Den Kapitalismus von der Küche aus verstehen

Ein neuer Sammelband beleuchtet die Schnittmengen von Feminismus und Marxismus

„Durch die Veröffentlichung dieses Dokuments eröffnen wir keine sterile Debatte mit der Linken, sondern wir schließen eine solche Debatte ab“, postulierten Silvia Federici und Nicole Cox selbstbewusst in ihrem Text „Counter-Planning from the Kitchen“ aus dem Jahre 1974.[1] Die Debatte, der die Autorinnen die Spitze aufsetzen wollten, drehte sich um die Kampagne „Lohn für Hausarbeit“ – ein genialer politisch-strategischer Schachzug des linksradikalen Flügels der Zweiten Frauenbewegung. Aus einer intensiven Auseinandersetzung mit den Marx’schen Schriften und den marxistischen Debatten der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre hatte sich in diesem Flügel ein neues Verständnis von Hausarbeit durchgesetzt: Die weitgehend von Frauen verrichtete Arbeit bildet aus dieser Perspektive eine notwendige und gleichwohl unberücksichtigte Grundlage jeder kapitalistischen Mehrwertproduktion. Das Ziel der sich aus dieser Erkenntnis speisenden Kampagne war nichts weniger als der radikale Umsturz der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Geschlechterverhältnisse: „Denn wir kämpfen nicht um eine gleichmäßigere Verteilung derselben Arbeit. Wir kämpfen darum, dieser Arbeit ein Ende zu bereiten, und der erste Schritt besteht darin, sie mit einem Preisschild zu versehen.“[2] Freilich wurde die Diskussion mit und innerhalb der Linken mit dem provokanten Statement von Cox und Federici keineswegs beendet. Vielmehr nahm sie in den Folgejahren erst richtig an Fahrt auf.[3] Ein von Alexandra Scheele und Stefanie Wöhl herausgegebener Band möchte nun die Debatte unter marxistischen Feministinnen, zweifelsohne aber auch zwischen Marxistinnen und Feministinnen fortführen und zwar auf der Höhe des Forschungsstandes und neuer gesellschaftlicher Entwicklungen.

Die Auseinandersetzung mit Marx und seiner Kritik der politischen Ökonomie aus Perspektive der Geschlechterverhältnisse fand dabei wohlbemerkt nicht erst in den 1970er-Jahren statt – hier führt die von den Herausgeberinnen verfasste Einleitung des Bandes in die Irre. Vielmehr hatte sie relevante historische Vorläufer: Kommunistinnen wie Alexandra Kollontai, Clara Zetkin und Ketty Guttmann thematisierten den Zusammenhang von kapitalistischer Ökonomie und Geschlechterverhältnissen bereits in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts und gingen in ihren Arbeiten über die Analysen August Bebels und Friedrich Engels zur Unterdrückung der Frau hinaus. Eine größere Vehemenz erlebte die Debatte jedoch erst im Kontext der sogenannten Zweiten Welle der Frauenbewegung, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Spektrum der Fragen und Analysen der bestehenden Geschlechterordnung massiv erweitert hatte. Die Aufmerksamkeit, die den luziden marxistisch-feministischen Analysen zugestanden hätte, wurde ihnen von den männlichen Genossen innerhalb der sozialen Bewegungen allerdings kaum zuteil.

Was diese Anerkennung anbelangt, so zeichnet sich in den letzten Jahren eine fortschrittliche Tendenz ab: Veranstaltungen, die sich mit Marx und marxistischer Theoriebildung auseinandersetzen, weisen gegenwärtig stets mindestens ein Panel auf, das feministische Perspektiven aufgreift, und in den meisten links-politischen Initiativen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geschlechterverhältnisse wesentlich zur Reproduktion kapitalistisch organisierter Gesellschaften beitragen.[4] Diese Entwicklung fällt zusammen mit einer Konjunktur marxistisch-feministischer Analysen insgesamt, die in den 1990er- und 2000er-Jahren in den Hintergrund geraten waren. Seit einiger Zeit zeugt nun die Zahl neuerer Publikationen[5] und Tagungen, von studentisch organisierten Veranstaltungen[6] und außeruniversitären Lesekreisen – vielfach unter dem Label „materialistischer Feminismus“ oder auch mal „feministischer Materialismus“[7]– von erhöhtem Interesse. Einige dieser Veranstaltungen und Publikationen intendieren eine strikte Abgrenzung zu poststrukturalistischen und dekonstruktivistischen Ansätzen, doch gibt es auch eine Reihe von Autor*innen – mehrere von ihnen im vorliegenden Band – die solche Demarkationslinien für unproduktiv erachten und in ihren Analysen marxistische Ansätze mit Erkenntnissen aus jener theoretischen Tradition zu verbinden suchen, die mit Namen wie Michel Foucault, Jacques Derrida und Judith Butler verbunden ist (siehe die Beiträge von Susanne Lummerding, Hanna Meißner und Birgit Sauer). Die zu beobachtende erneute Konjunktur feministisch-marxistischer Ansätze, in die sich der Band von Scheele und Wöhl einreiht, ist sicherlich zum einen den gegenwärtigen, sich zuspitzenden gesellschaftlichen Verwerfungen und Krisentendenzen geschuldet. Zum anderen ist sie Ausdruck eines widersprüchlichen Aufeinandertreffens von Gleichheitsvorstellungen, Politiken des Gender-Mainstreamings und immensen Beharrungskräften innerhalb der Geschlechterordnung bis hin zu Tendenzen der Retraditionalisierung und einer generellen Verschärfung sozialer Ungleichheiten.

Angesichts des gestiegenen Interesses darf der pünktlich zum 200. Geburtstag des Trierer Gesellschaftstheoretikers und Polit-Ökonomen in der von Brigitte Aulenbacher und Birgit Riegraf herausgegebenen Reihe Arbeitsgesellschaft im Wandel veröffentlichte Sammelband auf eine nicht geringe Leser*innenschaft hoffen. Aus mindestens zwei Gründen ist ihm dieses Publikum auch zu wünschen: Erstens geben die Beiträge einen guten Überblick über den Forschungsstand, grundlegende Erkenntnisse und verschiedene Ansätze innerhalb der feministisch-marxistischen Debatte und trotz des Überhangs von Autor*innen aus dem deutschsprachigen Raum auch einen Einblick in international diskutierte Fragen. Zweitens verdeutlicht der Band die aus meiner Sicht bestehende Notwendigkeit gesellschaftstheoretischer Perspektiven innerhalb der Geschlechterforschung und feministischen Theoriebildung als Antwort auf die hier nur angerissenen gegenwärtigen Krisenentwicklungen und politischen Polarisierungen.

Gegliedert ist das Buch in fünf Teile, von denen vier je spezifischen Diskussionssträngen innerhalb der marxistisch-feministischen Debatte gewidmet sind. Zuvor eröffnet ein übergeordneter Teil unter dem Titel „Feministische Kapitalismuskritik“ den Band mit Texten von drei Autorinnen, die sich bereits seit vielen Jahren in die marxistisch-feministische Debatte einbringen und Orientierung über ein mittlerweile historisch und theoretisch weitläufiges Forschungsfeld versprechen: Frigga Haug, Nancy Fraser und Ingrid Kurz-Scherf. In ihrem essayistisch angelegten Text „Selbstveränderung als gesellschaftliche Praxis“ verbindet Haug zunächst eine biografische Reflexion ihrer ersten Auseinandersetzungen mit dem Marx’schen Werk und eine knappe Skizze der von ihr entwickelten gesellschaftstheoretischen Position, in deren Rahmen sie Geschlechterverhältnisse als Produktionsverhältnisse fasst. Als Dreh- und Angelpunkt sowohl in theoretischer wie praktischer Hinsicht auf feministische Kämpfe sieht sie die Frage nach der Verfügung über Zeit. Anstelle des Haug’schen Rückgriffs auf die Befreiungstheorie der Feuerbach-Thesen versucht sich Fraser mit Marx an einer aktualisierten theoretischen Konzeption des Kapitalismus und der gegenwärtigen kapitalistischen Krise. Im Kern sei diese als multidimensionale Krise zu fassen, die auch (vermeintlich) „nicht-ökonomische“ Phänomene, wie die Erderwärmung, Fürsorgedefizite und die Aushöhlung staatlicher Macht umfasse und darüber hinaus „neue politische Konstellationen und Grammatiken“ hervorbringe (S. 41). Wie auch bei anderen feministisch-marxistischen Theoretikerinnen ist Frasers Ziel, jene Bereiche systematisch abzudecken, die im Marx‘schen Werk unterbelichtet sind; für Fraser sind das vor allem Geschlecht, Ökologie und politische Macht. Um Marxens „beste Einsichten“ in eine auch für gegenwärtige Auseinandersetzungen tragfähige Analyse zu überführen (S. 42), bedürfe es ebenso feministischer Perspektiven wie auch ökologischer, staatstheoretischer und postkolonialer Zugänge. Mit diesem Ziel rekapituliert die Autorin zunächst zentrale „ökonomische“ Kennzeichnen des Kapitalismus, schließt sich dem neuerlich viel diskutierten Theorem der fortgesetzten ursprünglichen Akkumulation an und skizziert von dort aus die „nicht-ökonomischen“ Ermöglichungsbedingungen kapitalistischer Wirtschaft. Dazu zählt sie eine fortdauernde Geschichte der Enteignung, die überwiegend von Frauen geleistete Reproduktionsarbeit (Care, affektive Arbeit) sowie die Trennung dieser Arbeit von der Warenproduktion, die „Annexion der Natur“ (S. 48) und schließlich auch die Absicherung all jener Aneignungen durch staatliche Macht und geopolitische (Zwangs-)Ordnungen. In Folge dieser Rekonstruktion fasst Fraser den Kapitalismus nicht allein als Wirtschaftssystem, sondern als institutionalisierte Gesellschaftsordnung, die nicht einer einzigen totalisierenden Verdinglichungsdynamik unterliege, sondern normativ durchaus differenziert sei. Aus den unterschiedlichen Normativitäten – und hier vollzieht Fraser die Bewegung einer immanenten Kritik – speisten sich die Potenziale sozialer „Grenzkämpfe“, etwa um die Trennungen zwischen Ökonomie und Gemeinwesen oder zwischen Produktion und Reproduktion. Fraser erweitert damit das Verständnis antikapitalistischer Kämpfe.

Der theoretisch stärker auf Einzelaspekte fokussierte zweite Teil versammelt Texte zu den Themen Arbeit, Care und sozialer Reproduktion – und damit zu Kernaspekten marxistisch-feministischer Kritik. Mit dem von ihr im Anschluss an Roswitha Scholz entwickelten Konzept der „Wert-Abjektion“ konzentriert sich Beatrice Müller in ihrem Beitrag auf die kulturelle und ökonomische Abwertung und Abspaltung von Care im Kapitalismus und versteht diese als konstitutive Voraussetzung für die Realisierung von Wert. Gegenüber dieser werttheoretischen Zuspitzung eröffnet Gabriele Winker ihren Text mit einer schlüssigen Darstellung der um intersektionale Perspektiven bereicherten Diskussion um Reproduktionsarbeit. Allerdings endet sie anschließend mit einer in ihrer Knappheit nicht nur unterkomplexen, sondern unter den bestehenden Verhältnissen geradezu unbedarft erscheinenden politischen Perspektive darauf, wie über den Care-Bereich hinaus „die gesamte Ökonomie in gesellschaftliche Kontrolle“ zu überführen wäre (S. 112). Demgegenüber plädiert Alexandra Scheele in ihrem Artikel dafür, auch die Möglichkeiten von Anerkennung und Emanzipation durch Erwerbsarbeit ernst zu nehmen und fordert eine in politischer sowie theoretischer Hinsicht komplexere marxistisch-feministische Debatte über Arbeits- und Geschlechterverhältnisse. Gerade mit Blick auf vergangene feministische Kämpfe und ihre widersprüchlichen Effekte – die erfolgreiche Etablierung eines (neo)liberalen Feminismus inklusive seiner „Top Girls“[8] – , aber auch auf die Möglichkeiten gesellschaftlichen Wandels in naher Zukunft ist eine solche komplexe und selbstreflexive Perspektive angezeigt.

In dem mit „Ideologie und Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen“ überschriebenen dritten Teil des Bandes steht der Beitrag von Susanne Lummerding für eine in der marxistisch-feministischen Diskussion mittlerweile verstärkt wahrnehmbare queer-feministische Position, die versucht, identitätskritische und dekonstruktive Ansätze in die Kritik des Kapitalismus einzubeziehen. Lummerding versteht queer in diesem Sinne nicht nur als antinormatives und antisexistisches, sondern auch als antirassistisches und kapitalismuskritisches Programm, das sich gegen identitäre Grenzziehungen – die Festschreibung auf eine spezifische Identitäts- und Subjektposition – wendet, die Teil kapitalistischer Macht- und Ausbeutungsverhältnisse seien. Auch Hannah Meißner widmet sich in ihrem Text der Frage von Identität respektive Identitätspolitiken. Sie setzt sich mit der in den letzten zwei Jahren vermehrt hör- und lesbaren These auseinander, ‚die Linke’ müsse sich endlich wieder der „Re-Inspektion der ‚Klassenfrage’“ (S. 159) widmen, die zugunsten von Identitätspolitiken in den Hintergrund getreten sei. Meißner zufolge spiegelt sich in dieser Debatte – und vor allem in ihrem Insistieren auf der Bedeutungslosigkeit habitueller Vorbedingungen kollektiver Handlungsfähigkeit – ein hartnäckiges Problem des marxistischen Erbes: nämlich die Konstruktion und Verengung auf ein spezifisches revolutionäres Subjekt des weißen, männlichen, heterosexuellen und in bestimmter Weise körperlich sowie geistig befähigten Arbeiters. Ihrer Argumentation zufolge (und in der Hoffnung auf eine „mehrdimensionale Revolution“) sei es durchaus vonnöten, „die“ soziale Frage wieder in den Mittelpunkt der Debatten zu stellen – allerdings nur unter Einbeziehung feministischer, queerer, post- und dekolonialer sowie ableismuskritischer Erkenntnisse, die die soziale Frage in ihrer Komplexität überhaupt erst verhandelbar machten.

Im vierten Teil des Bandes widmen sich unter anderem Fabienne Décieux und Luzie Sennewald der Regulationstheorie als einem Ansatz, der sich mit seinem Fokus auf Akkumulationsregime und ihre Wandlungen gerade für feministische Analysen als besonders dienlich erweist, insofern darin auch die sich wandelnde Rolle des (Sozial-)Staates und der Regulierung von Care-Arbeit mitreflektiert wird.[9] Der fünfte und letzte Teil versammelt schließlich zwei Beiträge, die sich mit (neo-)marxistisch-feministischen Theoretisierungen von Staat(lichkeit) und staatlicher Gewalt beschäftigen. Der Beitrag von Julia Dück und Katharina Hajek plädiert überzeugend für einen erweiterten Begriff sozialer Reproduktion, der neben der Frage nach geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung auch Fragen der Regulierung von Familie, Generativität, Sexualität und Migration im „integralen Staat“ (Gramsci) berücksichtigt.

Auch wenn mir weder die thematische Untergliederung der letzten beiden Unterkapitel noch die Zuordnung der Texte wirklich einleuchtet, möchte ich auf zwei Aspekte aufmerksam machen, die meines Erachtens dem Anliegen der Herausgeberinnen, aktuelle marxistisch-feministische Positionen und Fragen aufzugreifen, besonders entsprechen. Gleichermaßen notwendig wie erkenntnisfördernd ist aus meiner Sicht in der gegenwärtigen Debatte eine Auseinandersetzung mit und Theoretisierung von Prozessen der Finanzialisierung, insbesondere der Ökonomie der Verschuldung und deren Auswirkungen auf die Organisation der Reproduktion sowie auf die Geschlechterverhältnisse. Die Beiträge von Adrienne Roberts und Stefanie Wöhl zeichnen aus unterschiedlichen Blickwinkeln Entwicklungen des finanzialisierten Kapitalismus nach, die die kritische empirische Sozialforschung in den nächsten Jahren sicherlich noch vielfach beschäftigen werden.[10] Die Auswirkungen des stark auf Frauen ausgerichteten Mikrokreditsystems als Teil von Entwicklungsstrategien in den Ländern des globalen Südens oder die immense Verschuldung von Privathaushalten der US-amerikanischen working und lower middle class sind nur zwei Aspekte, die andeuten, welche Phänomene konkret gemeint und wie vielfältig die sich in diesem Zusammenhang stellenden Fragen sind.

Die Herausgeberinnen haben hier einen sehr lesenswerten Sammelband mit einer gut geschriebenen und Orientierung bietenden Einleitung vorgelegt. Ärgerlich ist allein die Fortführung des Mythos, Marx hätte in seinen Schriften behauptet, dass alle gesellschaftlichen „Nebenwidersprüche“ erst dann aufgehoben werden könnten, wenn der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit gelöst sei (S. 9). Die Autorinnen belegen das nicht – und es kann auch gar nicht belegt werden. Zweifelsohne war diese Auffassung im Marxismus über lange Zeit dominant; Marx selbst kann sie allerdings nicht zugeschrieben werden.[11] Dass eine Reihe von für die marxistisch-feministische Debatte hoch relevanten Fragen und Entwicklungen (etwa verschiedene Phänomene der Kommodifizierung vergeschlechtlichter Arbeiten im Bereich der Intimität und der Reproduktionstechnologien) im Rahmen des Bandes nicht behandelt werden, ist den Herausgeberinnen sicherlich nicht anzulasten. Es verweist hingegen auf den großen Forschungs- und Diskussionsbedarf, der für marxistische Feminist*innen weiterhin besteht. Dem Buch ist eine breite Rezeption zu wünschen, nicht zuletzt, weil die Debatte zwischen Marxismus und Feminismus gegenseitiger Kenntnisnahme zum Trotz auch weiterhin als „asymmetrisch“ zu bezeichnen ist (S. 64). Darüber hinaus werden die Orte für die Auseinandersetzung über solcherlei Fragen vor dem Hintergrund der skandalösen Arbeitsbedingungen an den unternehmerischen Universitäten unserer Gegenwart (S. 132 f.) immer rarer.

Fußnoten

[1] Nicole Cox / Silvia Federici, Counter-planning from the kitchen, in: dies. (Hg.), Aufstand aus der Küche: Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution, Münster 2012, S. 106–127, hier 106.

[2] Ebd., S. 121.

[3] In Deutschland ließ man sich dafür noch ein paar Jahre länger Zeit.

[4] Zu verdanken ist diese Entwicklung vor allem der beharrlichen Arbeit zahlreicher Sozialwissenschaftler*innen und Aktivist*innen.

[5] Siehe u. a. Brunella Casalini, A materialist analysis of contemporary feminist movements, in: Anthropological Theory, Vol 17 (2017), S. 497516; Koschka Linkerhand, Feministisch streiten: Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen, Berlin 2018; Christine Löw et al., Material Turn: Feministische Perspektiven auf Materialität und Materialismus, Leverkusen 2017; PROKLA 174 (2014), Materialistischer Feminismus.

[6] Zu nennen wäre hier unter anderem „Geschlecht, Differenz und Identität: Über materialistischen Feminismus und Subjektkritik“ 2017 in Darmstadt, „Feministischer Materialismus“ 2018 an der Humboldt Universität zu Berlin.

[7] Diese Titel verweisen in der Regel auf das Anliegen, an das Marx‘sche Erbe anzuschließen und feministische Analysen mit einer Kritik der politischen Ökonomie zu verbinden, wohingegen Positionen, die sich unter einem „neuen Materialismus“ innerhalb der feministischen Theoriebildung versammeln, vielfach noch andere Fragen bearbeiten.

[8] Vgl. Angela McRobbie, Feminismus und der Aufstieg des Neoliberalen Geschlechterregimes, Wiesbaden 2010; vgl. auch Nancy Fraser, Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 54 (2008), 8, S. 43−57.

[9] Vgl. hierzu bereits Silke Chorus, Care-Ökonomie im Postfordismus, Münster 2012.

[10] Das zeigt sich insbesondere, sofern eine intersektionale und globale Perspektive in Anschlag gebracht wird, da diese Entwicklungen in unterschiedlichen Kontexten auf verschiedene Weise greifen und Frauen aus unteren sozialen Schichten und people of colour wesentlich stärker betreffen.

[11] Die Rede von "Haupt- und Nebenwidersprüchen" geht auf Mao zurück, während bei Marx keine Vorstellung eines solchen zeitlichen Nacheinanders existiert. Explizit gegen eine solche Konzeption steht die positive Bezugnahme von Marx und Engels auf die Aussage Charles Fouriers, dass sich die Veränderung der geschichtlichen Epoche aus dem Fortschritt der Frauen zur Freiheit bestimmen lässt, dass der "Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation" sei (Karl Marx / Friedrich Engels, Die heilige Familie, in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 2, Berlin 1844, S. 208). Ich danke Michael Heinrich, Alexander Gallas, Kolja Lindner, Urs Lindner und Hartwig Schuck für die Diskussion dieser Frage und entsprechende Hinweise.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Clemens Reichhold.