Wie forschen mit den Science and Technology Studies?

Workshop für Nachwuchswissenschaftlerinnen

Boundary Objects, Urban Assemblage, Immutable Mobiles, multiple Körper oder zirkulierende Referenz – die konzeptionellen und begrifflichen Vorschläge zur Erfassung des Sozialen als heterogene Versammlung menschlicher und nichtmenschlicher Akteure haben in den letzten Jahren an Kontur und Vielfalt gewonnen. Hervorgehend aus den (Labor-)Studien der Science and Technology Studies (STS) sowie der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) werden diese Konzepte umfassend rezipiert und haben zu einer weitreichenden Diskussion sozial- wie kulturtheoretischer Annahmen geführt. Doch wie sieht die praktische Umsetzung der Konzepte in konkreten Forschungsprojekten aus? Was bisher zu wenig stattfindet, ist eine grundlegende methodologische Reflexion darüber, ob und wie sich die theoretischen Konzepte innerhalb empirischer Aufgabenstellungen um- und in der feldspezifischen Forschungspraxis einsetzen lassen. Der Workshop möchte sich dieser Black Box der eigenen Arbeit mit den Science and Technology Studies am Beispiel konkreter Forschungsprojekte widmen.

Wir stellen die Frage, wie sich empirisch mit den Ideen und Konzepten der Science and Technology Studies arbeiten lässt und welche Folgen ihre Heuristiken für Methodologie, Methoden, Forschungspraxis, Datenanalyse, sowie der Repräsentation der Ergebnisse hat. Der Workshop richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen, die in und durch ihre Forschung die konzeptionellen Annahmen der Science and Technology Studies reflektieren. Um einen bewusst problemorientierten Austausch zu initiieren, sind die Teilnehmerinnen dazu angehalten, empirisches Material aus ihrer Forschung miteinzubringen. Gerahmt wird der Workshop durch zwei Keynotes, in denen erfahrene STS-Forscherinnen aus ihrer Praxis berichten. Der Workshop möchte den folgenden Fragen nachgehen:

  • Wie stehen STS-Konzepte in Bezug zu klassischen kultur- und sozialwissenschaftlichen Erhebungs- wie Auswertungsmethoden?
  • Welche Probleme ergeben sich bei historisch ausgerichteten Forschungsvorhaben mit den Konzepten der STS?
  • Wie lassen sich Unsicherheiten und Unbestimmtheiten im Forschungsprozess einbinden oder erhalten und in der Darstellung von Ergebnissen repräsentieren?
  • Auf welche Weise lassen sich immaterielle Aktanten (z.B. Emotionen, Imaginationen, mentale Bilder, Werte etc.) erforschen und darstellen?
  • Wie können heterogene Bestandteile des Sozialen und deren Protokollierung in ebenso heterogenen Datenmaterialien in einer Auswertung zusammengeführt und dargestellt werden?
  • Wie lassen sich Heterogenität und Multiplizität des Sozialen oder das Symmetriepostulat der ANT umsetzen, durchhalten und darstellen?
  • In welchen Fällen können experimentelle Schreibweisen und -stile, wie z.B. fiktive Dialoge, Selbstinterviews oder unorthodoxe typographische Setzungen hilfreich sein, um den reflexiven epistemologischen Anlagen gerecht zu werden?

Der Workshop soll neben der Diskussion der einzelnen Beiträge auch zur Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlerinnen beitragen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Weitere Informationen