Diskursanalyse nach dem Marxismus. Kritik, Emanzipation und Neuvermessung eines theoretischen Spannungsverhältnisses

Workshop an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Kontakt und Organisation: Thomas Linpinsel (thomas.linpinsel(at)sowi.uni-giessen(dot)de) und Jens Maeße (jens.maesse(at)sowi.uni-giessen(dot)de)

Diskursanalyse und Diskurstheorie umreißen ein internationales Forschungsfeld, das sich über die Grenzen unterschiedlicher sozialwissenschaftlicher Disziplinen, Forschungsthemen und Forschungszusammenhänge erstreckt. Hierbei spielte und spielt die Verankerung der Diskursforschung in der Analyse von Ideologien, sozialen Ungleichheiten, Machtpraktiken und Herrschaftsapparaten sowie Subjektivierungspraktiken, Emanzipationsbewegungen und politischen Hegemonien eine wichtige Rolle. Diese Themen sind eng verbunden mit Marx und dem Marxismus, etwa über die Analyse von „ideologischen Staatsapparaten“ (Althusser), der „automatischen Diskursanalyse“ (Pechêux), „Hegemonietheorie“ (Gramsci), „sozialen Feldern“ (Bourdieu) oder „Entfremdungs- sowie Verdinglichungsprozessen“ (Adorno/Horkheimer). Diskurstheoretische Impulse haben schnell Eingang in die marxistische Theoriediskussion gefunden.

Das Verhältnis zwischen Diskurstheorie und Marxismus kann als ambivalent-produktiv beschrieben werden. Im Zuge der Krise des westlichen Marxismus gilt die Diskurstheorie ebenso als Totengräberin wie als vielversprechende Erneuerin der marxistischen Gesellschaftstheorie. So haben sich Diskustheorie und Diskursanalyse kritisch auf den Marxismus bezogen und eine „post-marxistische“ Phase ausgerufen (Laclau). Für andere TheoretikerInnen und ForscherInnen im Anschluss an Marx waren die Arbeiten Foucaults zum Diskursbegriff dagegen auch wichtige Weichenstellungen, um eine materialistischkritische Forschung in neue Frage- und Problemkontexte zu übersetzen. Zu nennen sind hier etwa Kristevas Arbeiten zur Identitätspolitik, Poulantzas diskurstheoretische Wende in der Staatstheorie, Jessops kulturelle Erweiterung der Regulationstheorie, Althussers diskurstheoretische Reflexion der Ideologietheorie, Butlers herrschaftskritische Performationstheorie, Jamesons struktural-marxistische Ästhetik oder Žižeks Subjekttheorie.

In diesem Sinne ist die Phase „nach dem Marxismus“, die von der Diskurstheorie- und -analyse geprägt ist, nicht nur ein Post-Marxismus, sondern sie stößt auch neo-marxistische Projekte an. Der geplante Workshop „Diskursanalyse nach dem Marxismus“ schließt daran an, um das Verhältnis von Diskursanalyse/Diskurstheorie und Marxismus auszuloten. Gefragt sind Beiträge aus allen Bereichen der sozialwissenschaftlichen Forschung, die sich entweder auf konzeptioneller Ebene mit dem theoretischen oder methodologischen Verhältnis zwischen materialistischer Gesellschaftstheorie und Diskursanalyse befassen oder die in konkreten empirischen Forschungen die Verbindung dieser beiden Theorietraditionen anwenden.

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