Christian Fleck | Literaturessay |

Leistungsbeurteilung aus dem Lehnstuhl

Literaturessay zu „Die Soziologie und ihre Nachbardisziplinen im Habsburgerreich" von Karl Acham (Hg.)

Karl Acham (Hg.):
Die Soziologie und ihre Nachbardisziplinen im Habsburgerreich. Ein Kompendium internationaler Forschungen zu den Kulturwissenschaften in Zentraleuropa
Unter Mitarbeit von Georg Witrisal
Österreich und Deutschland
Wien, Köln, Weimar 2020: Böhlau Verlag
1083 S., ca. 85,00 EUR
ISBN 978-3-205-20670-5

Es gibt Professorinnen und Professoren, die brennen darauf, zu runden Geburtstagen eine Festschrift überreicht zu bekommen. Andere verachten diese Art institutionalisierter Lobhudelei und machen lieber ihre eigenen Bücher. Karl Acham gehört zur zweiten Gruppe. Statt jedoch für sich allein zu forschen und zu schreiben, versammelte er über die Jahre hinweg immer wieder größere Gruppen von Autorinnen und Autoren, die gemäß seinen Vorgaben Kapitel zu einem dann von ihm herausgegebenen Werk beitrugen. Um seinen 60. Geburtstag herum veröffentlichte er den ersten von insgesamt acht Bänden einer von ihm edierten Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften;[1] wenig später folgte die sieben Bände umfassende Reihe Zeitdiagnosen;[2] und wiederum einige Jahre später erschien, auf drei Bände verteilt, die Schriftenreihe Kunst und Wissenschaft aus Graz.[3] Im vergangenen Jahr nun, im Nachklang seines 80. Geburtstags, legte Acham das unter seiner Ägide und unter Mitarbeit von Georg Witrisal entstandene Kompendium Die Soziologie und ihre Nachbardisziplinen im Habsburgerreich vor. Mit diesem Werk will ich mich nachfolgend auseinandersetzen.[4]

Bereits die Anzahl der Mitwirkenden ist beeindruckend: Nicht weniger als 72 Autorinnen und Autoren (davon 20 Frauen und 52 Männer) kamen der Einladung Achams nach, an der „Erfassung der wichtigsten in den verschiedenen Kronländern der Monarchie erbrachten Leistungen in den das Fach konstituierenden Subdisziplinen“ mitzuwirken. Laut Einleitung sollten dabei „zwei Arten von Wechselbeziehungen“ besondere Berücksichtigung finden: „einerseits zwischen der Soziologie und den anderen Geistes- und Sozialwissenschaften, andererseits zwischen der Soziologie und den realen gesellschaftlichen Lagen, also den ethnisch-kulturellen, politischen und ökonomischen Bedingungen, unter welchen sich jene entwickelte“ (S. 16).

Jeweils rund dreißig Seiten Einleitung und Ausblick und nochmals je 2-3 Seiten Vorbemerkungen zu den neun Teilen des Bandes hat der Herausgeber sich selbst vorbehalten. Das Themenspektrum reicht dabei vom „geschichtlichen Hintergrund der sich neu herausbildenden Soziologie“ (Teil A) sowie „Vor- und Frühformen soziologischen Denkens“ (Teil B) über die „Herausbildung der Soziologie aus der Sozialpolitik und den benachbarten Geistes-, Rechts- und Sozialwissenschaften (Teil D) bis hin zur „Konsolidierung der Soziologie“ (Teil F) und verspricht, „Exemplarische Anregungen von Seiten einiger Nachbardisziplinen“ (Teil H) ebenso zu berücksichtigen wie „Wirkungsgeschichtlich bedeutsame Beiträge zu Speziellen Soziologien“ (Teil I). Zusätzlich zu den schon genannten Texten stammen fünf thematische Beiträge aus Achams Feder. Die mehr als 130 weiteren Beiträge fallen mit durchschnittlich 6,9 Druckseiten vergleichsweise knapp aus. Das ist insofern nicht unproblematisch, als die komprimierte Form der Beiträge die geforderte Darstellung der „Wechselbeziehungen“ erheblich beeinträchtigt. Irritierend ist auch die mit Blick auf das angestrebte Ziel nicht unmittelbar einleuchtende Anlage der einzelnen Texte, in deren Mittelpunkt zumeist einzelne Personen stehen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen begnügen sich die Aufsätze dabei mit referierenden Darstellungen eines oder mehrerer Texte des jeweils porträtierten Autors. Allerdings summieren sich die vielen Einzeldarstellungen der von Acham in seiner Funktion als Herausgeber ausgewählten und für darstellungswürdig befundenen Gelehrten zu keinem kohärenten Bild der Disziplin, so häufig er das auch in seinen Vorbemerkungen behauptet. Noch schwerer wiegen jedoch die grundsätzlichen Probleme des Sammelbandes, die bereits in dessen Titel und Untertitel begrifflich aufscheinen:

  • Der Zusammenhang von Disziplin und Nachbardisziplinen;
  • die Kennzeichnung als Kompendium internationaler Forschung;
  • das Verhältnis von Habsburgerreich und Zentraleuropa;
  • die Art der Ideengeschichtsschreibung.

Beginnen wir der Reihe nach.

Soziologie als Disziplin vor 1918?

Will man die Genese einer „(wissenschaftlichen) Disziplin“ beschreiben, muss man erklären, wie derartige Gebilde entstehen, wie man sie voneinander abgrenzt und nach welchen Kriterien man die im Zuge ihrer Konstituierung erbrachten Leistungen bewertet und bei der Darstellung ihrer (Früh-)Geschichte berücksichtigt. Außerdem sollte man sich der Mühe unterziehen zu erklären, welche anderen Beiträge man aus welchen Gründen beiseitegelassen hat. Keine der genannten Fragen wird in der Einleitung diskutiert, geschweige denn beantwortet. Acham geht offenbar davon aus, dass ohnehin klar sei, worum es geht, es also nicht viele Worte brauche. Doch so einfach liegen die Dinge nicht.

Eine der bekanntesten und nützlichsten Abhandlungen über die Frage, woran man eine Disziplin erkennen kann, stammt von dem US-amerikanischen Soziologen Edward Shils. Ihm zufolge wird ein intellektuelles Gebilde zu einer institutionalisierten wissenschaftlichen Disziplin, sobald ein Medium für den geistigen Austausch (wie zum Beispiel eine Zeitschrift) existiert, die Weitergabe des akkumulierten Wissens an nächste Generationen (etwa qua Studium oder Lehrbuch) gesichert ist und die Mitglieder des sich konstituierenden Verbandes einen Ort des regelmäßigen Aufeinandertreffens (wie beispielsweise eine Tagung oder einen professionellen Verein) eingerichtet haben.[5] Für Kontinentaleuropa lässt sich mit Blick auf die Soziologie zeigen, dass die drei von Shils genannten Kriterien in praktisch allen Ländern erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfüllt wurden.[6] So betrachtet war die Soziologie zu der Zeit, über die Achams Kompendium Auskunft geben will, als Disziplin also noch gar nicht existent. Das gesteht auch Acham zu, aber sein diesbezüglicher Hinweis, dass „die Rede von ,Nachbardisziplinen‘ der Soziologie, welche selbst noch gar nicht den Status einer Disziplin hat, ziemlich paradox oder zumindest historisch-semantisch nicht korrekt“ sei (S. 16), benennt das Problem nur, ohne es zu lösen.

Eine andere Möglichkeit, den Begriff der „wissenschaftlichen Disziplin“ zu bestimmen, besteht in der Durchführung einer dimensionalen Analyse wissenschaftlichen Handelns (siehe Grafik 1). Bei diesem Verfahren lassen sich mindestens fünf Dimensionen auseinanderhalten, von denen sich jede einzelne nach dem Aggregationsniveau weiter differenzieren lässt. Auf der Dimension der Akteure finden wir auf dem niedrigsten Aggregationsniveau einzelne Personen, die als Forscher:innen, Autor:innen oder Lehrer:innen auftreten; diese finden sich möglicherweise zu Gruppen zusammen, die zeitgleich an einem Ort tätig sind und dabei möglicherweise eine bestimmte Kohärenz entwickeln, wie im Fall einer wissenschaftlichen Schule. Nochmals höher aggregiert können wir auf dieser Dimension von einer Generation sprechen (und abermals weitergedacht kämen wir dann zu den mehrere Generationen umfassenden old white men).

Vertraut ist uns allen aus den diversen Geschichten unterschiedlicher Disziplinen die Vorstellung, dass es so etwas wie eine ideelle Dimension gibt, die genauer durch Begriffe, Theorien, Forschungsprogramme und Ideologien gekennzeichnet werden kann. Hier wird besonders deutlich, dass die verschiedenen Dimensionen über die jeweilige Einzeldisziplin hinausreichen. Politische Ideologien haben ihren Ort nicht innerhalb der Grenzen einer wissenschaftlichen Disziplin, auch wenn die eine oder andere Ideologie ihren Ursprung in diesem oder jenem Fachgebiet haben mag. Eine dritte Dimension ist die der Instrumente. Hier geht es darum, jeweils disziplinspezifische oder auch Disziplinen übergreifende Techniken und Verfahren zu identifizieren, die – zumindest einige Zeit lang – die wissenschaftliche Arbeit und die Hervorbringungen der jeweiligen Disziplin(en) prägen. Exemplarische Studien wirken als Vorbilder, technische Erleichterungen wie statistische Analysepakete vom Typus SPSS vereinfachen, typisieren und normieren wissenschaftliches Routinehandeln, ebenso wie Maßzahlen normative Kraft entwickeln können. Dass auch die dimensionale Analyse ihre Tücken hat und es ihr gelegentlich an Trennschärfe mangelt, wird deutlich in Fällen wie dem „Positivismus“ als Denkhaltung und Methodologie – handelt es sich dabei nun um eine Ideologie oder ein Forschungsprogramm im Sinne Lakatos‘ oder um ein Paradigma à la Kuhn?

Die beiden letzten Dimensionen betreffen einerseits die organisatorischen und andererseits die normativen Strukturen, die sich im Laufe der Institutionalisierung einer Disziplin etablieren. Erstere umfassen etwa Institute oder Departments, Zeitschriften und Vereinigungen sowie regionale oder internationale Forschungsverbünde. Zu Letzteren hingegen gehören unter anderem Regeln für die Rekrutierung neuer Mitglieder, Verfahren zur Kontrolle der Qualität wissenschaftlicher Beiträge, die Etablierung verbindlicher Formate zur Mitteilung neuer Ergebnisse oder die Einführung unterschiedlicher Zeremonien und Preise zur Würdigung besonderer Leistungen. Die Grenzen der einzelnen Disziplinen (womit implizit der Anspruch verbunden ist, dass dieses Modell generalisierbar ist) sind historisch und national unterschiedlich und die Kontexte, in denen Disziplinen sich entwickeln, sind eine weitere Ebene, die im Fall einer Analyse wissenschaftlicher Disziplinen Berücksichtigung finden kann.

Die dimensionale Analyse wissenschaftlicher Disziplinen grafisch dargestellt
Grafik: Die dimensionale Analyse wissenschaftlicher Disziplinen, Quelle: eigene Darstellung, Christian Fleck

Die Historiker:innen der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen bearbeiten die fünf Dimensionen für gewöhnlich in unterschiedlicher Intensität und auch die Präferenzen für das jeweils betrachtete Aggregationsniveau variieren in der Regel beträchtlich. Das liegt in der Natur der Sache und ist für sich genommen kein Anlass zur Kritik. Das Modell der dimensionalen Analyse eröffnet allerdings die Möglichkeit, individuelle Schwerpunktsetzungen unterschiedlicher Studien kenntlich zu machen.[7] Auf diese Weise lässt sich deutlicher sehen, welche Aspekte eine Studie in den Blick nimmt und welche nicht. Vermutlich würde Acham nicht widersprechen, wenn man konstatierte, dass das von ihm dirigierte Werk die Dimensionen der Ideen und der Akteure präferiert, wobei vor allem individuelle Autoren und einzelne Beiträge Berücksichtigung finden. Und er würde wohl auch nicht widersprechen, wenn man dem von ihm verantworteten Sammelband deshalb eine gewisse Einseitigkeit attestierte, sollte man doch erwarten dürfen, dass ein Soziologe, der sich mit der Genese seiner eigenen Disziplin befasst, zumindest einige der von eben dieser Disziplin in ihrer bisherigen Geschichte entwickelten Werkzeuge anwendet. Sich auf eine markant unsoziologische Behandlung der Vergangenheit des eigenen Faches zu kaprizieren, stellt jedenfalls eine Schwerpunktsetzung dar, die der Rechtfertigung bedarf – und sei es eine, die vorführt, was sich in Verfolgung einer solchen Einseitigkeit an neuen Einsichten gewinnen lässt. Nehmen wir also den von Acham formulierten Anspruch, ein Kompendium internationaler Forschung zu präsentieren, versuchsweise beim Wort und prüfen ihn an dem, was die Leserinnen und Leser des Kompendiums über die vorgestellten Personen erfahren.

Ein Kompendium internationaler Forschung?

Aus dem Duden erfährt man, dass es sich bei einem Kompendium um einen Abriss, ein Lehrbuch, einen Leitfaden, einen Überblick oder einen Ratgeber handelt. Ein solches Werk mit Hilfe einer großen Zahl von Mitautorinnen und -autoren zustande zu bringen, nötigt den Herausgeber zu klaren Direktiven im Voraus und zu kraftvollen redaktionellen Eingriffen im Nachhinein. Ob Ersteres geschah, entzieht sich meiner Kenntnis, an Letzterem mangelt es jedenfalls nachdrücklich. Die Beiträge sind zu wenig vereinheitlicht und nicht selten verstellen zu viele belanglose Details den Blick auf das Wesentliche. Sehr viel originäre Forschung wird nicht präsentiert, neue Erkenntnisse sind rar gesät. Etliche Beiträge scheinen eher auf Bibliotheksforschung als auf Quellenstudium zu beruhen. Und mitunter wurden nicht einmal basale Recherchemöglichkeiten genutzt.

Sehr viel originäre Forschung wird nicht präsentiert, neue Erkenntnisse sind rar gesät. Etliche Beiträge scheinen eher auf Bibliotheksforschung als auf Quellenstudium zu beruhen.

Über den Juristen und Pazifisten Franz Kobler etwa erfahren wir bei Acham nur, dass er sich „kritisch mit dem Antisemitismus“ auseinandergesetzt habe (S. 962). In dieser Allgemeinheit ist das keine mitteilenswerte Information. Dabei gäbe es über besagten Franz Kobler durchaus einiges zu berichten, etwa aus der Korrespondenz zwischen dem 1938 in die USA emigrierten Juristen und Soziologen Hans Zeisel und Christian Broda (im Nachlass Brodas in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien). Zeisel sandte dem damaligen Justizminister 1976 eine Kopie eines Aufsatzes von Kobler aus dem Jahr 1912 und verband damit den Wunsch, sowohl die Arbeit als auch ihren Verfasser in Österreich bekannt zu machen. In einer bei Exilanten im fortgeschrittenen Alter nicht ungewöhnlichen Aufwallung patriotischer Gefühle setzte Zeisel hinzu: „Vor allem aber erlaubt Dir diese Studie Wien als eine, wenn nicht die Geburtsstätte der empirischen Rechtswissenschaft zu erklären.“[8] 40 Jahre später ist Kobler so unbekannt wie ehedem. Dabei handelt es sich bei diesem Wiener Rechtsanwalt, der 1938 über die Schweiz nach Großbritannien entkommen konnte,[9] nicht nur um einen empirischen Rechtsforscher,[10] sondern auch um den literarischen Nachlassverwalter Eugen Ehrlichs, nach dessen Tod er sich beispielsweise um die Veröffentlichung eines nachgelassenen Manuskripts bemühte. Eugen Ehrlichs „Das Ende eines ganzen Reiches“ wurde nie gedruckt, liegt aber vielleicht noch in Koblers Nachlass, der inzwischen teilweise digital zugänglich ist.[11] Auf den vergessenen Kobler wäre man gestoßen, wenn man eine systematische Datenerhebung vorgenommen hätte oder einer die Auseinandersetzung mit dem historischen Material organisierenden Hypothese gefolgt wäre. Eine bilanzierende Betrachtungsweise befördert hingegen eine Konzentration auf das, was ohnehin schon im kollektiven Gedächtnis gespeichert ist.

Betrachten wir ein anderes Beispiel und schauen wir, was wir aus dem Kompendium über eine der wenigen darin erwähnten Frauen erfahren,[12] nämlich über Bertha von Suttner. Das Personenregister[13] verzeichnet ihren Namen auf immerhin 17 Seiten. Der ihr gewidmete vierseitige Beitrag informiert uns, dass die spätere Friedensnobelpreisträgerin schon 1889 das Fehlen der Soziologie konstatiert habe, ihr eine solche aber in zunehmendem Maße nötig erschienen sei (S. 865). Aufgrund welcher Daten und Beobachtungen Suttner zu diesem Urteil kam, erläutert die Verfasserin nicht. Stattdessen erfahren wir, dass Suttner sich „intensiv mit Soziologie“ beschäftigt habe, ja die Ansicht vertreten hätte, „Gesellschaft und Geschichte, den Staat und seine Institutionen, die Konfessionen wie auch die Ökonomie“ seien „soziale Konstrukte“. In ähnlicher Weise seien „auch Meinungen und Ideologien wie Antisemitismus und Misogynie“ für Suttner „sozialpsychologisch bedingt und stark durch Medien und Erziehung beeinflusst“ (ebd.). Die Autorin, die 2017 eine ausführliche Arbeit über Suttner vorgelegt hat, lässt uns des Weiteren wissen, dass Suttner mit Wissenschaftlern ihrer Zeit korrespondierte und auch in ihren Romanen immer wieder Gelehrte und Wissenschaftler auftreten ließ. Am Ende steht der wenig inspirierte Verweis auf eine Autorin, deren Beiträge zur Erforschung von „Militarismus, Antisemitismus, Sexismus, Klerikalismus, ansatzweise auch Kunst“ es „wiederzuentdecken“ gelte (S. 867). Verwundert und etwas ratlos fragt man sich nach den Gründen für Suttners Berücksichtigung. Nichts des von ihr Geleisteten gehört zum relevanten „context of justification“ (Reichenbach); und als bemerkenswerte Ideen wird man ihre Notate zur Soziologie wohl auch nicht klassifizieren wollen.

Nehmen wir noch ein Beispiel, um zu sehen, welche Art von Leistungen gewürdigt werden. Zu den zwei Dutzend am häufigsten erwähnten Personen zählt der den meisten Leserinnen und Lesern vermutlich unbekannte Philosoph Friedrich Jodl. Was erfahren wir über ihn? Er veröffentlichte 1878 eine Schrift über die Möglichkeiten und Aufgaben einer Kulturgeschichte (S. 361–364), die er zuvor in München (am dortigen „Polytechnikum“) vergeblich als Habilitationsschrift eingereicht hatte (S. 679). In den frühen 1890er-Jahren „wirkte“ er zunächst in Prag, bevor er – möglicherweise aufgrund seiner antisozialistischen Haltung (S. 516, 588) – als Gegenpol zum „aufkeimenden Sozialismus an der Wiener Universität“ 1896 eben dorthin als Professor für Philosophie berufen wurde (S. 516). In einem anderen Beitrag lesen wir, dass Jodl als Nachfolger des von ihm angeblich „verehrten“ Ernst Mach berufen worden sei (S. 927). Beider Einfluss „auf die Künstlerszene“ sei grundlegend verschieden gewesen. Jodl habe erst Resonanz erfahren, als er im Jahr 1900 eine gegen Gustav Klimts Fakultätsbilder gerichtete Petition der Wiener Professorenschaft an das Unterrichtsministerium initiierte (ebd.). Während Jodl, scheinbar in Anerkennung seines Kampfes gegen Klimt, eine Ernennung zum Honorardozenten an der TH Wien erhalten habe, sei Klimts Avancement an der Akademie der bildenden Künste gescheitert (S. 928). Zu erfahren ist dann auch noch, dass Jodl an den Ethischen Gesellschaften in Prag und Wien beteiligt war, dass er für die Volksbildung und gegen den Klerikalismus und das Ethikmonopol der Religionen (S. 596) eintrat.

Nun ließe sich gewiss trefflich darüber disputieren, welche der oben angeführten ,Leistungen‘ es verdient haben mag, mehr als ein Jahrhundert später im Rahmen einer Geschichte der Soziologie wieder in Erinnerung gerufen zu werden. Doch stattdessen soll hier nur auf die unbefriedigende Behandlung der Fakten von Jodls beruflicher Laufbahn hingewiesen werden: Wir erfahren nicht, wo (und wofür) er sich habilitierte und auch die möglichen Motive seiner Berufung nach Wien bleiben im Dunkeln, die Mutmaßungen über einen angeblich aufkeimenden Sozialismus an der Wiener Universität sind reine Spekulation. Steht etwas darüber in seinen Personalakten? Die Frage wird ebenso wenig beantwortet wie die nach einem möglichen Zusammenhang zwischen Klimts Nichtberufung an der einen Lehranstalt und Jodls Anstellung an einer anderen. Wer tat da was, mit welchen Absichten und welchen Folgen? Auch hierüber schweigt sich der Text aus.

Die mit Bezug auf Suttner und Jodl geschilderten handwerklichen Mängel sind keine Einzelfälle, sie sind vielmehr symptomatisch für eine Reihe von Beiträgen, deren Ausführungen sich über weite Strecken im Anekdotischen und Biografischen erschöpfen, ohne sozialwissenschaftlich und soziologiegeschichtlich relevante Fragen zu beantworten, ja sie oft genug nicht einmal zu stellen.

Auch sonst ist der Informationsgehalt der einzelnen Beiträge überschaubar, der Neuigkeitswert bescheiden. Über Randständige und Vergessene erfahren die Leserinnen und Leser des Sammelbandes nur das Wenige, das im Rahmen von Qualifikationsarbeiten zutage gefördert zu werden pflegt. Und mit Blick auf die Prominenten, die in der Doppelmonarchie sozialwissenschaftlich tätig waren, ist der Wissensstand bei den thematisch Interessierten seit der Initialzündung, die die jüngere österreichische Wissenschaftsgeschichte dem US-Amerikaner William M. Johnston zu verdanken hat,[14] auf einem Niveau, bei dem es knapper Würdigungen des Lebens und Werkes von Gelehrten wie Ludwig Gumplowicz, Joseph A. Schumpeter, Hans Kelsen, Max Adler & Co. nicht mehr bedarf. Damit soll nicht gesagt sein, dass man nicht, gerade auch dank heute zur Verfügung stehender Recherchemöglichkeiten, noch Interessantes über sie und ihr Tun herausfinden kann. Ulrich Hedtke etwa demonstriert das mit Bezug auf Schumpeter nunmehr schon seit vielen Jahren.[15] Doch so wenig Hedtkes Funde im vorliegenden Sammelwerk Berücksichtigung finden, so sehr bleibt, was insgesamt über Schumpeter berichtet wird, auf dem Niveau des Wiederkäuens von Bekanntem.

Werfen wir zum Ende dieses Abschnitts noch einen Blick in eines der Kapitel, die keiner einzelnen Person, sondern einem Thema gewidmet sind und betrachten den Beitrag über die ersten Lehrbücher der Soziologie (S. 493 ff.). Die Auswahl beschränkt sich fast durchweg auf Bücher, die das Wort „Soziologie“ im Titel führen. Eine Ausnahme bildet lediglich Wilhelm Jerusalems zwischen 1899 und 1923 nicht weniger als zehn Mal aufgelegte Einführung in die Philosophie, die der Soziologie in den späteren Auflagen einen eigenen Abschnitt einräumt, der nach dem Tod des Autors auch als selbständige Publikation veröffentlicht wurde.[16] Von diesem Buch kann zu Recht vermutet werden, dass es sich um ein Lehrbuch handelt, da es seinerzeit wahrscheinlich von allen für das Philosophicum büffelnden Studierenden des Faches benutzt wurde. Nachlesen kann man das jedoch nicht. Auch mit Blick auf die anderen angeführten Titel fehlt jeder Hinweis darauf, dass irgendeiner der Texte tatsächlich als Lehrbuch benutzt wurde. Zumindest an den cisleithanischen Universitäten wäre das allerdings schon allein deswegen nicht möglich gewesen, weil es zum Zeitpunkt des Erscheinens der Schriften noch gar kein Prüfungsfach Soziologie gab, was nicht zuletzt am Widerstand der Juristen lag.[17] Doch das ist eine andere Geschichte.

Habsburgerreich und Mitteleuropa

Kommen wir zum nächsten Punkt. Soll man es souverän nennen, wenn eine durchaus stattliche Menge an neueren Studien zur Entstehung und Formierung wissenschaftlicher Disziplinen ignoriert wird? Die Frage ist rhetorischer Natur. Offenkundig geht es Acham mit dem vorliegenden Kompendium um etwas anderes als um einen Beitrag zur laufenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Die Explikation einer Fragestellung oder die Formulierung eines theoretischen Zugriffs sucht man jedenfalls vergebens. Acham begnügt sich vielmehr mit der mehrfachen Berufung darauf, die Leistungen der Soziologie im Habsburgerreich dokumentieren zu wollen. Für den einen oder die andere mag das nicht unbedingt zu den originären Aufgaben wissenschaftlicher Forschung gehören, sondern eher ins Portfolio von Funktionären oder Rechnungslegungspflichtigen fallen. Doch ganz abgesehen davon, welcher Prinzipal hier welchem Agenten welche Balanced Scorecards zum Ausfüllen überreichte, irritiert sozialwissenschaftlich die Ignoranz gegenüber einer Problematik, die nur beim ersten Hinschauen als Überwindung des methodologischen Nationalismus erscheint. Die Konzentration auf das „Habsburgerreich“ wirft Fragen auf – und zwar auch dann, wenn man darunter, wie im vorliegenden Fall, nur die von der österreichischen Linie des Herrscherhauses regierten Länder versteht. Dieses politische Gebilde war zu keinem Zeitpunkt eine institutionelle Einheit für den Bereich der Universitäten, der Wissenschaften und der öffentlich finanzierten Forschung. Angelegenheiten des Kultus und des Unterrichts wurden in den beiden Reichshälften getrennt bearbeitet. Das Wiener Ministerium für Unterricht hatte mit den Kollegen in Budapest deutlich weniger Schnittmengen als mit denen der Länder des Wilhelminischen Deutschland. Aber nicht nur legislativ und administrativ, auch in sozialer Hinsicht waren die Deutschösterreicher und die Deutschen einander um vieles näher als die deutsch sprechenden gebildeten Untertanen der k. und k. Monarchie und die Intellektuellen der anderen Nation(alität)en. Eine Ausnahme bildeten die Angehörigen des jüdischen Bevölkerungssegments, dem der Status einer Nationalität vorenthalten wurde. Aufstiegsaffine Juden wechselten zum Deutschen als der beruflichen Erstsprache oder madjarisierten ihre Familiennamen, wenn sie unter der Stephanskrone nach Etablierung strebten.

Angesichts dieser zerklüfteten Lage wäre erst noch zu begründen, ob und wie man über alle Divergenzen und Spannungen hinweg eine sozialwissenschaftliche Leistungsbilanz ziehen kann. Statt einer differenzierten Diskussion dieser durchaus verwickelten Problematik begegnet einem jedoch blanker Dezisionismus. Der Herausgeber bestimmt, wer und was in die Balanced Scorecard eingetragen werden soll. Auf diesem Wege kommen die Leserinnen und Leser in den Genuss eines Artikels über Lujo Brentano, von dem vermutlich nur wenige wissen dürften, dass es sich bei ihm um den (zumindest in habsburgaffinen Forscherkreisen bekannteren) Bruder Franz Brentanos handelt. Warum die gerade einmal zweijährige Verweildauer des zuvor in Straßburg und hernach in Leipzig und sodann für viele Jahre in München als Professor tätigen Lujo Brentano in Wien diesen schon zu einem Leistungsträger des Habsburgerreiches macht, ist schwer ersichtlich. Lujo Brentano ist keineswegs der einzige Doppel(staats-)bürger, der hier für die Habsburger vereinnahmt wird. Der Umstand, dass andere, kurzzeitig unter einem Habsburgerkaiser dienende und in soziologischer Hinsicht durchaus bekanntere und relevantere Autoren nicht berücksichtigt wurden, macht die Sache nicht besser. Hierzu gehört etwa Max Webers jüngerer Bruder Alfred, der immerhin ganze drei akademische Jahre an der deutschen Karls-Universität in Prag lehrte, wo er unter anderen Franz Kafka examinierte (was allerdings im vorliegenden Kontext nicht als Leistung namhaft gemacht werden soll). Die in Wien geborenen Martin Buber und Heinrich Braun leisteten erst nach dem Weggang aus ihrer Geburtsstadt sozialwissenschaftlich Nachhaltiges, aber verließen sie die k. u. k. Monarchie ganz aus freien Stücken? Da dieser beider Namen in dem Kompendium gar nicht auftauchen, wird man die Antwort anderswo suchen müssen.

Die mehr oder weniger idiosynkratische Auswahl der in die Leistungsbilanzierung eingehenden Autoren und Werke orientiert sich offenkundig an eher vagen institutionellen Kriterien.

Die mehr oder weniger idiosynkratische Auswahl der in die Leistungsbilanzierung eingehenden Autoren und Werke orientiert sich offenkundig an eher vagen institutionellen Kriterien. Ausschlaggebend scheint vorrangig, dass sich der Geburtsort einer Person und/oder der Erscheinungsort eines Werkes innerhalb der Grenzen der Doppelmonarchie befand. In anderen Fällen, wie etwa bei Lujo Brentano, scheint hingegen die zeitweilige Wirkungsstätte ausreichend. Aber ist ein solcher Zugriff sinnvoll? Wäre nicht gerade unter dem von Acham genannten Aspekt, dass sich die von ihm als Soziologen klassifizierten Autoren „mit gesellschaftlichen Problemen“ befassten (S. 495), eine Herangehensweise geboten, die auch Sichtweisen von außen berücksichtigt? Man denke beispielsweise an Mark Twains Autobiografie, aus der man einiges über das Wien am Ende des 19. Jahrhunderts erfahren kann. Oder, noch naheliegender, man schlägt nach bei Robert E. Park, der als Begleiter und Ko-Autor (um nicht zu sagen Ghostwriter) von Booker T. Washington zwei Kapitel zu dem 1913 erschienenem Buch The Man Farthest Down: A Record of Observation and Study in Europe beisteuerte,[18] in denen er sich mit der Lage der Auswanderer, die via Fiume/Rijeka nach Nordamerika strömten, sowie mit der Situation der Juden in Krakau und anderen Teilen der k. u. k. Monarchie auseinandersetzte. Park informierte seine Leserinnen und Leser über das Ausmaß der Remittenden und den Rücktransfer von US-Dollars nach Europa durch Heimkehrer ebenso detailliert wie über die exakten Zahlen des überdurchschnittlichen Anteils jüdischer Studierender in beiden Teilen der Doppelmonarchie. Eine Geschichte der Soziologie des Habsburgerreiches, in der weder das eine noch das andere Thema (Aus- und Rückwanderung beziehungsweise jüdische Aufwärtsmobilität) überhaupt angesprochen werden, wirkt hinsichtlich der Berichterstattung über die Erforschung gesellschaftlicher Problemlagen weitaus einseitiger als das, was Park und Washington zu berichten wussten. Analoges ließe sich hinsichtlich mancher von Twains Beobachtungen über die Besonderheiten des politischen und intellektuellen Lebens in Wien sagen.[19]

Die Beiträge des Kompendiums machen von solchen Quellen keinen Gebrauch. Über die Motive, die einen Herausgeber bewegen, einen Leistungsbericht über eine soziale Konstellation zu erstellen, die durch keinen einigenden rechtlichen oder sachpolitischen Rahmen zusammengehalten wird, will ich hier nicht spekulieren. Sicher ist nur, dass man sich mit dem Anspruch, auf diese Weise zu einem besseren Verständnis oder einer tiefergehenden Erklärung der Entstehung einer wissenschaftlichen Disziplin beizutragen, keine geringe Beweislast aufbürdet – eine Last, die der Band nicht trägt.

Die ungefähr 170 Personen, die im vorliegenden Kompendium näher vorgestellt und im Anhang jeweils auch noch mit einer Kurzvita präsentiert werden, stellen so etwas wie das prominentere Personal der im Entstehen befindlichen Soziologie Mitteleuropas dar. Sie wurden zwischen 1733 und 1900 geboren (x̅ 1853) und verstarben zwischen 1817 und 1973 (x̅ 1923). Im Mittel erreichten diese Gelehrten das angesichts der üblichen Lebenserwartung jener Zeit überaus beachtliche Alter von 70 Jahren. Zum Vergleich: Heutige Soziologen müssten wohl 140 Jahre alt werden, um sich vom Bevölkerungsdurchschnitt in gleicher Weise abzuheben. Über die mutmaßlichen Gründe für diese außergewöhnliche Langlebigkeit erfahren wir leider nichts. Die möglicherweise glücklichen Lebensumstände der Personen werden nicht beleuchtet, lebensverkürzende Faktoren kommen ebenso wenig zur Sprache wie die soziale Privilegierung der behandelten Population.

Acham nimmt im Zuge seiner ,Leistungsschau‘ vielmehr eine weitere Binnendifferenzierung vor und hebt aus dem Gros der Gelehrten zwölf Erwählte als „,Klassiker‘ der Soziologie schon vor der universitären Institutionalisierung des von ihnen vertretenen Faches“ hervor (S. 401).[20] Die glorreiche Mannschaft (in die es keine Frau geschafft hat) besteht aus Lorenz von Stein (Staatssoziologie), Gustav Adolf Lindner (Gesellschaftspsychologie), Albert Schäffle (Gesellschaftstheorie), Valtazar Bogišić (Rechtssoziologie), dem Duo Ágost Pulszky / Gyula Pikler (Rechts- und Staatstheorie), Ludwig Gumplowicz (soziologischer Außenseiter), Gustav Ratzenhofer (politischer Soziologe), Tomas G. Masaryk (proto-soziologische Suizidforschung), Wilhelm Jerusalem (Wissenssoziologie), Eugen Ehrlich (Rechtssoziologie) und Karl Renner (ebenfalls Rechtssoziologie). Nun ist sicherlich kein Kanon über Kritik erhaben, aber diese Auswahl ist mehr als rätselhaft. Wie idiosynkratisch sie ist, wird deutlich, sobald man eine beliebige internationale Enzyklopädie zur Hand nimmt – und darin vergeblich nach den meisten dieser vermeintlichen Klassiker der Doppelmonarchie Ausschau hält.[21]

Exkurs: Ideengeschichte aus zweiter Hand

Bevor ich zum Schluss komme, will ich an dieser Stelle etwas genauer auf ein Beispiel eingehen, das einiges über die Art und Weise der von Acham praktizierten Ideengeschichtsschreibung verrät. Ich beschränke meine Kritik auf eine Passage im abschließenden Beitrag, der ein Ausblick auf die Zwischenkriegszeit sein will, dessen zeitlicher Horizont jedoch bis weit in die 2. Republik hineinreicht (ohne, dass den Leser:innen dies mitgeteilt würde). An der betreffenden Stelle behauptet Acham, eine von ihm so bezeichnete „radikale Linke“ habe der „Demokratisierung aller Lebensbereiche“ (Älteren erinnerlich als ein Slogan Bruno Kreiskys) auch „Volksgerichte oder Geschworenenjustiz“ und „die Abstimmung über die Zulässigkeit bestimmter Bräuche und Gewohnheiten, über die Programme von Kinos und Theatern usw.“ (S. 954) unterworfen. Einmal in Furor geraten fährt er fort: „man denke nur an den bei Aufmärschen skandierten Ruf ‚Demokratie, das ist nicht viel. Sozialismus ist das Ziel‘ oder an die dazu passende frivole Erklärung Friedrich Adlers, der zufolge die Respektierung des Mehrheitsprinzips nur Ausdruck des Fetischdienstes am ‚Zufall der Arithmetik‘ sei (vgl. dazu Schumpeter 1950, S. 380).“ (S. 954).

Ich weiß nicht, in welcher Ecke des Habsburgerreiches Acham den Slogan anlässlich welchen Aufmarsches gehört hat, aber die Friedrich Adler zugeschriebene Frivolität weckte mein Interesse, noch dazu, wo ja mit dem Verweis auf die Stelle bei Schumpeter ein Beleg für das vermeintliche Zitat angeboten wird. Leider hilft ein Blick in das Buch nicht weiter. Am angegebenen Ort stößt man wiederum nur auf eine nicht belegte Angabe, die den Ausspruch vom „Zufall der Arithmetik“ demselben Urheber zuschreibt, der dort allerdings nur mit seinem Kosenamen als Gegner des Mehrheitsprinzips exponiert wird: „Zu jener Zeit sprach Fritz Adler vom Mehrheitsprinzip als vom Fetischdienst am ‚Zufall der Arithmetik‘“.[22] Was dort nicht steht, ist Achams Spezifikation, wonach die Respektierung des Mehrheitsprinzips ein Fetischdienst sei, hatte doch Adler nach Schumpeters Darstellung das Prinzip selbst zu einem solchen erklärt. Bei Schumpeter finden sich aber immerhin zwei weitere Hinweise, von denen sich der eine als hilfreich, der andere als irreführend herausstellt. So schränkt Schumpeter den Zeitraum, in dem Adler jun. verbal gegen die repräsentative Demokratie ausgeteilt habe, auf den Zeitraum von 1918 bis1919 ein, erspart sich jedoch einen Quellenbeleg durch die Behauptung, Adler hätte die fragliche Formulierung mündlich geäußert.

Schumpeter erwähnt den Satz im Zuge seiner Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Sozialismus und Demokratie. Dabei äußert er sich zunächst lobend über die österreichischen „Neomarxisten“, fügt dann aber hinzu, dass in der kurzen Phase, als „die Monopolisierung der Macht“ in Reichweite gewesen sei, „viele von ihnen nicht ganz unzweideutig“ in ihren Äußerungen gewesen wären.[23] Darauf folgt dann, ohne weitere Erläuterungen, der vorstehend zitierte Satz. Achams Verweis auf Schumpeter ist also nicht wirklich erkenntniserweiternd, da auch dieser keine belastbare Quellenangabe nennt. Also alles nur Hörensagen?

Forscht man weiter nach, lässt sich feststellen, dass Schumpeter im Frühjahr 1919 mehrfach mit Friedrich Adler zusammengekommen ist; und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die beiden bei einem dieser Treffen auch ihre Meinungen über das Mehrheitsprinzip Meinungen ausgetaucht haben. Schumpeter gehörte seinerzeit der zweiten von Karl Renner geführten Regierung an, in der er vom 15. März bis 17.Oktober 1919 das Finanzministerium leitete. Adler wiederum war Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung, die die Regierung Renner II gewählt hatte, und bis zu seinem Wechsel ins Ausland Ende 1923 zudem Abgeordneter im (deutsch-)österreichischen Nationalrat.

Noch wichtiger, Adler war zu der Zeit, als Schumpeter auf der Regierungsbank saß und das Finanzministerium führte, auch Vorsitzender des Arbeiterrates. In dieser Funktion veröffentlichte er am Vorabend des 1. Mai 1919 einen Aufruf, in dem von „Zufällen der Arithmetik“ die Rede ist. Dieser Aufruf erinnert eingangs daran, dass „die Arbeiterorganisationen Deutschösterreichs“ mit „Entschlossenheit und Disziplin“ dahin gewirkt hätten, dass „die revolutionären Umwälzungen, die der Krieg notwendig zur Folge haben muß, auf dem Wege der Verhandlungen durch gesetzliche Festlegung der neuen Formen erfolge[n].“ Im Anschluss daran richtet der „Vollzugsausschuß der Arbeiterräte Deutschösterreichs“ dann eine Warnung an die „bürgerlichen Parteien, diese Selbstbeherrschung des Proletariats falsch zu deuten. Es lebt in ihm [dem Proletariat, C. F.] die unerbittliche Entschlossenheit, den Schritt zum Sozialismus, den die Niederlage des österreichischen und deutschen Imperialismus möglich gemacht hat, auch tatsächlich zu machen. Daran kann die Arbeiterklasse durch irgend welche Zufälle der Arithmetik nicht gehindert werden.“[24]

Die pointierte Phrase Adlers führte zu heftigen Protesten der Angegriffenen, worüber die Tagespresse in den folgenden Tagen berichtete. Wenige Tage später legt Adler in dem auf den 10. Mai datierten Heft 6 des sozialdemokratischen Theorieorgans Der Kampf nach und führt aus, was er mit dem Schlagwort gemeint habe. Mit Vergnügen polemisiert er eingangs gegen seine Gegner, um dann den Wortlaut des vorstehend genannten Aufrufs anzuführen und anschließend ein spezifisches und ein allgemeines Problem der inkriminierten Phrase zu erörtern. In diesem Zusammenhang erinnert er daran, dass die Friedensverhandlungen in Saint Germain zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht begonnen hätten und daher zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar sei, ob es in der jungen Republik Deutschösterreich nicht doch noch zu territorialen Veränderung kommen könne:

„Sollten die Tiroler Ernst machen mit ihrer Abtrennung vom Gesamtstaat, so wird der Einfluß des bäuerlichen Elements in der Nationalversammlung herabgedrückt. Ebenso wenn sich Vorarlberg der Schweiz anschließen sollte. In beiden Fällen wächst die relative Mehrheit der Vertreter der Arbeiterklasse in der Nationalversammlung. Bleiben Deutschböhmen und das Sudetenland bei Deutschösterreich, so wird die Mehrheit der Sozialdemokratie in der Nationalversammlung eine absolute.“[25]

Adler entwickelt dann einen Gedankengang, der aus der historischen Distanz Verwunderung hervorrufen mag, dem aber eine gewisse argumentative Triftigkeit nicht unter Hinweis auf seine vermeintliche Frivolität abgesprochen werden kann. Bis vor kurzem, schreibt er, sei „Eigentum das entscheidende Merkmal für politische Macht“ gewesen. In der „Revolution vom November 1918“ siegte der „liberale Grundsatz: Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt […] Das Privilegium des Eigentums ist gefallen. Die Demokratie hat gesiegt. Aber der Sozialismus will mehr als die Vorrechte des Eigentums beseitigen, er will die Arbeit zum wirklichen Merkmal politischer Macht erheben.“ Und Adler setzt dem noch eins drauf: „Nicht nur der alte Satz: ‚Wer nichts arbeitet, soll auch nichts essen‘ ist Maxime sozialistischen Denkens, sondern ebensosehr die Forderung: ‚Wer nichts arbeitet, hat auch nichts dreinzureden!‘“[26] Keineswegs zimperlich erläutert Adler, dass es mit Prinzipien der Sozialdemokratie vereinbar wäre, ebenso wie „Verbrecher und Geisteskranke auch Menschen, die ohne zu arbeiten die Güter der Gesellschaft genießen wollen, von allen politischen Rechten und damit auch vom Wahlrecht auszuschließen.“[27]

Als ein Bekenntnis zur repräsentativen Demokratie wird man diese Äußerungen wohl nicht auffassen können; auch der zurückhaltender formulierte Schluss des Artikels hilft da nicht weiter, heißt es doch dort, dass neben den beiden großen Klassen der Arbeiter und Bauern, die gegenwärtig im Parlament vertreten seien, die wenigen „reinen Kapitalistenvertreter“ nicht wirklich ins Gewicht fielen.

Wie kam nun aber das Adler’sche Diktum zur Kenntnis Schumpeters? Sofern die Formulierung nicht bei einem möglichen Gespräch zwischen den beiden fiel, muss Schumpeter entweder die Arbeiter-Zeitung oder den Kampf aufmerksam gelesen und sich daraufhin eine Notiz (und sei es eine mentale) zu diesem Bonmot und dessen Urheber gemacht haben, welches er dann fast zwanzig Jahre später, in den Singular transponiert, zitieren sollte. Denn nur in diesen beiden Quellen treten nämlich der Name des Urhebers, Friedrich Adler, und die Formulierung von den Zufällen der Arithmetik gemeinsam auf. Einen Text, in dem Adler den Begriff des „Fetischdienstes“ verwendet, konnte ich bislang nicht ausfindig machen. Dieser Teil des von Acham unter Verweis auf Schumpeter angeführten Zitats wirft ein weiteres ideengeschichtlich interessantes Problem auf. Bei Schumpeter ist nämlich nur in der deutschen Übersetzung vom „Fetischdienst“ die Rede, während im englischen Original von „fetishism“ die Rede ist.[28] Soweit ich es prüfen konnte, verhielt sich Friedrich Adler allerdings auch diesem Begriff gegenüber abstinent. Während „Fetischismus“ in der Mitte des 20. Jahrhunderts wohl zum gebräuchlichen Wortschatz gebildeter Kreise gezählt werden kann und daher bei Schumpeter vermutlich nicht mehr meint, als eine des Inhalts entleerte rituelle Verehrung eines Objekts, weist der Ausdruck des „Fetischdienstes“ eine andere Begriffsgeschichte auf. In seiner französischen Form geht der Begriff auf Auguste Comte zurück, der ihn, durchaus positiv besetzt, im Rahmen seiner Geschichtstheorie, die üblicherweise als Drei-Stadien-Gesetz erinnert wird, verwendete. Bemerkenswert ist schließlich der Sukkurs, den Friedrich Adlers Ansicht durch jemanden fand, von dem manche das wohl nicht erwartet hätten; zu Letzteren muss man wohl auch Acham zählen, hält er doch den vorstehend erwähnten „radikalen Linken“ zwei Autoren entgegen: Otto Bauer und Hans Kelsen. Zweiterer bezog sich nun aber mehr als nur ein Mal zustimmend auf Adlers Diktum. In einem zweiteiligen Beitrag, der im November 1926 im Österreichischen Volkswirt unter dem Titel „Zur Soziologie der Demokratie“ erschien, spricht er bei der Erörterung des Majoritätsprinzips davon, dass sich „die soziale Realität gegen das [sträubt, C. F.], was man gelegentlich sehr treffend den ‚Zufall der Arithmetik‘ genannt hat“.[29] Kelsen argumentiert, das Mehrheitsprinzip könne in der „sozialen Realität“ durch Minderheitsregierungen und „wahltechnische Künste“ konterkariert werden. Von allen anderen Aspekten abgesehen, sei an diesem Prinzip wichtig, dass es zu einer „sozialen Integration“ der Mehrheits- und Minderheitsgruppen führe.[30] Da Kelsen weder in diesem Aufsatz noch bei den beiden anderen Gelegenheiten, wo er die Formulierung verwendete,[31] den Urheber des Aperçus erwähnt, fällt er als Informant Schumpeters aus. Dieser muss Adlers Äußerung selbst für erinnernswert gehalten haben. Was ihn dazu brachte, dem Urheber einen Fetischismus anzudichten, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Die ausführliche Analyse des ausgewählten Beispiels war mir wichtig, weil sie nicht nur etwas über den (nach)lässigen Umgang mit Quellen und Belegen verrät, die dieser Art Lehnstuhlforschung zu eigen ist, sondern auch über deren politische Indienstnahme zur ,Beglaubigung‘ idiosynkratischer politischer Werturteile. Acham beruft sich auf die Formulierung eines geachteten Theoretikers, wandelt diese in Wortlaut und Bedeutung ohne weitere Kennzeichnung ab, und stellt das Ganze in einen Argumentationszusammenhang, in dem die betreffende Stelle dazu herhalten muss, die subjektiven politischen Sichtweisen des Autors zu stützen. Ein Dienst an der Wissenschaft ist das nicht.

Fazit

Ich will bei den Leserinnen und Lesern keineswegs den Eindruck erwecken, dass die mehr als 1000 Seiten des Acham’schen Kompendiums nicht auch viel Wertvolles und Informatives enthalten. Je nach Grad der Vorkenntnisse wird man mehr oder weniger Nutzen aus der allfälligen Lektüre ziehen können, wobei der mögliche Nutzen durch das Fehlen eines Sachregisters allerdings empfindlich beschränkt wird.[32]

Als Beitrag zur Erhellung der Geschichte der Soziologie als akademischer Disziplin ist das Werk aufgrund der vorstehend genannten Einwände nur bedingt hilfreich, handelt es sich bei der Mehrzahl der Beiträge doch um Studien über relativ frühe Manifestationen sozialen Denkens auf dem Gebiet der Doppelmonarchie. Sie behandeln vergangene Auseinandersetzungen mit im Zuge der Modernisierung entstandenen neuen, als spezifisch gesellschaftlich bedingt erachteten Problemlagen und erzählen von originellen Einsichten, vor allem aber von Resonanzen, die anderswo zuerst formulierte Gedanken in der amorphen Großregion des vom Hause Habsburg regierten Staatenbundes fanden.

Wer an neueren Forschungsergebnissen interessiert ist, wird anderweitig suchen müssen – vielleicht einmal in dem einen oder anderen Archiv.

Zu einem besseren Verständnis der Frühformen der Soziologie in der Zeit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie trägt der Sammelband ebenfalls nur wenig bei, da die meisten Beiträge eine klare, auf soziologischem (Theorie-)Wissen beruhende Fragestellung ebenso vermissen lassen wie eine methodisch reflektierte Herangehensweise. Beiträge zu Festschriften wird gelegentlich unterstellt, Verlegenheitsprodukte zu sein. Etliche der in diesem Kompendium versammelten Beiträge hinterlassen einen ähnlichen Eindruck. Wer an neueren Forschungsergebnissen interessiert ist, wird anderweitig suchen müssen – vielleicht einmal in dem einen oder anderen Archiv.

  1. Karl Acham (Hg.), Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften, 6 Bde., Wien 1999–2006.
  2. Karl Acham (Hg.), Zeitdiagnosen. Studien zur Geschichts- und Gesellschaftsanalyse, 7 Bde., Wien 2002–2005.
  3. Karl Acham (Hg.), Kunst und Wissenschaft aus Graz, 3 Bde., Wien 2007–2011.
  4. Offenlegung: Ich kenne den Herausgeber und eine große Zahl der Autorinnen und Autoren mehr oder weniger lang beziehungsweise gut, einige von ihnen darf ich zu meinen Freunden rechnen. Ich war aber in keiner Weise an der Entstehung des Bandes oder einzelner Texte beteiligt.
  5. Edward Shils, Tradition, Ecology, and Institution in the History of Sociology, in: Daedalus 99 (1970), 4, S. 760–825.
  6. Matthias Duller / Christian Fleck, Sociology in Continental Europe, in: The Cambridge Handbook of Sociology, Bd. 1, hrsg. von Kathleen Odell Korgen, New York 2017, S. 5–17.
  7. Für eine detaillierte Darstellung vgl. Christian Fleck, Skizze einer Methodologie der Geschichte der Soziologie. in: Soziologiegeschichte. Wege und Ziele, hrsg. von Christian Dayé und Stephan Moebius, Berlin 2015, S. 34–112.
  8. Hans Zeisel an Christian Broda, 3.6.1976. Nachlass Christian Broda, Mappe Ib 282-285, Österreichische Nationalbibliothek (Hervorh. im Orig.).
  9. Barbara Sauer / Ilse Reiter-Zatloukal, Advokaten 1938. Das Schicksal der in den Jahren 1938 bis 1945 verfolgten österreichischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Wien 2010, S. 205.
  10. Franz Kobler, Die Erforschung des Rechtsbewußtseins durch Beobachtung und Experiment, in: Juristische Blätter 41 (1912), 26, S. 301–303 und S. 315–317.
  11. Leo Baeck Institute New York, Franz Kobler Collection, Center for Jewish History, New York.
  12. Gerade einmal sechs der 168 biografisch eingehender gewürdigten Personen sind Frauen – das entspricht einem Anteil von vier Prozent.
  13. Das zugegebenermaßen umfangreiche Personenregister lässt es leider wiederholt an Sorgfalt fehlen. So stimmt nicht nur die Reihenfolge der Verweise oft nicht, sondern es finden sich zu manchen Personen auch doppelte Einträge, während man andere, wie zum Beispiel den zu Adam Müller, vergeblich sucht.
  14. William M. Johnston, Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848–1938, Wien 1972.
  15. Die von ihm recherchierten Materialien hätten es verdient, nicht nur einmal zitiert zu werden; vielmehr hätte man sie zum Anlass nehmen können, die Beziehung von Wissenschaftlern zur Politik (beispielsweise anhand von Schumpeters Politischen Memoranden 1916–1918) zu erörtern oder zu erklären, warum sein Bericht über die Mission als Austauschprofessor an der Columbia-Universität in New York, 1913–1914 im Wiener Ministerium kaum Resonanz fand.
  16. Wilhelm Jerusalem, Einführung in die Soziologie, Wien 1926.
  17. Siehe dazu Christian Fleck, Rund um "Marienthal". Von den Anfängen der Soziologie in Österreich bis zu ihrer Vertreibung, Wien 1990, S. 60–64. Zu meiner Überraschung fand ich nun meinen damaligen Befund auf S. 529 knapp zusammengefasst, aber um keinen Deut‘ erweitert, vertieft oder korrigiert.
  18. The Man Farthest Down. A Record of Observation and Study in Europe, by Booker T. Washington, with the collaboration of Robert E. Park. New York 1912.
  19. Darauf aufmerksam gemacht hat bereits sehr früh Max Lederer, der nach seiner Emigration 1938 zeitweilig an der Library of Congress eine Anstellung fand. Vgl. Max Lederer, Mark Twain in Vienna, in: Mark Twain Quarterly 7 (1945–1947), 1, S. 1–12.
  20. Acham setzt seine „Klassiker“ in Anführungsstrichen, vermutlich um sie von echten Klassikern wie Auguste Comte, Karl Marx oder Max Weber abzusetzen. Aber warum macht man von dem Begriff Gebrauch, wenn es einem damit nicht ernst ist?
  21. Die zweite Ausgabe der International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences (2015) enthält keinen biografischen Eintrag zu einem der zwölf Genannten. Manche der Namen kommen dort nicht einmal in anderen Beiträgen vor.
  22. Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, mit e. Einf. von Heinz D. Kurz, übers. von Susanne Preiswerk u.a., 10., vervollst. Aufl., Tübingen 2020, S. 315.
  23. Ebd.
  24. Eine ernste Warnung, in: Arbeiter-Zeitung, 1.5.1919, S. 2. Gleichlautende Abdrucke, aber ohne Nennung der Namen der beiden Unterzeichner des Aufrufs, Friedrich Adler und Alois Bauer, und gelegentlich auch ohne diesen Titel, finden sich auch in anderen Zeitungen. Vgl. u.a. Wiener Zeitung, 1.5.1919, S. 12; Neues Wiener Journal, 1.5.1919, S. 3; Politische Chronik, Heft 4, 1919, S. 151; und Neues Wiener Tagblatt, 1.5.1919, S. 5.
  25. Friedrich Adler, Die Zufälle der Arithmetik und das Schicksal der Sozialisierung, in: Der Kampf 12 (1919), Heft 6, S. 257–260, hier S. 258.
  26. Ebd., S. 259.
  27. Ebd., S. 260.
  28. Die Übersetzungen von Schumpeters populärem Werk in verschiedene Sprachen enthalten nun allesamt das deutsche Zitat des „Zufalls der Arithmetik“, weil Schumpeter die deutschen Worte 1942 in Klammern seiner eigenen englischen Übersetzung „vagaries of arithmetics“ hinzufügte. Der Wechsel vom Plural zum Singular zählt, wie die Verwendung des Kosenamens Fritz (der nun auch in allen Übersetzungen so heißt), zu den schriftstellerischen Eigenheiten Schumpeters.
  29. Hans Kelsen, Zur Soziologie der Demokratie, in: Der österreichische Volkswirt 19 (1926), H. 8 und 9, S. 209–211 und S. 239–242, hier S. 240.
  30. Ebd., S. 241.
  31. Siehe dazu Hans Kelsens, Demokratie (1926) und Vom Wesen und Wert der Demokratie (2. Auflage 1929), beide in: ders., Verteidigung der Demokratie: Abhandlungen zur Demokratietheorie, hrsg. von Matthias Jestaedt und Oliver Lepsius, Tübingen 2006, S. 115–148 bzw. S. 149–228.
  32. LeserInnen, die in diesem Werk etwas Bestimmtes suchen, sei die Nutzung der über einige Bibliotheken zugänglichen Online-Version empfohlen: ebookcentral.proquest.com.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.

Kategorien: Geschichte der Sozialwissenschaften Universität Wissenschaft

Christian Fleck

Dr. Christian Fleck ist Fellow am Institut für Höhere Studien in Wien. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden u.a. die Soziologie und Geschichte der Sozialwissenschaften und die Historische Soziologie.

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