Deadline: 01.12.2021

Die Rückkehr des starken Mannes? Antidemokratische Dynamiken unter Beobachtung

Call for Papers für eine Ausgabe des Soziologiemagazins. Deadline: 1. Dezember 2021

Bereits 2006 hat Ralf Dahrendorf den Beginn des 21. Jahrhunderts als „Zeit des neuen Autoritarismus“ bezeichnet – lange vor dem „langen Sommer der Flucht“ 2015 oder den jüngsten antiliberalen Zuspitzungen während der Coronapandemie. Die Abwahl Donald Trumps überzeugte die wenigsten Beobachter*innen, dass globale antidemokratische Dynamiken gebannt wären. Der ungebrochene Aufstieg antidemokratischer und faschistischer Parteien, Initiativen und anderer Gruppierungen zeigt, dass auch Trump nur ein Symptom eines tieferliegenden Problems war. Politik, Zivilgesellschaft und allen voran die Sozialwissenschaften beobachten seit Längerem autoritäre Tendenzen in Europa und der Welt sowie zunehmend gezielte Angriffe von antiliberalen Parteien auf demokratische Systeme, die diese mit deren eigenen Mitteln zu demontieren suchen. Antidemokratische Bewegungen schaffen es, politische und gesellschaftliche Krisen wie auch Globalisierungsphänomene für sich zu instrumentalisieren und zunehmend Teile der Bevölkerung hinter sich zu vereinen. In Internetforen und auf Social Media-Kanälen – allen voran Twitter, Reddit und 4Chan als digitale Sphären der Radikalisierung – wird gegen LGBTQI+, Feminismus, Gläubige des Judentums oder des Islams sowie gegen beliebig austauschbare Minderheiten mobilisiert. Dort werden Themen auf die neurechte Agenda gesetzt, auf die realpolitische Forderungen der parlamentarischen Rechten folgen: Anti- Feminismus, Ethnonationalismus und Rassismus. In Ungarn, Polen, Belarus, Aserbaidschan, Russland, Brasilien und auch in Österreich zeigen sich diese antidemokratischen Dynamiken besonders eindrücklich: Angriffe auf die Gewaltenteilung, Untergrabung der unabhängigen Medienlandschaft, Einschränkungen des Rechtssystems und Nepotismus stehen immer öfter auf der Tagesordnung.

Als Ursachen für soziale Dominanzorientierungen und die Akzeptanz autoritärer Gebärden identifizieren Soziolog*innen vor allem wirtschaftliche Deprivation, politische Ohnmacht und den Legitimitätsverlust etablierter Institutionen. Das so entstandene Bedeutungs-Vakuum fülle derzeit vor allem die (Neue) Rechte. Welche autoritären Synergien und Dynamiken lassen sich im politischen, (zivil-)gesellschaftlichen oder auch künstlerischen System ausfindig machen? Wie lassen sich sowohl theoretisch als auch methodologisch Phänomene wie autoritäre Tendenzen in den Sozialen Medien fassen und wie beeinflussen sie den gesellschaftlichen Diskurs? Inwiefern spielen intersektionale Aspekte bei der Analyse des (neuen) Faschismus eine Rolle und was zeichnet diesen aus? Welche kulturellen Parallelen existieren zu historischen Autoritarismen? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen Nationalstaaten? Wer sind die treibenden Kräfte hinter diesen antidemokratischen Dynamiken und wer leistet Widerstand in Politik, Gesellschaft und Kultur? Das alles wollen wir von euch wissen! Schickt uns eure Texte zu diesen und weiteren Fragen bis zum 1. Dezember 2021 an einsendungen[at]soziologiemagazin.de. Wir freuen uns auf eure Einsendungen! Hilfestellungen zum Verfassen von Artikeln erhaltet ihr auf unserem Blog unter „Hinweise für Autor*innen“. Das Soziologiemagazin legt Wert auf Chancengleichheit und Diversität. Wir ermutigen daher insbesondere Frauen* und Personen, die einer in der Nachwuchswissenschaft unterrepräsentierten Gruppe zugehörig sind, zu einer Einsendung. Für Fragen zum Thema Gleichstellung und zu unserer Positionierung stehen euch auch unsere Ansprechpersonen für Gleichstellungsfragen (gleichstellung[at]soziologiemagazin.de) zur Verfügung.

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