Konservative Intellektuelle und Politik in der Bundesrepublik

Tagung an der Technischen Universität Chemnitz

Wer heute auf den Nachkriegskonservatismus zurückschaut, wird nicht nur nach dem „restaurativen Charakter der Epoche“ fragen. Er wird sich auch für Aspekte der „Modernisierung“ interessieren, ja diese in den Mittelpunkt stellen. Tatsächlich problematisiert die neuere Forschung weniger die Kontinuitäten als die Brüche konservativen Denkens im 20. Jahrhundert. So lässt sich nicht nur ein „deradikalisierender“ Positionswechsel „von der Tat zur Gelassenheit“ diagnostizieren, sondern geradezu von einer liberalkonservativen intellektuellen Gründung der Bundesrepublik sprechen, der es gelungen sei, das hochideologisierte Denken der Zwischenkriegszeit in eine integrative bürgerliche Common-Sense-Philosophie umzubiegen. Die Geschichte des Nachkriegskonservatismus erweist sich als Erfolg, nämlich Demokratisierung, Durchsetzung der Marktwirtschaft und wohlfahrtsstaatliche Modernisierung von Gesellschaften nicht nur begleitet, sondern maßgeblich vorangetrieben zu haben.

Indes wirft dieses idyllische Bild der Erfolgsgeschichte Fragen auf: Welche Motive, Ideen und Leitbilder waren es, die den modernisierten Konservatismus nach 1945 in der Bundesrepublik für Wähler und Intellektuelle attraktiv machten? Wo liegen die (vielleicht bis heute zumindest latent schwelenden) Spannungen zwischen einzelnen Facetten – etwa zwischen einem christlichen und technokratischen Konservatismus? Bestand das konservative Integrationsmoment in einem – wenn auch nur vagen – gemeinsamen Ziel oder lediglich in der geteilten Ablehnung dessen, was mal zur totalitären, mal nur zur kommunistischen Gefahr erklärt wurde? In welchem Verhältnis stand der liberale Normalkonservatismus zu jenen Traditionen, die in der Bundesrepublik abgeschnitten werden mussten, um an dieser Erfolgsgeschichte mitzuschreiben? Beschönigt die Rede von der Modernisierung nicht bestimmte retardierende Momente, etwa die konservative Demokratiekritik, die angesichts der späteren geschichtspolitischen Debatten einerseits und der neuen sozialen Bewegungen andererseits erneut aufbrachen? Oder überblenden solche Fragen nach der genuin deutschen Entwicklung nicht den Umstand, dass sich ähnliche Prozesse auch in anderen westeuropäischen Staaten wiederfinden lassen?

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