Julian Nicolai Hofmann | Rezension |

Kalte Krieger auf Acid

Rezension zu „The Last Man Takes LSD. Foucault and the End of Revolution“ von Mitchell Dean und Daniel Zamora

Mitchell Dean / Daniel Zamora:
The Last Man Takes LSD. Foucault and the End of Revolution
Großbritannien / USA
London / New York 2021: Verso
256 S., £ 17.99
ISBN 9781839761393

Bereits 2015 legte der in Brüssel lehrende Daniel Zamora, damals gemeinsam mit Michael C. Behrent, einen in Deutschland nur vereinzelt zur Kenntnis genommenen englischsprachigen Sammelband[1] vor, der auf breiterer Basis Foucaults fragwürdige Nähe zu neoliberalem Denken unter die Lupe nahm. Schon damals entzündete sich eine kurze, dafür aber umso intensiver geführte Debatte rund um das Bändchen wie auch um einzelne Artikel[2] aus der englischen Ausgabe des Jacobin Magazine am Schlagwort „Neoliberalismus“, dessen Affirmation man partout nicht mit dem Namen Foucault in Verbindung bringen wollte. Während eine geistesgeschichtlich orientierte Neuinterpretation französischer Theoriediskurse der 1970er-Jahre und speziell eine zunehmend kritische Auseinandersetzung mit dem Werk Michel Foucaults in der internationalen Debatte verstärkt an Bedeutung gewinnt,[3] witterte man in akademischen Kreisen Deutschlands schon 2015 einen medialen „PR-Stunt“[4] junger Wissenschaftler, die durch gezielte und wohlkalkulierte Provokation auf sich aufmerksam machen wollten.

Nun legen Dean und Zamora erstmals eine gemeinsame Monografie vor, welche die in besagtem Sammelband angedeuteten Thesen zum Spätwerk Foucaults detaillierter ausdifferenziert und mit einer breit ansetzenden historischen Kontextualisierung seiner intellektuellen Entwicklung untermauert. Die letzte Schaffensphase, der „final Foucault“ ab Mitte der 1970er-Jahre bis zu seinem frühzeitigen Tod 1984, steht dabei im Zentrum der geistesgeschichtlichen Untersuchung. Im Laufe weniger Jahre, so die Diagnose der beiden Autoren, sei der ehemalige Anhänger der radikalen Linken zu einem entschiedenen Kritiker des marxistischen Projekts geworden, der in liberal-konservativer Manier des Antitotalitarismus die sozialistischen Regime attackierte und im aufkommenden Neoliberalismus eine relevante politische Alternative zur normativen Staatsfixiertheit der europäischen Linken erkannte.[5]

Wie lässt sich dieser enorme Wandel erklären? Eine erste Antwort darauf sehen die Autoren in der Diagnose einer doppelten Frontstellung der theoretischen Neuausrichtung Foucaults: Sein Denken wende sich in dieser Schaffensphase einerseits gegen den „krypto-totalitären“ (S. 46, S. 71) Sozialismus und andererseits gegen die normierende Sozialstaatlichkeit der westlichen Demokratien (speziell den Etatismus der französischen Republik). Eingebettet in den historischen Kontext erscheine Foucault als Repräsentant einer intellektuellen Umbruchsepoche, sein Denken sei stark von zeitgenössischen Kontroversen motiviert gewesen. Innerhalb der französischen Linken begann zum damaligen Zeitpunkt ein Prozess, den Sunil Khilnani bereits vor Dean und Zamora als „Exorzismus der Revolution“[6] bezeichnet hat. Die Schlüsselereignisse jener Jahre rekonstruieren die Autoren wie folgt:

In die auf den „wilden Mai“ 1968 folgende politische Leere und Orientierungslosigkeit hinein, löst ein publizistischer Donnerschlag, die französische Erstveröffentlichung von Solschenizyns Der Archipel Gulag im Jahre 1974, eine starke, die politischen Lager übergreifende, antimarxistische Erweckungsbewegung aus (S. 25, S. 41, S. 45). Allein 600.000 Exemplare der ersten Auflage des historisch-literarischen Werkes über das sowjetische Zwangsarbeitssystem wurden verkauft. Man kann den Einfluss dieses Buches im Kosmos der Pariser Linken gar nicht hoch genug einschätzen, wenn man die zahlreichen, an Solschenizyn anknüpfenden Texte, Rezensionen und Kommentare des politisch-akademischen Milieus zur Kenntnis nimmt, die als ein erster Wendepunkt in der geistesgeschichtlichen Konstellation der 1970er-Jahre gelten können. Weite Teile der progressiven Intellektuellen erachteten das Gulagsystem nun als politische Metapher, die dazu genutzt werden konnte, die stetige Entzauberung des sozialistischen Gegenentwurfes voranzutreiben, deren Stellenwert als Alternative zu den marktwirtschaftlichen Systemen des kapitalistischen Westens immer weniger erstrebenswert erschien. Foucaults „enduring hostility to communism and institutional forms of Marxism […] place him within the more general French anti-totalitarism milieu“ (S. 28), schreiben die Autoren. Der politische Marxismus, oder gar die Idee einer sozialistischen Revolution, galt zunehmend als totalitäres Unterfangen, das notwendigerweise in den Vernichtungslagern enden müsse (S. 46). Dass Foucault diese Ansicht teilte, lässt sich in zahlreichen Interviews nachlesen: „[…] wir müssen die bedeutende Tradition des Sozialismus grundlegend in Frage stellen, denn alles, was diese Tradition in der Geschichte hervorgebracht hat, ist zu verdammen“,[7] äußert Foucault beispielsweise 1977 in einem Gespräch mit K. Boesers.

Dean und Zamora führen an verschiedenen Stellen auch immer wieder die Entwicklungen des etablierten politischen Betriebs in Frankreich und seine Wechselwirkung mit dem akademischen Milieu an, die der französischen Republik bis heute zu eigen sind. Als ebenfalls 1974 der Sozialist François Mitterand bei den Stichwahlen nur knapp dem Kandidaten des bürgerlichen Lagers Giscard d'Estaing unterlag, machte sich eine allgemeine Ratlosigkeit über die Zukunft der Linken breit. Nach dem Wahlsieg nahm Giscards angekündigte Programmatik des „advanced liberalism“ (S. 58 ff.) an Fahrt auf und versprach den Ausbau individueller Freiheiten sowie eine allgemeine Modernisierung der französischen Gesellschaft, die bis dato strukturell stark durch den Geist des Gaullismus und seine republikanischen Einheitsvorstellungen geprägt war. Eine neue liberale Programmatik etablierte sich, welche das Presse- und Asylrecht reformierte, staatliche Überwachung und Repression abbaute (S. 59). Folgt man der Darstellung der Autoren, bildet dieses Fahrwasser liberaler politischer Reformen den Nährboden für die Entstehung der französischen Deuxième gauche, die eng mit den Namen Michel Rochard, Pierre Rosanvallon und Patrick Viveret verbunden ist. Thematisch ist mit dieser Bewegung, der auch Foucault nahestand (S. 69), die starke Betonung einer „neuen politischen Kultur“[8] (S. 65) verbunden, deren Inhalte sich maßgeblich an den Vorstellungen der Zivilgesellschaft wie auch der Menschen- und Minderheitenrechte orientierten und sich zugleich gegen die als starr empfundene Klassentheorie der marxistischen Linken wendete. Der gesamte intellektuelle Zeitgeist, besonders innerhalb der politischen Linken, so das Resümee, stand auf Wandel.

In diesem historischen Kontext begibt sich Michel Foucault ab Mitte der 1970er-Jahre auf die Suche nach neuen intellektuellen Ressourcen, einer „new kind of left thought“ (S. 198) jenseits juridisch behafteter Revolutionstheorien oder normierender Wohlfahrtstaatlichkeit. Fündig wird er, so schreiben Dean und Zamora, in den Autonomie- und Selbstverwirklichungsformen der US-amerikanischen Gegenkultur. Den dort praktizierten individualistischen Kult des Selbst, demzufolge „equality was to be reconceptualized in terms of autonomy and recognition“ (S. 68), habe Foucault als ungemein inspirierend empfunden und zentrale Inhalte in den eigenen theoretischen Korpus integriert. Politik sei für Foucault zu einer Frage der Selbstverwirklichung, der Subjektivität und einer Transformation durch radikale Grenzerfahrungen geworden. Übersetzt in die begriffliche Klaviatur der US-amerikanischen Neoliberalen, deren Werk Foucault zeitgleich zur Vorbereitung der Vorlesungen über die Geburt der Biopolitik am Collège de France 1978/79 intensiv studierte, trete das „unternehmerische Selbst und die zelebrierte politische Spiritualität der Selbstverwirklichung an die Stelle einer Analyse von Ausbeutung und sozialen Differenzen. Besonders nach seinen Aufenthalten in Berkeley, in den Zen-Tempeln Japans, bei Taoistischen Communities wie auch im Iran, wo sich gerade das islamistische Mullah-Regime neu etablierte, begrüßte Foucault diese neue Welt geradezu euphorisch: Subjektivität statt Klasse lautete das Credo. Dean und Zamora zeigen, wie dieser Impuls den seinerzeit populärsten französischen Intellektuellen zu einer „search for a new left ‘governmentality’ in place of socialism, and of his replacement of the sovereign subject with new powers and new forms of autonomous self-creation” (S. 11) führte. Foucault wird hier – im Topos der zeitgenössischen Kontroversen – zum geistigen Wegbereiter der sogenannten ‚Lifestyle-Linken‘ und für die beiden Autoren damit zum Stichwortgeber einer politischen Fehlentwicklung, deren Folgen bis heute andauern.

So entbehrt es natürlich nicht jeglichem Charme, dass sich der freilich rein symbolische Bezugspunkt dieser geistesgeschichtlichen Auseinandersetzung mit Foucaults Wirken und Werk in dem titelgebenden „profound effect“ (S. 4) seines LSD-Trips in der kalifornischen Wüste findet: Nach einigen durchzechten Nächten in den Clubs von San Francisco fährt eine kleine Gruppe im Frühsommer 1975 hinaus ins Death Valley, um gemeinsam einen Acid-Trip zu zelebrieren.[9] Doch sind Foucault und seine Entourage bei ihrem Versuch mit der halluzinogenen Droge indes bereits Spätzünder. Zum Zeitpunkt jener „great experience, one of the most important in my life“ (S. 2), wie Foucault später an den Begleiter Simeon Wade schreibt, war der Zenit des widerständigen sozialkulturellen Nährbodens schon lange überschritten und die kalifornische Gegenkultur der 1960er-Jahre im Niedergang begriffen. Jene Phase eruptiver sozialer Kämpfe um das Schlüsseljahr 1968 war in Paris, Frankfurt, New York und San Francisco längst abgeebbt und einer depressiven politischen Orientierungslosigkeit zwischen der autoritären Disziplin der K-Gruppen und einer Suche nach dem transzendentalen Leben, der Politik als Lebensform, in den hippiesken, entpolitisierten Kommunen gewichen. Ebenso hatte Michelangelo Antonioni seinen legendären Film über den Zabriskie Point lange abgedreht und der sagenumwobene Ort des Acid-Trips im Death Valley war 1975 längst zur klischeehaften Pilgerstätte geworden, zum Sinnbild einer dem individualistischen Hedonismus frönenden politischen Niederlage.[10]

Folgt man der sich über die acht Kapitel des Buches entfaltenden Argumentation, beginnend bei Foucaults Verabschiedung des souveränen Subjekts (S. 73 ff.) über die Negierung der Revolution (S. 139 ff.) und die Kritik der Normativität (S. 172 ff.), so wird deutlich, dass Foucault den aufkommenden Neoliberalismus freilich nicht als spezifische Ideologie des Spätkapitalismus, sondern – dem Zeitgeist und seiner theoretischen Neuorientierung verpflichtet – als „most recent iteration of a liberal art of government, that is, as a critique, a method, or a test of how we are governed, of whether we are governing too much, of who or what is governing, and especially of the state“ (S. 205 f.) begreift. Die neuen Formen der „Ökonomie“ des neoklassischen Paradigmas müssen ihm, wie es später in der Geburt der Biopolitik heißt, als „Disziplin ohne Totalität […] erschienen sein, die die Unmöglichkeit einer souveränen Perspektive manifestiert“.[11] Auch wenn sich Foucault vor expliziten Bekenntnissen gehütet habe, spüre man auch jenseits der Geschichte der Gouvernementalität seine faszinierte Nähe zu dieser neuen Welt, so Dean und Zamora. Er habe den Neoliberalismus als Kritikform betrachtet, als freiere, individuellere und weniger normierende Form der Gouvernementalität, die mit den disziplinarischen Machtformen der fordistischen Gesellschaften bricht. Von den neuen Formen neoliberaler Regierungskunst versprach sich Foucault ein größeres Maß an Toleranz gegenüber Differenz und Devianz als von der wissens- und sozialtechnologiebasierten Form der Moderne mit ihrem Projekt der Homogenisierung.[12] Als Ausweg und möglicher Schutz des Individuums vor der Macht des Staates und seinen Institutionen, trete nun die Idee einer „linken Gouvernementalität“, ein „neoliberalism beyond left and right“ (S. 52). Es sind diese antizipierten Formen der Steigerung individueller Autonomie, die Zurückweisung staatlicher Disziplinierung und Normierung bei gleichzeitiger Verabschiedung der Klassenfrage, die neoliberale Tendenzen für Foucault zur theoretischen Alternative werden lassen.

Damit steht die Frage im Raum, wie der Neoliberalismus zum hegemonialen Projekt unserer Epoche werden konnte, ob man das Phänomen tatsächlich als reines Projekt gesellschaftlicher Eliten verstehen kann, das von einer Clique österreichischer Wirtschaftswissenschaftler und später von politischen Amtsträger*innen à la Margaret Thatcher oder Ronald Reagan den sterbenden fordistischen Gesellschaften gewissermaßen „von oben“ oktroyiert wurde. Mindestens beachtenswert scheint die unbequeme und bis dato selten konsequent gestellte Frage, welche strukturellen Verschiebungen innerhalb der Theorie und Praxis einer politischen Linken im Wendezeitraum der 1970er-Jahre die Etablierung einer neoliberalen Hegemonie ermöglichte, die ihre kreative Sprengkraft aus jenem antietatistischen, subjektivistischen und auch durch Foucault beschworenen Impuls „of being less governed“ (S. 40) gewinnt. Mit Dean und Zamora gesprochen lässt sich vermuten, dass es genau dieser macht- und staatskritischen Linken bedurfte, um den Sozialstaat zu zerschlagen, egalitäre Projekte zu schwächen, den politischen Institutionen und Rationalitäten der Arbeiter*innenbewegung mit ihrer Idee der Revolution den Prozess zu machen. Entsprechend stark fällt dann auch das abschließende Urteil beider Autoren aus, indem das Denken Foucaults als Teil des neoliberalen „political thought collective“ (S. 235) begriffen wird. Schließlich sei es diese neoliberale Hegemonie gewesen, „[which] contributed to rising inequality, austerity and public debt, accelerated the corrosion of public services, public office and public trust, and reduced the capacity of actual existing democracies to address the problems of economy, health, security and environment that confront them” (ebd.).

The last man takes LSD ist ein scharfer, lauter Angriff auf eine unbedachte, unhistorische Lektüre Foucaults, der durchaus dazu befähigt, die 1970er-Jahre und ihre intellektuellen Heroen nicht zu mystifizieren, sondern mit dem vorhandenen methodischen Repertoire der Politischen Theorie und Ideengeschichte zu untersuchen. Dabei geht es den Autoren aber um weit mehr als eine rein akademische Ergänzung oder das Aufzeigen einer vernachlässigten historischen Momentaufnahme. Die Bestandteile der Foucault’schen Theorie und der ihr bis heute ungebrochen folgenden Epigonen erscheinen im Lichte des Buches auch als Geschichte einer politischen Niederlage und der mit ihr verbundenen strukturellen Dominanz einer Form der zahnlosen „Künstlerkritik“, die längst zum treibenden Stichwortgeber eines „progressiven Neoliberalismus“ (S. 234 f.) geworden ist: Wo der Staat weicht, materielle Ungleichheit nicht mehr verhandelt und theoretisiert wird, da regieren die Märkte.

Die Polarisierung, die das Buch bereits vor seiner offiziellen Veröffentlichung auslöste, lässt diesen Punkt umso bedeutsamer erscheinen. Dabei tritt zugleich ein zunehmend offensichtliches Problem der deutschsprachigen Theoriebildung zu Tage, in deren Rahmen die geistesgeschichtlichen Entstehungskontexte speziell französischen Denkens entweder bewusst ausgeblendet oder aber, zugunsten der Erzeugung theoretischer Stringenz, strukturell vernachlässigt werden. Wer über Foucault hinaus hier noch tiefer schürfen möchte als das vorliegende Buch es gegenwärtig ermöglicht, der wird bei Claude Lefort und Pierre Rosanvallon, den führenden Köpfen des „liberal moment“, ganz sicher fündig.

Es ist also nicht zuletzt der Verdienst der beiden Autoren, das Denken Foucaults in einer historischen Umbruchsphase, den Wirren der ‚wilden Siebziger‘, erneut zu kontextualisieren, einer Phase, in der nicht nur Staat, Ökonomie und Gesellschaft einen strukturellen Wandel erfuhren, sondern auch das „wilde Denken“ (Levi-Strauss) neue, im Sinne der Autoren sicher fragwürdige Wege einschlug. Dass Dean und Zamora nicht die ersten sich derart äußernden Stimmen sind,[13] macht ihre Argumente keinesfalls weniger bedeutsam. Vielmehr erinnert das Buch daran, dass sozialwissenschaftliche Theorie, will sie den Kontakt zur politischen Realität nicht verlieren, keineswegs losgelöst von ihren Entstehungszusammenhängen betrieben werden sollte. Wer Foucault ausschließlich als Sozialphilosophen liest, muss jene so oft beschworene „Kritik im Handgemenge“ ausblenden und kann sich dem Luxus hingeben, den zahlreichen Fallstricken einer doppelten Betrachtung von Theorie und Kontext gerade keine Rechnung tragen zu müssen. Eine derart unbeschwerte Leichtigkeit gestattet die ideen- und geistesgeschichtlich orientierte Lektüre der Texte Foucaults allerdings nicht.

  1. Daniel Zamora und Michael C. Behrent, Foucault and Neoliberalism, Cambridge / Malden, MA 2015.
  2. Can We Critisize Foucault? An Interview with Dean Zamora [10.06.2021], in: Jacobin, 14.10.2014.
  3. M. S. Christofferson, French Intellectuals Against the Left: The Antitotalitarian Moment of the 1970s, 1. Edition, New York 2004; Michael C. Behrent, Accidents Happen: François Ewald, the “Antirevolutionary” Foucault, and the Intellectual Politics of the French Welfare State, in: The Journal of Modern History 82 (2010), 3, S. 585–624; Michael C. Behrent, Foucault and France’s Liberal Moment, in: Stephen Sawyer / Iain Stewart (Hg.), In Search of the Liberal Moment: Democracy, Anti-Totalitarianism, and Intellectual Politics in France since 1950, New York 2016, S. 155–165; Geoffroy de Lagasnerie, Michel Foucaults letzte Lektion: Über Neoliberalismus, Theorie und Politik, hrsg. von Peter Engelmann, übers. von Isolde Schmitt, Wien 2017; Sunil Khilnani, Arguing Revolution: The Intellectual Left in Postwar France, New Haven, CT 1994.
  4. Vgl. Georg Simmerl, Foucault, ein Neoliberaler?! [10.06.2021], in: Theorieblog, 16.3.2016, siehe auch die unter dem Artikel geposteten Kommentare der Community.
  5. „For Foucault, the emergent neoliberalism […] thus appeared as a more ‘tolerant’ and less normative governmentality, perfectly able to respond to the economic and political ‘crisis’ of the exercise of disciplinary power within the welfare state.” (S. 65).
  6. Khilnani rekapituliert in seinem Portrait des linken intellektuellen Milieus und der politischen Kultur Frankreichs nach 1945 die sukzessive Abkehr und Verabschiedung des „revolutionären Mythos“ durch den Niedergang des Gauchismus. Neben der Ablehnung revolutionärer politischer Entwürfe im Rahmen einer neuen Debatte um den Totalitarismus gewinnt zugleich auch die liberale Neuinterpretation der Französischen Revolution durch den Historiker François Furet an Bedeutung. Vgl. Khilnani, Arguing Revolution.
  7. Michel Foucault, „Folter ist Vernunft“, in: Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Band III: 1976–1979, hrsg. von Daniel Defert / François Ewald, übers. von Michael Bischoff et al., 2. Edition, Frankfurt am Main 2003, S. 514.
  8. Vgl. dazu auch die gleichnamige Veröffentlichung von Pierre Rosanvallon / Patrick Viveret, Pour une nouvelle culture politique, Paris 1977.
  9. Vgl. auch Simeon Wade, Foucault in California: [A True Story―Wherein the Great French Philosopher Drops Acid in the Valley of Death], Berkeley, CA 2019.
  10. „Foucault took acid during the death throes of a period when LSD was considered as what his colleague, the historian of ancient thought Pierre Hadot, would call a ‘spiritual exercise’, soon to be replaced by the cocaine-fuelled entrepreneurialism of the discos and nightclubs of the late 1970s.” (S. 4)
  11. Michel Foucault, Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II. Vorlesungen am Collège de France 1978/1979, übers. von Jürgen Schröder, Frankfurt am Main 2006, S. 387.
  12. Vgl. Martin Kindtner, "Wie man es anstellt, nicht zu viel zu regieren." Michel Foucault entdeckt den Neoliberalismus, in: Morten Reitmayer / Thomas Schlemmer (Hg.), Die Anfänge der Gegenwart. Umbrüche in Westeuropa nach dem Boom, München 2013, S. 37–50, hier S. S.47.
  13. Vgl. Khilnani, Arguing Revolution.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher.

Kategorien: Geschichte Politik Politische Theorie und Ideengeschichte

Julian Nicolai Hofmann

Julian Nicolai Hofmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich „Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik“ der Leibniz Universität Hannover. Er promoviert an der Technischen Universität Darmstadt zum Thema (Sozial-)Staatskritik, Demokratie und Wohlfahrtsstaatlichkeit im französischen und deutschen Theoriekontext der 1970er- bis 1990er-Jahre.

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