Digitalisierung und Reorganisation

Gemeinsame Herbsttagung der Sektionen Organisationssoziologie und Wissenschafts- und Technikforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Begriffe wie Industrie 4.0, Big Data, Internet of Things, Crowdsourcing und Plattformökonomie sind in aller Munde und adressieren auf unterschiedlichen Ebenen die fortschreitende Digitalisierung und soziotechnische Vernetzung von Kommunikation, Organisation und Arbeit in der modernen Gesellschaft. Gemeinsam ist all diesen Begriffen, dass sie neuartige Wechselverhältnisse zwischen technischen und sozialen Strukturierungen thematisieren sowie eine substanzielle Neuordnung eingespielter sozioökonomischer Konfigurationen, Organisierungs- und Vernetzungsmuster versprechen. Wie genau diese neuen Wechselverhältnisse ausgestaltet sein werden, bleibt in der Regel allerdings recht unbestimmt: Die Diagnosen reichen von der Betonung umfassender Dezentralisierungs- und Demokratisierungspotentiale bis hin zu Befürchtungen starker Zentralisierungs- und Vermachtungstendenzen.

Zwei zentrale Ebenen dieser Verhältnisse sollen im Zentrum der Diskussionen auf der gemeinsamen Herbsttagung der DGS-Sektionen Wissenschafts- und Technikforschung und Organisationssoziologie stehen:

  • Zum einen interessieren Beiträge, die durch digitale Technologien angestoßene Veränderungen klassischer Organisationen sowie die Herausbildung neuer Organisationsformen in den Blick nehmen. Welche neuen Typen von Organisation und Organisierung lassen sich innerhalb oder jenseits formaler Organisationen empirisch identifizieren und welche Relevanz haben sie? Verlieren klassische Organisationen durch neue Technologien wie Blockchain oder technikbasierte Koordinationsformen wie Crowdsourcing und Crowdworking an Bedeutung?
  • Zum anderen interessieren Beiträge, die neue technisch bedingte Möglichkeiten der Organisierung und Regelung von größeren sozialen Zusammenhängen und von Märkten durch Organisationen untersuchen, die etwa als Social-Media-Anbieter die Bedingungen öffentlicher Kommunikation prägen und kontrollieren oder als Plattformbetreiber selbst Marktzusammenhänge in größerem Stil koordinieren und regulieren. Führen die Plattformökonomie und die Digitalisierung der Wirtschaft zum Verschwimmen organisationaler Grenzen und zu einem Bedeutungszuwachs dezentraler bzw. netzwerkartiger Organisationsformen? Oder führen die digitale Vernetzung und Big-Data-Technologie dazu, dass klassische privatwirtschaftliche wie staatliche Organisationen zu noch machtvolleren Akteuren in der Gesellschaft werden?

Diese und angrenzende Fragen zum Verhältnis von digitalen Technologien, Organisationen, Infrastrukturen und institutionellen Rahmungen sowie die daraus resultierenden sozioökonomischen und gesellschaftlichen Konsequenzen sollen im Fokus der Tagung stehen.

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