Deadline: 15.04.2021

Die Praxis soziologischer Theoriebildung

Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem gemeinsamen Kongress der DGS und ÖGS vom 23. bis 25. August 2021 in Wien, Österreich. Deadline: 15. April 2021

Gesellschaftliche Wandlungsprozesse wie etwa Globalisierung oder Digitalisierung zeitigen normalerweise auch einen Wandel oder Neukonzeption der soziologischen Theorie. Eine der wenigen bereits jetzt klar absehbaren gesellschaftlichen Konsequenzen der Corona-Pandemie dürfte daher eine zum Infektionsgeschehen zeitversetzte, aber mit nicht minder großer Amplitude ausgestattete Welle der erhöhten Theorieproduktion sein. Allerdings weiß die Soziologie nur wenig darüber, wie Theorien hergestellt werden, denn es gibt bisher nur eine spärliche Selbstverständigung über Techniken und Methoden soziologischer Theoriebildung. Zwar hat Richard Swedberg mit seinen Arbeiten zum theorizing eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Praxis der Theoriebildung begonnen, jedoch handelt es sich dabei eher um „Eröffnungszüge“ als um einen Abschluss einer Debatte. Aufgrund seines limitierten Theorieverständnisses beschränkt Swedberg sich auf die Erklärung einzelner, konkret fassbarer Phänomene und bekommt deshalb Sozial- oder Gesellschaftstheorien nicht in den Blick. Soziale Strukturtransformationen, die u.a. durch die SARS-CoV-2-Pandemie ausgelöst wurden, lassen sich in ihrer allgemeinen und (welt-)gesellschaftlichen Bedeutung hingegen nur durch Theorieformen begreifen, die von partikularen Daten abstrahieren. Die Ad-hoc-Gruppe stellt daher die ‚ökumenische‘, für theoretischen Pluralismus offene Praxis der Theoriebildung in den Mittelpunkt. Sie fragt nach den (Produktions-)Bedingungen der Theoriebildung und legt den Fokus auf die Rekonstruktion und Reflexion bestehender oder zu entwickelnder Ansätze des Theoretisierens, die eine Theorie moderner Sozialität unter aktuellen Bedingungen ermöglichen.

Folgende Zusammenhänge und Leitfragen können in Vorträgen adressiert werden:

  • Theorie der Theoriebildung. Inwieweit haben unterschiedliche Theorietypen (z.B. nach Gabriel Abend) Einfluss auf die Art der Theoriebildung? Welche Rolle spielen bestehende Theorien bei der Erstellung neuer Theorien, etwa als Kontrastfolie oder als Ausganspunkt des eigenen Theoretisierens?
  • Reflexion der Theoriepraxis. Welche Heuristiken und Strategien der eigenen Theoriepraxis haben sich bei der Kreation von Theorien bewährt? Basiert Theoretisieren auf einem impliziten knowing how und gibt es insofern eine prinzipielle Grenze der Explizierbarkeit theoretischer Entwicklungsarbeit?
  • Methodologie des Theoretisierens. Welche methodologischen Techniken sind für die Theoriebildung notwendig? Welche Rolle spielen empirische Daten im Prozess des Theoretisierens? Gibt es einen Unterschied zwischen quantitativ oder qualitativ fundierter Theoriebildung?
  • Theoriebildung als kollektive Praxis. Geht man davon aus, dass Theorien nicht mehr von einzelnen (und einsamen) Theoretikern erstellt werden (Luhmann, Habermas etc.), stellt sich die Frage nach den sozialen Bedingungen der Theoriebildung. Gibt es eine Notwendigkeit des kommunikativen Austauschs oder eines Netzwerks für Theoriebildung?

Bitte reichen Sie Vortragsvorschläge von max. 2.400 Zeichen (inkl. Leerzeichen) bis zum 15. April 2021 bei Fabian Anicker (anicker(at)wwu.de) und André Armbruster (andre.armbruster(at)uni-due.de) ein.

Zum Call for Papers (PDF)