Arbeiterbewegung von rechts?

Tagung des DFG-Kollegs »Postwachstumsgesellschaften« und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen

Das Jahr 2017 begann mit einem Ereignis, das für eine Zeitenwende stehen könnte. Mit dem Amtsantritt Donald Trumps sehen sich auch in Europa jene Kräfte bestärkt, die einen völkischen Nationalismus propagieren. In vielen europäischen Ländern sind rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch. In Großbritannien hat eine federführend von der rechtspopulistischen UKIP betriebene Kampagne ein Votum für den Brexit herbeigeführt. In Frankreich plant der Front National eine Volksabstimmung zum EU-Austritt. Rechtspopulisten stellen in Ungarn und Polen bereits die führende Regierungspartei. Bei der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten kam der Rechtspopulist Hofer in beiden Wahlgängen auf über 45 Prozent der Stimmen. Auch Deutschland stellt keine Ausnahme mehr dar. Mit dem Erfolg bei den Landtagswahlen 2016 hat sich die rechtspopulistische Alternative für Deutschland als bundesweite Kraft etablieren können.

Angesichts dieser Entwicklung hat der Philosoph Jürgen Habermas vom "Saatboden für einen neuen Faschismus" gesprochen. Andere thematisieren eine national-soziale Gefahr. Damit wollen sie dem Umstand Rechnung tragen, dass der neue Rechtspopulismus in hohem Maße nicht nur bei Erwerbslosen, sondern bei Arbeitern verankert ist. Die überdurchschnittliche Zustimmung von Arbeitern und Arbeitslosen erfolgt, obwohl z.B. das Programm vieler rechtspopulistischer Formationen  marktradikale Elemente enthält. Unterschiedliche Wahlmotivationen, darunter auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Sicherheit, verbinden sich scheinbar unauflösbar mit Ressentiments gegen Andere, Fremde und Zugewanderte.

Wie ist die hohe Akzeptanz der völkischen Rechten bei - auch gewerkschaftlich organisierten - Arbeitern zu erklären? Haben wir es mit Arbeiterbewegungen von rechts zu tun? Kann die rechtspopulistische Revolte in den Parlamenten entzaubert werden oder ebnet sie den Weg für einen autoritären Kapitalismus? Wie kann dem Rechtspopulismus begegnet werden? Benötigen wir eine neue gewerkschaftliche Politik von unten?

Diese Fragen sollen im Rahmen der Jenaer Tagung "Arbeiterbewegung von rechts?" diskutiert werden. Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler und Studierende ebenso wie an Praktiker aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften.

Zum Programm (PDF)

Plätze sind begrenzt, Anmeldung bitte bis zum 2. Juni 2017 an Ilka Scheibe unter ilka.scheibe(at)uni-jena(dot)de.