Klassiker im Halbschatten

Workshop über soziologische Geheimtipps in Bochum

Sitzen Soziologinnen und Soziologen zusammen, kommen sie – selten, aber immer mal wieder – darauf zu sprechen, welche Texte einschlägig für die Disziplin sind: Texte, die man gelesen haben sollte, wie es dann so schön heißt. Robert K. Mertons „The Unanticipated Consequences of Purposive Social Action“ gehört dazu, ebenso „Berger/Luckmann” (wo alle Anwesenden direkt wissen, dass „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ gemeint ist), „Wir alle spielen Theater“ von Erving Goffman oder Niklas Luhmanns theoretische Provokation „Soziale Systeme“. In diesen Fällen herrscht relativ schnell Konsens.

Immer mal wieder erzählen die Gesprächsteilnehmenden jedoch ebenfalls von Texten, die sie sehr inspiriert haben, von denen sie jedoch denken, dass sie nicht in der Weise rezipiert worden sind, wie es das dort entfaltete Argument verdient hat. Jede Soziologin und jeder Soziologe hat vermutlich einen solchen Text vor Augen. Nennen wir diese Texte, die ein herausragendes, jedoch kaum wahrgenommenes Argument enthalten, vorläufig „Klassiker im Halbschatten“. Sie sollen im Zentrum eines eintägigen Workshops stehen. Dort holen wir sie „mit Schmackes“, wie man im Ruhrgebiet treffend sagt, aus dem Halbschatten der großen Klassiker hervor.

Der Werkstattcharakter des Treffens ist ein doppelter:
— Zum einen geht es darum, uns gegenseitig unsere Geheimtipps soziologischen Denkens vorzustellen und gemeinsam zu besprechen, warum sie für ein breiteres soziologisches Publikum von (Forschungs-) Interesse sind.
— Zum anderen soll die Frage der „Aufmerksamkeitsökonomie“ der Disziplin zumindest andiskutiert werden. Geben die besprochenen Texte und ihre Rezeptionsgeschichte darüber Aufschluss, wie „gute“ soziologische Texte (keine) Bekanntheit erlangen? Vor dem Hintergrund einer zunehmend fragmentierten Forschungslandschaft, vielen Spezialisten und kaum noch Generalistinnen ist die Frage virulent.

Zum Call for Papers (PDF, bis 30. September 2016)