Solches tut zu meinem Gedächtnis. Liturgische Erinnerung

Vortrag von Jan Assmann an der Universität Augsburg

Erinnern und Vergessen
Aleida und Jan Assmann in Augsburg

Die Internationale Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum bietet Studierenden und Lehrenden der Universität Augsburg sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, international ausgewiesene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst in Augsburg zu erleben. Mit Vorträgen, Seminaren und Debatten zu zentralen Fragen unserer Zeit fördert die Internationale Gastdozentur den Austausch zwischen den Dozentinnen und Dozenten, der Universität Augsburg und der Stadtgesellschaft. Die Internationale Gastdozentur ist eine gemeinsame Initiative der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fakultäten und des Jakob-Fugger-Zentrums der Universität Augsburg.

Mit Aleida und Jan Assmann ist es gelungen, im Sommersemester 2020 die geistigen Eltern des Konzeptes des kulturellen Gedächtnisses für die Internationale Gastdozentur zu gewinnen. Was und wie erinnern Gesellschaften? Das ist die Kernfrage, die dieses Konzept in den Mittelpunkt stellt. Es beschreibt offiziell legitimierte, institutionalisierte, konstruierte Formen kollektiven Erinnerns, das von individuellen Erinnerungen abzugrenzen ist. Es geht dabei immer auch darum, wie aus der Vergangenheit Orientierungswissen für die Gegenwart und Zukunft generiert wird. Entsprechend nachhaltig haben Aleida und Jan Assmann die kulturwissenschaftliche Forschung geprägt, sich aber auch immer wieder in gesellschaftliche und politische Debatten eingeschaltet. Das vielfach ausgezeichnete, kongeniale Intellektuellenpaar, das zuletzt 2018 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt wurde, widmet sich in seinen Augsburger Vorträgen dem Thema „Erinnern und Vergessen“. Die Vortragsthemen speisen sich aus der gemeinsamen Forschung ebenso wie aus der individuellen Expertise des Paares. So spricht Jan Assmann über die Erfindung des Altertums und die Bedeutung liturgischer Erinnerung, während Aleida Assmann sich räumlichen und zeitlichen Bildern des Erinnerns und Vergessens widmet und Überlegungen dazu anstellt, was den Gemeinsinn bedroht und was man gegen diese Bedrohung tun kann.

Aleida Assmann

ist Anglistin und Kulturwissenschaftlerin. Bis 2014 hatte sie den Lehrstuhl für Anglistik und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz inne. Aleida Assmann hat 1977 in Heidelberg im Fach Anglistik mit einer Arbeit über „Die Legitimation der Fiktion“ promoviert und wurde dort 1992 habilitiert. 1993 folgte sie dem Ruf auf den Lehrstuhl in Konstanz. Zahlreiche Gastprofessuren und Fellowships führten Aleida Assmann unter anderem in die USA, nach Princeton und Yale, sowie an die Universität Wien. Neben zahlreichen Arbeiten zur englischen Literatur und zur Archäologie der literarischen Kommunikation forschte sie vor allem zum kulturellen Gedächtnis, der Erinnerung und dem Vergessen. Zuletzt sind von Aleida Assmann „Menschenrechte und Menschenpflichten. Schlüsselbegriffe für eine humane Gesellschaft“ (2017) und „Der europäische Traum. Vier Lehren aus der Geschichte“ (2018) erschienen.

Jan Assmann

ist Ägyptologe, Religions- und Kulturwissenschaftler. Bis zu seiner Emeritierung 2003 hatte er den Heidelberger Lehrstuhl für Ägyptologie inne. Seit 2005 ist Jan Assmann Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie in Konstanz. 1965 promovierte er in Heidelberg zum Thema „Liturgische Lieder an den Sonnengott“. 1971 habilitierte sich Jan Assmann über „Das Grab des Basa (Nr. 389) in der thebanischen Nekropole“. Gastprofessuren und Fellowships führten ihn nach Berlin, München, in die USA, nach Paris und Jerusalem. Sein Forschungsinteresse gilt der ägyptischen Zivilisation als einer von Ordnungs- und Gerechtigkeitsvorstellungen geleiteten Gesellschaft. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Jan Assmann durch seine Arbeiten zum Monotheismus bekannt. Zuletzt sind von Jan Assmann „Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung“ (2016) und „Achsenzeit. Eine Archäologie der Moderne“ (2018) erschienen.

Gemeinsam gründeten Aleida und Jan Assmann 1978 den Arbeitskreis „Archäologie der literarischen Kommunikation“, der verschiedene Disziplinen ins Gespräch bringen sollte. Seine erste Tagung hatte 1979 das Thema „Schrift und Gedächtnis“. Sie stellte die Weichen für die Ausarbeitung des Konzeptes und Erforschung des kulturellen Gedächtnisses. Aleida und Jan Assmann haben jede/r für sich und gemeinsam zahlreiche Auszeichnungen erhalten. So wurde ihnen u. a. 2018 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 2017 der Karl-Jaspers-Preis sowie der Balzan-Preis zuerkannt.

Der Eintritt ist frei.

Um Anmeldung unter www.uni-augsburg.de/jfz wird gebeten.

Kontakt

Dr. Andrea Rehling
Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg
Telefon +49(0)821/598-5208
jfz(at)praesidium.uni-augsburg(dot)de
Web: http://www.uni-augsburg.de/jf

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