Deadline: 15.04.2021

"Mehr Gleichheit wagen"? Zu den Auswirkungen der Coronakrise auf Ungleichheitssoziologie, Sozialpolitik und Soziale Arbeit

Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem gemeinsamen Kongress der DGS und ÖGS vom 23. bis 25. August 2021 in Wien, Österreich. Deadline: 15. April 2021

Organisatorin: Prof. Dr. Nadine Schöneck-Voß (Hochschule Niederrhein)

Schon in der ›Prä-Corona-Gesellschaft‹ stellte wirtschaftliche Ungleichheit eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Um besonders unterstützungsbedürftige Individuen kümmern sich seit langem Akteur*innen des Sozialwesens, allen voran Sozialarbeiter*innen. Sie betreuen, begleiten und beraten Klient*innen, die sich häufig in multipel deprivierten Lebenslagen befinden. Durch die Coronakrise hat sich die sozioökonomische Lage dieser Klientel – darauf wird in zunehmendem Maß aufmerksam gemacht – nochmals verschlechtert. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie wirken sich die Coronakrise und die mit ihr einhergehende Verschärfung der Probleme »im Kellergeschoss der Gesellschaft« (Butterwegge in einem Interview im Frühjahr 2020) aus auf: (1) die Wahrnehmungs- und Deutungsschemata der Ungleichheitssoziologie; (2) die Programmatik der Sozialpolitik; (3) die Handlungslogiken jener, die über konkrete Individualfälle entscheiden müssen?

Für die ›Prä-Corona-Gesellschaft‹ ließen sich zur generellen Erklärung der Entstehung von Ungleichheit unter den Menschen wie auch zur Bewertung von Wohlfahrtsansprüchen (»welfare deservingness«) vier Faktoren heranziehen. Sie werden – etwas holzschnittartig – durch die folgenden Individuen (A bis D), alle arbeitslos und Sozialleistungsempfänger*innen, abgebildet: A hatte schlechte Startbedingungen. B verfügt über keine marktfähigen Talente. C hat im Leben viel Pech gehabt. D vereinigt alles Vorgenannte auf sich, unternimmt aber alle Anstrengungen, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen.

Theoretische und/oder empirische Arbeiten aus einem breiten Spektrum sozialwissenschaftlicher Disziplinen (z.B. Soziologie, Sozialpolitik, Politikwissenschaft und Soziale Arbeit) sind willkommen. Mögliche zu behandelnde Fragen umfassen:

  • Anknüpfend an die oben skizzierte Heuristik: Welche Priorisierung kam den einzelnen Faktoren bei der Erklärung von Ungleichheit und/oder der Bewertung von Wohlfahrtsansprüchen in der ›Prä-Corona-Gesellschaft‹ zu – und welche Verschiebungen lassen sich gegenwärtig beobachten bzw. für die ›Post-Corona-Gesellschaft‹ prognostizieren? Gibt es Unterschiede zwischen Soziologie, Sozialpolitik und Sozialer Arbeit? Falls ja: welche?
  • Ist angesichts der Coronakrise über die drei genannten Disziplinen hinausgehend ein diskursiver Wandel – etwa im Sinne eines ›Mehr Gleichheit wagen!‹ – diagnostizierbar? Welche kontroversen Diskurse sind im Entstehen?
  • Wenn die Coronakrise als Kollektivschicksal aufgefasst werden kann – wie verhält es sich zu den Mikroschicksalen der Individuen?
  • Insbesondere an Praktiker*innen gerichtet: Inwiefern besteht die Gefahr eines Missbrauchs der Coronakrise, indem sie als ›Persilschein‹ für alle möglichen individuellen Lageverschlechterungen dient?

Weitere Fragestellungen im Rahmen der vorliegenden Thematik sind selbstverständlich denkbar.

Für diese Ad-hoc-Gruppe sind vier Vorträge à 15 bis 20 Minuten (zzgl. kurzer, an den jeweiligen Vortrag anschließender Diskussionen) vorgesehen. Alle Vortragsslots sind noch zu besetzen. Interessierte melden sich bitte mit einem aussagekräftigen Beitragsvorschlag (Vortragstitel und Abstract) im Umfang von max. 2.400 Zeichen (inkl. Leerzeichen) bis zum 15. April 2021 per E-Mail bei der Organisatorin dieser Ad-hoc-Gruppe: nadine.schoeneck-voss(at)hs-niederrhein.de

Zum Call for Papers (Pdf)