Gendered Innovations? Geschlechter- und feministische Perspektiven in den Sozial- und Geisteswissenschaften

Workshop an der Ruhr Universität Bochum am 17. und 18. Oktober 2019

Schenkt man den Selbstbeschreibungen in der Frauen- und Geschlechterforschung Glauben, so gehören die Sozial- und Geisteswissenschaften zu den Fächergruppen, in denen feministische Ansätze und Geschlechterperspektiven den größten Niederschlag im Wissenschaftsbereich gefunden haben, und auch die erreichte Geschlechtergleichstellung scheint in diesen Fächergruppen in allen Statusgruppen vergleichsweise komfortabel zu sein. Als „Problemfächer“ in Bezug auf die Gleichstellung und die Etablierung der Frauen- und Geschlechterforschung gelten demnach die Natur- und Technikwissenschaften. Diese Haltung wird auch in der Wissenschafts- und Gleichstellungspolitik vertreten und beeinflusst die Ausrichtung öffentlicher Programme zur Forschungs- und Gleichstellungsförderung. Doch wie weit ist es im deutschsprachigen Raum tatsächlich mit der Entwicklung und Etablierung feministischer Ansätze und Geschlechterperspektiven in den Sozial- und Geisteswissenschaften gediehen? Wie erfolgreich ist die feministische Kritik darin gewesen, das Wissen, das in diesen Fächern als autoritativ und exzellent gilt, zu verändern, ja, zu transformieren? Wie ist der Stand der Geschlechtergleichstellung in diesen Fächern? Welchen Einfluss hat die begrenzte Präsenz von Frauen in den Schlüsselbereichen der Forschung in diesen Fächern auf die Möglichkeiten, sozialen und politischen Wandel zu analysieren? Wenn „Geschlecht“ als analytische Kategorie marginalisiert oder gar ignoriert wird, (wie) können diese Fächer einen bedeutsamen Beitrag zum Verständnis und zur Lösung von Geschlechterungleichheit in der Gesellschaft leisten? Und wie steht es mit der Beziehung zwischen den in den Fächern variierenden Inkorporationen feministischer Perspektiven und deren Fortschritt in der Erreichung organisationaler Gleichstellungsziele? Zielsetzung des geplanten Workshops ist es, diese Fragen mit Expert*innen zu erörtern. Dabei sollen ein Vergleich in Bezug auf den Status der geschlechterbezogenen Analysen und feministischen Forschung in verschiedenen Sozial- und Geisteswissenschaften erarbeitet sowie überzeugende Argumente herausgearbeitet werden, wie und warum „Geschlecht“ für diese Wissenschaftsbereiche eine besondere Bedeutung hat. Der Workshop soll so einen Raum für Reflexionen eröffnen, wie die Geschlechter-und feministische Forschung diese Fächer bereichert oder geschärft hat, und mögliche Forschungs- und Handlungsbedarfe ausloten. Willkommen sind Beitragsvorschläge zu und aus allen Disziplinen der Sozial- und Geisteswissenschaften. Besondere Aufmerksamkeit soll jedoch der Soziologie, der Politikwissenschaft, der Geschichtswissenschaft, der Philosophie sowie den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften zukommen. Denkbar sind z. B. Fallstudien, aktuelle epistemologische Fragen, Überlegungen zur Forschungspraxis und zur Organisation der Disziplinen. Dabei werden Beiträge begrüßt, die sich auf die fachwissenschaftliche Ebene der Wissenschaftstheorie/-kritik, Inhalte, Curricula, Lehr-und Einführungsbücher, Publikationen u.a.m. beziehen, sowie Beiträge, die sich mit der fachpolitischen Ebene der Etablierung eigener Arbeitsgruppen bzw. Sektionen in den Fachgesellschaften wie auch der Gleichstellungspolitik in allen Statusgruppen der im Fokus stehenden Fächergruppen beziehen, und schließlich Beiträge, die fachwissenschaftliche und -politische Aspekte verknüpfen. Interessierte Wissenschaftler*innen sind herzlich eingeladen, ein Abstract zum geplanten Beitrag (mit Informationen zu Gegenstand, Fragestellung, Zielsetzung und möglicher Struktur des Beitrags) im Umfang von 3.000 bis 5.000 Zeichen bis zum 15. Juni2019 an Prof. Dr. Heike Kahlert (conference-sozsug(at)rub(dot)de; siehe auch: www.sowi.rub.de/sozsug/) als Word-oder PDF-Dateieinzureichen. Das Abstract soll neben einer Kurzbiographie im Umfang von maximal 10bis 12 Zeilen auch vollständige Kontaktdaten (Name, akademische/r Titel, institutionelle Zugehörigkeit, Postadresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse) enthalten. Eine Rückmeldung zu Annahme oder Ablehnung des Beitragsvorschlags erfolgt bis Mitte Juli 2019.

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