Funktionen des Professionsbegriffs

Tagung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Mit jedem Begriffsgebrauch gehen normative Positionierungen einher – seien diese nun implizit oder explizit. Für den Professions- bzw. den Professionalisierungsbegriff gilt dies, obwohl aus der Sphäre der Soziologie stammend, sicher in hohem Maße. Er wurde und wird eben nicht nur analytisch, sondern auch fordernd und affirmativ ebenso wie kritisch und emanzipatorisch verwendet. Verbunden sind mit ihm Hoffnungen und Ansprüche, aber auch politische Kritik und Skepsis. Entsprechend war die Geschichte der Professionssoziologie schnell auch diejenige des Umgangs mit dem Begriff.

Die Tagung ist den Verwendungsweisen des Begriffs gewidmet. Ziel ist es, die verschiedenen Bedeutungsdimensionen, ihre Überkreuzungen und Verschiebungen zu erfassen und damit auch gegenwärtigen Dynamiken im Zusammenhang mit Professionen und Professionalisierung in den Blick zu bekommen. Die zentrale inhaltliche Klammer bildet die Frage: Worin liegt bzw. lag die Attraktivität des Professions- und Professionalisierungsbegriffs trotz oder gerade wegen einer inhaltlichen Diffusität und wie verhalten sich die soziologischen Professionsbegriffe zu denen der Praxis?

Folgende Dimensionen des Themas erscheinen uns hierbei besonders vielversprechend:

  • Die Professionszuschreibung als Aufwertung aber auch als Zumutung an den Einzelnen bzw. einen Berufsstand und die daraus resultierende, bereits von Fournier (2001) aufgeworfene Frage: Wie reagieren die jeweils mit Ansprüchen der Professionalisierung bzw. Professionalität Bedachten? Wie und unter welchen Umständen bieten die Praktikerinnen bzw. Praktiker und Reflexionseliten bestimmter Felder ihrerseits einen – neuen? – Begriff von Professionalität an?
  • Auch neue Komposita und deren Attraktivität - wie etwa in „Interprofessionalität“ – sind erklärungsbedürftig. Was lässt diese Begriffe in die Welt treten und wie werden sie verwendet?
  • Der aktuelle Gebrauch der Professions- und Professionalisierungssemantik ist immer auch als Teil einer Gegenwartsdiagnose bzw. im Kontext von Gegenwartsdiagnosen zu deuten. Inwiefern hat die an sich alte Semantik sich im Verhältnis zur Gesellschaftsstruktur entwickelt? Wo, durch wen, in welchen Kontexten werden die Begriffe verwendet? Welche Funktionsverschiebungen sind damit einhergegangen und was sagen diese Verschiebungen nicht nur über die beschriebenen Professionen, sondern auch über die Gesellschaft aus?
  • Eine sozialwissenschaftliche Selbstaufklärung: Der Soziologie war ihre Stellung – als beschreibende Beobachterin und damit gleichzeitig als herschreibende Aktivkraft – zwar schon früh bewusst, dennoch wurde aus punktuellen Auseinandersetzungen mit dem Begriffs- und Tätigkeitsfeld Profession und Professionalisierung bislang kein systematischer Diskussionszusammenhang. Wie ist die Soziologie an beobachtbaren Dynamiken beteiligt?

Die Tagung findet am 5. und 6. Oktober 2017 am Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt. Organisiert wird sie von Claudia Scheid (Bern), Gina Atzeni (München) und Christiane Schnell (Frankfurt a. M.).