Befehl und Einfall

Vierter Kreativ Dialog in Berlin

Auf den ersten Blick stehen Befehl und Einfall in einem widersprüchlichen Verhältnis zueinander. Während Befehl und Gehorsam heute meist negativ konnotiert sind, sind Einfälle, verstanden als spontane Ideen oder als Geistesblitze, allerorten gut angesehen. Kreative Einfälle tragen das Versprechen in sich, Neues zu schaffen und Bestehendes zu verbessern. Befehlen und Gehorsam hingegen wird oft unterstellt, dass sie eine mangelnde kritische Haltung gegenüber dem Bestehenden voraussetzen und so zu dessen unhinterfragter Fortführung beitragen würden. Damit stehen sie im Verdacht, Kreativität zu verhindern. Befehl und Einfall scheinen sich, wenn man diesem Gedanken folgt, nicht nur zu widersprechen, sondern gar auszuschließen: Eine Idee kann nicht angeordnet werden, ein Einfall entsteht nicht auf Befehl.

Auf einen zweiten Blick jedoch lassen sich überraschende strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Befehl und Einfall ausmachen. Nicht zuletzt die grammatikalische Parallele zwischen den beiden Passivkonstruktionen „mir wird etwas befohlen“ und „mir fällt etwas ein“ weist darauf hin, dass das Verhältnis von Befehl und Einfall ein komplexes ist, dem man nicht gerecht wird, wenn man es nur als ein widersprüchliches begreift. Wer einen Befehl ausführt, ist ebenso wie der, der einen Einfall hat, für einen Moment nicht souverän – es denkt in ihm. Ähnliches könnte auch Georg Christoph Lichtenberg gemeint haben, als er schrieb: „Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt.“ Auch die Kreativitätsforschung ist von Anfang an eng mit Fragen von Befehl und Gehorsam verbunden. Nicht zufällig wurden die ersten Ansätze zur Erforschung und Förderung der Kreativität in den USA – Anfang der Fünfzigerjahre – von militärischen Auftraggebern finanziert.

Der vierte Kreativ Dialog begibt sich auf die Spur dieser Ambivalenzen und macht die komplexen Konstellationen von Befehl und Einfall zu seinem Ausgangspunkt: Wie kann der Zusammenhang zwischen Befehl und Einfall analysiert werden, um die besondere Struktur kreativer Arbeitsprozesse zu konzeptualisieren? Die Konferenz versammelt dazu Forschungsergebnisse unterschiedlicher Disziplinen: Kulturgeschichte, Neurowissenschaften, Linguistik, Soziologie, Kulturwissenschaften, Informatik, Kunst und Ökonomie.

Weitere Informationen, Anmeldung und Programm


Ort: Zentraler Laborraum des Exzellenzclusters "Bild Wissen Gestaltung"
Sophienstraße 22a, 10178 Berlin