Deadline: 30.04.2026
Institutionalisiert oder im Verschwinden? Analysen zur aktuellen Lage und zur Zukunft der Klimaschutzbewegung
Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem 43. Kongress der DGS vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mainz. Deadline: 30. April 2026
Im letzten Jahrzehnt hat die Klimaschutzbewegung national sowie international einen rasanten Aufstieg erlebt. Die Fridays-for-Future (FFF) Proteste sowie die globalen Klimastreiks mobilisierten Personen und auch Organisationen in einem bislang ungekannten Ausmaß und prägten politische Entscheidungen, gesellschaftliche Diskurse sowie individuelle Einstellungen in hohem Maße (Buzogány und Scherhaufer 2023; Haunss und Sommer 2020; Laux 2021; Pollex und Soßdorf 2023; Wahlström et al. 2019). Parallel zu den „klassischen“ Protestformen von FFF haben Gruppen wie „Extinction Rebellion“ oder die „Letzte Generation“ neue und durchaus radikalere Formen des zivilen Ungehorsams erprobt und kontroverse Debatten über Legitimität von Maßnahmen zum Schutz des Klimas ausgelöst. Hierbei ist unklar, ob und ggf. wie diese radikaleren Protestformen auf die eher in der gesellschaftlichen Mitte verankerte Klimaschutzbewegung zurückgewirkt haben.
Zu beobachten ist, dass die anfangs große Mobilisierungskraft der Bewegung seit 2022 deutlich zurückgegangen, nicht zuletzt befördert durch die COVID-19-Pandemie (Laux 2023, 497). Trotz der nach wie vor relativ großer Mobilisierungserfolge ist die Klimaschutzbewegung jedoch aus öffentlichen und politischen Debatten nahezu verschwunden, was zu Diagnosen führt, die eine Phase der Stagnation, Fragmentierung oder gar des Bedeutungsverlusts konstatieren. Während klimapolitische Zielsetzungen zum Teil institutionell verankert werden – etwa durch Klimaschutzgesetze, Nachhaltigkeitsstrategien oder die Integration in Parteiprogramme –, stellt sich die Frage, wie die Organisation der Bewegung, ihre Ziele und ihre Strategien sich entwickelt haben und entwickeln werden. Oder: Befindet sich die Klimaschutzbewegung gerade aufgrund ihrer Erfolge im Niedergang und droht ihr das Verschwinden aus dem öffentlichen Fokus?
Zugleich ist festzustellen, dass autoritäre, rechtspopulistische und rechtsextreme politische Akteure immer stärker gegen Klima- und Umweltschutz agieren, die Klimaschutzbewegung direkt angreifen und deren Erfolge zunichtemachen wollen (Weisskircher und Volk 2025). Die Klimaschutzbewegung und ihre Ziele stehen damit im Zentrum von Polarisierungsprozessen, die eine Vielzahl von Demokratien gegenwärtig kennzeichnen (Mau et al. 2023, 205–243). Verstärkt werden die Polarisierungstendenzen um die Klimaschutzbewegung etwa dadurch, dass sie räumlich, sozial und politisch nicht alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen repräsentiert und ihre Forderungen deshalb viele Bedürfnisse und Ansprüche nicht beachten (Blühdorn 2024; Daniel 2025; Daniel und Dannecker 2024; Laux 2023).
Die geplante Ad-hoc-Gruppe möchte diese Spannungen ausloten.
Mögliche Leitfragen sind unter anderem:
- Was kennzeichnet die Institutionalisierung der Klimaschutzbewegung (z. B. hinsichtlich von Kooperationen mit Parteien, NGOs, staatlichen Akteuren) und ihre Organisationsformen, Strategien und Selbstverständnisse der Bewegung in den letzten Jahren?
- Welche Folgen haben gesellschaftliche Konflikte und die diskursive Delegitimierung für Mobilisierungspotenziale und interne Kohäsion?
- Wie entwickeln sich Aktionsrepertoires zwischen Protest, zivilem Ungehorsam und professioneller Lobbyarbeit?
- Welche Rolle spielen Generation, Klasse, Geschlecht, Migration oder globale Ungleichheiten in der Zusammensetzung und Repräsentation der Bewegung?
- Lassen sich Prozesse der „Bewegungserschöpfung“ empirisch nachweisen – oder handelt es sich um zyklische Transformationen sozialer Bewegungen?
- Entstehen neue Allianzen, etwa mit Gewerkschaften, bäuerlichen Initiativen oder globalen Süd-Bewegungen – und mit welchen Spannungen sind diese verbunden?
- Wie beeinflussen geopolitische Krisen, ökonomische Unsicherheiten und gesellschaftliche Polarisierung die Handlungsbedingungen klimapolitischer Akteure?
Willkommen sind theoretisch sowie empirisch fundierte Beiträge. Besonders erwünscht sind räumlich bzw. zeitlich vergleichende Perspektiven. Das Ziel der Ad-hoc-Gruppe ist es, eine differenzierte Bestandsaufnahme vorzunehmen und Perspektiven für die zukünftige Erforschung der Klimaschutzbewegung zu entwickeln – zwischen Institutionalisierung, Radikalisierung und möglichem Bedeutungsverlust.
Ich bitte um die Einreichung von Abstracts (maximal eine Seite) bis zum 30.04.2026 an: thomas.laux(at)phil.tu-chemnitz.de
Organisation:
Thomas Laux (TU Chemnitz)
Cal for Papers (PDF)