Sicherheit in der Krise

Eine Reihe aus dem Sonderforschungsbereich "Dynamiken der Sicherheit" in Kooperation mit "Soziopolis"

Heute veröffentlichen wir vier weitere Texte, die unter verschiedenen Hinsichten einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus werfen: Kevin Hall untersucht die Effektivität von Frühwarnsystemen, die von allen Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation mittlerweile eingesetzt und betrieben werden (müssen). Dafür vergleicht er den SARS-Ausbruch 2002/2003 mit der derzeitigen SARS-CoV2-Pandemie. Anne Menzel interessiert sich eher nicht für Prävention, aber für eine andere Variante des Umgangs mit Ungewissheit. Sie stellt Verschwörungstheorien, wie sie gegenwärtig in OECD-Welten zirkulieren, den Gerüchten und Behauptungen gegenüber, die während der Ebola-Krise in Westafrika gestreut wurden. Nicht von Gerüchten und Verschwörungstheorien, sondern vom Zusammenspiel zwischen szientifischer Rhetorik und politischer Disziplinierung ist im Beitrag von Dimitris Soudias die Rede, der den Umgang der Athener Regierung mit der Corona-Krise in Griechenland analysiert. Und eine ganz eigene, eher ungewöhnliche, für die Soziologie herausfordende Frage beschäftigt Swen Schopfer: Er fragt, wie Quarantäne eigentlich in bereits geschlossenen Institutionen funktioniert, und untersucht dafür die Praxis des Schweizer Justizvollzugs in Zeiten der Pandemie. Ihn beschäftigt, anders gesagt, wie Gefängnisse das „Draußen“ draußen halten?

Mit dieser letzten Kollektion an pointierten Stellungnahmen zum Zusammenhang von Versicherheitlichung und Pandemie schließen wir unsere Serie – jedenfalls vorläufig. Also haben wir guten Grund, uns bei allen Autor*innen für ihre instruktiven Beiträge und die fabelhafte Zusammenarbeit zu bedanken. Unser besonderer Dank muss allerdings den beiden Herausgebern der Reihe gelten: Sven Opitz und Thorsten Bonacker haben sich mit der Idee zu diesem gemeinsamen Projekt bei uns zu einem Zeitpunkt gemeldet, als noch völlig unabsehbar war, wie sich die Pandemie, der gesellschaftliche Umgang mit dem Virus und die sozialwissenschaftliche Beobachtung etwaiger Folgen und Veränderungen entwickeln würden. Im Rückblick auf die redaktionellen Kooperation und die insgesamt 18 geschichts- und sozialwissenschaftliche Essays, die aus ihr hervorgegangen sind, können wir nur festhalten, dass die beiden nicht nur eine wirklich gute Idee hatten, sondern auch diejenigen Leute kannten, mit denen man sie umsetzen konnte. Dass Akademiker*innen gute Gedanken – wenn es unbedingt sein muss – auch schnell aufschreiben können, war für uns als Redaktion die schönste Überraschung. Auch für diese kostbare Erfahrung haben wir Sven und Thorsten zu danken.

Jetzt bleibt uns nur zu wünschen, dass auch die Lektüre der vier letzten Texte aufschlussreich sein möge. Eine Auflistung aller Beiträge, die wir auf Soziopolis veröffentlicht haben, sowie die einleitende Hinführung zu den Themen, die traktiert werden sollten, finden Sie hier.

Die Redaktion