Gisèle Sapiro, Marc Ortmann | Interview |

„Man muss eine Ethik des Schreibens haben“

Gisèle Sapiro im Gespräch mit Marc Ortmann

Liebe Gisèle Sapiro, welche Rolle nimmt das Schreiben für Ihre Forschung und in Ihrem Alltag ein?

Schreiben ist das Herzstück meines Lebens, und ich muss zugeben, dass ich mich in Zeiten, in denen ich nicht schreibe, nicht ganz wie ich selbst fühle. Das Schreiben strukturiert mein Denken und mein Überlegen, ich denke, während ich schreibe. Ich schreibe alle meine mündlichen Beiträge, also meine Vorlesungen und Seminare, auf, mit Ausnahme der interaktiven Seminare nach US-amerikanischem Vorbild, für die ich schriftlich zumindest ein Gerüst vorbereite.

Wie muss ein Tag gestaltet sein, damit Sie schreiben können? Gibt es persönliche Vorbedingungen oder Rituale?

Ich kann am besten zu Hause schreiben, wenn ich mich gleich morgens an die Arbeit machen kann und bis mindestens 15 Uhr Zeit habe. Manchmal mache ich bis spät abends weiter. Artikel schreibe ich am liebsten sehr konzentriert, über mehrere Tage, an denen ich nichts anderes tue. Denn dann kann ich meine Überlegungen am besten weiterführen, ohne Zeit dadurch zu verlieren, dass ich mich wieder neu auf das Argument konzentrieren muss. Die Herausforderung beim Schreiben besteht immer darin, über das hinauszudenken, was man bereits weiß, was einem schon vertraut ist. Das bloße Wiederaufgreifen von bereits Geschriebenem ist oft langweilig, auch wenn man dadurch der Form mehr Aufmerksamkeit schenken kann. Manchmal, wenn die Dinge bereits aufgeschrieben sind, ist es schwierig, sich von ihrem Verlauf zu lösen und den Gegenstand neu zu überdenken. Dies kann einige Zeit in Anspruch nehmen.

Eine spezifische Frage zu Ihren Arbeiten zum Thema Übersetzung. Welche Übersetzungsleistungen stellen Sie in Ihren eigenen Schreibprozessen fest, zum Beispiel zwischen verschiedenen Sprachen, aber auch zwischen unterschiedlichen Feldern und Formaten des Schreibens?

Ich schreibe hauptsächlich in zwei Sprachen, Französisch und Englisch, habe aber in der Vergangenheit auch auf Hebräisch gearbeitet. Vor langer Zeit habe ich Auszüge von Bourdieu aus dem Hebräischen und ins Hebräische übersetzt ebenso wie seinen langen Artikel „Der Markt der symbolischen Güter“, der ausschlaggebend für meinen intellektuellen Werdegang war. Es mussten Wörter erfunden werden, was mein Lehrer Itamar Even-Zohar übernahm, mit dem ich mich absprach. Er hat das hebräische Wort für distinction erfunden, das seitdem gebräuchlich ist. Ich hatte auch begonnen, Condillac zu übersetzen, auf Anregung meines Professors für Sprachphilosophie, Marcello Dascal. Ich übersetzte auch Literatur, eher aus dem Hebräischen ins Französische: Kurzgeschichten für eine bei Gallimard erschienene Anthologie und einen Roman, Le sourire de l'agneau (1995) von David Grossman, für Éditions du Seuil.[1] Ich übertrug auch einige Gedichte von Benjamin Fondane ins Hebräische und erstellte für den Dichter David Avidan eine wörtliche Übersetzung von Beaumarchais’ „Figaros Hochzeit“, die er dann in Form brachte. Dabei konsultierte er mich, weil er nur gebrochen Französisch spricht. Es war eine faszinierende kollaborative Erfahrung, seine stilistische und poetische Arbeit war blendend.

Ich hatte einige Erfahrungen mit der Übersetzung von Artikeln gesammelt, darunter Bourdieus Vorlesungen in Japan, die ich zusammen mit einem meiner Lehrer, Brian McHale, für Poetics Today ins Englische übersetzt hatte. Später habe ich für den Verlag Resling hebräische Übersetzungen von Werken von Bourdieu, Lévi-Strauss und Durkheim überarbeitet und kritisch editiert. Aber die Überarbeitung von Übersetzungen – was ich für Sonderausgaben von Zeitschriften wie Actes de la recherche en sciences sociales oder Le mouvement social und für die von mir herausgegebenen Bücher viel gemacht habe – ist eine undankbare und zeitraubende Aufgabe. Manchmal ist es besser, eine schlecht gemachte Übersetzung neu anzufertigen, als sie zu übernehmen; das ist mir auch schon so gegangen.

Was meine eigenen Arbeiten betrifft, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder schreibe ich direkt in einer anderen Sprache, hauptsächlich Englisch, seltener Hebräisch, und lasse das Geschriebene von einer professionellen Lektorin oder einer Kollegin überarbeiten. Daraufhin muss ich die Überarbeitungen dann noch einmal durchgehen und es gibt einen Austausch über die richtigen Begriffe, die richtige Formulierung. Oder ich lasse mich übersetzen, wenn es sich um einen bereits geschriebenen Text handelt. Sofern ich die Sprache beherrsche, wie Englisch, Hebräisch oder ein bisschen Deutsch, überprüfe ich die Übersetzung selbst, das kann für einen Artikel einen ganzen Tag dauern. Bei meinem ersten Buch, La guerre des écrivains, 1940–1953 (1999), hat es – mit der Hilfe einer US-amerikanische Studentin – mehrere Monate gedauert, weil es Probleme mit der Übersetzung gab. Wenn ich die Sprache nicht beherrsche, was meistens der Fall ist – ich habe Artikel oder Bücher, die in mehr als zwanzig andere Sprachen übersetzt wurden –, muss ich mich auf die Übersetzerinnen verlassen. Manchmal frage ich auch Kolleginnen um Rat, aber es ist eine zeitraubende Arbeit, die man nicht systematisch einfordern kann, auch nicht von Freundinnen.

Das Schreiben in einer anderen Sprache bedeutet, von einem System in ein anderes zu wechseln: Es ist nicht nur eine Frage des Vokabulars, sondern die gesamte Struktur des Satzes, des Absatzes und der Argumentation ändert sich. Obwohl ich in analytischer Philosophie ausgebildet wurde, glaube ich, dass Sprachen die Welt unterschiedlich aufteilen. Das ist Humboldts Hypothese ebenso wie die von Sapir-Whorf. Ich vertrete allerdings keine radikale Auffassung davon, eine Übersetzung ist immer möglich, aber eben nicht Wort für Wort. Schließlich entsprechen die (Sprach-)Systeme Weltanschauungen, zu denen noch die nationalen Schreibtraditionen hinzukommen. Deshalb fühle ich mich, auch wenn ich mich für Quellentreue ausspreche, unwohl mit Übersetzungen, die allzu eng am Satz kleben. Ausnahmen bilden große Übersetzer wie Richard Nice, den Übersetzer von Bourdieu, der auch einmal einen meiner Texte übersetzt hat. Darin habe ich nichts gefunden, was ich anders formuliert hätte! Abgesehen von ihm sind die Übersetzungen, die von Kolleginnen angefertigt wurden, in der Regel die besten.

Es ist frustrierend, einen ins Englische übertragenen Text noch einmal zu lesen, weil ich dann denke, dass ich ihn so nicht geschrieben hätte. Wenn ich selbst auf Englisch schreibe, sind mein Wortschatz und meine Formulierungsfähigkeiten begrenzt. Das zwingt mich oft dazu, besser auf den Punkt zu kommen, straightforward zu sein, was auch dem englischen Schreibstil in den Sozial- und Geisteswissenschaften entspricht, im Gegensatz zum Französischen. Das hat mich manchmal dazu gebracht, Dinge zu sagen, die ich auf Französisch nie so ausgedrückt hätte. Dadurch bekam mein englisches Schreiben eine epistemische Klarheit, auch wenn ich damit in formaler Hinsicht unzufrieden bleibe.

Bezüglich unterschiedlicher Disziplinen und Formate muss ich natürlich, wenn ich einen Artikel für Actes de la recherche en sciences sociales schreibe, nicht Bourdieus Feldtheorie erklären. In einem Beitrag für eine Literaturzeitschrift oder in einem Buch ist das wiederum notwendig. Die Referenzen müssen an das Zielpublikum angepasst sein ebenso wie das Schreiben. Aber für mich ist das keine Frage der Übersetzung, sondern ein Vorgang des Erklärens.

Wie wechseln Sie zwischen Schreiben und Lesen?

Lesen ist die andere zentrale Tätigkeit als Geistes- und Sozialwissenschaftlerin, wobei ich auch Interviews führe. Allerdings müssen die Interviews anschließend transkribiert und Korrektur gelesen werden ebenso wie die Notizen einer Beobachtung. Sowohl das Schreiben als auch das Lesen erfordern ein Eintauchen, eine Konzentration, und können daher unvereinbar sein. Manchmal hat man Lesephasen, wobei ich aktuell viel schreibe und eher zum Lesen wechsele, wenn ich bestimmte Punkte vertiefen möchte. Oder ich hebe mir diese Vertiefungen für die zweite Schreibphase auf, wenn es sich um zusätzliche Quellen handelt.

Quellen lesen sich je nach Recherchephase unterschiedlich: Am Anfang lasse ich mich hineinziehen, um mich durchdringen zu lassen und über meine Ausgangshypothesen hinauszugehen, die auf der Grundlage früherer Erhebungen basieren. Wenn ich bereits ein analytisches Raster habe, ordne ich die Zitate oder Verweise beim Lesen der Quellen meist von vornherein den Themen zu, die ich behandeln möchte, um darauf zurückkommen zu können: In La responsabilité de l'écrivain (2011) arbeitete ich beispielsweise mit einer großen Menge an Presseartikeln und Quellentexten. Um das Problem aufzuschlüsseln, hatte ich ein Raster entwickelt, das sich auf verschiedene Zeiträume anwenden ließ. Ich verteilte also die Zitate, indem ich alle Artikel las oder erneut las, sodass ich beim Schreiben das Material gegliedert nach Kapiteln oder Themen vorliegen hatte. Diesen Ratschlag gebe ich auch meinen Studentinnen. Es bereichert das Denken sehr, wenn man immer wieder von den empirischen Materialien ausgeht.

Abhängig vom Zeitpunkt und der Problematik wähle ich Sekundärliteratur und Theorie aus: Ich kann mich in eine bestimmte Passage von Max Weber vertiefen, ein bestimmtes Buch oder einen Artikel von Bourdieu erneut lesen oder nach philosophischen Texten suchen. Für mein Buch La responsabilité de l'écrivain hatte ich beispielsweise das Buch von Paul Fauconnet über die strafrechtliche Verantwortung durchgearbeitet und mir dabei genaue Notizen gemacht.[2] Während eines Aufenthalts in Harvard konsultierte ich eine große Anzahl an Artikeln der analytischen Philosophie zur Frage der Verantwortung. Für die Reflexion über Eigennamen war natürlich das Buch von Kripke wichtig.[3] Und so weiter und so fort.

Wie wichtig ist Ihnen die vorgestellte Leserschaft beim Schreiben?

Generell denke ich beim Schreiben an meine Schülerinnen als erste Leserinnen. Ich wende mich auch an Gleichgesinnte aus verschiedenen Disziplinen, mit denen ich in einen Dialog trete: Soziologie, Literaturwissenschaft, Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie. Mit meinen Büchern spreche ich aber auch ein breiteres, nichtakademisches Publikum an: Journalistinnen, aber auch Schriftstellerinnen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen mit meinen Arbeiten zum Übersetzen, Anwältinnen mit dem Buch La responsabilité de l'écrivain, für das ich übrigens zu einem Vortrag am Kassationsgericht und auch an der Ecole nationale de magistrature eingeladen wurde. Darüber hinaus wende ich mich an ein allgemeines Publikum, das ich auf intellektuellen Festivals oder bei öffentlichen Präsentationen in Buchhandlungen treffe oder wenn ich im Radio auftrete.

Meine Bücher finden in der Regel ein mediales Echo. Zu meinem letzten Essay, Peut-on dissocier l’œuvre de l’auteur? (2020), wurde ich in Frankreich über zwanzig Mal interviewt, außerdem in Spanien und Argentinien, es war jedes Mal spannend. Peut-on dissocier l’œuvre de l’auteur? ist ein Interventionsbuch, das sich sehr von meinen vorherigen Büchern unterscheidet, weil ich damit in einer Debatte Stellung beziehe. Es enthält einen sehr theoretischen Teil, dann einen Teil über die Fälle, die die Öffentlichkeit bewegten: Polanski, aber auch Heidegger, Jauß, Handke. In diesem zweiten Part gebe ich die Argumente beider Seiten wieder, das wurde allgemein geschätzt, selbst wenn die Leserinnen in einigen Punkten nicht mit meinen Ansichten übereinstimmten.

Natürlich muss man eine Form finden, um die wichtigsten Ideen ohne den konzeptionellen Überbau zu vermitteln. Aber wenn ich Forschungsergebnisse darlege, verzichte ich nie auf die Theorie, nur in allgemeineren Medien wie intellektuellen Zeitschriften oder der Tagespresse. Ich habe gerade einen Text für die deutsche Zeitschrift Rhinozeros abgegeben.[4] Ich bin sehr glücklich, dass Markus Messling [einer der Herausgeberinnen] mich um diesen Text gebeten hat, den ich ohne seine Einladung nie geschrieben hätte. Er handelt von Enteignung und hat eine Form, die sich von meinem üblichen Schreiben unterscheidet. Gelegentlich verfasse ich auch Literaturkritiken für die Online-Zeitschrift En attendant Nadeau, die die Nachfolge von La Quinzaine littéraire angetreten hat.

Eine letzte Frage, die besonders für Nachwuchsforscherinnen interessant sein dürfte: Auf welche Probleme stoßen Sie immer wieder beim Schreiben und welchen Umgang haben Sie persönlich dafür gefunden?

Ein erstes Problem, auf das mich bereits mein Promotionsbetreuer Bourdieu hingewiesen hatte, ist die Schwierigkeit, synchrone und diachrone Ansätze zu gliedern. Dies ist keine theoretische oder gar methodologische Schwierigkeit, wohl aber eine, die den Standpunkt des Schreibens betrifft: Man muss sich entscheiden, ob man einen chronologischen oder einen thematischen Plan verfolgt.

Es besteht immer auch die Gefahr, die naheliegenden Gegenstände zu naturalisieren oder zu universalisieren. Deshalb konstruiere ich zunächst meinen Gegenstand und meine Fragestellung mithilfe abstrakter Begriffe wie „Feld“ (Bourdieu) oder „Rationalitätstyp“ (Weber) und verbiete mir, bestimmte Wörter des common sense zu verwenden. Auf diese Weise will ich eine Distanz zur alltäglichen Weltsicht wahren, auch wenn ich immer bemüht bin, ebendiese wiederzugeben.

Zweitens habe ich, selbst wenn ich an bestimmten Objekten arbeite, den internationalen oder historischen Vergleich im Hinterkopf, um einerseits meine Fallstudie zu relativieren und ihre Besonderheiten besser zu verstehen, aber auch um jene Systematisierung der Vergleiche zu ermöglichen, die für Durkheim, Weber oder Bourdieu das soziologische Werkzeug par excellence war. Beispielsweise versucht mein Buch Les écrivains et la politique en France (2018) ein analytisches Modell der Beziehungen zwischen zwei Feldern – Literatur und Politik – anhand des französischen Falls zu erstellen; und tatsächlich gibt es bestimmte theoretische Entwicklungen, die von meinen Fallstudien untermauert werden. Bourdieu sagte immer, dass jeder Fall als einer von vielen möglichen Fällen konstruiert werden muss.

Ich achte auch darauf, Prozesse nicht zu verdinglichen und jede Teleologie zu vermeiden. Andrew Abbott hat zum Beispiel den Begriff der „Professionalisierung“, der in der US-amerikanischen Soziologie gebräuchlich war, als zu teleologisch kritisiert. Daher ist oftmals die Arbeit der Soziogenese erforderlich.

In den verschiedenen Disziplinen, mit denen ich mich befasst habe, bekam ich unterschiedliche Schreib- und Argumentationsweisen beigebracht: in der Philosophie die Argumentation und die argumentative Logik; in der Soziologie die Methode des Schlussfolgerns und Beweisens, die Analyse individueller und kollektiver Laufbahnen (trajectoires)[5] sowie die Präsentation quantitativer Daten; bei den Historikern den Gebrauch von Archiven und anderen schriftlichen Quellen wie der Presse, aber auch bestimmte Erzähltechniken; und natürlich in den Literaturwissenschaften die Analyse von Texten, ihrer Struktur, ihrer Erzählverfahren und ihrer Bedeutungen, das Augenmerk auf Mehrdeutigkeiten. In der Kultursemiotik wurde ich außerdem in der Tradition von Juri Michailowitsch Lotman und Boris Uspenski ausgebildet.

Ich erkläre meinen Studentinnen immer, dass es einen Unterschied zwischen der Logik der Forschung und der Logik der Präsentation von Ergebnissen gibt. Von Bourdieu habe ich gelernt, dass es die Leserinnen bei ihrer Interpretation der vorgelegten empirischen Daten leiten kann, wenn man die Ergebnisse oder die allgemeine These gleich zu Beginn darlegt. Häufig verleiht ein solches Vorgehen der Beweisführung mehr Substanz.

Man muss auch eine Ethik des Schreibens haben: Objektivierung ist eine Art, brisante Forschungsgegenstände auf Distanz zu bringen. Bei meinem ersten Buch über die politischen Entscheidungen von Schriftstellerinnen unter der deutschen Besatzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs nutzte ich zum Beispiel die Statistik, also kollektive Biografien, um darin die individuellen Werdegänge einzuordnen und sie sinnhaft erscheinen zu lassen; außerdem habe ich mich dem Gegenstand über Literatur angenähert.

  1. Dt. Fassung: David Grossman, Das Lächeln des Lammes, übers. von Judith Brüll, München 1988.
  2. Paul Fauconnet, La Responsabilité, Paris 1920.
  3. Saul A. Kripke, Name und Notwendigkeit, übers. von Ursula Wolf, Frankfurt am Main 1981.
  4. Gisèle Sapiro, Enteignung oder das „Elend der Welt“ heute, in: Rhinozeros (2022), 2, S. 12–34 (im Erscheinen).
  5. Laufbahn (trajectoire) gilt hier im Anschluss an Bourdieu als Gegensatz zum Begriff „Lebensgeschichte“ (biographie). Damit soll die Konzentration auf ein einzigartiges Leben, welches (besonders durch den Eigennamen) mit dem Subjekt verbunden wird, verhindert werden. Laufbahn meint „eine Abfolge von nacheinander durch denselben Akteur (oder eine bestimmte Gruppe) besetzten Positionen“ im sozialen Raum und verweist auf einen Raum der Möglichkeiten, der diesen Positionen Sinn verleiht. Pierre Bourdieu, Die biographische Illusion, übers. von Eckart Liebau, in: Bios. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History (1990), 1, S. 75–81, hier S. 80.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Wibke Liebhart.

Kategorien: Epistemologien Geschichte Methoden / Forschung Wissenschaft

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Gisèle Sapiro

Gisèle Sapiro ist Professorin für Soziologie an der Ecole des hautes études en sciences sociales (EHESS Paris), Forschungsdirektorin am CNRS und Mitglied der Academia Europae. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Literatur, Intellektuellen-Figuren, Übersetzungsakten sowie der Geschichte und Epistemologie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Ihr neuestes Essay trägt den Titel „Peut-on dissocier l'oeuvre de l'auteur?“. (© Hannah Assouline)

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Marc Ortmann

Marc Ortmann ist Soziologe und Autor. In seinem Promotionsprojekt untersucht er Beziehungsmodi zwischen Soziologie und Literatur. Zuletzt war er zu einem Forschungsaufenthalt am Centre Georg Simmel der EHESS Paris eingeladen.

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