perspektiven.

Vorschläge in Form eines Abstracts (1 DIN A4 Seite) plus Kurz-CV (bitte in einer Datei) für dieses Themenheft bitte bis zum 31. Mai 2020 an schriftleitung.technikgeschichte(at)hi.uni-stuttgart(dot)de senden. Autor/innen, die zur Einreichung eines Beitrags aufgefordert werden, sollten die Manuskripte bis zum 1. Oktober 2020 vorlegen.

Zum Call for Papers (LINK)