Zukunft auf dem Dorf. Zukunftskonzepte und Planungen für den ländlichen Raum im 20. Jahrhundert

Tagung vom 1. bis 2. Juli 2021 in am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg

Den Zukunftsideen des 20. Jahrhunderts für den ländlichen Raum und aus dem ländlichen Raum heraus widmet sich eine sozial- und geisteswissenschaftliche Tagung, die für den 1. und 2. Juli 2021 am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) Regensburg geplant ist. Leitend ist dabei die Frage, welche Erwartungen und welche Planziele für die Entwicklung des ländlichen Raumes oder der Landwirtschaft bestanden.

Dr. Heiner Grunert, PD Dr. Dietmar Müller, Prof. Dr. Klaus Buchenau, Prof. Dr. Ger Duijzings

Es deutet einiges darauf hin, dass sich ab dem 18. Jahrhundert unter breiten Schichten in Europa ein neues Zeitdenken entwickelte, das ein neues Bewusstsein für die Gestaltbarkeit und Offenheit der Zukunft hervorbrachte. Diese Vorstellungen von einer neuartigen Zukunft entstanden von Beginn an auch für den ländlichen Raum und aus dem ländlichen Raum heraus – von Gutsbesitzern, Landarbeitern, Handwerkern sowie von Lehrern, Priestern und Agrarexperten. Und natürlich von Frauen, die teils als Familienmitglieder in den genannten Gruppen, teils als selbständige Akteurinnen an den Zukunftsvorstellungen mitschrieben. Neben Utopien und Fortschrittsszenarien für Dorf und Landwirtschaft entwickelten sich zeitgleich auch Vorstellungen von einem beschleunigten Verfall der ländlichen Gesellschaft.

Mit den sozialen, wissenschaftlich-technischen und industriellen Revolutionen des 19. Jahrhunderts vervielfältigten und verbreiteten sich Ideen des potentiell Machbaren und mutmaßlich Kommenden. Dabei prägten die Zukunftsideen des 19. Jahrhunderts die Konzepte und Planungen des 20. Jahrhundert. In Krisen, Kriegen und politischen Verwerfungen ab 1900 gewannen globale Konzepte zunehmend an Bedeutung – angefangen von der Rationalisierung, Verwissenschaftlichung und Mechanisierung der Landwirtschaft, über Ideen für den globalen und nationalen Agrarmarkt, das rurale Genossenschaftswesen, für politische Massenmobilisierung und Landreformen sowie in Hygiene- und Bildungsprogrammen, Wohn- und Siedlungsprojekten auf dem Land.

Dem Feld der Zukunftsideen des 20. Jahrhunderts für den ländlichen Raum und aus dem ländlichen Raum heraus widmet sich eine sozial- und geisteswissenschaftliche Konferenz, die für Juli 2021 in Regensburg geplant ist. Leitend ist dabei die Frage, welche Erwartungen und welche Planziele für die Entwicklung des ländlichen Raumes oder der Landwirtschaft bestanden. Welchen Einfluss hatten politische Verwerfungen, Kriege und Krisen auf die Ideenentwicklung für die Zukunft des Dorfes? Welche Gruppen und Organisationen suchten den ländlichen Raum mit welchen Vorstellungen, Argumenten und Mitteln zu verbessern oder zu retten? Wie verhielten sich regionale, nationale und internationale Zukunftsentwürfe in wechselnden Zeiten zueinander? An welchen Themen (wie etwa Besitz, Bildung, Arbeit, Geschlechterrollen, Organisation, Infrastruktur, …) kristallisierten sich gewissermaßen agrarische und rurale Zukunftskonzepte? Was galt also wann und wo als drängendstes Problem, als Vorbedingung für positive Veränderung oder als ultimatives Mittel, um den ländlichen Raum zu entwickeln? Welche sozialen und (volks-) wirtschaftlichen Entwicklungskonzepte konkurrierten miteinander? Und welche Gefühle, Ängste und moralischen Vorstellungen beeinflussten die Prognosen und Zukunftskonzepte für Staat, Nation und Volkswirtschaft?

Die Konferenz ist geplant für den 1.-2. Juli 2021 am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg, institutionelle Partner sind die Abteilung Geschichte Osteuropas und Südosteuropas der LMU München und das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) Halle (Saale). Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

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