Mindere Mimesis und die Wissenschaften

Vortrag von Hanna Engelmeier

Wissenschaft treiben heißt Neues schaffen, innovativ sein, schöpfen. Oder? Welche Rolle spielen das „Nachäffen“, Wiederholen, „Aufkochen“ und Imitieren dabei, dass die Wissenschaft über ihr eigenes Tun Bescheid weiß? Hanna Engelmeier fragt danach, ob (Geistes-) Wissenschaft vor allem durch gelungene Imitation ihrer eigenen Formen entsteht - oder genau dadurch eigentlich nichts als bloße Wiehderholung ist.

Während in der zeitgenössischen Kunst alle möglichen Formen der Imitation und Nachahmung, der Wiederholung und des Reenactments etabliert sind, stehen die Wissenschaften grundsätzlich unter Originalitätsdruck: Forschen heißt Neues schaffen. Hanna Engelmeier diskutiert Beispiele dafür, wie „Wissenschaft von außen“, sogenannte Pseudowissenschaft und Weltanschauungsliteratur, erst dazu führt, entscheidende Selbstverständigungsprozesse in den institutionalisierten Wissenschaften anzuregen. Von Interesse sind dabei in historischer Perspektive beispielsweise okkultistische und spiritistische Bewegungen, aber auch die Psychoanalyse. In allen diesen Fällen steht das Verhältnis von neuen Wissensformen zu der Institution infrage, die Wissen als wissenschaftlich (und damit als „richtig“ oder „objektiv“) anerkennt. Inwiefern sind es insbesondere mindere, unbedeutende AkteurInnen, die durch mimetische Praktiken versuchen, wissenschaftliche Sozial- und Arbeitsformen nachzuahmen, um Zugang zu einer Institution zu erhalten, die für sie keinen Platz vorsieht?

Hanna Engelmeier studierte Philosophie und Kulturwissenschaft in Berlin und arbeitete als Journalistin, bevor sie 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät Medien und Fellow des Kollegs Friedrich Nietzsche in Weimar wurde. Seit 2013 ist sie wissenschaftliche Koordinatorin der DFG-Forschergruppe „Medien und Mimesis“ in Bochum und derzeit IFK_Research Fellow.

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