Christian Fleck | Literaturessay |

Klassiker der empirischen Sozialforschung, wiedergelesen

Bemerkungen anlässlich dreier Neuauflagen

Jüngst wurden dies- und jenseits des Atlantiks drei soziologische Bücher wieder herausgebracht, die bei ihrem erstmaligen Erscheinen inner- und außerhalb der Fachwelt für Aufsehen sorgten und lebhaft diskutiert wurden. Dass sie nach mehr als einem halben Jahrhundert immer noch wahrgenommen und sogar verkauft werden, ist bemerkenswert und erklärungsbedürftig. Im Folgenden möchte ich einige Bemerkungen zu den drei Büchern und ihren jeweiligen Autoren machen und dabei auch auf einige Besonderheiten der Sozialwissenschaften in der Mitte des 20. Jahrhunderts eingehen.

Vermessungen der Prominenz

The People’s Choice, The Lonely Crowd, und The Power Elite zählen zu den modernen Klassikern der soziologischen Literatur. Es gibt wohl keine Soziologin und keinen Soziologen, denen die Titel und ihre Autoren unbekannt sind. Jenseits der professionellen Soziologie sind Paul F. Lazarsfeld (1901–1976), David Riesman (1909–2002) und C. Wright Mills (1916–1962), unterschiedlich stark in den Repositorien der gebildeten Stände vertreten. Bekanntheit lässt sich heutzutage unter anderem anhand der Anzahl der in unterschiedlichen Sprachen vorhandenen Wikipedia-Einträge messen. Wendet man dieses Verfahren an, findet man Anfang 2021 Einträge zu Mills in 43 Sprachen; Lazarsfeld kommt auf deutlich weniger, übertrifft mit 23 aber Riesman, der es nur auf vergleichsweise bescheidene 17 Einträge bringt.[1] Auf die gleiche Weise kann man sich auch einen Überblick über die Verbreitung der Buchtitel verschaffen: The Power Elite liegt mit 269 Erwähnungen nur knapp vor The People’s Choice mit 262, während The Lonely Crowd mit gerade einmal 16 Treffern fast schon dem globalen Vergessen anheimgegeben ist.

Etwas andere Zahlen liefert eine Auswertung von Google Scholar. Dort finden sich 11.505 Zitationen von The People’s Choice, 10.803 von The Power Elite und 8.438 für The Lonely Crowd.[2] Fokussiert man professionell schärfer und interessiert sich für das nachhallende Langzeitecho der drei Bücher im Kreis ihrer Fachkolleginnen und -kollegen, kann man die Zahl der Erwähnungen in der jüngsten Auflage der International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences heranziehen.[3] In diesem, 23.185 Seiten starken Nachschlagewerk wird der Buchtitel The Power Elite exakt 33 Mal zitiert, gefolgt von The People’s Choice mit 17 und The Lonely Crowd mit 8 Nennungen.

Die drei Bücher gehören offensichtlich immer noch zum Kanon, genauer: zu verschiedenen Ausgaben desselben: a) Dem vom globalen Lesepublikum des meistbenutzten Nachschlagwerkes unserer Tage koproduzierten; b) jenem, den die Nutzer von Google Scholar präsentiert bekommen; und schließlich c) dem Kanon der professionellen Evaluatoren, die darüber befinden, was sie am Anfang des 21. Jahrhunderts in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften für erinnerungswürdig halten.

Näher betrachtet deuten die Zahlen an, dass sowohl die drei Autoren wie ihre Werke in verschiedenen Gedächtnisgemeinschaften jeweils unterschiedlich starke Resonanz fanden: a) Die Anzahl der verschiedensprachigen Wikipedia-Einträge zu einer Person oder einem Werk kann man als Vermessung globaler Prominenz ansehen. Sie ist bei Mills und seinem Buch markant höher als bei den beiden älteren Fachkollegen und deren Studien. b) Die Zahlen, die Google Scholar über Zitationen ausweist, sind unter komparativer Perspektive ein valider Wert für die Häufigkeit der Nennung des jeweiligen Buchtitels in via Internet zugänglichen Dokumenten und Quellen, die in irgendeiner Beziehung zur akademischen Textproduktion stehen.[4] In diesem Korpus weisen The People’s Choice und The Power Elite eine markant höhere Trefferzahl aus als Riesmans Gegenwartsdiagnostik von 1950. c) Bemerkenswert scheint mir schließlich auch, dass die professionellen Aufmerksamkeitsverteiler der International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences Mills’ Buch mehr Bedeutung zumessen als Lazarsfelds Studie, während The Lonely Crowd auch hier einen vergleichsweise marginalen Platz einnimmt.[5]

Leitende Forschungsfragen

Worum geht es nun in den drei Büchern? Trotz ihrer methodischen Unterschiede präsentieren sich alle drei Texte als Ergebnis soziologischer Forschung und wurden von den Zeitgenossen auch als solche wahrgenommen. Obwohl Mills sich zum Zeitpunkt des Erscheinens von The Power Elite bereits außerhalb des Elfenbeinturms einen Namen als Gesellschaftskritiker gemacht hatte, wollte er weiterhin auch als Soziologe ernst genommen werden – die Rezeption des Buches zeigt, dass diesem Wunsch durchaus Rechnung getragen wurde.[6] Während sich Lazarsfeld in erster Linie an ein akademisches Publikum wandte, hoffte Riesman 1950 mit The Lonely Crowd auch als Intellektueller wahrgenommen zu werden.[7]

Gegenstand des Buches ist der nach Ansicht Riesmans gewandelte Sozialcharakter der US-Amerikaner, den er mithilfe einer auf Persönlichkeitsmerkmale ausgerichteten Typologie fassbar zu machen versuchte. Auch Mills verstand seine Schrift ausdrücklich als Analyse der US-amerikanischen Gesellschaft der Nachkriegsepoche, die er von einem Machtkartell aus Wirtschaft, Politik und Militär beherrscht sah. Dwight D. Eisenhower, der ehemalige Weltkriegsgeneral und spätere US-Präsident, wird das Buch seines zeitweiligen Untergebenen Mills vermutlich nicht gelesen haben,[8] aber die seinerzeit vielbeachtete Warnung vor dem wachsenden Einfluss des „militärisch-industriellen Komplexes“, die er bei seiner Abschiedsrede als US-Präsident aussprach, stand durchaus im Einklang mit Mills’ Analyse. Der Gegenstand von Lazarsfelds Studie wird im Untertitel genannt: „How the voter makes up his mind in a presidential campaign.“[9]

Die Beschränkung der drei Analysen auf die eigene US-amerikanische Gesellschaft kann man redlich nennen, insofern von den Autoren (zumindest in diesen Texten) kein Anspruch auf universelle Gültigkeit erhoben wird. Andere Bücher der Zeit sind da weniger bescheiden, man denke nur an den quintessenziellen Universalisten Talcott Parsons[10] oder an empirisch grundierte Studien wie The Authoritarian Personality, die ihre Leserschaft im Unklaren darüber lassen, auf welche Gesellschaft(en) sich ihr Urteil denn erstreckt. Dem Universalismus verpflichtet, seziert man dort angeblich eine „,anthropological‘ species“.[11]

Schwieriger zu erklären ist, warum drei (mehr oder weniger) empirisch fundierte Untersuchungen der US-amerikanischen Gesellschaft jenseits deren Grenzen auf so große Resonanz stießen und warum diese Rezeption über Jahrzehnte hinweg anhielt. Man liegt vermutlich nicht ganz falsch, wenn man die nahezu globale Verarbeitung dieser Studien in der lange Zeit akzeptierten Vorreiterrolle der US-amerikanischen Gesellschaft begründet sieht. Zweitens waren die USA spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur der machtpolitische Hegemon, auch ihre kulturellen Hervorbringungen wirkten auf die Bürgerinnen und Bürger anderer Länder aufmerksamkeitsheischend.[12] Und drittens kann man auch noch ins Treffen führen, dass die etablierten Praktiken und Routinen der damaligen empirisch verfahrenden US-amerikanischen Sozialwissenschaften nach Europa, Südamerika und Asien exportiert wurden: Ausländische Studierende erlernten die neuen Techniken an US-Universitäten und Forschungseinrichtungen, und US-amerikanische Gelehrte verbreiteten sie als Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Welt.[13]

Manche Veröffentlichungen fungieren als Modell, dem man nachzueifern strebt, andere enthalten Begriffe, Hypothesen, Theorien oder Erhebungstechniken, die man adaptiert und imitiert. Ehe ich auf die Frage des Anregungspotenzials der drei Bücher zu sprechen komme, will ich die Werke in den intellektuellen Biografien ihrer drei Verfasser verorten.

Biografische Skizzen

Der älteste der drei Texte stammt auch vom ältesten Autor. Paul F. Lazarsfeld wurde 1901 in Wien geboren und lebte dort die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens. 1933 kam er mit einem Stipendium der Rockefeller Foundation nach New York und entschied sich nach einigem Zögern zum Bleiben. Nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten gelang es ihm Schritt für Schritt, im US-amerikanischen Wissenschaftsbetrieb Fuß zu fassen. 1937 wurde er Direktor eines großen Forschungsprojekts, dessen Finanzier wiederum die Rockefeller Foundation war. Aus dem Princeton Radio Research Project wurde das Office of Radio Research, das 1939 an die Columbia University übersiedelte und schließlich in Bureau of Applied Social Research umbenannt wurde. An der Columbia University lehrte Lazarsfeld fortan am Department of Sociology, zunächst als Associate Professor, ab 1940 als Full Professor.[14] Im Frühjahr 1940 begannen auch die Erhebungen zu The People’s Choice, die durch finanzielle Zuwendungen der Rockefeller Foundation, des Life Magazine und des kommerziellen Umfrageforschungsinstituts Elmo Roper ermöglicht wurden. Anders als zu Beginn seiner Radioforschung[15] sah sich Lazarsfeld nun nicht mehr zur raschen Veröffentlichung von Ergebnissen genötigt, um mit der Verlängerung von Drittmittelprojekten auch sein eigenes Einkommen sicherzustellen. Dass das Buch erst 1944 erschien, hing aber vor allem damit zusammen, dass Lazarsfeld und sein Mitarbeiterstab sich zwischenzeitlich aktiv am war effort beteiligten und dabei dringendere Aufträge zu erledigen hatten. The People’s Choice führte zu mehreren Nachfolgestudien unter Lazarsfelds Leitung, wobei seine methodischen und begrifflichen Innovationen schon bald auch jenseits seiner Forschungsgruppe stilprägend wirkten.

Im Gegensatz zu Lazarsfeld war der 1909 in Philadelphia geborene David Riesman nicht gezwungen, sein Land zu verlassen, aber er hatte in jungen Jahren mit Problemen anderer Art zu kämpfen. Als Sohn eines Medizinprofessors mit jüdischen, aus Deutschland emigrierten Vorfahren, gehörte er nicht zur kulturellen Ultraelite der alteingesessenen WASPs. Die Zugehörigkeit zum Zentrum des akademischen Milieus musste er sich erarbeiten. Nach einem erfolgreichen Studium in Harvard, wo er nach dem Collegeabschluss auch die Law School absolvierte, etablierte er sich im Milieu der assimilierten Juden, deren soziale Diskriminierung damals allmählich nachließ. Als junger Jurist assistierte er 1935/36 bei Louis Brandeis, dem legendären ersten jüdischen Richter am Supreme Court, der 1948 zum Namenspatron einer Universitätsneugründung in Waltham, Massachusetts wurde. Anschließend praktizierte Riesman für kurze Zeit in Boston als Anwalt, bevor er ab 1937 an der Law School der University of Buffalo in New York lehrte. Parallel zu seiner wissenschaftlichen Arbeit unterstützte er zusammen mit dem in Harvard lehrenden deutschen Juristen Carl J. Friedrich, der sein Tutor im College gewesen war, das American Committee for the Guidance of Professional Personnel bei dessen Bemühen, ins Exil gezwungenen Juristen bei der Etablierung in der Welt des Case Law behilflich zu sein. Das war nicht die einzige Manifestation von Riesmans Umtriebigkeit. Als Student hatte er mehrere Monate lang die Sowjetunion bereist und während der Weltwirtschaftskrise prüfte er persönlich den Wahrheitsgehalt der auch heute noch weit verbreiteten Ansicht, dass jeder, der wirklich einen Job wolle, einen solchen auch bekomme.[16] Während seiner Zeit in Buffalo pendelte er regelmäßig nach Manhattan, um am Leben der New York Intellectuals teilzunehmen; auch suchte er aktiv den Kontakt zu Lazarsfelds Bureau of Applied Social Research, um das methodische Werkzeug der Sozialforschung kennenzulernen. Obendrein hatte er sich von seiner Mutter, die bei der 1932 in die USA übersiedelten Karen Horney in Analyse ging, überreden lassen, sich dieser Dienstleistung ebenfalls zu bedienen. Kein geringerer als Erich Fromm unternahm es, dem unter überzogenen mütterlichen Erwartungen Leidenden – Mutter Riesman hielt ihren Sprössling nicht für „first rate“[17] – zu helfen. Fromms Gesellschaftsdiagnosen waren beim Abfassen von The Lonely Crowd dann intellektuell bedeutsam.[18] Riesman nutzte ein Forschungsstipendium an der Columbia University zum Schreiben eines Artikels, der die eng gezogenen Grenzen der Rechtswissenschaft überwand – „Civil Liberties in a Period of Transition“.[19] Einer der Leser dieses Artikels war der in Chicago lehrende Soziologe Edward A. Shils, der Riesman daraufhin eine Professur am College der University of Chicago vermittelte.[20] Damals galt das Lesen großer Werke (alter weißer Männer) noch als die ultimative Didaktik für Studienanfänger, denen es auch erspart blieb, sich schon früh für eine der Spezialdisziplinen entscheiden zu müssen. Das College der Chicagoer Universität folgte diesem Modell und Riesman passte sehr gut dazu. 1947 wurde er für zwei Jahre nach Yale eingeladen und konnte in dieser Zeit nach Belieben forschen. Er untervermietete sein Chicagoer Haus an Rose und Lewis Coser sowie Ruth und C. Wright Mills, die einander aus New York kannten und, wie es der Zufall wollte, just zu der Zeit als Gastlehrende nach Chicago gekommen waren.[21] Dank zusätzlicher Forschungsmittel von der Yale University konnte Riesman Mitarbeiter engagieren. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit war The Lonely Crowd. Riesmans erste soziologische Veröffentlichung machte ihren Autor auf einen Schlag berühmt: Er war der erste Sozialwissenschaftler, dessen Porträt auf der Titelseite des Time Magazine erschien.[22] Seine späteren Veröffentlichungen fanden in den USA ein deutlich stärkeres Echo als international, wo er vor allem als der Verfasser dieses einen Buches in Erinnerung blieb.

Charles Wright Mills ist gewissermaßen der all american boy von den drei hier betrachteten Autoren. Geboren in Texas, wo er auch seine Erstausbildung absolvierte, begann er 1940 ein Doktoratsstudium der Soziologie an der University of Wisconsin in Madison, 200 Kilometer nordwestlich von Chicago, wo er sich vergeblich um ein Stipendium bemüht hatte. Die Soziologie an der staatlichen Universität in Madison hatte damals einen guten Ruf. Howard Becker, den man seinerzeit noch nicht mit dem namensgleichen jüngeren Chicagoer Soziologen und Jazzpianisten verwechseln konnte, fungierte als Chairman. Ebenfalls zur Faculty zählte Hans Gerth, ein nichtjüdischer deutscher Wissenschaftler, der 1937 über Großbritannien in die USA emigrierte und im selben Jahr, in dem Mills dort sein Studium aufnahm, in Madison zu lehren begann. Gerths Ruf als origineller Kopf und breit gebildeter Gelehrter drang rasch auch bis nach Chicago vor. Zu den gelegentlichen Besuchern von Gerths Seminar zählte beispielsweise auch die junge Susan Sontag.[23] Mills wurde zum engen Mitarbeiter und alsbald auch Mitautor Gerths, der es wohl dem jungen Kollegen zu danken hatte, dass die gemeinsamen Publikationen auch wirklich in den Buchhandlungen landeten, da Gerth selbst lieber sprach als schrieb, um es vorsichtig zu formulieren. Das erste Produkt ihres gemeinsamen Bemühens war die höchst erfolgreiche Edition From Max Weber: Essays in Sociology, die 1946 bei Oxford University Press in New York herauskam.[24] Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Mills, nach einem kurzen Zwischenspiel in Maryland, bereits seit einem Jahr im Bureau of Applied Social Research und hatte einen Lehrauftrag an der Columbia University. Er war Lazarsfeld und dessen Kollege, Freund und Ko-Direktor im Bureau, Robert K. Merton, empfohlen worden. Seine erste Aufgabe dort war es, eine der Nachfolgestudien zu The People’s Choice im Feld zu koordinieren, selbst Daten zu erheben und einen Rohbericht zu verfassen.[25] Nach fünf Jahren der Zusammenarbeit und wachsenden Spannungen zwischen Lazarsfeld und Mills quittierte dieser den Job im Bureau und wandte sich ganz seinen eigenen Projekten zu. The Power Elite erschien als dritter und letzter Band einer Reihe von Monografien, mit denen Mills die US-amerikanische Gegenwartsgesellschaft porträtieren und analysieren wollte. 1948 war The New Men of Power: America’s Labor Leaders erschienen, und 1951 brachte er White Collar: The American Middle Class heraus. 1956, zum Zeitpunkt des Erscheinens von The Power Elite, hatte Mills seinen Platz in der US-amerikanischen Öffentlichkeit und unter New Yorks Intellektuellen bereits erobert; er galt als scharfzüngiger Kritiker seiner Gegenwart und erntete außerhalb der akademischen Welt mehr Zuspruch als in ihr.

Die drei Kurzporträts machen deutlich, dass die soziologische Profession der 1940er- und 1950er-Jahre sich in einer Hinsicht von späteren Perioden unterschied: Autoren sehr unterschiedlichen Profils, die scheinbar weit entfernte Fragestellungen verfolgten, standen einander überraschend nahe und agierten lange Zeit mehr mit- als gegeneinander; die Fragmentierung der Disziplin, ihr Zerfallen in zahlreiche Spezialgebiete, die einander wechselseitig kaum mehr wahrnehmen, stand erst noch bevor.

Obwohl akademische Gemeinschaften immer auch Hackordnungen sind, lassen sich zwischen den drei hier betrachteten Soziologen unterschiedliche Interaktionsformen entdecken. Mills rebellierte nach wenigen Jahren gegen den von ihm als dominant wahrgenommenen Lazarsfeld. In seiner Streitschrift The Sociological Imagination zahlte er es seinem früheren Boss sozusagen heim, als er ihn gewissermaßen zu seinem gedanklichen Sparringspartner auserkor.[26] Die dort formulierte Polemik gegen den „abstracted empiricism“ lässt einen leicht übersehen, dass derselbe Mills sich an anderer Stelle durchaus aus dem Lazarsfeld’schen Werkzeugkoffer bediente: In dem 1952 entstandenen Text „On Intellectual Craftmanship“,[27] der in The Sociological Imagination als Appendix aufgenommen wurde, erläutert er Studierenden die Vorzüge der Kreuztabellierung – eine Technik, die er höchstwahrscheinlich nicht bei Gerth, sondern bei Lazarsfeld erlernt haben dürfte, und von der sich kaum Spuren in The Power Elite finden lassen.

In gewisser Weise ist es paradox, dass der Flüchtling aus Wien, dessen Englisch zeitlebens einen starken Akzent behielt und der sich trotz der Professur an einer der Eliteuniversitäten in den USA als Außenseiter sah, den soziologischen mainstream verkörperte und prägte, während die beiden US-Amerikaner – trotz ihrer zeitweiligen Popularität – zumindest in der Soziologie eher randständig blieben. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Lazarsfeld sich in der Neuen Welt einige der Praktiken selbst verbat, die ihm in Wien noch selbstverständlich gewesen waren: Weder zeigte er eine auf das breitere Publikum zielende Wirkungsabsicht noch ließ er sich zu öffentlicher Polemik hinreißen.[28] Mills wiederum starb zu jung, als dass sich sagen ließe, ob er nicht zu einem späteren Zeitpunkt doch noch seinen Frieden mit einem Teil der von ihm kritisierten Bezugsgruppen gemacht und Nachahmer in der Zunft gefunden hätte. Und für Riesman gilt, dass er zwar Zeit seines Lebens hohes Ansehen in der interessierten Öffentlichkeit genoss, dieses aber vor allem auf der Breite seiner Interessen und Beiträge gründete und nicht auf methodischen Neuerungen oder umstürzenden Forschungsleistungen. Die beiden so unterschiedlich gearteten Randständigen kamen persönlich gut miteinander aus und besuchten einander. Riesman verfasste außerdem einen ausführlichen Kommentar zu einem Entwurf von The Sociological Imagination und besprach zumindest eines von Mills’ Büchern freundlich.[29] Mit Lazarsfeld kollaborierte Riesman fünf Jahre nach dem Erscheinen von The Lonely Crowd, als dieser ihn einlud, eine (qualitative) Begleitstudie zu Academic Mind durchzuführen.[30] Auch zur Festschrift für Lazarsfeld, die erst nach dessen Tod herauskam, deren Inhaltsverzeichnis ihm aber in der Stunde seines Todes noch vorgelesen wurde, steuerte Riesman einen Beitrag bei. Lazarsfeld seinerseits hatte wenige Jahre zuvor sehr generös Mills’ Kritik an ihm als eines von drei Dokumenten eines „Expert Witness“ in einen Band mit einer Auswahl seiner eigenen Schriften aufgenommen.[31] Zur Festschrift für Riesman, die 1979 erschien, konnten weder Mills noch Lazarsfeld etwas beisteuern.[32] Beide waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Helfende Hände

Alle drei Autoren waren in unterschiedlichen Forschungszusammenhängen aktiv und kooperierten mit anderen Wissenschaftlern. Von daher scheinen auch ein paar Worte über Ko-Autorinnen und Mitarbeiter an dieser Stelle angebracht. Lazarsfeld wird nachgesagt, dass er gerne jüngere und weniger erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um sich versammelte, die er formen und ausbilden konnte. Um 1940 herum dürfte er gegenüber diesen Jüngeren einigermaßen nachsichtig aufgetreten sein. Mit Mills hingegen geriet Lazarsfeld in den späten 1940er-Jahren wiederholt lautstark aneinander, wobei die Grenzen der Höflichkeit von beiden Seiten überschritten wurden.[33] Hazel Gaudet war eine von Lazarsfelds frühesten Mitarbeiterinnen in den USA. Sie arbeitete gemeinsam mit Herta Herzog, der zweiten Ehefrau Lazarsfelds, an einer der ersten Monografien, die aus dem Princeton Radio Research Project hervorgingen: The Invasion from Mars: A Study in the Psychology of Panic (1938), das die Reaktionen auf Orson Welles’ legendäres Radiohörspiel The War of the Worlds untersuchte. Als die Studie 1940 bei Princeton University Press erschien und als Autorin „Hadley Cantril, with the assistance of Hazel Gaudet and Herta Herzog“ anführte,[34] war Lazarsfeld über die Herabstufung der beiden Frauen derart erbost, dass die Freundschaft zwischen ihm und Cantril darüber zerbrach.[35] Gaudet verließ nach ihrer Eheschließung 1947 das Bureau und kehrte sowohl New York als auch der akademischen Forschung den Rücken, um sich in den folgenden drei Jahrzehnten in Nevada als politische Aktivistin zu betätigen. 1961 kehrte sie zur Forschung zurück und betreute in den folgenden fünfzehn Jahren in der Zeitschrift Public Opinion Quarterly eine Kolumne, die über Umfragedaten zu jeweils einem bestimmten Thema berichtete. Sie verstarb 1975.[36]

Bernard Berelson heuerte 1944 als junger Postdoc im Bureau an, das er jedoch bereits 1946 wieder verließ. Als Leiter der Abteilung für Behavioral Sciences der Ford Foundation und danach als Direktor des Center for Advanced Studies in Behavioral Sciences in Palo Alto kreuzten sich seine und Lazarsfeld Wege noch mehrfach. Die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Erhebung und der Auswertung werden im Buch namentlich unter Angabe ihrer Aufgaben genannt.

Riesman rekrutierte seine beiden Mitautoren auf unterschiedliche Weise. Reuben Denney, der sich auch als Schriftsteller betätigte und hauptberuflich an einem College unterrichtete, war nur vier Jahre jünger als Riesman. Die beiden kannten einander schon einige Zeit und Denney war an Riesmans Ideen interessiert. Nathan Glazer wurde für die vorübergehende Mitarbeit aus Manhattan abgeworben, wo er bei Commentary als Journalist arbeitete und mit Mills im Bureau dessen Material analysierte, das dann in White Collar Eingang finden sollte. Glazer hatte ein Undergraduate-Studium am legendären City College in New York absolviert und gehörte dort zu den moderat zionistisch und rabiat antistalinistisch orientierten Zirkeln. Riesman engagierte ihn vor allem aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Mills. Glazer beurteilte seine Kompetenzen rückblickend deutlich unbescheidener: „By the time The Lonely Crowd was published in 1950, it was clear to me that in addition to being a social commentator, an editor, and an expert on American Jews, I was also a sociologist.”[37] Im Vorwort zur gekürzten und überarbeiteten Ausgabe von 1961 dankt Riesman anderen Mitarbeiterinnen und Kollegen, darunter Rose Laub Coser, für das Kodieren von Interviews, schildert detailliert, welche Teile des Buches von welchen der Mitautoren vorbereitet wurden und erwähnt, dass Glazer sowohl die Überarbeitung als auch die Kürzungen gegenüber der Erstauflage zu verdanken sind.

Auch Mills dankt einer Zahl von Personen, die an der Herstellung des Buches mitwirkten, ohne dass jedoch recht klar würde, wie weitgehend deren jeweiliger Beitrag war: „My wife, Ruth Harper Mills, as chief researcher and editorial adviser, has shaped much of the book”;[38] weitere drei Verfasser von Memoranden werden angeführt und einer langen Liste von Freunden dankt er für deren Ratschläge, darunter Lewis Coser und Irving Howe, in deren Zeitschrift Dissent Mills zur Zeit der Abfassung des Buches regelmäßig publizierte.

Nachhaltige Wirkungen

Abschließend will ich an die drei hier diskutierten Bücher noch zwei Fragen richten: Welche der präsentierten Einsichten haben dem Zahn der Zeit widerstanden und welche ihrer methodischen oder theoretischen Anregungen setzten sich durch und fanden Nachahmer?

Die hohe Intensität der Zitationen über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahrzehnten verdankt sich natürlich vor allem dem Umstand, dass derartige Klassiker häufiger zitiert denn als Sprungbretter benutzt werden. Jenseits der zeremoniellen Referenzen und abgesehen davon, dass jedes der drei Bücher selbst schon Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten wurde, scheint mir von den in The Lonely Crowd ausgebreiteten Befunden kaum noch einer auf Zustimmung zu stoßen. Die seinerzeit ubiquitäre Rede von Nationalcharakteren hat inzwischen stark an Überzeugungskraft verloren und wurde durch zwei Habitusbegriffe ersetzt. Anhänger von Norbert Elias, die den nationalen Habitus ins Zentrum ihrer Untersuchungen über langandauernde Prozesse sozialen Wandels stellen, kommen zumeist ohne Bezug auf Riesman aus.[39] Ihre Vorbehalte resultieren nicht zuletzt aus der Ansicht, dass die Herausbildung eines spezifisch nationalen Habitus einen viel längeren Zeitraum in Anspruch nehme, als von Riesman und seinen Mitautoren veranschlagt; darüber hinaus heben sie hervor, dass sich ein neuer Habitus in einer Gesellschaft stets schrittweise von den oberen zu den unteren Schichten ausbreite. Demgegenüber fokussiert der von Pierre Bourdieu entwickelte Habitusbegriff viel stärker als Elias und Riesman auf Klassen, ja eigentlich auf Berufsgruppen, was eine viel größere Anzahl von Habitus zur Folge hat.

Die Halbwertszeit der Thesen von The Lonely Crowd – wenn man dieses Maß in dem hier interessierenden theoriegeschichtlichen Kontext zumindest metaphorisch verwenden will – erwies sich als ziemlich kurz, woran nicht zuletzt Riesman selbst einigen Anteil hatte: Im Vorwort zur gekürzten und revidierten Ausgabe von 1961 sowie in einem weiteren Vorwort aus dem Jahr 1969 nahm Riesman viele seiner Thesen zurück, ja konzedierte Fehler und Mängel der Studie, gerade so, als wäre er sein schärfster Kritiker. Die zentralen Begriffe des „Innen-Geleiteten“ beziehungsweise des „Außen-Geleiteten“ (im Original „inner-direction“ und „other-direction“) begegnen einem heute, wenn überhaupt, wohl nur noch in Prüfungsfragen von Professoren, die sich keine große Mühe machen wollen.

Dennoch wird die weitgehende Missachtung von The Lonely Crowd dessen Inhalt nicht gerecht und jenen, die das Buch ignorieren, entgeht eine interessante Leseerfahrung. Riesman und seine beiden Mitarbeiter breiten vor ihren Leserinnen und Lesern eine auch heute noch beeindruckende Menge an Anschauungsmaterial zur US-amerikanischen Kultur(-geschichte) aus. Im abschließenden dritten Teil der Studie findet man aufschlussreiche Passagen, in denen Riesman Jüngeren nützliche Hinweise für ein angemessenes Rollenverhalten in einer anspruchsvollen sozialen Umgebung zu geben versucht. Der Sozialcharakter, der hier porträtiert wird, ist jener des Autonomen; man kann ihn auch den um Distanz bemühten nennen, womit eine weitere Nähe zu Elias markiert werden soll; bekanntlich hat Letzterer anhand der Fabel von den Fischern im Mahlstrom nicht nur die soziale Rolle des Soziologen, sondern des auf der Höhe des Zivilisationsprozesses stehenden Individuums herausgearbeitet.[40] Zweifelhaft scheint mir allerdings, ob Richard Sennett, der sich in seiner Einführung zur Neuauflage sehr einfühlsam und lobend über Riesman und dessen bekanntestes Buch äußert, richtig liegt, wenn er meint, dass Riesmans Plädoyer für Autonomie gerade in der digitalen Welt hilfreich sein könnte, um erfolgreich „between indifference and oversensitivity to others“ navigieren zu können (S. xvii).

Mit Blick auf Mills’ Elitenbuch fällt das Urteil über dessen anhaltende Relevanz vergleichsweise leicht, zerfällt aber in zwei diametral entgegengesetzte Antworten. Als Streitschrift ist The Power Elite unverwüstlich und wird von sich selbst kritisch dünkenden Köpfen und rebellischen Gruppierungen nicht nur heute, sondern auch noch in Jahren unverzagt herangezogen werden. In soziologischer Hinsicht ist das gesellschaftsdiagnostisch schon damals unvollständige und irreführende Buch jedoch längst überholt. Occupy Wallstreet und andere Protestgruppen mögen Mills wohl zu ihren intellektuellen Ahnherren zählen, doch eine empirisch wie theoretisch anspruchsvolle Politische Soziologie oder Elitensoziologie kann mit dem Holzschnitt, den Mills 1956 veröffentlichte, wenig anfangen. Liest man das Buch in der vorliegenden Neuübersetzung,[41] wundert man sich aus heutiger Perspektive zuerst einmal über all das, was darin überhaupt nicht behandelt wird. Schon Daniel Bell monierte, dass Mills – während der Hochzeit des Kalten Krieges – mit keinem Satz auf die Sowjetunion einging. Die Liste der Leerstellen lässt sich leicht erweitern: Nicht nur der Ost-West-Konflikt, auch der Nord-Süd-Gegensatz spielt für Mills keine Rolle. Frauen kommen nur in der Rolle der „trophy women“ vor, die ein halbes Jahrhundert vor Mills bereits Thorstein Veblen so benannt hatte. Vor allem aber ist The Power Elite theoretisch unbefriedigend. Mills erläutert seinen Machtbegriff gelegentlich unter Rekurs auf Max Weber, ignoriert aber, dass es sich dabei um einen relationalen Begriff handelt. Wie später auch Michel Foucault und die ihm nachfolgenden Denker verfällt Mills in den Fehler einer Essenzialisierung der Macht und redet von ihr wie von einer Sache, über die man verfügen kann, wie über Geld oder Boden. Doch selbst, wenn man sich auf diese Verdinglichung versuchsweise einlässt, erlebt man schnell die nächste theoretische Enttäuschung: Die Gruppe der Machteigentümer erscheint bei Mills als ultrahomogene und verschworene Bande, als das oberste 1 Prozent der Gesellschaft.

Im Unterschied zu Riesmans Text, den man als historisches Dokument auch heute noch mit Gewinn lesen kann, bereitet einem – zumindest mir – die Lektüre von The Power Elite kein vergleichbares Lesevergnügen. Mills malt seine Gegenwart in so schwarzen Farben aus, dass man sich beim Lesen fragt, ob das die gleiche Gesellschaft ist, die heutige Gegenwartsdiagnostiker als Les Trente Glorieuses beschreiben, als die goldenen Jahre, die sich durch Vollbeschäftigung, hohe gewerkschaftliche Organisationsdichte und expandierende Sozialstaaten auszeichneten. Die damaligen US-Einkommens- und Erbschaftssteuersätze lassen Thomas Piketty Sehnsucht empfinden und scheinen ihm nie wieder erreichbar.[42] Henry Ford I. und II. kommen bei Mills vor, doch Anmerkungen zu der spezifischen Form der industriellen Produktion, die seit einiger Zeit als Fordismus bezeichnet wird und die ihre Blütezeit in den Jahren hatte, über die Mills als Zeitgenosse urteilte, sucht man in The Power Elite vergebens.

Tatsächlich ist es der trockenste und am wenigsten gefällig geschriebene der drei Texte, The People’s Choice, der mir sowohl mit Blick auf inhaltliche Thesen wie methodische Innovationen nach wie vor am interessantesten erscheint. Zentrale Begriffe des Buches wie „opinion leader“, „two-step flow of communication“, „cross pressure“ oder „bandwagon effect“ sind mittlerweile in das Vokabular und Begriffsreservoir der empirischen Sozialwissenschaften eingegangen. Weithin bekannt sein dürfte der erstgenannte Ausdruck, da er ins Allgemeinvokabular diffundierte,[43] die anderen drei seien hier zumindest knapp erläutert: Als zweistufige Kommunikation wird der Umstand bezeichnet, dass es für Wahlwerbung und andere Propaganda ausreicht, wenn sie die „opinion leaders“ erreicht, da diese die zu vermittelnde Botschaft dann in ihren sozialen Nahbeziehungen weiterverbreiten; „cross pressure“ macht darauf aufmerksam, dass Personen, die wählen oder andere Entscheidungen treffen müssen, gelegentlich von verschiedenen sozialen Kräften in unterschiedliche Richtungen gedrängt werden, weshalb sich ihre Handlungen in solch einer Situation weniger erfolgreich vorhersagen lassen; und der „bandwagon effect“ bezeichnet ein Phänomen, das im Deutschen als „Mitläufereffekt“ bekannt ist und auf die positive, effektsteigernde Wirkung von Erfolg verweist – ein Phänomen, das wohl auch schon vor The People’s Choice bekannt gewesen sein dürfte.

Der Befund Lazarsfelds und seines Teams, wonach in Wahlkämpfen eine effektive Beeinflussung der Wählerinnen und Wähler vornehmlich innerhalb der eigenen sozialen Schicht erfolgt und sich nicht infolge vertikaler Schichtungsprozesse oder Herrschaftshierarchien einstellt, erboste Mills ebenso wie andere Populisten, die gern Manipulation vermuten, wo es um Gruppenbildung geht. The People’s Choice ist wegen des Erhebungsdesigns zur Modelluntersuchung geworden. Hier, wie auch schon in der Marienthal-Studie[44] und in einer Reihe nachfolgender Arbeiten, verzichtete Lazarsfeld auf eine Zufallsstichprobe der Gesamtbevölkerung und ging mit seinen Mitarbeitern in einen County, wo sie versuchten, Interaktionen zwischen den Probanden zu erheben. Mit Erie County und seinem zentralen Ort Sandusky im Bundesstaat Ohio stießen sie dabei auf eine Art USA im Kleinformat (Chapter II, S. 10–15). Die Stimmverteilung dieses Countys entsprach seit langem jener im Gesamtgebiet der USA. Vollständig neu war die seither so genannte Panelbefragung, also die wiederholte Befragung derselben Personen in mehreren Wellen. Lazarsfeld ließ 1940 in sehr kurzen Abständen nicht weniger als sieben Erhebungswellen durchführen. Auch wenn die Anzahl heute zumeist darunter liegt, ist das von ihm entwickelte Verfahren der Logik nach mittlerweile zum Goldstandard der empirischen Sozialforschung avanciert.

Berücksichtigt man zudem, dass in den 1940er-Jahren die Statistiken noch mit Fachzählsortiermaschinen der Firma Hollerith berechnet werden mussten, wird man auch noch hervorheben dürfen, dass die große Zahl von Tabellen und Grafiken wohl nur möglich waren, weil Lazarsfeld ein Gefühl für Daten hatte,[45] das seinesgleichen sucht.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet das Buch desjenigen Soziologen, den Mills in The Sociological Imagination als Inkarnation des abstracted empiricism[46] bloßzustellen suchte, nachhaltigere Wirkung entfaltete als seine eigene rhetorisch versierte Elitenkritik. Deren Botschaft mutet aus heutiger Sicht wenn schon nicht fahrlässig, so doch höchst ambivalent an: Die Polemik gegen die Machtelite ist von den Tiraden derjenigen, die gegen ,die da oben‘ in Washington, Brüssel und andernorts wettern, manchmal nur schwer zu unterscheiden.

  1. Gemeinsam mit Kollegen haben wir die Prominenz europäischer Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, die in der Öffentlichkeit Stellung bezogen, mittels dieser und anderer Kennzahlen verglichen: Vgl. Matthias Duller / Philipp Korom / Rafael Y. Schögler / Christian Fleck, Scholars as European Public Intellectuals? Media Interventions in the 2014 European Parliament Election Campaign, in: European Societies 20 (2018), 2, S. 322–353. Zum Vergleich: In dieser Analyse fanden wir 2014 die meisten Wikipedia-Einträge für Jürgen Habermas mit 58, gefolgt von Joseph Stieglitz mit 53 und Julia Kristeva mit 38 sowie Anthony Giddens mit 35. Der Mittelwert für mehr als 200 analysierte Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler lag bei 3 Einträgen.
  2. Für die deutschen Übersetzungen der drei Bücher lauten die Vergleichszahlen bei Google Scholar: Die einsame Masse 917, Die amerikanische Elite (so der Titel der Übersetzung aus dem Jahr 1962) 148, Wahlen und Wähler 71 und Die Machtelite 0.
  3. James D. Wright (Hg.), International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences, Second Edition, Oxford 2015.
  4. Mit diesen Kautelen soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass sich auf den von Google Scholar als „akademisch“ eingestuften und ausgewerteten Websites auch Dokumente von eher zweifelhafter wissenschaftlicher Reputation finden lassen.
  5. Die Differenz zwischen der Reputationszuweisung in Google Scholar und in der Enzyklopädie, deren Texte immerhin einem Peer Review-Verfahren unterliegen, ließe sich versuchsweise als zu denken gebende Voreingenommenheit der akademischen Profis im Vergleich zu den Amateuren deuten, verneigen diese sich doch häufiger vor der elitenkritischen Streitschrift als vor exemplarischen empirischen Studien.
  6. Anstelle einer umfassenden Rezeptionsgeschichte, die hier nicht zu leisten ist, sei darauf hingewiesen, dass mit Daniel Bell und Talcott Parsons zwei der damals prominentesten Soziologen unmittelbar nach Erscheinen des Buchs ausführliche Kritiken veröffentlichten: Siehe Daniel Bell, The Power Elite Reconsidered, in: American Journal of Sociology 64 (1958), 3, S. 238–250; wiederabgedruckt als Is There a Ruling Class in America? The Power Elite Reconsidered in: Daniel Bell, The End of Ideology: On the Exhaustion of Political Ideas in the Fifties [1960], Cambridge, MA 2000; und Talcott Parsons, The Distribution of Power in American Society, in: World Politics 10 (1957), 1, S. 123–143; wiederabgedruckt u. a. in Talcott Parsons, Structure and Process in Modern Societies, Glencoe 1960. Die Herausgeber der neuen deutschen Übersetzung zitieren beide Texte nach einem späteren Sammelband über Mills aus dem Jahr 1968, wodurch die Tatsache der raschen Reaktion verborgen bleibt.
  7. Nach meinen Recherchen in Proquest’s Historical Newspaper Datenbank fanden Lazarsfelds Arbeiten zur Wahlforschung in den US-amerikanischen Tageszeitungen praktisch keinerlei Resonanz – in meinen Augen ein durchaus bemerkenswerter Umstand.
  8. Eisenhower war ab 1948 für kurze Zeit Präsident der Columbia University, zu deren Professoren Mills gehörte.
  9. Die Neuausgabe kommt ohne kontextualisierende Einleitung oder erläuternde Kommentare daher. Prospektive Leserinnen und Leser müssen sich mit einem neuen Coverbild und knappen Anmerkungen auf der Rückseite zufriedengeben. Dort wird das Buch zuerst als „landmark psychological and statistical study of American voters“ vorgestellt und weiter unten als „work of empirical political science“ bezeichnet. Die gerade einmal drei Zeilen umfassende biografische Notiz zur Drittautorin Hazel Gaudet enthält gleich zwei falsche Angaben: Weder arbeitete Gaudet in Princeton noch fungierte Lazarsfeld als ihr Mitautor bei The Invasion from Mars. Den Herausgebern der Legacy Editions, Howard S. Becker und Mitchell Duneier, hätte man mehr Sorgfalt zugetraut.
  10. Talcott Parsons, The Social System, Glencoe 1951.
  11. Max Horkheimer, Preface, in: Theodor W. Adorno / Else Frenkel-Brunswik / Daniel J. Levinson / R. N. Sanford, The Authoritarian Personality (=Studies in Prejudice: The American Jewish Committee. Social Studies Series, Publication No. 3), New York 1950, S. ix.
  12. Diese Gesichtspunkte erwähnt Helmut Schelsky in seiner Einführung zu der zuerst 1956 veröffentlichten und dann vielfach neu aufgelegten deutschen Übersetzung. Siehe Helmut Schelsky, Einführung, in: David Riesman / Reuel Denney / Nathan Glazer, Die einsame Masse. Eine Untersuchung der Wandlungen des amerikanischen Charakters, m. e. Einf. in d. dt. Ausg. von Helmut Schelsky, übers. von Renate Rausch, Reinbek bei Hamburg 1958, S. 7–19. Bell kritisiert in seiner Besprechung Mills unter anderem für die unkritische Verwendung europäischer Begriffe zur Analyse der US-amerikanischen Gesellschaft. Bell, End of Ideology, S. 57–60. Die Herausgeber der Neuübersetzung der Machtelite irren, wenn sie behaupten, Bell habe diese Kritik erst nach Mills’ Tod veröffentlicht, sodass dieser darauf nicht mehr reagieren konnte. Vgl. Björn Wendt / Michael Walter / Marcus B. Klöckner, Ein Klassiker – C. Wright Mills und die Machtelite. Einführung, in: Mills, Die Machtelite, S. 7–43, hier S. 34. Am 2. 12. 1958 berichtet Mills in einem Brief an Gerth, Bells Rezension gelesen zu haben, „which of course I shall not answer“. Kathryn Mills / Pamela Mills (Hg.), C. Wright Mills: Letters and Autobiographical Writings, Berkeley, CA 2000, S. 268.
  13. Dieses Phänomen wird zumeist als „Amerikanisierung“ diskutiert. Für den norwegischen Fall siehe Fredrik W. Thue, The Quest of a Democratic Social Order: The Americanization of Norwegian Social Scholarship 1918–1970, Ph. D. Thesis Det Humanistiske Fakultet, Universitetet i Oslo 2006. Einen europäischen Vergleich bietet Giuliana Gemelli (Hg.), American Foundations in Europe: Grant Giving Policies, Cultural Diplomacy and Trans-Atlantic Relations, 1920–1980, Bruxelles 2003. Stipendienprogramme analysieren exemplarisch Thomas König, Die Frühgeschichte des Fulbright-Program in Österreich: Transatlantische „Fühlungnahme auf dem Gebiete der Erziehung“, Innsbruck 2012 und Matthias Duller, The Anti-Communist Politics of East-West Scholar Exchanges in the Cold War, in: Cultural Politics and Propaganda: Mediated Narratives and Images in Austrian-American Relations, hrsg. von Waldemar Zacharasiewicz und Siegfried Beer, Wien (im Ersch.). Autobiografische Auskünfte deutschsprachiger „Nachkriegssoziologen“ finden sich in Christian Fleck (Hg.), Wege zur Soziologie nach 1945. Autobiographische Notizen, Opladen 1996.
  14. Über den Wechsel in die USA und die letztlich erfolgreiche Etablierung schreibe ich ausführlicher in Christian Fleck, Etablierung in der Fremde. Vertriebene Wissenschaftler in den USA nach 1933, Frankfurt am Main / New York 2015, S. 333–373.
  15. Siehe dazu Christian Fleck, Transatlantische Bereicherungen. Zur Entstehung empirischer Sozialforschung, Frankfurt am Main 2007, S. 264–352.
  16. David Riesman, A Personal Memoir: My Political Journey, in: Conflict and Consensus: A Festschrift in Honor of Lewis A. Coser, hrsg. v. Walter W. Powell und Richard Robbins, New York 1984, S. 327–364.
  17. David Riesman, Becoming an Academic Man, in: Authors of Their Own Lives: Intellectual Autobiographies by Twenty American Sociologists, hrsg. v. Bennett M. Berger, Berkeley, CA 1990, S. 22–65, hier S. 24.
  18. Neil McLaughlin, Critical Theory Meets America: Riesman, Fromm, and The Lonely Crowd, in: The American Sociologist 32 (2001), 1, S. 5–26.
  19. Erschienen in Carl J. Friedrich / Edward Mason (Hg.), Public Policy: A Yearbook of the Graduate School of Public Administration, Harvard University 3 (1942), S. 33–96.
  20. David Riesman, On Discovering and Teaching Sociology: A Memoir, in: Annual Review of Sociology 14 (1988), S. 1–24.
  21. Mills/Mills, C. Wright Mills: Letters and Autobiographical Writings, S. 118, 129. Lewis A. Coser, A Handful of Thistles: Collected Papers in Moral Conviction, New Brunswick 1988, S. xvi; erweitert in: ders., A Sociologist's Atypical Life, in: Annual Review of Sociology 19 (1993), S. 1–15.
  22. „Social Scientist David Riesman. What is the American Character?”, Time Magazine, 27. September 1954 (Titelblatt).
  23. Hans Gerth, Wie im Märchenbuch: ganz allein … . Gespräch mit Hans Gerth, in: Die Zerstörung einer Zukunft. Gespräche mit emigrierten Sozialwissenschaftlern, hrsg. v. Mathias Greffrath, Reinbek bei Hamburg 1979, S. 59–96; Nobuko Gerth, „Between Two Worlds“. Hans Gerth. Eine Biographie 1908–1978, Opladen 2002 (= Jahrbuch für Soziologiegeschichte 1999/2000). Benjamin Moser, Sontag. Die Biografie, übers. von Hainer Kober, München 2020.
  24. Guy Oakes / Arthur J. Vidich, Collaboration, Reputation, and Ethics in American Academic Life: Hans H. Gerth and C. Wright Mills, Urbana, IL 1999.
  25. Daraus wurde schließlich Elihu Katz / Paul F. Lazarsfeld, Personal Influence: The Part Played by People in the Flow of Mass Communications, New York 1955.
  26. C. Wright Mills, The Sociological Imagination, New York 1959.
  27. Ebd., S. 213. Auf S. 219 lobt Mills Lazarsfeld für dessen am mathematischen Algorithmus orientierte klare Sprache, versieht das Kompliment aber sogleich wieder mit einer Spitze: „[O]ne always knows just what he [Lazarsfeld, C. F.] is saying and hence just where he has gone wrong”.
  28. Damit soll nicht behauptet werden, dass Lazarsfeld sich im Elfenbeinturm isolierte; aber seine Auftritte in der Öffentlichkeit folgten stets dem Rollenmuster des Experten und nahezu nie dem des public intellectual.
  29. David Riesman, Review of White Collar, in: American Journal of Sociology 57 (1952), S. 513–515.
  30. David Riesman, Some Observations on the Interviewing in the Teacher Apprehension Study. A Field Report, in: Paul F. Lazarsfeld / Wagner Thielens, Jr., The Academic Mind: Social Scientists in a Time of Crisis, Glencoe 1958, S. 266–370.
  31. Paul F. Lazarsfeld, Qualitative Analysis: Historical and Critical Essays, Boston, MA 1972. Die beiden anderen Zeugen waren gleichsam solche der Verteidigung: James Coleman und Raymond Boudon. Dass diese Art von intellektueller Großzügigkeit zu den Gewohnheiten Lazarsfelds zählte, kann man beispielsweise auch daran ablesen, dass der berühmte Aufsatz, in dem Theodor W. Adorno mit der empirischen Forschung à la Lazarsfeld hart ins Gericht geht, auf eine Einladung zur Mitarbeit an einem Sammelband zurückgeht, die wohl Lazarsfeld veranlasste: Theodor W. Adorno, Scientific Experiences of a European Scholar in America, in: The Intellectual Migration: Europe and America, 1930–1960, hrsg. v. Donald Fleming und Bernard Bailyn, Cambridge, MA 1969, S. 338–370.
  32. Herbert J. Gans / Nathan Glazer / Joseph R. Gusfield / Christopher Jencks (Hg.), On the Making of Americans: Essays in Honor of David Riesman, Philadelphia, PA 1979.
  33. John H. Summers berichtet, allerdings ohne Quellenangabe, Lazarsfeld sei im Dezember 1946 bei einem Seminar an der Columbia University nach einer Präsentation von Mills aufgestanden und habe bemerkt: „So that’s what you spent all my money on.” John H. Summers, Perpetual Revelations: C. Wright Mills and Paul Lazarsfeld, in: Annals of the American Academy of Political and Social Science 608 (2006), 1, S. 25–40, hier S. 31. In der Bibliografie der veröffentlichten und unveröffentlichen Schriften Mills’ findet man zwei Dokumente, die möglicherweise Gegenstand des Vortrags waren: „The Influence Study: Some Conceptions and Procedures of Research”, Address to the American Association for the Advancement of Science, Boston, Dec. 29, 1946 und „Memorandum to Paul F. Lazarsfeld”, December 30, 1946. Vgl. C. Wright Mills, The Politics of Truth: Selected Writings of C. Wright Mills, hrsg. v. John H. Summers, New York 2008, S. 278.
  34. Hadley Cantril, The Invasion from Mars: A Study in the Psychology of Panic, Princeton, NJ 1940.
  35. Cantrils Sohn, Albert H. Cantril, geht in seiner Einleitung zur Neuausgabe auf die Frage der gleichberechtigten Autorschaft mit keinem Wort ein. Siehe Hadley Cantril, The Invasion from Mars: A Study in the Psychology of Panic, New Brunswick 2005, S. vii–xx; ebenfalls ohne Bezug auf diese Frage ist Albert H. Cantril, Hadley Cantril: Perception, Polling, and Policy Research, in: Society 44 (2007), 3, S. 65–72.
  36. Peter Simonson / Lauren Archer, Hazel Gaudet, in: Women in Media Research; In Memoriam: Hazel Erskine, 1908–1975, in: Public Opinion Quarterly 39 (1975/1976), 4, S. 571–579. Memorials by Eleanor Singer, Herbert Hyman, George Rudiak, Ralph L. Denton, Elmer R. Rusco, Richard L. Siegel, and John M. Aberasturi.
  37. Nathan Glazer, From Socialism to Sociology, in: Authors of Their Own Lives, hrsg. v. Bennett M. Berger, S. 190–209, hier S. 201.
  38. C. Wright Mills, Acknowledgement, in: The Power Elite, New York 1956, S. 364.
  39. Die einzige mir bislang bekannte Ausnahme bildet Helmut Kuzmics, Der Preis der Zivilisation. Die Zwänge der Moderne im theoretischen Vergleich, Frankfurt am Main / New York 1989, S. 150–165.
  40. Norbert Elias, Die Fischer im Mahlstrom, in: ders., Engagement und Distanzierung, hrsg. und übers. von Michael Schröter, Frankfurt am Main 1983, S. 73–184.
  41. Die Neuübersetzung folgt derjenigen von Hans Stern, Heinz Neunes und Bernt Engelmann von 1962. Von der üblichen Zahl von Tippfehlern abgesehen liest sie sich angenehm (ich habe die beiden deutschen Versionen nicht verglichen). Unklarheiten, die sich schon im englischen Original finden, wurden nicht beseitigt (z. B. S. 226). Der Anmerkungsapparat ist nachlässig ediert: Manche deutsche Originale, die nach der englischen Ausgabe zitiert wurden, fehlen ebenso wie Angaben zu fast allen deutschen Übersetzungen fremdsprachiger Titel. Skurrile Irrtümer (wie etwa Jacob Burckhardts Weltgeschichtliche Betrachtungen mit Verlagsort New York) fallen dabei weniger ins Gewicht als die sehr sparsamen „Anmerkungen der Redaktion“ zu erläuterungswürdigen Textpassagen des Originals (auf S. 346 wird beispielsweise Formosas heute geläufiger Name Taiwan angeführt, während viele andere historische Spezifika und Idiosynkrasien von Mills ohne Erklärung bleiben).
  42. Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, übers. von Ilse Utz und Stefan Lorenzer, München 2014, S. 668–684.
  43. Diese Behauptung wird durch das autoritative Lexikon der englischen Sprache allerdings nur schwach gestützt. Das Oxford English Dictionary kennt den „opinion leader“, weist für dessen erstes Auftreten aber eine andere Quelle aus; die beiden weiteren Belege stammen aus 1968 und 2002, The People’s Choice fehlt. Die drei anderen Begriffe sind im OED nicht nachgewiesen; hingegen liefert Wikipedia zu allen vier Begriffen Einträge, die auch jeweils auf The People’s Choice als Quelle verweisen.
  44. Marie Jahoda / Paul F. Lazarsfeld / Hans Zeisel, Die Arbeitslosen von Marienthal: Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit. Mit einem Anhang zur Geschichte der Soziographie [1933], Frankfurt am Main 1975.
  45. Vgl. Eric T. Hounshell, A Feel for the Data: Paul F. Lazarsfeld and the Columbia University Bureau of Applied Social Research, Ph. D. University of California Los Angeles 2017.
  46. Mit ausdrücklichem Bezug auf The People’s Choice heißt es bei Mills, The Sociological Imagination, S. 52: „The thinness of the results is matched only by the elaboration of the methods and the care employed. … a full-scale study of voting which contains no reference to the party machinery for ,getting out the vote’, or indeed to any political institutions.”

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.

Kategorien: Geschichte der Sozialwissenschaften Gesellschaftstheorie Macht Methoden / Forschung Öffentlichkeit Wissenschaft

Christian Fleck

Dr. Christian Fleck ist Fellow am Institut für Höhere Studien in Wien. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden u.a. die Soziologie und Geschichte der Sozialwissenschaften und die Historische Soziologie.

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