Tagung

(Wahl-)Verwandtschaften. Gemeinschaftliches kulturelles Handeln

Tagung vom 26. bis 28. Mai 2022 an der Hochschule für Theater, Musik und Medien Hannover

26. - 28. Mai 2022
Organisator: Hochschule für Theater, Musik und Medien Hannover
Veranstaltungsort: Hochschule für Theater, Musik und Medien Hannover

Internationale und interdisziplinäre Tagung im Forschungszentrum Musik und Gender an der
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Leitung: Dr. Maren Bagge, Dr. des. Christine Fornoff-Petrowski, Dr. des. Anna Ricke und Prof. Dr.
Susanne Rode-Breymann

Künstlerisches Handeln sowie wissenschaftliches Arbeiten und Forschen finden nicht im “stillen Kämmerlein” statt, sondern profitieren von gedanklichem Austausch, Inspiration und Anregung. Nach dem Abschluss von drei selbstständigen, aber dennoch in vielen Punkten verwandten Forschungsprojekten wollen wir nun wahlverwandt zum gemeinschaftlichen kulturellen Handeln weiterforschen und dieses in weitere Kontexte setzen.

Im Zentrum unserer musikhistorischen Forschungen standen zuletzt Ehe, Geschwisterschaft, also familiäre Beziehungen, sowie umfassendere personelle und institutionelle Netzwerke und deren Implikationen für das künstlerische Wirken der einzelnen Personen: Ehepaare gestalteten ihre Karrieren gemeinsam. Dies konnte zu Inspiration, Bereicherung und erfolgreichen Doppelkarrieren führen, was zahlreiche Sängerehepaare, wie Anna und Eugen Hildach oder Therese und Heinrich Vogl zeigen. Ebenso konnte eine Eheschließung zu Einschränkungen von Handlungsspielräumen und Karriereabbrüchen zugunsten eines Partners führen, wie etwa bei Eugen und Hermine d‘Albert. Geschwister verhandelten ihre Kreativität und künstlerischen Lebenseinstellungen (miteinander), wie beispielsweise Alban Berg und Smaragda Eger-Berg, oder traten in der Öffentlichkeit als Geschwisterpaar in Erscheinung, wie etwa die englischen Schwestern Felicia Hemans und Harriet Browne, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Songs und Duette als „Mrs. Hemans and Sister“ gemeinsam veröffentlichten. Aber auch die Analyse von umfangreicheren und eben auch nicht familiären Beziehungsformen und Netzwerken ist aufschlussreich. So spiegelt sich beispielsweise in den Widmungen der irischen Song-Komponistin Alicia Adélaïde Needham ihr berufliches und privates Netzwerk. Darüber hinaus boten Widmungen ihr die Möglichkeit, sich in einem vorhandenen Netzwerk zu positionieren oder neue Netzwerke öffentlichkeitswirksam zu konstruieren.

Die Studien der letzten Jahre – das gilt für die Untersuchungen zu Paar- und Geschwisterbeziehungen ebenso wie für die Betrachtungen umfangreicherer Netzwerke – verdeutlichen: Künstlerisches Handeln ist eingebettet in kollaborative Strukturen – sei es die konkrete gemeinsame Kunstausübung in all ihren Facetten, das Präsentieren künstlerischer Produkte in Zusammenarbeit zwischen Verlag/Konzertveranstaltung/Galerie und Künstler*in, Formen der gemeinsamen Kunstreflexion u.v.m. Die Art der Zusammenarbeit ist dabei durch verschiedene Beziehungsformen geprägt.

Die Tagung fokussiert die Bedeutung dieser unterschiedlichen Beziehungsformen für kulturelles Handeln und fragt danach, wie künstlerisches Agieren hierdurch beeinflusst wird: Ermöglichen oder behindern Beziehungen Kreativität? Wie verändern sich Handlungsspielräume durch Statuspassagen? Unterscheiden sich familiäre (Familie, Geschwister, Ehe/Partnerschaft) und selbstgewählte (Kollektive, Lehrer-Schülerschaft, Arbeitsteams, Freundschaften, Ehe/Partnerschaft) Beziehungsformen in dieser Hinsicht? Inwiefern prägen hier beispielsweise geschlechtliche, nationale, ständische, milieuspezifische oder religiöse Faktoren das gemeinsame Handeln?

Info: anna.ricke(at)uni-paderborn.de.

Zum Call for Papers (Pdf)

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