Deadline: 31.03.2022

Neue Polarisierungen auf alten Pfaden? Alters­diffe­ren­zie­rungen und Altersdiskriminierungen

Call for Papers für ein Plenum auf dem DGS-Kongress vom 26. bis 30. September 2022 an der Universität Bielefeld. Deadline: 31. März 2022

Differenzierungen nach Alter gehören zu den wohl ältesten gesell­schaft­li­chen Praktiken der Unterscheidung und damit verbundener kollektiver Zu­wei­sung von Rechten, Pflichten, Verhaltensregeln, sozialem Status usw., weit­­­gehend unabhängig von individuellen Kompetenzen, Handlungen oder Merk­malen. Selbst die Diskurse im Kontext der Bewältigung der Pandemie zeigen deutliche (und kontrastierende) Tendenzen von Polarisierungen und auch Diskriminierung nach Alter: etwa bei der Bevorzugung älterer Men­schen bei der Impfung und ihrer (möglichen) Benachteiligung im Falle knapper Ressourcen (Stichwort ›Triage‹) oder aber bei der Verhandlung und Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen. Insbesondere in Diskursen zur Zukunft der Ge­sell­schaft sind Differenzierungen nach Alter vermutlich allein schon auf­grund der typischerweise identischen Messung von menschlichem Alter und his­torischer Zeit naheliegend – aktuell etwa im Kontext von Fridays for Fu­ture (Stichworte ›Klimawandel‹ und ›ökologische Nachhaltigkeit‹). Die ak­tuellen Debatten verweisen dabei auf längerfristige Diskursstränge, in den genannten Beispielen etwa zu den ›Grenzen des Wachstums‹ bzw. der ›Ge­­nerationengerechtigkeit‹, der Zukunft der Sorgepraxen über alle Le­bens­­phasen hinweg (Stichwort ›Care-Krise‹) oder auch der Alterssicherung (Stich­wort ›aktives Altern‹). Sie verbinden aber gängige Diskurse so mit ak­tuel­­len Problemlagen, dass daraus auch neue am Alter ansetzende Iden­ti­täten und Polarisierungen entstehen, die gesellschaftliche Reaktionen und Lö­­­sungen erfordern.

Das Plenum rückt vor diesem Hintergrund Polarisierungen entlang des Al­ters in den Mittelpunkt, wobei unter anderem folgende Fragen auf­ge­wor­fen und diskutiert werden sollen:

  • Welche Ungleichheiten zwischen Altersgruppen und Geburtskohorten und welche Spannungen in den Generationenverhältnissen lassen sich der­­zeit ausmachen?
  • Wo, wie und durch welche Gruppierungen werden Polarisierungen ent­lang des Alters konstruiert, verhandelt, bearbeitet und mitunter auch ge­zielt stilisiert oder aufgelöst?
  • Welche Positionierungen, Handlungsräume, biographische Orien­tie­run­gen und Verläufe werden dabei für welche Individuen und Gruppen eröff­net und/oder verschlossen?
  • Welche methodischen Zugriffe ermöglichen belastbare Befunde zu je­weils aktuellen Polarisierungen von Jung und Alt?
  • Wie wirken Problemstellungen auf der Makroebene (zum Beispiel in So­zial­politik, Wirtschaft, Recht) auf die Polarisierungen zwischen den Al­ters­­gruppen auf der Mikroebene?
  • Inwieweit kann die Integrität der Generationenbeziehungen in alters­hete­ro­genen Kontexten zur Abmilderung potenzieller Genera­tio­nen­kon­flikte auf der Makroebene beitragen?

Ausrichtende Sektionen:            

  • Alter(n) und Gesellschaft
  • Familiensoziologie
  • Jugendsoziologie
    Soziale In­di­­ka­toren
  • Soziologie der Kindheit

Jury:

Die sechs Plenarveranstaltungen finden am Dienstag, den 27. September 2022 und Donnerstag, den 29. September 2022 von 9:00 bis 11:45 Uhr statt, jeweils drei pro Tag parallel. Über die konkrete Verteilung der Veranstaltungen auf die beiden Termine wird voraussichtlich im Juni 2022 entschieden. Bitte senden Sie Ihr Exposé zur Bewerbung um einen Plenarvortrag (max. 5.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis zum 31. März 2022 an beide jeweils genannten Juror:innen. Von den zwei Vorträgen, die auf dem Kongress von einer Person gehalten werden können, darf höchstens einer ein Plenarvortrag sein. Pro Plenum sind insgesamt vier Vorträge zugelassen.

CfP (PDF)