Dirk Kaesler | Essay |

Für eine wissenschaftliche Soziologie braucht es einen Klassikerkanon!

Meine Rolle in unserer Diskussion ist eindeutig. Als Herausgeber einer zum Standard gewordenen Sammlung von Klassikerporträts, die einen kanonischen Anspruch erhebt, wäre es verwunderlich, wenn ich eine andere Position vertreten würde: Ich plädiere für einen unverzichtbaren Klassikerkanon für die wissenschaftliche Soziologie!

Soziologische Prägungen

Als ich im Wintersemester 1965/66 das Studium an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München aufnahm, belegte ich die Fächer Soziologie und Politische Wissenschaft. Geprägt durch den spannenden Schulunterricht im Fach „Sozialkunde“, wollte ich mich beschäftigen mit politischen Kämpfen, politischen Prozessen, gesellschaftlichen Konflikten. Und ich wollte nicht nur darüber debattieren, sondern sie verstehen.

Doch gleich mit Studienbeginn fingen die Ent-Täuschungen an: Alle jene Themen, die im Schulunterricht behandelt worden waren und mein Interesse geweckt hatten, spielten in den ersten Semestern kaum eine Rolle. Das lag am Lehrprogramm der Fachvertreter. Sowohl die Soziologie als auch die Politische Wissenschaft waren zu jener Zeit spiegelbildlich besetzt: jeweils zwei Lehrstühle, jeweils zwei Männer, jeweils ein Alter und ein Junger.

In der Soziologie hieß der Alte Emerich K. Francis – über den ich erst sehr viel später erfuhr, dass er ursprünglich Emerich Franzis hieß und ein in der Wolle gefärbter Deutschnationaler aus dem böhmischen Gablonz war, bevor er über sehr eigentümliche Stationen in Kanada und den USA schließlich 1958 auf den Lehrstuhl in München gelangte. Der Junge hieß Karl Martin Bolte, vertrat bei meinem Studienbeginn erst seit einem Jahr das Fach Soziologie an der LMU und war ein Schüler des Kieler Bevölkerungswissenschaftlers Gerhard Mackenroth.

In der Politischen Wissenschaft hieß der Alte Eric Voegelin – über den ich erst sehr viel später erfuhr, dass er als Erich Hermann Wilhelm Vögelin in Köln geboren war und im Jahr 1933 die Bücher Rasse und Staat und Die Rassenidee in der Geistesgeschichte veröffentlicht hatte,[1] bevor er nach diversen Stationen an US-amerikanischen Universitäten ebenfalls 1958 auf den ersten Lehrstuhl für Politische Wissenschaft an der LMU berufen wurde. Der Junge, der gerade erst drei Jahre vor meinem Studienbeginn seinen Ruf nach München erhalten hatte, hieß Hans Maier und war ein Schüler des Freiburger Politikwissenschaftlers Arnold Bergstraesser.

Ungeachtet der Tatsache, dass sich in beiden Fällen der Alte in seinen Lehrveranstaltungen abfällig, ja verächtlich über den Jungen äußerte und vor dem Besuch von dessen Vorlesungen und Seminaren warnte – bei Voegelin gab es sogar ein informell ausgesprochenes Verbot, zu Hans Maier zu gehen –, besuchte ich selbstverständlich alle Veranstaltungen dieser vier Professoren.

Vor allem in der Soziologie befriedigten die Lehrveranstaltungen nicht meinen Hunger nach intellektueller Herausforderung: Bei Francis ging es um Volk, Nation und soziale Minderheiten, die Namen, die oft fielen, lauteten Ludwig Gumplowicz und Gustav Ratzenhofer. Bei Bolte ging es um soziale Schichtung und soziale Mobilität, die häufig genannten Namen lauteten Talcott Parsons, Robert K. Merton und William J. Goode. Das war alles einigermaßen interessant, aber nicht sonderlich aufregend. Bei Bolte wurden keine deutschen Soziologen erwähnt, allenfalls Karl Marx. Mir fehlte etwas.

Die Situation änderte sich, als ich im Wintersemester 1966/67, meinem dritten Studiensemester, das Proseminar eines „Honorarprofessors“ – ich hatte keinen Schimmer, was das bedeutete – über „Max Webers politische Soziologie“ belegte. Johannes Friedrich Winckelmann führte eine Art verschworenes Geheimseminar. Er war der Leiter des Max-Weber-Archivs und seit 1954 ein von den beiden Lehrstuhlinhabern, Francis und Bolte, tolerierter Außenseiter im Institut für Soziologie. Ein Fanatiker, wenn es um Weber und dessen Werk ging.

Ich glaube, es war Winckelmanns monomanische Begeisterung, mit der er den recht kleinen Kreis der immer gleichen Seminarteilnehmer in seinen Bann schlug. Wir lasen Webers Schriften wie Talmud-Schüler, Zeile für Zeile, Seite für Seite, Buch für Buch. Jedes Semester ein anderes Werk. Diese Texte packten mich. Sie und ihr Autor haben mich mein ganzes wissenschaftliches Leben lang nicht mehr losgelassen.[2]

Warum notiere ich das? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass es die ersten akademischen Lehrerinnen und Lehrer sind, die die Wege aller Soziologinnen und Soziologen prägen. Hätte ich mein Studium an der FU Berlin begonnen und wäre ich durch das dort im Grundstudium gebräuchliche Lehrbuch geprägt worden,[3] es wäre ein anderer Soziologe aus mir geworden. Auch in Frankfurt am Main, in Köln, in Münster, in Bielefeld, in Göttingen und an allen anderen Universitäten, an denen in der alten Bundesrepublik der späten 1960er-Jahre Soziologie gelehrt wurde, hätten die dortigen Lehrenden einen anderen Soziologen aus mir gemacht. Hätte ich in der DDR „Wissenschaftlichen Kommunismus“ oder „Marxismus-Leninismus“ an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin oder an der Karl-Marx-Universität in Leipzig studiert, wäre überhaupt kein wissenschaftlicher Soziologe aus mir geworden. Ich wäre entweder ein Ideologe oder ein solider Empiriker geworden.

Wie die Klassiker der Soziologie entstanden

Nachdem ich im Jahr 1972 eine Sammlung einflussreicher Texte über Max Weber herausgegeben hatte,[4] erhielt ich zwei Jahre später vom damaligen Cheflektor im Verlag C.H. Beck, Ernst-Peter Wieckenberg, das Angebot, eine Sammlung mit dem Titel Klassiker des soziologischen Denkens herauszugeben.[5] Als junger Diplomsoziologe und „Verwalter der Dienstgeschäfte eines Wissenschaftlichen Assistenten“, wie meine damalige Dienstbezeichnung am Institut für Soziologie der LMU lautete, freute ich mich über den Auftrag. Ich sollte ein Anschlussprojekt organisieren, das sich am Konzept des erfolgreichen Vorgängerunternehmens aus der Politischen Wissenschaft orientierte: den Klassikern des politischen Denkens, die 1972 bereits in der 4., beziehungsweise 3. Auflage verkauft wurden.[6]

Die von mir damals für den ersten Band ausgewählten Klassiker waren Comte, Marx, Spencer, Pareto, Tönnies, Simmel und Durkheim. Im zweiten Band folgten Beiträge über Mead, Weber, Scheler, Michels, Geiger, Mannheim und Schütz. Die 14 umfangreichen Einzeldarstellungen folgten einer einheitlichen Gliederung: Biographie, Werk, Methode, wissenschaftliche Bedeutung zu Lebzeiten, wissenschaftliche Bedeutung für die heutige und künftige Soziologie. Besonders stolz war ich, dass es mir mit meinen gerade einmal 28 Jahren gelungen war, für die Beträge einige big shots aus der Zunft als Autoren zu gewinnen, etwa René König über Durkheim oder Kurt H. Wolff über Mannheim. Ich korrespondierte mit Fachvertretern, die mir statusmäßig haushoch überlegen waren, die sich aber auf das Vorhaben einließen, weil auch ihnen das Unternehmen wichtig war.

Es gab zu jener Zeit keine vergleichbare Publikation auf dem deutschen Buchmarkt. Als Modell diente mir das Lehrbuch Masters of Sociological Thought des deutsch-amerikanischen Soziologen Lewis A. Coser, das damals den englischsprachigen Markt dominierte.[7] Cosers Masters umfassten Comte, Marx, Spencer, Durkheim, Simmel, Weber, Veblen, Cooley, Mead, Park, Pareto, Mannheim, Sorokin, Thomas/Znaniecki. Diese 15 Soziologen und ihr Schaffen wurden von Coser selbst in jeweils fünf Schritten abgehandelt: The Work, The Man [sic!], The Intellectual Context, The Social Context, In Summary. Cosers Auswahl richtete sich an eine US-amerikanische Leserschaft, vor allem an Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Für meine eigene Auswahl, die sich an einer deutschen Leserschaft orientierte, beschloss ich auf Beiträge über Veblen, Cooley, Park, Sorokin und Thomas/Znaniecki zu verzichten. Dafür nahm ich auf die Anregung meines designierten Doktorvaters, Walter L. Bühl, einen Beitrag über Scheler in die Sammlung auf. Für die spätere Taschenbuchfassung verzichtete ich auf die Behandlung Schelers als eines soziologischen Klassikers, er erschien mir inzwischen doch zu sehr als Philosoph.

Die zwei Bände Klassiker der Soziologie verkauften sich gut und etablierten sich rasch als Standard auf ihrem Gebiet, verloren aber bald an Attraktivität durch ihre Dickleibigkeit und ihren Preis. Im Jahr 1997 beschloss der Verlag daher eine grundsätzliche Änderung des Konzepts: Die Bände sollten nur noch als Paperbacks erscheinen, mit sehr viel kürzeren Beiträgen über sehr viel mehr Autoren. Zudem sollten Beiträge über noch lebende Soziologen in die Auswahl aufgenommen werden. Der Verkaufserfolg der beiden Folgebände bestätigte die Verlagspolitik. Band 1 versammelte nun Beiträge über Comte, Marx, Spencer, Pareto, Tönnies, Simmel, Durkheim, Mead, Weber, Park, Michels, die Durkheimianer Mauss und Halbwachs, Geiger, Mannheim, Elias und Schütz.[8] Band 2 behandelte Lazarsfeld, Parsons, Adorno, Freyer/Gehlen/Schelsky, Aron, Homans, Merton, Mills, Goffman, Coleman, Luhmann, Habermas, Bourdieu und Giddens.[9] Der kommerzielle Erfolg führte dazu, dass sich der Verlag von mir überzeugen ließ, den Klassikern einen weiteren Band über Aktuelle Theorien der Soziologie folgen zu lassen.[10]

In allen genannten Bänden spiegelt sich die historische Tatsache wider, dass die Soziologie ein internationales Unternehmen war, das vornehmlich von weißen Männern aus dem Okzident gemacht und geprägt wurde. Die „Soziologische Dreifaltigkeit“ – Marx, Durkheim, Weber – zeigt uns drei bärtige Männer, zwei Deutsche, einen Franzosen. Eine einzige Frau nahm ich in den Nachfolgeband auf: Theda Skocpol als prominente Vertreterin im Bereich der Neuen Historischen Soziologie, neben Charles Tilly und Michael Mann. Es gibt keine einzige Person of Color unter den von mir Ausgewählten. Insgesamt sind die folgenden Nationen in den drei Bänden vertreten: USA (20 Personen), Deutschland (18 Personen), Frankreich (15 Personen), Großbritannien (2 Personen), Italien, Israel, Polen (jeweils 1 Person).

War das verkehrt? Nein. So stellte sich das Fach Soziologie bis zum Ende des 20. Jahrhunderts dar.

Abschied von den Klassikern?

Heute sieht sich die Soziologiegeschichte mit neuen Forderungen konfrontiert. Eine davon lautet: Weg von den toten, weißen, männlichen Klassikern aus dem Okzident, hin zu den Themen. Für die Zukunft sollen wir uns, so die häufig zu hörende Aufforderung, eher auf die Werke als auf deren Autoren konzentrieren. Ein Kollektiv von Kolleginnen und Kollegen hat diese Forderung vor einigen Jahren aufgegriffen und 2020 den Band Meilensteine der Soziologie vorgelegt.[11]

Zum programmatischen Anspruch des Werks heißt es dazu in der „Einleitung“ der Herausgeber: „Als Meilenstein soll gelten, was entweder auf Dauer oder zumindest für längere Zeit die Mitglieder der soziologischen Gemeinschaft (die sich nicht von Anfang an und nicht in allen Ländern zum selben Zeitpunkt als rein akademische gesehen hat) derart ‚affizierte‘, dass jede und jeder genötigt war, das jeweils Neue (eben den Meilenstein) zur Kenntnis zu nehmen. Ob sie ihn nun kritisch ablehnten, (bewusst oder unbewusst) hinnahmen oder erfreut willkommen hießen, ist dabei nicht von Belang. Meilensteine sollten die Richtung, die die Soziologie nahm, oder die Art und Weise, wie man Soziologie betreibt, beeinflusst haben.“[12] Diese „Meilenstein“-Programmatik soll einen „Einstieg in den reichen Korpus soziologischen Wissens“[13] bieten, der wegführt von der Klassiker-Route.

Machen wir anhand von Max Weber die Probe aufs Exempel. Drei „Meilensteine“ werden genannt, bei denen allen Kundigen dessen Name einfällt: Protestantismusthese, Werturteilsfreiheit, Charismatische Herrschaft.

Der neun Druckseiten umfassende Eintrag zum Meilenstein „Protestantismusthese“ aus der Feder eines der Herausgeber, Christian Fleck, rekapituliert die Vorgeschichte von Max Webers Aufsatzfolge über Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, die eigentliche These Webers und deren Rezeptionsgeschichte. Es zeigt sich, dass auch die knappe Charakterisierung dieses „Meilensteins“ nicht ohne Verweise auf andere weiße, tote Männer auskommt. Genannt werden Adam Smith, David Ricardo, Karl Marx, Werner Sombart, Joseph A. Schumpeter. Im Zentrum der Darstellung geht es natürlich um den toten und weißen Max Weber, der die folgende „Standardversion“ dieses „Meilensteins“ geliefert habe: „Protestanten, insbesondere Calvinisten, waren fleißiger als ihre katholischen Mitbürger, sahen ihr weltliches Bemühen um wirtschaftlichen Erfolg als Dienst an Gott an und allfällige Erfolge dabei als Hinweis darauf, im Jenseits gnädiger behandelt zu werden als die Faulen.“[14]

Nichts an dieser Darstellung ist falsch, auch nicht die flotte Rekonstruktion der Rezeptionsgeschichte, in der naturgemäß die Namen Talcott Parsons und Robert K. Merton besondere Erwähnung finden. Ohne an dieser Stelle näher darauf einzugehen, dass die (zugegebenermaßen überaus kurvenreiche) Argumentation Webers in der knappen Rekonstruktion seiner „Großen Erzählung“ von der Kulturbedeutung der protestantischen Ethik in stupender Vereinfachung[15] und weitestgehend ohne Kontextualisierung[16] erfolgt, stelle ich fest: Auch die systematisch ausgerichtete Organisation des soziologischen Wissensbestandes nach „Meilensteinen“ kommt nicht ohne die Auseinandersetzung mit deren geistigen Schöpfern aus. Und das waren nun eben weiße Männer aus dem Okzident, von denen viele inzwischen tot sind.

Auftritt der Soziologinnen?

Angesichts von immerhin neun Autorinnen unter den insgesamt 26 Personen, die zum Projekt der Meilensteine beigetragen haben, ist es nicht verwunderlich, dass das Thema „Frauen in der Soziologie“ auch dort bereits einleitend angesprochen wird. Dazu heißt es: „Statt der beliebten Suche nach (möglichst vielen) Frauen in der Soziologie wird das Thema Frauen in der Soziologie dort festgemacht, wo es das erste Mal innerhalb der Soziologie auftrat, und Resonanz fand, also z.B. nicht mit Simone de Beauvoirs Le Deuxième Sexe, sondern mit Women’s Two Roles von Alva Myrdal und Viola Klein.“[17]

Wer erwarten würde, in den Meilensteinen auf Beiträge zur Feministischen Soziologie – oder zur Queer Sociology[18] – zu stoßen, wird bei Lektüre des Buches verwundert feststellen, dass beide Richtungen lediglich erwähnt, aber nicht näher ausgeführt werden.[19] Zur Feministischen Soziologie liegen mittlerweile so viele Publikationen vor, dass hier nur auf Überblicksliteratur verwiesen sei.[20]

Das unveränderte Problem bei der Frage nach soziologischen „Klassikerinnen“ besteht in der Tatsache, dass es zwar einschlägige Publikationen gibt, in denen jedoch eher „entlastende Alibifrauen“ (Ute Gerhard) behandelt werden, wie beispielsweise Henriette Fürth für die Frankfurter Soziologie, aber keine Wissenschaftlerinnen, die es in der Bedeutung ihrer Werke mit denen der toten, weißen Männer aufnehmen könnten.[21]

Im Jahr 1998 unternahmen zwei deutschsprachige Kolleginnen den Versuch, eine Sammlung vorzulegen, die sie – leicht irreführend – Frauen in der Soziologie betitelten.[22] Darin ging es nicht um die Frage, wie sich die Soziologie theoretisch und empirisch mit Frauen befasst, sondern um die Vorstellung von Wissenschaftlerinnen, deren Arbeiten die Herausgeberinnen der Soziologie zuschlugen. In einer Rezension[23] führte ich seinerzeit aus, was mir auch heute noch richtig erscheint und was ich darum hier – gekürzt – wiederhole:

„Angesichts der Tatsache, dass es bislang im deutschen Sprachraum keine publizierte Galerie soziologischer Klassikerinnen gab, kommt dem vorliegenden Sammelband disziplinäre Bedeutung und Verdienst zu. Endlich beteiligt sich auch die deutsche Soziologie an jenem Diskurs, der seit Jahrzehnten auf internationaler Ebene über die Founding Sisters der Soziologie geführt wird und in dem regelmäßig folgende Namen gehandelt wurden: Edith Abbot (1876-1957), Jane Addams (1860-1935), Anna Julia Cooper (1858-1964), Rose Laub Coser (1916-1994), Else Frenkel-Brunswik (1908-1958), Margaret Jarman Hagood (1907-1963), Jenny P. d’Héricourt (1809-1875), Marie Jahoda (1907-2001), Charlotte Perkins Gilman (1860-1935), Viola Klein (1908-1973), Helen Merrell Lynd (1896-1982), Harriet Martineau (1802-1876), Rosa Mayreder (1858-1938), Alva Reimer Myrdal (1902-1986), Alice S. Rossi (1922-2009), Marion Talbot (1858-1947), Dorothy Swaine Thomas (1899-1977), Mathilde Vaerting (1884-1977), Beatrice Potter Webb (1858-1943), Marianne Weber (1870-1954), Ida Wells-Barnett (1862-1931) und Frieda Wunderlich (1884-1965).[24]

Viele dieser Autorinnen und ihre Werke wurden in den letzten Jahrzehnten detailliert untersucht. Heftig umstritten ist die Frage, ob diese Werke auf die gleiche Stufe der Bedeutsamkeit wie die ihrer männlicher Zeitgenossen gestellt werden sollten, oder ob es darum geht, frauenspezifische Leistungen dieser Autorinnen herauszuarbeiten. Soll die Soziologie ein Projekt von Dead White Western Males bleiben, oder soll gezeigt werden, dass auch weibliche Autoren an seiner Schaffung und seinen Erträgen maßgeblich beteiligt waren und sind?

In dieser Schlüsselfrage folgt die Sammlung, die die Berner Soziologin Honegger zusammen mit ihrer Berliner Kollegin Wobbe vorlegt, einem unentschiedenen Kurs. Mit den stilistisch sehr unterschiedlichen Skizzen zu Martineau, d’Héricourt, Webb, Addams, Weber, Vaerting, Wunderlich, Thomas und Jahoda soll einerseits gezeigt werden, dass es für Frauen in der Soziologie ‚eine besondere Konstellation‘ für wissenschaftliches Arbeiten gebe. Diese weibliche Besonderheit liege im Dreieck von Sozialreform, Frauenbewegung und Sozialforschung, das dazu führe, dass Frauen in der Soziologie sich von ihren männlichen Kollegen unterscheiden. Zum anderen sollen ‚Pionierinnen‘ von Sozialtheorie und empirischer Sozialforschung in das Gedächtnis der allgemeinen Geschichte der Soziologie gerückt werden, als deren ‚verborgener Teil‘, als deren ‚vergessene Tradition‘ sie bislang vernachlässigt wurden, um den nur ‚Insider‘ wussten.“

Beide Anliegen scheinen mir heute nicht weniger berechtigt als damals. Die Beiträge von Soziologinnen zur Entwicklung des Faches in angemessener Weise und stärker als bisher zu würdigen ist nicht zuletzt ein Gebot wissenschaftlicher Redlichkeit. Nur scheinen mir diese Verdienste in theoretischer Hinsicht nicht von derart grundlegender oder grundstürzender Bedeutung, dass sie als klassisch und ihre Urheberinnen folglich als Klassikerinnen zu bezeichnen wären. Das ist, wohlgemerkt, ein zeitgebundenes Urteil und heißt unter keinen Umständen, dass sich das nicht ändern kann.

So, wie die diesjährigen 76. Internationalen Filmfestspiele von Cannes eindrucksvoll gezeigt haben, dass Filmemacherinnen und Schauspielerinnen inzwischen auf derselben Höhe wie ihre männlichen Kollegen Preise und Auszeichnungen für ihre künstlerischen Leistungen verliehen bekommen – gänzlich ohne jede Quotenregelung –, so ist es gut denkbar, dass eine künftige Klassikerin der Soziologie im kommenden Sommersemester ihr Studium aufnehmen wird – hoffentlich bei Lehrenden, die ihr den Reichtum des gedanklichen Erbes unseres Faches vermitteln.

Die vergessenen Autorinnen und Autoren

Auch die Herausgeber der „Meilensteine“ kommen nicht umhin, auf die Subjektivität und Begrenztheit ihrer Auswahl hinzuweisen: „Eine Liste der soziologischen Meilensteine ist immer eine Selektion, und subjektive Vorlieben, Überzeugungen und vermutlich Einseitigkeiten fließen unvermeidlich in das Erstellen der Liste ein.“[25] An dieser Stelle verweisen die Herausgeber auf die Einleitung zu meiner Klassikerauswahl[26] und betonen, dass ihre Auswahl sich primär daran orientiere, „wovon Soziologinnen und Soziologen im deutschsprachigen Raum Kenntnis haben müssen, um als solche zu gelten“.

Damit stoßen wir auf ein grundlegendes Problem: Neben einer universal-globalen Liste soziologischer Schriften, die allgemeine Anerkennung gefunden haben – wie etwa die einschlägigen Werke der „Soziologischen Dreifaltigkeit“ von Marx, Durkheim und Weber, von denen jeder Mensch, der sich Soziologin oder Soziologe nennen möchte, etwas wissen muss –, existiert eine Mehrzahl partikularer Listen, die ebenfalls „klassische“ Werke von Autorinnen und Autoren umfassen, die es zwar zu regionaler oder nationaler, aber eben nicht zu universaler Anerkennung gebracht haben. Einige der auf diesen Listen versammelten Namen sind weitestgehend unbekannt geblieben.

Als Illustration dieser Problematik sei erwähnt, dass mir bei unserer Diskussion am 3. März 2023 in der Berliner Humboldt-Universität die italienische Kollegin Silvana Greco ihre Publikation über den aus Mähren stammenden Sozialphilosophen Moses Dobruska (1753–1794) zum Geschenk machte.[27] Die Autorin führt aus: „From Dobruska’s ideas, which were widely used between the late eighteenth century and the first decades of the nineteenth century without attribution to their author, emerge some of the key concepts of the social sciences as we know them today. An enthusiastic and unfortunate revolutionary and sometimes a brilliant theorist, Moses Dobruska deserves a role of his own in the history of sociology.”[28]

Dobruskas Schicksal und die Tatsache, dass ich – wie vermutlich auch viele andere – von ihm noch nie etwas gehört hatte, verweist auf ein grundsätzliches Problem: Wer von den derzeit rund 3.400 Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Soziologie wird in hundert Jahren innerhalb der internationalen und der deutschsprachigen Soziologie noch bekannt sein? Wer von den aktuell relativ „prominenten“ Kolleginnen und Kollegen, die insbesondere in den Medien häufig präsent sind – ich nenne nur exemplarisch und in alphabetischer Reihenfolge Jutta Allmendinger, Hans Joas, Armin Nassehi, Detlef Pollack, Andreas Reckwitz, Hartmut Rosa – wird in hundert Jahren noch genannt werden? Die „Probe auf Zeit“ haben alle jene Soziologen bestanden, die Aufnahme in die Klassiker der Soziologie gefunden haben. Aber schon beim Erscheinen des Nachfolgebandes Aktuelle Theorien der Soziologie, den ich wohlbedacht nicht als Band Drei der Klassiker veröffentlichte, wurde ich ob der darin enthaltenen Auswahl von einigen im Fach stark kritisiert. So wurde gefragt, ob dieser oder jener Kollege es wirklich „verdient“ hätte, so prominent behandelt zu werden, während andere ungenannt blieben. Und es wurden ganz andere Namen ins Spiel gebracht, zu deren Behandlung in einem eigenständigen Beitrag ich mich damals nicht entschließen konnte.

So geht es zu in der Wissenschaft, nicht nur in der Soziologie. Es ist hier nicht der Ort, um der Frage nachzugehen, wann, wer, wie und warum eine kleine Anzahl von Soziologen zu Klassikern unseres Fachs gemacht hat. Für den Fall Max Weber habe ich das anderer Stelle versucht.[29] Man könnte das für jeden der in den beiden Bänden verhandelten Klassiker machen, für einige ist die Rezeptionsgeschichte inzwischen gut untersucht.[30]

Genauso spannend ist die wissenschaftshistorische und wissenschaftssoziologische Frage, wer aus welchen Gründen nicht zum Klassiker wurde. Ich verweise in diesem Zusammenhang exemplarisch auf jene Auswahl von Soziologinnen und Soziologen, die Nicole Holzhauser in ihrem Aufsatz über das 1931 veröffentlichte Handwörterbuch der Soziologie zusammengestellt hat.[31] Das Motto, das Holzhauser ihrem Aufsatz voranstellt – „Time can be rewritten. (The Doctor)“ – klingt verlockend, führt jedoch in die Irre.[32] Wer einmal über längere Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis einer Disziplin verschwunden ist und vergessen wurde, kann der Vergangenheit nur mit größter Mühe entrissen und in die Gegenwart zurückgeschrieben werden. Nichts spricht gegenwärtig dafür, dass die von Holzhauser besonders hervorgehobenen Wissenschaftlerinnen – Hannah Arendt, Käthe Bauer-Mengelberg, Charlotte Bühler, Hildegard Hetzer, Rosa Luxemburg, Hanna Meuter, Mathilde Vaerting, Gerda Walther und Marianne Weber – je ihren Platz in einer revidierten Galerie soziologischer Klassiker beziehungsweise Klassikerinnen einnehmen werden. Am Beispiel von Hannah Arendt markiert Holzhauser zugleich einen der möglichen Gründe, wenn sie darauf verweist, dass es fraglich sei, „ob sich Arendt selbst als Soziologin, Politologin oder Sozialwissenschaftlerin bezeichnet hätte“.[33] Vergleichbares gilt auch für die anderen genannten Wissenschaftlerinnen. Die fehlende eindeutige disziplinäre Zugehörigkeit und Selbstverortung mag Ausdruck vielfältiger Begabungen und Interessen sein, für eine etwaige Kanonisierung jedoch erweist sie sich als hinderlich.

Betrachtet man hingegen Holzhausers Auswertung der Top Ten bei den Nennungen im Handwörterbuch, so wird deutlich, dass sich schon im Jahr 1931 ablesen ließ, wer eine Chance hatte, dereinst in einen Kanon der seinerzeit noch jungen Disziplin aufgenommen zu werden: Max Weber (40 Nennungen), Marx (27), Simmel (23), Scheler (19), Spencer (17). Gleichfalls zeichnete sich ab, dass Ferdinand Tönnies, Franz Oppenheimer, Alfred Vierkandt, Werner Sombart und Leopold von Wiese bei diesem Spiel das Nachsehen haben würden, ungeachtet ihrer damaligen Position und ihres Status. Sie gehörten schon damals nicht zur „Elite des Faches“ (Holzhauser), wobei die Geschlechtszugehörigkeit keine relevante Größe war, wie auch Holzhauser konstatiert: „Die Frauen waren demnach nicht stärker benachteiligt als die meisten Männer, die nicht zum innersten sozialen Kern der soziologischen Elite gehörten.“[34]

Um es klar zu sagen: Die Zugehörigkeit zu dieser „Elite“, der „Klassizität“ zugeschrieben werden muss, speist sich nicht aus der Positionierung im professionellen Feld der Soziologie – sonst müssten heute Ferdinand Tönnies und vor allem Leopold von Wiese ganz weit oben stehen –, sondern aus der bis heute relevanten Qualität ihrer schriftlichen Beiträge zum Wissensbestand der internationalen Soziologie. Banal formuliert: Max Weber war ein besserer Soziologe als Leopold von Wiese. Und seine Arbeiten sind soziologisch gehaltvoller als die seiner Ehefrau Marianne oder die seines Bruders Alfred.

Für eine Klassikergeschichte der Soziologie

In einem früheren Text[35] habe ich vier unterschiedliche Strategien für eine Geschichte der Soziologie unterschieden: eine Klassikergeschichte, eine Begriffsgeschichte, eine Problemgeschichte und eine Schulgeschichte.

Unverdrossen werde ich auch hier ein Plädoyer für die Rekonstruktion einer Geschichte der Soziologie als einer Geschichte ihrer Klassiker halten.

Das Wort „Klassiker“, das im Deutschen erstmals im 18. Jahrhundert verwendet wurde und sich auf die antiken Schriftsteller und deren Werke bezog, wird auch heute üblicherweise benutzt zur Bezeichnung antiker Autoren und Künstler, antiker Sprachen und der ihnen zugeordneten Wissenschaften. Wir wollen es hier unbefangen gebrauchen, um den vorbildlichen oder mustergültigen Anspruch eines Werks zu markieren. Die geläufige Konnotation von zeitlos und unabänderbar hingegen kann gerade für soziologische Werke nicht gemeint sein. Im Gegenteil: Eine Sammlung klassischer soziologischer Beiträge muss ein Bewusstsein von deren Zeitgebundenheit und Zeitbedingtheit aufweisen.

Dennoch wird alles, was allein zeitbedingt ist, keine Chance auf eine Rubrizierung als „klassisch“ haben. Nur wenn ein wissenschaftliches Werk gewissermaßen seine Erscheinungsformen wandeln, das heißt im Hinblick auf unterschiedliche Themen und Fragestellungen jeweils anders gelesen und somit transformiert werden kann, wächst sein Bedeutungsumfang, bleibt es lebendiger Bestandteil aktueller gesellschaftlicher Diskurse – vor allem dann, wenn es die Grenzen seines unmittelbaren Kontextes, also beispielsweise seines nationalen und historischen Entstehungszusammenhangs, durchbricht und Bestandteil einer globalen Interpretation wird.

Illustrieren mag das ein Gedanke des Wissenschaftssoziologen Robert K. Merton, der von dem Phänomen einer „obliteration by incorporation“ spricht. Damit meint er die wissenschaftshistorisch gut belegte Tatsache, dass bei der Erzeugung jenes (seltenen) wissenschaftlichen Wissens, durch das der menschliche Wissensbestand erweitert oder verändert wird, oft die Quellen beziehungsweise Urheber der jeweiligen Entdeckungen aus dem kollektiven Gedächtnis – selbst dem des betreffenden Faches – gelöscht werden. Ultimative Klassizität haben demnach nur jene Autoren, deren Erkenntnisse, Begriffe und Konzepte in den universalen Korpus des allgemeinen Wissens der Menschheit integriert wurden, ohne dass ihre Schöpfer mitassoziiert werden.

Der entscheidende Vorteil einer Klassikergeschichte ist zweifellos der, dass sie eine werknahe Darstellungsweise ermöglicht. Eine Klassikergeschichte führt direkt zum Werk und damit zur Auseinandersetzung mit den überlieferten Texten der Klassiker. Dabei geht es nicht um ewig gültige Weisheiten und Lösungen, sondern um Standards einer wissenschaftlichen Disziplin, die historisch entstanden sind und die nicht unterschritten werden sollten – zum eigenen heutigen Nutzen!

Gerade der Gedanke, dass es keine geborenen, sondern nur von uns gemachte Klassiker geben kann, erinnert an die Tatsache, dass es nicht das Verdienst früherer, sondern das Bedürfnis heutiger Soziologinnen und Soziologen ist, welches die Klassizität eines historischen Vordenkers begründet. Mit diesem entscheidenden Kriterium verbinden sich in der Regel noch einige andere Kriterien, die traditionellerweise an die Kategorie „Klassiker“ geknüpft sind, über die im Fall der Soziologie allerdings leidenschaftlich gestritten werden kann: die Probe auf Zeit, ein hohes literarisches Niveau sowie ein besonderes Verhältnis zur Gesellschaft. Insbesondere der letzte Punkt ist unverzichtbar für einen Klassiker des soziologischen Denkens. Sein Werk muss in einem besonderen, gleichermaßen repräsentativen wie wirkungsvollen Verhältnis zu der Gesellschaft stehen, in der es und für die es geschrieben wurde. Wir wollen deshalb im Prinzip nur dann von einem Klassiker der Soziologie sprechen, wenn dessen Werk zumindest zeitweise im Mittelpunkt der soziologischen Ideen und Vorstellungen einer Epoche, das heißt im Zentrum des soziologischen Diskurses, stand.

Entscheidend für einen Klassiker der Soziologie ist demnach seine anhaltende Relevanz für die (Weiter-)Entwicklung soziologischer Theorie, die (Wieder-)Entdeckung eines wichtigen Problembereichs oder die Erfindung einer neuen Methode zu dessen Erforschung. Diese Relevanz muss glaubhaft gemacht werden können für die damalige, für die heutige und für die (vorstellbare) zukünftige wissenschaftliche Soziologie.

Pragmatisch gesprochen heißt das, dass die Bezeichnung „Klassiker“ für jene Mitglieder unserer Disziplin gelten soll, von denen gesagt werden kann, dass ihr Werk auch heute noch die Lektüre lohnt, dass man ohne diese Arbeiten nicht auskommt, wenn man heute wissenschaftliche Soziologie betreiben will. Unterstrichen sei dabei der Begriff des „Werkes“: Es sind demnach nicht so sehr einzelne Ergebnisse oder Publikationen, die einen Soziologen zum Klassiker machen, sondern es ist die aus seinem Schaffen resultierende Einführung neuer Perspektiven und Beschreibungen, die zur Etablierung neuer Begriffe und neuer Methoden führt. Werden seine Erfindungen oder Entdeckungen zu Bestandteilen des allgemeinen Wissenschaftsverständnisses, hätte die Erinnerung an den Klassiker nur mehr antiquarischen Wert, sie würde, strenggenommen, überflüssig.

Für eine soziologisch tragfähige Klassikergeschichte der Soziologie, die vom Diskurs-Gedanken ausgeht, kommt es darauf an, die „Lebendigkeit“ des Klassikers durch den Nachweis immer neuer Lesarten und Interpretationen seines Werkes in den verschiedenen Stadien der Wissenschaftsentwicklung aufzuzeigen. Angesichts der Tatsache, dass heutige soziologische Theoretiker dem soziologischen Denken der Vergangenheit stärker verpflichtet sind als sie zumeist angeben oder wissen, komme ich noch einmal auf den Gedanken des gemachten Klassikers zurück: Es lässt sich unschwer zeigen, dass gerade zentrale deutsche Soziologen wie Max Weber, Georg Simmel, Karl Mannheim und Alfred Schütz erst durch ihre US-amerikanische Rezeption zu internationalen Klassikern wurden. Die derart gemachten Klassiker sind jene universalen Symbolfiguren, die aufgerichtet werden, um sich selbst und anderen zu demonstrieren: „Hier wird Soziologie betrieben.“ Gerade in jenen wissenschaftlichen Disziplinen, in denen eine unbestrittene methodologische und/oder inhaltliche Identität fehlt, erfüllen Klassiker die zentrale Funktion der Stiftung und Begründung von Identität. In diesem Sinne ist jede Klassikersammlung auch eine soziologische Stammesgeschichte, eine Versammlung der Ahnen des Hauses der Soziologie.

Formulierten schon die soziologischen Entwürfe des frühen 20. Jahrhunderts keine konsensfähige disziplinäre wissenschaftliche Identität, so ist die Lage seitdem noch verwickelter geworden. Das gegenwärtige, mitunter als multiparadigmatisch charakterisierte Erscheinungsbild der internationalen Soziologie ist diffus. Die fehlende Einheit führt zunehmend dazu, dass sich Soziologen und Soziologinnen der verschiedenen Lager kaum noch über Erkenntnisfortschritte verständigen können, da ihnen eine gemeinsame Sprache zu fehlen scheint, – vielleicht sogar das gemeinsame Objekt. Noch unübersichtlicher wird die Situation, berücksichtigt man die vielfältigen Unter-, Neben- und Teilgebiete der Soziologie und die zahlreichen interdisziplinären Kontexte, in denen soziologische Forschung heute stattfindet.

Wer gegenwärtig an nationalen oder internationalen Soziologiekongressen teilnimmt und die Publikationen durchsieht, die dort verhandelt werden, erkennt, dass die wissenschaftlichen Spezialisten nicht nur aus unterschiedlichen Richtungen auf höchst unterschiedliche Ausschnitte sozialer und historischer Wirklichkeit blicken, sondern dass es zwischen ihnen immer weniger relevante gemeinsame Nenner gibt. Ein soziologischer Forscher, der mit Massendaten aus der Meinungsforschung arbeitet, und eine Soziologin, die sich mit der Ideengeschichte unseres Faches aus soziologischer Perspektive befasst, werden sich nur mit Mühe darüber verständigen können, ob und wie ihre Forschungen letztlich unter einem gemeinsamen disziplinären Dach zu beherbergen wären.

Diskussionen darüber, ob es einen verbindlichen Kanon für das Fach gibt, bewegen nicht nur die wissenschaftliche Soziologie. Der Streit darüber, ob es so etwas wie eine verbindliche Liste von Autoren und Texten geben soll, deren Kenntnis als unabdingbar für die fachliche Qualifikation gilt, ist so alt wie die Versuche, einen entsprechenden Kanon zu kodifizieren. Um den befürchteten Verlust der kulturellen Überlieferung aufzuhalten, werden gelegentlich die Einführung obligatorischer Lehrpläne und die Kanonisierung von Pflichtlektüre gefordert. Traditionskritiker malen das Gespenst eines exklusiven, bildungsbürgerlichen und repressiven Herrschaftsinstruments; einfallslose Traditionsbewahrer sehen in jeder Revision und Erweiterung petrifizierter Kodizes den angeblichen Untergang des kulturellen Erbes. Weniger noch als in anderen Geistes- und Kulturwissenschaften gab es in der Soziologie jemals eine als sakrosankt anerkannte Sammlung maßgeblicher Texte. Schon weil es an Instanzen fehlt, die allgemeinverbindlich kanonische Schriften von Apokryphen unterscheiden könnten, lassen sich allenfalls im nationalen Rahmen relativ stabile Literaturlisten konstruieren.

Gerade mit Blick auf diejenigen, die das intellektuelle Abenteuer der Soziologie erst kennenlernen, sei angemerkt, dass jede solide Klassiker-Auswahl das Gegenteil von repressiver Exklusivität darstellt. Allein durch die disziplinäre Absprache darüber, was wichtig und gut ist, was man lesen, wovon man sprechen sollte, kann innerwissenschaftliche Öffentlichkeit hergestellt werden. Klassikersammlungen sind ein wirkungsvolles Instrument gegen die Etablierung von Geheimwissen, das aus Quellen schöpft, die anderen verborgen bleiben. Die Diskussion über einen Kanon soziologischer Autoren stellt innerwissenschaftliche Offenheit her, weil nur in ihr über permanent notwendige Revisionen, Erweiterungen und Streichungen verhandelt werden kann.[36]

Es sollte daher als selbstverständlich gelten, die Vielgestaltigkeit der Soziologie ohne Einschränkungen als positiv zu bewerten. Gerade aus wissenschaftssoziologischer Perspektive muss sie als Zeichen disziplinärer Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit angesehen werden. Analytisch muss jedoch diese als positiv zu beurteilende Vielfältigkeit des Disziplinverständnisses getrennt werden von dessen Gefährdung durch weitgehende Beliebigkeit eines anything goes.

Genau da können die Beiträge der soziologischen Klassiker von unverzichtbarer Bedeutung sein: Sie stellen mustergültige, vorbildliche Schriften bereit, sie repräsentieren das kulturelle Gedächtnis des Faches und liefern zugleich in ihrer historischen Abfolge die Lebensgeschichte der Disziplin. Klassische Werke der Soziologie sind also jene Arbeiten, die man mindestens zweimal mit Gewinn liest, also nicht nur ihrer Ergebnisse oder Argumente wegen, die man ja schon bei der ersten Lektüre kennenlernt. Man liest sie erneut, und manchmal sogar regelmäßig, weil man von ihrer Manier, wie sie Probleme und Fragestellungen angehen, lernen kann. Auch die Soziologie kann ohne ihr Gedächtnis und ihre Geschichte nicht fruchtbringend weiterleben. Nicht nur gegenwärtige Aktivitäten, sondern auch die Erinnerung an zurückliegende Etappen der Entwicklung sind es, die den Kern einer Identität prägen, auch die einer wissenschaftlichen Disziplin. Wer den Fortschritt einer Wissenschaft ernstlich befördern will, muss ihre bisherigen Leistungen kennen!

Wenig vom eigenartigen Charakter der wissenschaftlichen Soziologie verstanden hat derjenige, der sie als eine sich kumulativ entwickelnde Wissenschaft bestimmen möchte. Wer seine Kritik daran ausrichtet, dass die Soziologie von solcher Zielvorstellung abweicht, verkennt, dass diese nicht nur eine empirisch basierte Wissenschaft ist, sondern dass sie zugleich einem zeitgebundenen, ideologischen und metaphorischen Rahmenwerk aufsitzt.

Auch darum kann es für die Soziologie keinen ewigen Kanon autoritativ anerkannter Schriften geben, analog zu den als unabänderlich erachteten Listen der von einer Religionsgemeinschaft anerkannten Schriften, die durch kirchenrechtliche Bestimmungen und Institutionen lizensiert werden. Noch viel weniger kann es für die Soziologie ein kirchenamtliches Verzeichnis ihrer Heiligen geben. Solange es die Soziologie gibt, müssen die soziologischen Klassiker immer wieder von neuem bestimmt werden.

Insbesondere Max Weber verdanken wir die Einsicht, dass den historischen Disziplinen eine „ewige Jugendlichkeit“ beschieden ist, das heißt, dass Geschichte immer auf der Grundlage des jeweils gegenwärtigen Bewusstseins umgeschrieben werden wird und muss. Die Erforschung der geschichtlichen Dimension gesellschaftlicher Wirklichkeit, die zur wichtigen Aufgabe aller Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften geworden ist, beschränkt sich nicht nur auf dieses stetige Umschreiben von Geschichte, sondern umfasst ebenso ein ständiges und kritisches Überprüfen der methodologischen und theoretischen Grundlagen eben dieses Umschreibens. Der einfachste Grund, warum wir uns mit der Geschichte der Soziologie beschäftigen, liegt also darin, dass wir unsere Identität als Wissenschaftlerin und als Wissenschaftler nicht finden können, ohne den historischen Grund zu kennen, auf dem wir stehen: wir haben also ein eminent praktisches Interesse an der Geschichte unserer Disziplin. Gerade die besondere Komplexität des Objektbereichs der Soziologie und ihre dialektische Verflechtung mit der Konstruktion gesellschaftlicher und historischer Wirklichkeit lässt die Gefahr, in das Denken des common sense zu fallen, als besonders problematisch erscheinen, da es zur Begriffs- und damit Bewusstseinslosigkeit führen kann.

Um die Rekonstruktion der historischen Entwicklung einer Disziplin leisten und dennoch die angedeuteten Schwierigkeiten meistern zu können, bietet sich das Konzept des Diskurses an. Der Diskurs-Gedanke kann mittlerweile als wissenschaftsstrategisches Prinzip einer soziologischen Geschichte der Ideen betrachtet werden. Eine solche Geschichte will zeigen, wie Probleme, Begriffe und Themen aus dem Feld, in dem sie ursprünglich formuliert wurden, in andere Bereiche hineinwirkten und schließlich Eingang in allgemein gesellschaftliche Diskurse fanden.

Gerade wenn man Soziologiegeschichte als einen fortlaufenden, prinzipiell unabgeschlossenen Diskurs ansieht, ist es wichtig, Autoren, Werke und Interpretationsgemeinschaften in komplexe Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu stellen. Die Soziologie und ihre Entwicklung beziehen sich auf und vollziehen sich in gesellschaftlichen Konstellationen, die einen prägenden Einfluss haben, ohne determinierend zu sein. Soziologische Theorien können ebenso wenig auf ihre Entstehungszusammenhänge reduziert werden, wie sie ohne diese verstanden werden können. Weil zudem die Soziologie die jeweilige gesellschaftliche Situation mitdefiniert, braucht es eine komplexe Sichtweise. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass bestimmte Fragestellungen und Antworten der Soziologie nicht in ihrer Zeit aufgehen, sondern über diese hinausweisen.

Das soziologische Werk eines Klassikers steht damit ebenfalls in einem doppelten Diskurs: jenem zwischen dem Autor und seiner Zeit und jenem zwischen dem Werk und dessen Interpretationen, die zudem verschiedenen Interpretationsgemeinschaften angehören. Ein Werk hat viele erklärungsrelevante Bezüge und ist stets mehr als ein simples Abbild einer gesellschaftlichen Situation. Die polarisierenden Diskussionen darüber, ob ein Klassiker ausschließlich in seiner Zeit und seinen damaligen Diskursen zu verstehen ist, also jene Position, die man als historicism bezeichnet, und der Gegenposition eines presentism, der klassische Texte nur insoweit gelten lassen will, wie sie für heutige Diskussionen brauchbar sind, erweisen sich als steril.

Gerade weil die Soziologie nicht zu jenen Wissenschaften zählt – und nie zählen wird – die kumulatives Wissen erzeugen, bedarf sie der steten Auseinandersetzung mit ihren Klassikern. Jede neue Soziologie-Generation muss ihre Klassiker neu entdecken und kann versuchen, die Liste der Klassiker um neue Einträge zu erweitern. Richtig ist, dass sich die Disziplin häufig in Anhängerschaften organisiert, die einander auszustechen versuchen, nicht zuletzt mit dem Mittel der Berufbarkeit und der sonstigen Vorteile von Seilschaften. Nötig ist eine Geschichte der Soziologie, die diese verschiedenen Ideen mit ihren Anhängerschaften in einen sinnvollen historischen Zusammenhang bringt und als eine Abfolge unterschiedlich verarbeiteter Erfahrungen von Gesellschaft erzählt.

  1. Erich Voegelin, Rasse und Staat, Tübingen 1933; ders., Die Rassenidee in der Geistesgeschichte von Ray bis Carus, Berlin 1933.
  2. Dirk Kaesler, Wie ich zu Max Weber kam. Und dann nicht mehr von ihm wegkam, in: ders., Über Max Weber. Beiträge in literaturkritik.de 2006–2020, Marburg 2020, S. 403–435.
  3. Veit Michael Bader / Johannes Berger / Heiner Ganßmann / Jost v. d. Knesebeck, Einführung in die Gesellschaftstheorie. Gesellschaft, Wirtschaft und Staat bei Marx und Weber, 2 Bde., Frankfurt am Main / New York 1976.
  4. Dirk Kaesler (Hg.), Max Weber. Sein Werk und seine Wirkung, München 1972.
  5. Dirk Kaesler (Hg.), Klassiker des soziologischen Denkens, Bd. 1: Von Comte bis Durkheim, München 1976; ders. (Hg.), Klassiker des soziologischen Denkens, Bd. 2: Von Weber bis Mannheim, München 1978.
  6. Hans Maier / Heinz Rausch / Horst Denzer (Hg.), Klassiker des politischen Denkens, Bd. 1: Von Plato bis Hobbes, 4. Aufl., München 1972; dies. (Hg.), Klassiker des politischen Denkens, Bd. 2: Von Locke bis Max Weber, 3. Aufl., München 1974. Die erste Auflage der Klassiker des politischen Denkens war 1968 erschienen.
  7. Lewis A. Coser, Masters of Sociological Thought. Ideas in Historical Context, New York 1971. Eine 2. Auflage kam 1977 heraus.
  8. Dirk Kaesler (Hg.), Klassiker der Soziologie, Bd. 1: Von Auguste Comte bis Alfred Schütz [1999], 6. Aufl., München 2012.
  9. Dirk Kaesler (Hg.), Klassiker der Soziologie, Bd. 2: Von Talcott Parsons bis Antony Giddens [1999], 5. Aufl., München 2007.
  10. Dirk Kaesler (Hg.), Aktuelle Theorien der Soziologie. Von Shmuel N. Eisenstadt bis zur Postmoderne, München 2005.
  11. Christian Fleck / Christian Dayé (Hg.), Meilensteine der Soziologie, Frankfurt am Main / New York 2020. Siehe dazu auch die Besprechung von Thomas Hoebel, Soziologie – ein gespaltener Charakter mit geschöntem Lebenslauf, in: Soziopolis, 18.5.2021.
  12. Ebd., S. 11.
  13. Ebd., S. 9.
  14. Ebd. S. 159.
  15. Dirk Kaesler, Vorwort des Herausgebers, in: Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, vollständige Ausgabe, herausgegeben und eingeleitet von Dirk Kaesler, 4. Aufl., München 2013, S. 7–64.
  16. Dirk Kaesler, „Die protestantische Ethik“ kann nur biographisch und kontextual verstanden werden, in: Ingo Runde / Heike Hawicks (Hg.), Max Weber in Heidelberg. Beiträge zur digitalen Vortragsreihe an der Universität Heidelberg im Sommersemester 2020 anlässlich des 100. Todestages am 14. Juni 2020, Heidelberg 2022, S. 147–171.
  17. Fleck/Dayé, Meilensteine der Soziologie, S. 13.
  18. Steven Seidman (Hg.), Queer Theory / Sociology, Cambridge, MA 1996; Ghassan Moussawi / Salvador Vidal-Ortiz, A Queer Sociology. On Power, Race, and Decentering Whiteness, in: Sociological Forum 35 (2020), 4, S. 1075–1403.
  19. Fleck/Dayé, Meilensteine der Soziologie, S. 180.
  20. Sasha Roseneil, The Coming of Age of Feminist Sociology: Some Issues of Practice and Theory for the Next Twenty Years, in: British Journal of Sociology 46 (1995), 2, S. 191–205; Ute Gerhard, Feministische Perspektiven in der Soziologie: Verschüttete Traditionen und kritische Interventionen, in: L’homme. Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 24 (2013), 1, S. 73–91. doi.org/10.25595/1124
  21. Brigitte Brück, Heike Kahlert u.a.: Feministische Soziologie. Eine Einführung, 2. Aufl., Frankfurt am Main / New York 1997.
  22. Claudia Honegger / Theresa Wobbe (Hg.), Frauen in der Soziologie. Neun Porträts, München 1998. Neben dem Sammelband, den Claudia Honegger und Theresa Wobbe herausgegeben haben, sei noch ein vergleichbares Unternehmen erwähnt, das von Barbara Hahn vier Jahre zuvor über Frauen in den Kulturwissenschaften betreut worden war. Man wird nicht sagen können, dass der Verlag C.H.Beck nicht versucht hat, diese Thematik auf dem Markt zu platzieren. Siehe Barbara Hahn, (Hg.), Frauen in den Kulturwissenschaften. Von Lou Andreas-Salomé bis Hannah Arendt, München 1994.
  23. Dirk Kaesler, Den Herrenklub einreißen. Blinde Flecken der Wissenschaft: Die großen Soziologinnen bauten nicht einfach ein Frauenhaus an das Gebäude ihrer Disziplin an, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr.135 vom 15.06.1998.
  24. Die Lebensdaten wurden aktualisiert bei den Frauen, die nach 1998 gestorben sind.
  25. Fleck/Dayé, Meilensteine der Soziologie, S. 12.
  26. Kaesler, Was sind und zu welchem Ende studiert man die Klassiker der Soziologie?, in: ders., Klassiker der Soziologie, Bd. 1, 6. Aufl., München 2012, S.11–38.
  27. Silvana Greco, Moses Dobruska and the Invention of Social Philosophy. Utopia, Judaism, and Heresy under the French Revolution, Berlin / Boston, MA 2022.
  28. Ebd., Klappentext.
  29. Dirk Kaesler, Max Weber: Vom akademischen Außenseiter zum sozialwissenschaftlichen Klassiker. Einleitung des Herausgebers, in: Max Weber, Schriften 1894–1922. Ausgewählt und herausgegeben von Dirk Kaesler, Stuttgart 2002, S. VII–XXXVI.
  30. Karl-Ludwig Ay / Knut Borchardt (Hg.), Das Faszinosum Max Weber. Die Geschichte seiner Geltung, Konstanz 2006.
  31. Nicole Holzhauser, Zur Marginalisierung von Frauen in der frühen deutschsprachigen Soziologie, untersucht am Handwörterbuch der Soziologie von 1931, in: Martin Endreß / Stephan Moebius (Hg.), Zyklos 4. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie, S. 101–120.
  32. Christopher Marlow, „Time can be rewritten”: The Doctor, the Book, and the Database, in: The Journal of Popular Culture 51 (2018), 5, S. 1133–1151.
  33. Holzhauser, Zur Marginalisierung von Frauen in der frühen deutschsprachigen Soziologie, S. 105.
  34. Ebd., S. 117.
  35. Dirk Kaesler, Wozu braucht es eine Geschichte der Klassiker der Soziologie?, in: Soziologiegeschichte. Wege und Ziele, hrsg. von Christian Dayé und Stephan Moebius, Berlin 2015, S. 192–208.
  36. Der Gedanke, dass ein Kanon soziologischer Mustertexte auch die Befreiung von nationalen oder ideologischen Vorgaben mit sich bringen kann, sei am Beispiel meiner eigenen drei Sammelbände illustriert: alle drei wurden in die Sprache Farsi übersetzt und im Jahr 2015 im Iran publiziert. (Bde. 1 und 2: Teheran: Islamic Azad University Press. 1. Aufl. 2015; 2. Aufl. Teheran: Publishing House Jame-Shenasan 2015; Bd. 3: Teheran: Agah Publishing House 2015.) Nur wer die leidenschaftlichen Debatten auf den Konferenzen der International Sociological Association in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat, auf denen die Forderungen nach einer Islamic Sociology lautstark erhoben wurden und werden, kann abschätzen, was das bedeutet. Es entzieht sich meiner Kenntnis, wer und unter welchen Umständen zum Kauf oder zur Lektüre dieser Bände in der islamischen Welt zugelassen wird und in welchen Bibliotheken die drei Bände stehen. Aber immerhin, die drei Bände sind in der Welt und laden ein zur Lektüre. – In den Universitätsbibliotheken der DDR standen meine Weber-Bücher und die Klassiker-Bände in sogenannten „Giftschränken“, zu denen Studierende keinen Zugang hatten.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.

Kategorien: Epistemologien Feminismus Gender Geschichte der Sozialwissenschaften Gesellschaftstheorie Methoden / Forschung Universität Wissenschaft

Dirk Kaesler

Univ.-Prof. em. Dr. rer. pol. Dirk Kaesler ist Soziologe und lehrte zuletzt an der Philipps-Universität Marburg. Life Member of Clare Hall, University of Cambridge. Mehr unter http://www.kaesler-soziologie.de.

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