Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit V – Interdisziplinäre Perspektiven einer wissenssoziologischen Diskursforschung

Tagung vom 18. bis 19. März 2021 an der Universität Augsburg

Seit 2013 findet im zweijährigen Rhythmus an der Universität Augsburg die Tagung "Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit" statt. Sie versammelt interdisziplinäre Beiträge zur wissenssoziologischen Diskursanalyse und angrenzenden Perspektiven der Diskursforschung. Damit zielt die Tagung explizit auf inter- und überdisziplinäre Diskussionen und Reflexionen über laufende und abgeschlossene Forschungen sowie Fragen der Theorie, Methodologie und Methoden. Die kommende Tagung möchte die interdisziplinäre Diskussion über Grundlagen und Anwendungen wissenssoziologischer Diskursforschung und angrenzender Perspektiven fortführen. Dabei sind folgenden Schwerpunktsetzungen vorgesehen:

1. Ein erster Bereich umfasst theoretische und methodologische Fragen. Dabei können sowohl spezifische Aspekte der Forschungsprogrammatik der Wissenssoziologischen Diskursanalyse als auch die Verbindungen und Anschlussmöglichkeiten in unterschiedliche disziplinäre Forschungsinteressen und Forschungsstrategien sowie aktuelle Theoriedebatten und -konzepte diskutiert werden.

2. Die Fragen der methodischen Umsetzung von empirischen Untersuchungen stehen im zweiten Bereich im Mittelpunkt. Dabei können die Beiträge erstens Samplingstrategien reflektieren und Möglichkeiten der Nutzungen technischer Hilfsmittel (z.B. Webcrawler) sowie den Umgang mit großen Datenmengen (‘Big Data’) oder das Arbeiten mit bestimmten Datenbanken in den Fokus rücken. Zweitens sind auch Beiträge erwünscht, die konkrete methodische Vorgehensweisen bei der Generierung von Daten (wie ExpertenInnen-Interviews, ethnographische Designs, Gruppendiskussionen oder andere Methoden) für die wissenssoziologische Diskursforschung fruchtbar machen. Drittens sind Beiträge erwünscht, die sich mit der Auswertung unterschiedlichster Datensorten befassen und hermeneutisch-interpretative ebenso wie quantifizierende Verfahren der Korpusanalyse diskutieren.

3. Weiterhin wird ein Schwerpunkt auf die Bedeutung und Analyse von multimodalen Formaten, Visualisierungen und Materialitäten im Rahmen wissenssoziologisch-diskursanalytischen Arbeitens gelegt, um entsprechende Möglichkeiten, Ausarbeitungen, aber vielleicht auch Grenzen der wissenssoziologischen Diskursforschung jenseits der ‘klassischen’ Textanalyse zu diskutieren. Bspw. wäre zu diskutieren, welchen generellen Stellenwert visuelle Elemente in Diskurskontexten einnehmen und welche bereits bestehenden sozialwissenschaftlichen Verfahren zur Analyse von Bildern und (audio)visuellem Material sich für diskursorientierte Forschungsinteressen eignen und adaptieren lassen und welche Modifikationen ggf. notwendig sind.

4. In der Subjektivierungsforschung werden in den vergangenen Jahren zunehmend Forschungsinteressen verfolgt, die die Möglichkeiten der Erweiterung und Ergänzung der Diskurs- und Dispositivforschung aufzeigen. Dabei geht es um empirische Untersuchung von normativen Subjektpositionen bzw. Subjektcodes oder Subjektkulturen einerseits, den davon beeinflussten menschlichen Selbstverhältnissen, Subjektivitäten und Selbst-Technologien andererseits. In diesem Schwerpunkt geht es dabei sowohl darum, die theoretischen und methodologischen Fragen zu adressieren, wie die Verknüpfung von diskursiv bzw. dispositiv konstituierten Subjektordnungen und Selbstverhältnissen, Biographien, Identitäten etc. konzipiert werden kann, als auch darum, wie die konkrete empirische Umsetzungen solcher Forschungsvorhaben geleistet werden kann.

5. Ein fünfter Bereich von Beiträgen umfasst die Vorstellung laufender oder abgeschlossener empirischer Untersuchungen, die auf die WDA zurückgreifen. Dabei sind Beiträge aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven erwünscht. Im Fokus stehen hierbei die jeweiligen Forschungen und ihre Ergebnisse. Gleichzeitig soll deutlich werden, worin der spezifische wissenssoziologisch-diskursanalytische Zuschnitt und Ertrag der vorgestellten Forschungen für die jeweiligen Untersuchungsfelder und/ oder die sozialwissenschaftliche Diskursforschung liegt. Insbesondere laden wir Beiträge zu Fragen des Verhältnisses on Diskurs & Materialität sowie zu Diskurs & Gewalt ein (letztere verstanden als kontrollierende, disziplinierend, erzwingende Interventionen in Diskursprozesse von oben/Staaten oder als kontrollierende, disziplinierend, erzwingende Interventionen in Diskursprozesse von unten (etwa durch extremistische Bewegungen und andere Interventionen in die „Freiheit der Rede“).

Die Tagung wird mit Unterstützung der Sektion Wissenssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (Arbeitskreis Diskursforschung) und in Zusammenarbeit mit dem AK Sozialwissenschaftliche Diskursforschung (Universität Augsburg) durchgeführt.

Rahmenprogramm
Neben einem gemeinsamen Abendessen am 18. März laden wir Sie am 19. März 2021 nach dem Ende der Tagung zu unserer Abschlussfeier ein, um die Veranstaltungen in entspannter Atmosphäre musikalisch ausklingen zu lassen.

Alle weiteren Informationen zu den Anmeldemodalitäten, zur Anreise u.v.m. finden sich unter www.diskurswissenschaft.de. Auf dieser Seite informieren wir auch über die Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie, die sich auf die Durchführung der Veranstaltung auswirken können.

Zum CfP (PDF)