Deadline: 15.04.2021

Pandemie der Expertise? Prozesse der Wissensbewertung in der (Post-)Corona-Gesellschaft

Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem gemeinsamen Kongress der DGS und ÖGS vom 23. bis 25. August 2021 in Wien, Österreich. Deadline: 15. April 2021

Pandemien sind gesundheitliche sowie Wissenskrisen – eine Herausforderung für das Alltagsleben wie auch für Expert*innen. Entkoppelt von etablierten Professionalisierungspfaden (Pfadenhauer 2000) avancierte Expert*innenwissen während der Corona-Pandemie zum zentralen Schauplatz von um- wie abgrenzenden Definitionen, Klassifikationen und Deutungsmustern, d.h. von Prozessen der Wissensbewertung.  

In der „(Post)-Corona-Gesellschaft“ wird die forcierte Offenheit und Dynamik dieser Bewertungsprozesse deutlich: Wie und welches Wissen als Expert*innenwissen angenommen, handlungspraktisch relevant und begründet wird, hängt von einer Pluralität von (agonal angelegten) evaluativen Referenzen und Argumentationsstrategien ab. Letztere verweisen ihrerseits auf komplexe Phänomene u.a. der Ablösung von Expert*innen- durch Lai*innenwissen in pragmatischen Hybridformen (bspw. als „medizinische Laienexpert*innen“), der Konkretisierung alternativer Wissensformen („postfaktisches“ oder „Parawissen“) oder der (De)Legitimierung von hetero- wie orthodoxen Wissensbeständen (z.B. durch Immunisierungs- und Diffamierungsstrategien). Durch die Pandemie vorangetriebene Aushandlungs- und Bewertungsprozesse von Expertise innerhalb von, zwischen (z.B. Politik, Wirtschaft) wie auch quer zu (z.B. Virologie, Epidemiologie, Immunologie) gesonderten Wissensbereichen vermitteln das Bild einer inflationären Vervielfältigung von Expertise bei einer gleichzeitigen Diagnose seiner (vermeintlichen) epistemischen Vorläufigkeit und Prekarität. Mit der Corona-Pandemie rücken so Pluralisierungen und Fragmentierungen von Wissenstypologien in den Fokus, die auf wissenssoziologische Herausforderungen für die Konzeptionierung von basalen Modi der Wissenskonstitution, -etablierung und -legitimierung aufmerksam machen.

Erbeten werden konzeptionell vergleichende Vorträge, die (inter-)nationale Debatten mit folgenden Schwerpunkten berücksichtigen:

  • Wie wurden/werden Expertisen während der Corona-Pandemie ausgehandelt? Welche Wissenstypen – bspw. wissenschaftliches Wissen, Verschwörungsnarrative, Fake-News – lassen sich dabei empirisch identifizieren und welche Legitimierungen und Bewertungen erfahren sie?
  • Welche Akteursgruppen gelten angesichts der Pandemie als Experten? Welche Abgrenzungslogiken – i. S. von symbolischen Grenzziehungsprozessen – lassen sich dabei beobachten und wie werden diese performativ zum Ausdruck gebracht?
  • Welche Auswirkungen hat eine pandemiespezifische Expertise auf die politischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Akteure bzw. welche Maßnahmen werden dadurch begründet und initiiert?
  • Welche methodologischen Grundannahmen werden im Fall der Expertise während der Pandemie mobilisiert?
  • Welche erkenntnistheoretischen Konsequenzen lassen sich mit Blick auf Wahrheitsverständnisse und -ansprüche sowie die Historizität sozialer Phänomene beobachten?

Die Ad-hoc-Gruppe wird als Sitzung geplant, die aus vier Einzelbeiträgen à 20 Minuten besteht. Bitte senden Sie Ihre Abstracts im Umfang von max. 2400 Zeichen (inkl. Leerzeichen) bis zum 15. April 2021 anklimasch(at)uni-trier.de sowie nicolae(at)uni-trier.de. Weitere Informationen zur Beitragseinreichung finden Sie auf der offiziellen Kongresswebsite.

Sebastian Klimasch / Stefan Nicolae (Universität Trier)

Zum Call for Papers (Link)