Deadline: 15.12.2021

Geschlecht – Gewalt – Global. Gewalt im Zentrum weltweiter Angriffe auf Frauen- und Geschlechterrechte

Call for Abstracts für ein Themenheft der Femina Politica. Deadline: 15. Dezember 2021

Physische, psychische und strukturelle Gewalt fungieren weltweit nicht nur als zentrale Komponenten der Aufrechterhaltung von Geschlechterhierarchien und -ungleichheit. Gewaltverhältnisse sind auch Ausdruck weltweit beobachtbarer Angriffe auf Frauen- und Geschlechterrechte. Die gegenwärtig zunehmende Infragestellung, Verhinderung und Begrenzung des Zugangs zu Rechten ist also gleichzeitig Spiegel und Indikator vergeschlechtlichter Gewalt. Die verschiedenen Formen sexualisierter und vergeschlechtlichter Gewalt sind dabei in unterschiedlichen lokalen Kontexten weltweit jeweils auf eigene Weise miteinander verzahnt; in der Folge wirken sie auf sehr verschiedene Weise ineinander, und zwar jenseits staatlicher Gleichheitsgebote und Diskriminierungsverbote. Zwar sind alle Staaten durch die internationalen Menschenrechtsabkommen und die Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung von Frauen (UN-Frauenrechtskonvention CEDAW) dazu verpflichtet, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen, und 45 Staaten haben die Istanbul-Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt unterzeichnet. Allerdings hat dies trotz der Einbeziehung unterschiedlicher Gewaltdimensionen bisher nicht zu einem Rückgang geschlechtsbezogener Gewalt geführt. Auch wenn direkte Formen von Gewalt gegen Frauen in vielen Ländern strafrechtlich verfolgt werden, bleiben Formen struktureller Gewalt, die systematisch eine erhöhte Unsicherheit und Verletzbarkeit von Frauen – verstanden als intersektionale Kategorie – produzieren, ebenso wie Gewalt gegen LGBTIQ* weitestgehend unsichtbar.

Inwiefern geschlechtliche Gewalt zu einem zentralen Baustein und Spiegel weltweiter Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten geworden ist, zeigen offen provokante Aktionen wie der Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention zur Eliminierung von Gewalt gegen Frauen oder jüngst das Anti-LGBTQ-Gesetz der ungarischen Regierung und die massive Verschärfung des Abtreibungsgesetzes in Texas. Die Zunahme gewaltvoller Verhältnisse schließt also Konflikte und Debatten um Abtreibungsrechte, sexuelle Gewalt und Missbrauch oder um die Ehe für alle, die sogenannte sexuelle ,Früherziehung‘ und Angriffe gegenüber Feminist*innen, Gleichstellungsakteur*innen und Gender Studies ein. Damit verbunden sind bekannte, teils als überwunden geglaubte Dimensionen struktureller und anderer Formen von Gewalt, die z.B. Landrechte, Familienrechte, Migrations- und Grenzregime oder auch Human Trafficking betreffen. Gewalt äußert sich dabei nicht nur auf struktureller, sondern auch auf soziokultureller, symbolischer und institutioneller Ebene, und nicht zuletzt auch in unterschiedlichsten Feldern sozialen Lebens, wie bspw. auf politischer, rechtlicher, religiöser, ökonomischer oder auch auf wissenschaftlicher Ebene.

In dem geplanten Schwerpunktheft der Femina Politica sollen diejenigen Konstellationen, Mechanismen, Strukturen und Praktiken analysiert werden, durch die Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Kontexten weltweit jeweils zu Gewaltverhältnissen werden und auf diese Weise Frauen- und Geschlechterrechte unterminieren. Entsprechend sollen Beiträge versammelt werden, die sich mit Gewaltverhältnissen als Ausdruck der Anfechtung von Geschlechterrechten auseinandersetzen. Damit zielt das Heft darauf ab, unterschiedlichste Formen und Facetten physischer, psychischer, epistemischer, spiritueller und struktureller Gewalt in globaler Perspektive aufzufächern. Durch die Berücksichtigung des Zusammenwirkens lokaler und globaler Dynamiken, sowie von weltweiten Verflechtungen und Asymmetrien, die im Hintergrund nationaler und lokaler Debatten stehen, wird der Fokus auf Gewaltverhältnisse als Ausdruck der Anfechtung von Frauen- und Geschlechterrechten erweitert.

Von besonderem Interesse sind Beiträge zu folgenden Themenbereichen und Fragestellungen:

  • Welche Funktion nimmt Gewalt in unterschiedlichen Kontexten weltweit ein? Welche strukturellen Ursachen liegen Gewaltverhältnissen jeweils zugrunde, und wie werden sie gesellschaftlich jeweils bearbeitet oder auch legitimiert?
  • Wie gehen Polizei, aber auch Legislative und Judikative oder andere staatliche Institutionen mit geschlechterbezogener Gewalt um? Welche Maßnahmen haben einzelne Staaten oder Organisationen ergriffen, um Gewalt und sexuellen Missbrauch zu verhindern?
  • Wie sind lokale Gewaltverhältnisse in globale Dynamiken, Asymmetrien und Interdependenzen ökonomischer, politischer oder auch rechtlicher Art eingebettet?
  • Welche Rolle spielt vergeschlechtlichte Gewalt weltweit in Transformations-, Kriegs- und Konfliktsituationen? Wie zeigt sich Gewalt gegen Frauen* und LGB-TIQ* in Migrations- und Asylregimen?
  • Wie wird ,häusliche‘ Gewalt in der Öffentlichkeit diskutiert, dokumentiert und geahndet? Lassen sich im Zeitverlauf Verschiebungen oder auch globale Unterschiede identifizieren? Welche (öffentliche) Resonanz erfahren mit Blick auf internationale Arbeitsmigration Formen häufig unsichtbar gemachter Gewalt gegen Frauen*, z.B. in ,Live-in‘-Arbeitsverhältnissen?
  • Wie lässt sich geschlechtliche Gewalt in religiösen Kontexten wie beispielsweise in den Kirchen verstehen und einordnen?
  • Inwiefern fungiert misogyner und antifeministischer Hate-Speech im Netz als Instrument zur Mobilisierung rechter Bündnisse? Inwiefern ist Misogynie mit Rassismus verknüpft? Lassen sich Gegenbewegungen beobachten?
  • Wie sind feministische Gegenbewegungen weltweit (z.B. #metoo, ni una menos oder Proteste im Rahmen des arabischen Frühlings) zu verstehen und inwiefern trägt ihr Engagement zu einem vertieften Verständnis von Gewaltverhältnissen als Ausdruck der Unterminierung und Abwehr von Rechten bei?

Abstracts und Kontakt

Der Schwerpunkt wird inhaltlich von Julia Roth, Alexandra Scheele und Heidemarie Winkel betreut. Wir bitten um ein- bis zweiseitige Abstracts bis zum 30. November 2021 an julia.roth(at)uni-bielefeld.de, alexandra.scheele(at)uni-bielefeld.de, heidemarie.winkel(at)uni-bielefeld.de oder redaktion(at)femina-politica.de. Die Femina Politica versteht sich als feministische Fachzeitschrift und fördert wissenschaftliche Arbeiten von Frauen* in und außerhalb der Hochschule. Deshalb werden inhaltlich qualifizierte Abstracts von Frauen* bevorzugt.

Abgabetermin der Beiträge

Die Schwerpunktverantwortlichen laden auf der Basis der eingereichten Abstracts bis zum 15. Dezember 2021 zur Einreichung von Beiträgen ein. Der Abgabetermin für die fertigen, anonymisierten Beiträge im Umfang von 35.000 bis max. 40.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten und Literatur) ist der 15. März 2022. Die Angaben zu den Autor*innen dürfen ausschließlich auf dem Titelblatt erfolgen. Alle Manuskripte unterliegen einem Double Blind Peer-Review-Verfahren. Pro Beitrag gibt es ein externes Gutachten (Double Blind) und ein internes Gutachten durch ein Redaktionsmitglied aus dem Herausgeberinnenteam. Ggf. kann ein drittes Gutachten eingeholt werden. Die Rückmeldung der Gutachten erfolgt bis spätestens 15. Mai 2022. Die endgültige Entscheidung über die Veröffentlichung des Beitrags wird durch die Redaktion auf Basis der Gutachten getroffen. Der Abgabetermin für die Endfassung des Beitrags ist der 15. Juli 2022.

Femina Politica

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