Die Bewertung der Gesellschaft

Rezension zu "The Performance Complex: Competition and Competitions in Social Life" von David Stark (Hg.)

Praktiken und Prozesse der Bewertung werden in aktuellen soziologischen Zeitdiagnosen als zentrale Momente gegenwärtiger gesellschaftlicher Transformationsprozesse angesehen. Steffen Mau macht zum Beispiel in seinem viel diskutierten Buch Das metrische Wir einen „Trend hin zu quantifizierenden Formen sozialer Rangbildung“ aus, der zur „Herausbildung einer Gesellschaft der Scores, Rankings, Likes, Sternchen und Noten“ führt.[1] Andreas Reckwitz argumentiert, dass in der Gesellschaft der Singularitäten die gesellschaftliche Privilegierung des Singulären gegenüber dem Allgemeinen auch durch Praktiken der Valorisierung getragen wird. Sie ist entsprechend auch eine „Valorisierungsgesellschaft“.[2] Natürlich nehmen die Autoren mit ihren Beschreibungen unterschiedliche Phänomene in den Blick. Während Steffen Mau sich vor allem mit der gesellschaftlichen Vebreitung von metrischen Bewertungssystemen auseinandersetzt und damit Kommensurierung und Quantifizierung fokussiert, konzentriert sich Andreas Reckwitz auf die Kulturalisierung des Sozialen, zum Beispiel durch die Sinngeneratoren der sozialen Medien. Aber unabhängig davon, ob Vergleichbarkeit oder Singularität im Zentrum der Beobachtung stehen: Sie sind eng mit Prozessen und Praktiken der Bewertung verwoben.

Die Stärke von Zeitdiagnosen liegt in der pointierten Beschreibung zentraler gesellschaftlicher Entwicklungen, die so sowohl in den Fokus der soziologischen Beobachtung als auch der gesellschaftlichen Debatte gerückt werden können. Zeitdiagnosen bieten damit Interpretationsangebote, die Orientierungsleistungen erbringen. Und das nicht nur für politische und gesellschaftliche Akteure, sondern eben auch für Wissenschaftlerinnen, die in ihrer Forschung auch über den Tellerrand ihrer Disziplin hinausblicken und der gesellschaftlichen Relevanz ihrer Arbeit versichert sein wollen. Kritisch kann man anmerken, dass der Wille zur Pointierung auch blinde Flecken produziert. Steffen Maus Analyse gesellschaftlicher Quantifizierung überschätzt die Macht der Zahlen und unterschätzt ihren Kontextualisierungsbedarf.[3] Und die Kulturökonomie mit ihren singulären Gütern, auf die sich Reckwitz bezieht, macht doch nur einen recht kleinen Teil des Wirtschaftssystems aus.[4]

Der von David Stark herausgegebene Sammelband The Performance Complex. Competition and Competitions in Social Life eröffnet mit der Feststellung, dass wir in einer „performance society“ leben, in der „more and more domains of life, and ever more activities within them, are experienced in terms of performance metrics“ (S. 1). Und es geht ihm, wie David Stark in seiner Einleitung festhält, auch darum, „core processes of our social condition“ (S. 2) nachzuvollziehen. Er tut dies aber in weiten Teilen nicht qua eines Überblicks über eine Vielzahl von Studien, die zur Unterstützung eines zeitdiagnostischen Arguments – dem der Bewertungsgesellschaft – mobilisiert werden. Stattdessen schreiben Autorinnen und Autoren auf der Grundlage ihrer empirischen Expertise vor dem Hintergrund einer gemeinsamem Fragestellung. Die lautet: Wenn man davon ausgeht, dass performance, commensuration, metrics, valuation und competition zentrale gesellschaftliche Prozesse darstellen – wie funktionieren sie, wie hängen sie miteinander zusammen und was kann man durch ihre Analyse über die gegenwärtige Gesellschaft lernen?

Etwas versteckt, im sechsten Kapitel des Bandes, skizzieren Elena Esposito und David Stark einen theoretischen Rahmen, auf den sich viele der Beiträge des Bandes immer wieder beziehen, ohne sich ihm bedingungslos zu verpflichten. Ausgehend von der Frage What’s observed in a ranking? nehmen Esposito und Stark Stellung gegen wohlfeile akademische Bewertungskritik, die ausgehend von der Annahme formuliert wird, dass Bewertungsinstrumente wie Rankings und Ratings – die Begriffe werden meist synonym verwendet und beziehen sich auf „the general social form of the evaluative list“ (S. 125, FN3)[5] – eine Repräsentationsfunktion erfüllen, also den ‚objektiven‘ Wert eines Bewertungsobjektes adäquat wiedergeben sollten. Wenn man diesen Anspruch auf normativer Ebene auch sicher haben kann, verfehlt man damit aber vielleicht den soziologischen Witz von Ratings und Rankings. Worin der liegen könnte, wird von Esposito und Stark in einer sozial- und einer gesellschaftstheoretischen These expliziert.

Sozialtheoretisch – oder genauer: entscheidungstheoretisch – liegt Esposito und Stark zufolge die Stärke von Ratings und Rankings darin, dass man mit ihrer Hilfe nicht direkt die Welt, sondern die Beobachtung der Welt beobachten kann, was Möglichkeiten zur Komplexitätsreduktion eröffnet: Wenn man schon nicht wissen kann, wie die Welt wirklich ist, dann kann man sich nach einem Blick auf Rankings und Ratings doch zumindest „relatively certain“ (S. 132) sein, wie sie aus der Perspektive einer bestimmten Bewertungsinstanz aussieht. Und man kann aufgrund ihres „visible public character“ (S. 132) auch davon ausgehen, dass andere Rankings beobachten und sich in ihren Entscheidungen auf sie beziehen. Rankings erfüllen deshalb vor allem eine Orientierungsfunktion für Entscheidungen: „However untrustworthy, as a common reference the ranking is a point of orientation from which to navigate an otherwise uncertain decision space.“ (S. 132)

Die gesellschaftliche Bedeutung, die Esposito und Stark Rankings und Ratings beimessen, liegt in einer Art Kompensationsleistung: In einer „heterarchical and polycentric society, in which different hierarchies and orderings intertwine and reproduce, non of which can claim to be dominant, or even to be fixed“ (S. 138), leisten Ratings und Rankings neben der individuellen Orientierungsfunktion auch eine gesellschaftliche Ordnungsfunktion. Aufgerufen werden hier einerseits die Theorie funktionaler Differenzierung Niklas Luhmanns[6] und andererseits die von David Stark selbst verfassten Vorarbeiten,[7] die, orientiert an Luc Boltanski und Laurent Thévenot,[8] die heterarchische Ordnung von Wirtchaftsorganisationen thematisieren. Wenn es keine gesellschaftsübegreifende hierarchische Ordnung mehr gibt, die Menschen situationsunabhängig unterschiedliche Status zuweist, dann sind es institutionalisierte Bewertungsformate wie Ratings und Rankings, die ihren Beobachterinnen Auschluss darüber geben, wie die Welt eingerichtet ist. Bewertungsformate kompensieren also den Ordnungsverlust in einer pluralen Welt, die weder Zentrum noch beständige Hierarchien kennt. Aus dem hierarchisierten[9] wird in modernen Gesellschaften der bewertete und bewertende Mensch.

Die im Band versammelten Aufsätze stellen Analysen unterschiedlicher Bewertungsformate vor, von Wettbewerben und Preisen in Kunst, Wirtschaft und Journalismus über situationsübegreifende, medial vermittelte Ratings und Rankings bis hin zu digitalisierten Bewertungsformen. Indem an konkreten Gegenständen zentrale Dynamiken von Bewertungsgeschehen rekonstruiert werden liefert der Band dabei einerseits Beiträge zur konzeptuellen Entwicklung der Soziologie der Bewertung.[10] Andererseits geben die Beiträge auch Einblicke in die Entwicklung von Bewertungsphänomenen, insbesondere im Zuge von Prozessen der Digitalisierung. Im Folgenden möchte ich nun kurz die Antworten skizzieren, die die Beiträge auf die eingangs skizzierte Fragestellung des Bandes geben.

Die Beiträge des ersten Teils liefern Hinweise darauf, wie die Reduktion von Komplexität durch Bewertungsinstanzen ermöglicht wird. Sie zeigen dabei, dass die Bewertungsarbeit selbst voraussetzungsreich und komplex ist. Im Anschluss an die frühe pragmatistische Theorie der Bewertung von John Dewey[11] argumentiert Kristian Kreiner, dass nicht nur für Außenstehende eine grundsätzliche Unsicherheit bezüglich der Qualität von Bewertungsobjekten besteht, sondern die Bewerteten selbst Schwierigkeiten haben, die Qualität der eigenen Arbeit einzuschätzen. Kreiner zeigt dabei auch, dass die Konstruktion von Bewertungsobjekten eine Leistung des Bewertungsverfahrens selbst ist. Im von ihm untersuchten Fall wird nicht der vorliegende Entwurf des siegreichen Beitrags, sondern eine antizipierte modifizierte Fassung durch die Jury ausgezeichnet.

Marco Solarolis Analyse der World Press Photo Awards und Lisa McCormicks Untersuchung von Wettbewerben klassischer Musik machen dann deutlich, dass durchaus unklar sein kann, was genau durch ein spezifisches Bewertungsformat bewertet wird. So stehen bei Fotowettbewerben nicht nur Fotografien und bei Musikwettbewerben nicht nur musikalische Leistungen auf dem Prüfstand, sondern auch die Fotografinnen (Solaroli: S. 62) und Musikerinnen (McCormick: S. 92) – also Personen und nicht materielle Gegenstände und Aktivitäten. Wettbewerbe führen damit also auch spezifische „Co-Valuationen“[12] durch, die durch die Bewertungssituation selbst und ihre formalen Regeln nicht gedeckt sind und dennoch Einfluss auf die Bewertung des ‚eigentlich‘, also formal zur Bewertung anstehenden, Objektes haben können. Deshalb lässt sich vermuten, dass eine zentrale Dynamik des Geschehens in Bewertungskonstellationen[13] darin besteht, das Bewertungsobjekt zuzuschneiden beziehungsweise Bezugnahmen auf andere Bewertungsobjekte zu verhindern oder zu fördern.

Wenn man jetzt fragt, wie die Orientierungsleistung der Bewertung in Wettbewerben erbracht wird, dann kann man mit McCormick darauf hinweisen, dass es sich um Fragen der Performance handelt, um soziale Dramen, in denen „individuals and collectivities present and negotiate meanings“ (S. 78). Und man kann mit Solaroli (S. 56) festhalten, dass sie Möglichkeiten eröffnen, in einem spezifischen sozialen Feld Zugang zum „shared knowledge on the principles of worth“ zu erhalten. Der entscheidende Hinweis scheint mir aber von Kristian Kreiner zu kommen: Die Jurys von Wettbewerben entscheiden über den Wert der vorgelegten beziehungsweise konstruierten Bewertungsobjekte.[14] Mit James March und Herbert Simon[15] und Niklas Luhmann[16] kann man auf das Vermögen von Entscheidungen verweisen, Unsicherheit zu absorbieren: In der Entscheidung werden die Informationen, auf deren Grundlage sie getroffen wurde, nicht mehr mitgeteilt, sondern nur der gefällte Entschluss – im vorliegenden Fall heißt das, dass nicht mehr alle Aspekte eines zur Bewertung anstehenden Objekts, sondern das Resultat der Bewertung kommuniziert wird. Das Urteil über den Wert kann dann zwar immer wieder angezweifelt werden. Aber man kann eben auch die Reputation des Wettbewerbs, die Professionalität der Jurorinnen oder ihre Expertise zum Anlass nehmen, das Bewertungsproblem als gelöst anzusehen.

Foto-, Musik- und Architekturwettbewerbe organisieren die Zuschreibung von Wertigkeit auf der Grundlage von Interaktionen: Stücke werden einem kritischen Publikum dargeboten, Abzüge in Ausstellungsräumen begutachtet, Modelle von Juroren aus kürzester Distanz ins Auge genommen. Und auch die konkrete Bewertungsarbeit findet in Interaktionen, nämlich in den Verhandlungen der Jurys, statt. Von dieser Bindung an Interaktionen emanzipieren sich massenmediale Rankings, die den Schwerpunkt des zweiten Teils des Buchs bilden.

Wendy Espeland, bekannt für ihre Forschung zu Kommensurierung, Quantifizierung und Rankings,[17] widmet sich den Fragen nach den Kontextbedingungen, Funktionsweisen, Akteuren und Konsequenzen von medialen Rankings. Mit Verweis auf ihre Arbeiten zu Rankings im Wissenschaftssystem argumentiert sie, dass die Einordnung in einen gesellschaftlichen Kontexts wichtig ist, um Rankings zu verstehen. Im Fall der Hochschulrankings seien vor allem die Ausweitung des Hochschulzugangs und die Verbreitung neoliberaler bildungspolitischer Programme von Bedeutung. Rankings produzieren eine „ordered hierarchy“ (S. 106), die nicht nur einmalig Wertdifferenzen anzeigt, sondern durch Wiederholungen „trends“ (S. 107) produziert.[18] Sie führen dazu, dass Machtpotenziale im Hochschulsystem neu verteilt werden – mit Gewinnchancen für Studierende (im wettbewerblichen Hochschulsystem der U.S.A., T.P.), staatliche Akteure und die veanstaltenden Medienorganisationen (S. 111). Wenn die Dominanz der Marktlogik eine Voraussetzung von Rankings im Hochschulbereich ist, dann ist deren Intensivierung auch eine ihrer Konsequenzen (S. 112), zum Beispiel indem Rankings nicht nur Wertunterschiede produzieren, sondern den Vergleichsraum, in dem Universitäten sich und ihre Konkurrenz beobachten, erheblich ausweiten. Das verantwortliche administrative Personal spürt, dass durch Rankings der Erwartungsdruck steigt: „Administrators reported being devastated when their school’s ranking dropped and some feared losing their jobs“ (S. 115), es herrscht eine „enormous anxiety“ (S. 115) an Hochschulen.

In seinem Beitrag stellt William Payne eine frühe Form eines medialen Rankings vor, das auf der Aggregation der Bewertungen von Amateurkritikerinnen beruht: die Zagat Restaurant Survey (https://www.zagat.com/). Das darin liegende Versprechen einer Demokratisierung der Restaurantkritik sieht Payne allerdings nicht eingelöst.

Olav Velthuis und Niels van Doorn untersuchen die Produktion und Konsequenzen von digitalen Rankings. Sie geben darin einen interessanten Einblick in die Welt des Webcam-Sex, in der Performerinnen und Performer pornografische Handlungen gegen monetäre Leistungen live einem Publikum präsentieren. Auch hier hat die Digitalisierung zu einer Veränderung des Verhältnisses von Amateuren und Professionellen geführt: „It has blurred the boundary between amateur and professional sex workers, and generated a large influx of newcomers.“ (S. 167) Digitale Bewertungspraktiken kommen dann ins Spiel, wenn durch „algorithmic ranking“ (S. 168) über die Ordnung der Performerinnen auf dem Bildschirm der konsumierenden Plattform-Nutzerinnen entschieden wird (Auf der ersten oder einer erst durch weitere Clicks erreichbaren Seite? Auf welcher Position innerhalb der Seite?). Das entsprechende Ranking ist hier nicht Resultat, sondern Bedingung des Wettbewerbs zwischen den Performenden (S. 168) – was mir in gewisser Weise auch in den beiden anderen Fällen medialer Rankings zu gelten scheint.

Die Beiträge des letzten Teils vertiefen das Thema ‚digitale Formate der Bewertung‘. Will Davies eröffnet mit Überlegungen zu einer Form von „post-liberal competitions“, die sich von liberalen Wettbewerben dadurch unterscheiden, dass sie nicht in der Öffentlichkeit, sondern hinter dem Rücken der Akteure, in der Black Box der Algorithmen digitaler Plattformen stattfinden. Ein gutes Beispiel für solche „post-liberalen“ Bewertungsformate ist sicherlich das in dem Beitrag von Jonathan Bach diskutierte „Social Credit System“ der Volksrepublik China. Bach warnt davor, das Social Credit System zu überschätzen – allein schon deshalb, weil es sich gegenwärtig noch nicht um ein einheitliches, das gesamte Land überspannendes System handelt, sondern um multiple Bewertungsformate zur Generierung von Vertrauen und Kontrolle mit unterschiedlicher Reichweite und aus unterschiedlichen, staatlichen wie privaten, Quellen. Er verweist aber auch darauf, dass die Bewertungsformate eine „reward-and-punishment structure“ aufweisen (S. 235), also sanktionsbewehrt sind. Andererseits stellt er am Beispiel des Credit-Scoring-Systems Sesame Credit auch dar, dass die Kreditwürdigkeit von individuellen Nutzerinnen nicht nur auf der Grundlage der Bewertung deren Verhaltens kalkuliert wird, sondern auch Daten über ihre Netzwerke mit berücksichtigt (S. 237).

Die drei weiteren Beiträge des dritten Abschnitts stammen von Dominique Cardon, der „reputation metrics“ untersucht, die die Fähigkeit von Nutzerinnen sozialer Medien, andere Nutzerinnen zu Handlungen (ergo zum ‚liken‘) zu bringen, messen sollen, von Robert Prey, der sich mit den Auswirkungen von Big Data-Analysen auf professionelle Musikerinnen beschäftigt, und von Fabian Muniesa, der unter dem Titel „Business Education and Anxiety in the Performance of Value“ Fragen der Bewertung und performance im Kontext von Business Schools diskutiert.

Die Beiträge des Bandes geben einen guten Einblick in den gegenwärtigen Stand der Theorieentwicklung und der Forschungspraxis der Soziologie der Bewertung. Sie betonen die Rolle von Situationen und Medien, von Unsicherheit und Komplexitätsreduktion, von gesellschaftlichem Kontext und Institutionalisierung von Bewertungsformaten. Gerade wenn man die „core processes of our social condition“ (S. 2) nachzeichnen will, zeigt sich aber auch ein Defizit der Soziologie der Bewertung. Zwar werden gesellschaftstheoretische Annahmen eigentlich immer mitgeführt, sie werden aber eher ad hoc verwendet und selten systematisiert. Im Einzelfall ist das unproblematisch, in der Zusammenschau der Beiträge wird aber doch recht deutlich, dass der Verzicht auf gesellschaftstheoretische Reflexion dazu führt, dass unklar bleibt, was denn nun genau die gegenwärtige „social condition“ ausmacht und ob – und gegebenenfalls wie – Bezüge zwischen einzelnen Bewertungsphänomenen hergestellt werden können.

Die Aufgabe, die der vorliegende Band der weiteren Theorieentwicklung der Soziologie der Bewertung stellt, könnte deshalb lauten: Vergewisserung und Explikation der gesellschaftstheoretischen Annahmen. Da in den vorgestellten Beiträgen und in der theoretischen Bezugsliteratur der Soziologie der Bewertung[19] häufig differenzierungstheoretische Motive auftauchen und die Leute auch im Alltag „Bewertungsspiele“[20] kompetent unterscheiden können, bietet es sich an, genau hier nach Ausgangspunkten einer gesellschaftstheoretisch informierten Soziologie der Bewertung zu suchen.

Fußnoten

[1] Steffen Mau, Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen, Berlin 2017, S. 10, Herv. weggel.

[2] Andreas Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten, Berlin 2017, S. 14.

[3] Désirée Waibel, Das digitale Gehäuse der Hörigkeit – kontextualisiert, in: Zeitschrift für theoretische Soziologie, 8, S. 108–118.

[4] Wolfgang Knöbl, Reckwitz-Buchforum (1): Die Gesellschaft der Singularitäten, https://soziopolis.de/beobachten/kultur/artikel/reckwitz-buchforum-1-die-gesellschaft-der-singularitaeten/ (14.01.2020).

[5] Differenzierend dazu Bettina Heintz, Vom Komparativ zum Superlativ. Eine kleine Soziologie der Rangliste, in: Stefan Nicolae / Martin Endreß / Oliver Berli / Daniel Bischur (Hg.), (Be)Werten. Beiträge zur sozialen Konstruktion von Wertigkeit, Wiesbaden 2019, S. 45–79

[6] Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1998.

[7] David Stark, The Sense of Dissonance. Accounts of Worth in Economic Life, Princeton/Oxford 2009.

[8] Luc Boltanski / Laurent Thévenot, Über die Rechtfertigung. Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft, Hamburg 1991.

[9] Louis Dumont, Homo Hierarchicus. The Caste System and its Implications, Chicago 1980.

[10] Michèle Lamont, Toward a Comparative Sociology of Valuation and Evaluation, in: Annual Review of Sociology 38 (2012), S. 201–221.

[11] John Dewey, The Logic of Judgments of Practice, in: ders., Essays in Experimental Logic, Chicago 1916, S. 335–442.

[12] Frank Meier / Thorsten Peetz, Bewerten und Entscheiden. Co-Valuation in Verfahren der Heiligsprechung, in: dies. (Hg.): Organisation und Bewertung, Wiesbaden 2021.

[13] Désirée Waibel / Frank Meier / Thorsten Peetz, Bewertungskonstellationen. Theoretische Überlegungen zur Soziologie der Bewertung, in: Berliner Journal für Soziologie 26 (2016), S. 307–328; Désirée Waibel / Frank Meier / Thorsten Peetz, Valuation Constellations, in: Valuation Studies 8 (2020), S. 29–62.

[14] vgl. auch Kristian Kreiner, Organizational Decision Mechanisms in an Architectural Competition, in: Research in the Sociology of Organizations 36 (2012), S. 399–429.

[15] James March / Herbert Simon, Organizations, Cambridge 195, S. 186 f.

[16] Niklas Luhmann, Organisation und Entscheidung, Opladen 2000, Kap. 6.

[17] Wendy Nelson Espeland / Michael Sauder, Rankings and Reactivity: How Public Measures Recreate Social Worlds, in: American Journal of Sociology 113 (2007), S. 1–40; Wendy Nelson Espeland / Mitchell L. Stevens, Commensuration as a social process, in: Annual Review of Sociology 24 (1998), S. 313–343; Wendy Nelson Espeland / Mitchell L. Stevens, A Sociology of Quantification, in: Archives Européennes de Sociologie 49 (2008), S. 401–436.

[18] vgl. auch Jelena Brankovic / Leopold Ringel / Tobias Werron, How Rankings Produce Competition: The Case of Global University Rankings, in: Zeitschrift für Soziologie 47 (2018), S. 270–288.

[19] Etwa bei Boltanski und Thévenot (Boltanski/Thévenot, Über die Rechtfertigung) oder auch bei Bruno Latour – der freilich eher mit seinen laborkonstruktivistischen Schriften und nicht mit den modes of existence (Bruno Latour, An Inquiry into Modes of Existence. An Anthropology of the Moderns, Cambridge/London 2013) zitiert wird.

[20] Michael Hutter, Ernste Spiele. Geschichten von Aufstieg des ästhetischen Kapitalismus, München 2015.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Hannah Schmidt-Ott.