THEORIZING VIOLENCE

2. Workshop des AK »Gewalt als Problem soziologischer Theorie« in der DGS-Sektion »Soziologische Theorie«. Anmeldung bis 20. Februar 2018

Vor kaum mehr als einem Jahrzehnt galt die soziologische Gewaltforschung als eine Unternehmung, die im programmatischen Ankündigungsmodus verweilt und die theoretische Ansprüche formuliert, ohne sie tatsächlich einzulösen (Reemtsma 2006: 4). Jüngere Entwürfe laden jedoch mittlerweile dazu ein, diese Diagnose zu revidieren (Collins 2008; Koloma Beck 2011; Lindemann 2015; Reemtsma 2008; Schinkel 2010; Wieviorka 2006). Die gleichsam theorieaffine und den Kontakt zur Allgemeinen Soziologie suchende Gewaltforschung hat dabei allerdings mehr Fragen als Antworten, für deren Bearbeitung sie mehr oder weniger innovative methodologische Wege einschlägt. Sie theoretisiert Gewalt, verfügt jedoch nicht über eine Theorie der Gewalt, ließe sich an Richard Swedberg (2016) angelehnt formulieren.

Zentrale inhaltliche Streitfragen sind der „Mikro-Makro-Link“ von gewaltgezeichneten Situationen und situationsüberdauernden sozialen Ordnungen (Knöbl 2017), das empirische Korrelat des Gewaltbegriffs (Hauffe & Hoebel 2017) oder die Chancen und Grenzen der Erklärung von Gewalt (Reemtsma 2017). Ebenso strittig ist, ob es überhaupt der Klärung dieser Fragen bedarf, um zu einer gehaltvollen soziologischen Theoretisierung von Gewalt zu gelangen. Darüber hinaus geht es immer wieder auch um das aufklärerische Potenzial der Beschäftigung mit Gewalt für die soziologische Theorie insgesamt (Bauman 1992; Joas & Knöbl 2008).

Für die soziologische Gewaltforschung gilt dabei – wie für die Soziologie insgesamt (Swedberg 2016: 6) –, dass sie sich stärker methodologisch darüber aufklären könnte, wie sie ihren Untersuchungsbereich zu begreifen sucht. Welche „tricks of the trade“ nutzen die Beteiligten (Becker 1998)? Was sind grundlegende Schritte im Prozess des Theoretisierens (Swedberg 2014: 17)? Wie nuanciert sollten die theoretischen Entwürfe sein (Healy 2017)? Welche Chancen und Grenzen haben komparative Vorgehensweisen (Anicker 2017)? Welchen epistemischen Stellenwert haben „Gründungsszenen“, die das Theoretisieren eröffnen (Farzin & Laux 2016)? (Der Fragenkatalog ist selbstverständlich nicht vollständig.)

Der Workshop „Theorizing Violence“ hat zum Ziel, Problemstellungen, Methodologien und (Zwischen-)Ergebnisse der gegenwärtigen soziologischen „Theoriearbeit“ (Weick 2014) zu Gewalt zu rekapitulieren. Er dient damit ebenso dazu, Perspektiven der weiteren Theoriebildung zu diskutieren, die nicht nur programmatische Ankündigungen bleiben sollen.

Thomas Hoebel (Leibniz Universität Hannover) & Teresa Koloma Beck (Universität der Bundeswehr München) – als Organisator und Organisatorin des Workshops

Andreas Braun (Universität Bielefeld) & Verena Keysers (Kulturwissenschaftliches Institut Essen) – als Sprecher und Sprecherin des AK „Gewalt als Problem soziologischer Theorie“

Anmeldung

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, am Workshop „Theorizing Violence“ teilzunehmen. Bitte melden Sie sich dazu bis zum 20. Februar 2018 formlos per Email an andreas.braun(at)uni-bielefeld.de. Bitte nutzen Sie dazu den Betreff „Theorizing Violence“.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Der AK „Gewalt als Problem soziologischer Theorie“ ist eine offene und inklusive Plattform. Die gegenwärtigen Mitglieder freuen sich über weitere Mitstreitende. Um den Werkstattcharakter der Veranstaltung zu gewährleisten, ist die Teilnehmendenzahl auf 25 Personen beschränkt. Dafür bitten wir um Verständnis.

Gastgeber vor Ort ist Thomas Hoebel. Bei Fragen kontaktieren Sie ihn gern unter thomas.hoebel(at)wa.uni-hannover(dot)de

Zum Programm und weiteren Informationen (PDF)