Lena Spickermann | Essay |

Viola Klein (1908–1973)

Vordenkerin der Frauen- und Geschlechterforschung

Viola Klein
Viola Klein, Zeichnung von Nicole Holzhauser

Einleitung

Viola Klein ist ein Name, der in historischen Rekursionen der Soziologie und Geschlechterforschung selten gesondert berücksichtigt wird, geschweige denn in rezenten Theoretisierungsversuchen Anschluss findet.[1] Dieser Umstand ist nicht bloß als disziplinhistorische Unachtsamkeit zu relativieren. Er muss ebenso als folgenreiche Nivellierung von Kleins geschlechter- wie wissenssoziologisch scharfsinnigen Einsichten verstanden werden, die eine klar vordenkerische Leistung bergen. Ausgehend von der paradigmatischen Formel einer Seinsgebundenheit des Wissens des prominenten Wissenssoziologen Karl Mannheim[2] erkannte Viola Klein frühzeitig, dass das Wissen um die mentale Manifestation geschlechtlicher Differenz im Allgemeinen und des Weiblichen im Besonderen psycho-sozial signiert ist, das heißt stets die Handschrift ihrer Verfasser:innen trägt und mit deren kulturellen, geistigen wie auch gesellschaftlichen Umgebungen verknüpft ist. Wichtig erscheint diese Feststellung nicht zuletzt aufgrund des darin mitschwingenden sozialkonstruktivistischen Gehaltes, sondern auch aufgrund der daraus gezogenen, durchaus machtsensiblen Schlussfolgerung:

„In einer Gesellschaft, deren Normen überwiegend männlich sind, bilden Frauen eine 'Out-Group', die von den dominanten Schichten abgegrenzt wird [...]. Wie bei anderen Gruppen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, werden vorgefasste Meinungen mehr oder weniger pauschal auf die Klasse als Ganzes angewandt, ohne dass die individuellen Unterschiede ausreichend berücksichtigt werden.“[3]

Das Wissen über die Frau geriert sich demnach als signifikatorische Subjekthülse, der sich die so Affizierten nicht entziehen können und nach der sich ihr Selbst- und Weltverhältnis ausrichtet. Weiter heißt es bei Viola Klein: „Nicht als Individuum, sondern als Mitglied einer stereotypisierten Gruppe beurteilt zu werden, bedeutet ein unkalkulierbares Maß an Restriktionen, Entmutigung, Unbehagen und Frustrationen […]“.[4]

Klein widmete sich dem daraus resultierenden, emanzipationshemmenden Dilemma, das zum Leitthema ihrer Forschung werden sollte: Zwar zog die zunehmende Präsenz von Frauen in der öffentlichen Sphäre einen Zugewinn an wesentlichen Rechten und bürgerlichen Beteiligungsformen nach sich (etwa Zugang zu höheren Bildungsinstitutionen und professionalisierten Berufszweigen sowie Möglichkeiten zu politischer Mitbestimmung), doch wurden diese durch die anhaltende Gültigkeit und Kontinuität geschlechtsspezifischer Zuschreibungs- und Einhegungsversuche konterkariert. Im Kontext dieser Spannungen deckte Klein die einflussreiche Macht essentialistischer Geschlechterperzeptionen im Alltagserleben von Frauen auf, die auch in der „Phase der emanzipierten Frauen“[5] nichts an ideologischer Durchdringungskraft eingebüßt hatte. Obschon Simone de Beauvoirs Le Deuxième Sexe (zu deutsch: Das andere Geschlecht) (1949) mit seiner zentralen These einer sozial orchestrierten Zurichtung des weiblichen Wesens als feministisches Gründungswerk rangiert, war es Viola Klein, die die Grundannahme einer anatomisch determinierten hierarchischen Geschlechterordnung bereits 1946 mit wissenssoziologischen Mitteln widerlegte. Die bis heute anhaltende spärliche Rezeption des geschlechtertheoretischen und soziologischen Vermächtnisses Viola Kleins muss als schwerwiegendes Versäumnis gelten, das nicht nur individuell-biografische Konsequenzen für sie barg, sondern auch Folgen für die Entwicklung der disziplinären (Wissens-)Soziologie, der Geschlechterforschung und ihrer jeweiligen Geschichtsschreibungen nach sich zieht.

Leben, Werk & Positionierung im Forschungsfeld

Als jüdische, mehrfach exilierte und multidisziplinär ausgebildete Intellektuelle war Viola Klein im Verlauf ihres Lebens mit divergierenden kulturellen, wissenschaftlichen, sozio-historischen und damit einhergehend auch ideologischen Erfahrungszusammenhängen konfrontiert, die prägend und richtungsweisend für ihre Arbeit waren.

Im Jahre 1908 in Wien geboren, wuchs sie in einem jüdisch-bildungsbürgerlichen Haushalt als Tochter einer Sängerin und eines Unternehmers auf und war umgeben von einem emanzipatorischen Klima, in dem die Gleichstellung und Befreiung der Frauen als zu forcierende Leitideen begrüßt wurden.[6] 1917 emigrierte Klein aufgrund politischer Unruhen mit ihrer Familie in die Tschechoslowakei, nach Bílina und Prag, wo sie den Großteil ihrer Kindheit verbrachte. Nachdem sie ein Jahr an der Universität Sorbonne in Paris studiert hatte, kehrte sie 1929 für die Aufnahme eines Studiums nach Wien zurück. Dieses nahm indes ein abruptes Ende, weil an der dortigen Universität Kämpfe zwischen nationalsozialistischen und sozialistischen Studierenden ausbrachen, die deren sechsmonatige Schließung zur Folge hatte. 1930 nahm Klein erneut ihr Studium an der Universität Prag der Fächer Französisch, Spanisch, Philosophie und Psychologie/Psychoanalyse auf.[7] 1937 wurde Klein erstmals mit einer Arbeit zu Sprache und Stil des Louis Ferdinand Céline promoviert. In dieser setzte sie sich mit der radikal entlarvenden Rhetorik des viel rezipierten Erstlingsromans von Louis Ferdinand Céline (ein Pseudonym für Louis Ferdinand Auguste Destouches) Voyage au bout de la nuit (zu Deutsch Reisen ans Ende der Nacht, 1932) auseinander.[8] Zum damaligen Zeitpunkt galt Célines radikal entlarvende Rhetorik als besonders, weil ihr zuerkannt wurde, die triste Realität der englischen und französischen Zwischenkriegszeit frei von jeglicher Ideologie wiederzugeben. Viola Klein extrapoliert in ihrer Dissertation indessen die subjektive Färbung von Célines Sprache und macht auf den Umstand aufmerksam, dass auch er mit seinem brutal-entlarvenden Realismus keine sozial ungebundene Erzählperspektive einnehmen könne. Schließlich gäbe es keine Realität, die nicht bereits in ein sprachliches Gewand gehüllt sei, so Klein. Sowohl der Gebrauch als auch der Aufbau der Sprache seien darüber hinaus stets durch soziale und subjektive Prägungen gekennzeichnet. Aus heutiger Sicht sind diese Erkenntnisse als dekonstruktivistisch zu bezeichnen.[9] Luzide verdeutlicht sich dieser Gedanke in folgendem Zitat aus Kleins Dissertation: „Am Anfang war das Wort, und es hat Welten verändert, Revolutionen des Geistes ausgelöst und über Glück und Unglück der Menschheit entschieden.“[10] Im Zuge ihrer Nachforschungen setzte sie sich außerdem erstmals systematisch mit den Arbeiten Karl Mannheims auseinander. Von besonderer Tragweite für ihre linguistische Studie waren dabei Mannheims Ausführungen zur sozio-historischen Bedingtheit (fast) aller Denk- und Wissensformen.[11]

Als die Nationalsozialisten 1939 Prag besetzten, floh Viola Klein mit ihrem Bruder Henry nach England, wo sie sich aufgrund der dortigen restriktiven Migrationspolitik zunächst als Kinderbetreuerin und Haushaltsassistentin verdingen musste. Erst als sie ein Forschungsstipendium der tschechisch-slowakischen Exilregierung erhielt, konnte sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit wieder aufnehmen. Mit einer Arbeit zu Some theories of feminine studies and so-called character traits: a study in ideologies wurde sie 1944 erneut promoviert, diesmal bei Karl Mannheim an der London School of Economics.[12] Im Fokus ihrer wissenssoziologischen Untersuchung standen dabei die emotionalen, sozio-historischen, voluntativen und fachkulturellen Prägungen kanonischer Weiblichkeitstheorien aus divergierenden Humanwissenschaften, die zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden waren und die Frage ihres restriktiven Einflusses auf die Lebenswelt von (spät-)modernen Frauen. Obwohl Kleins Promotionsarbeit drei Jahre später in Mannheims Publikationsreihe International Library of Sociology (Routledge and Keagan Paul) unter dem Titel The Feminine Character. History of an Ideology erschien, hatte diese Veröffentlichung keine langfristige prestigeträchtige Universitätsposition zur Folge.

So war ihre Zeit in England zunächst durch Lehraufträge, befristete Projektstellen, journalistische Arbeiten und Übersetzungstätigkeiten für das britische Außenministerium gekennzeichnet. Klein profilierte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren als Expertin für empirische Sozialforschung und Statistik, ohne dabei ihren sozialkritischen Feinsinn zu verlieren. Die nachkriegszeitliche Sozialpolitik Großbritanniens setzte den emanzipatorischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte eine traditionalistische Agenda entgegen: „[...] diese Politiken betrachteten Frauen entweder als Mütter oder als Arbeitnehmerinnen […]“[13] – eine politische Atmosphäre, die in der Auseinandersetzung mit Kleins zahlreichen Arbeiten zum Status berufstätiger Ehefrauen zu bedenken ist.[14] Besondere Beachtung verdient schließlich das in Zusammenarbeit mit der schwedischen Sozialreformerin und Leiterin des UNESCO Department of Social Science, Alva Myrdal (1902–1986), entstandene Werk Women‘s Two Roles Work and Home (1956): ein wissenschaftskommunikativer Beitrag, der ein sequenzielles Vereinbarkeitsmodell von Erwerbs- und Familienarbeit skizzierte, um mittelständischen Frauen westeuropäischer Länder einen Ausweg aus dem vorgezeichneten Schicksal der Mutter und Ehefrau zu zeigen.[15] Zwar erfreute sich dieses Werk einer breiteren Rezeption als The Feminine Character, doch sorgte es aufgrund seiner mangelnden Anschlussfähigkeit an Kleins frühe (wissens-)soziologische Arbeiten für Irritation.[16] Las sich dieser Beitrag für viele als Affirmation derjenigen vergeschlechtlichten Demarkationslinien, die Klein zuvor noch mit analytischer Vehemenz einzureißen versucht hatte, ist ihm dennoch ein für die damalige Zeit weder unwesentliches noch selbstverständliches Versprechen zu entnehmen, nämlich dass es „eine Möglichkeit für Frauen geben [könnte]‚alles zu haben‘“[17].

Die vermeintliche Diskrepanz zwischen Kleins kritisch-theoretischen und sozialempirischen Arbeiten erweist sich bei genauerem Hinsehen als fadenscheinig. Schließlich war ihre Forschung stets in aller erster Linie von der Überzeugung getrieben, allen Menschen, denen über die Zuordnung in naturalistische Singularkollektive (die Juden, die Frauen, die Schwarzen etc.) keine autonome Subjektbildung zugestanden wurde, eine möglichst freie, praktisch-materiell wie auch ideologisch ungetrübte Lebensgestaltung zu ermöglichen. Dieses Vorhaben war nur über multiple methodisch-methodologische Wege zu erreichen und erklärt, warum ein großer Teil der Klein‘schen Arbeiten nicht (allein) einem distanzierten Fachpublikum gewidmet zu sein scheinen, sondern auch einen wissenschaftskommunikativen Zweck erfüllen und sich an die Beforschten selbst richten. Auf diese Weise sollte die Solidarisierung unter Frauen, die Herausbildung eines gemeinsamen Erfahrungshorizonts befördert und eine eigene Subjektivierung ermöglicht werden.[18] Klein verfasste herrschaftskritisch nuancierte Arbeiten und setzte sich unablässig für die uneingeschränkte Entfaltung von Frauen und eine individuelle Ausdrucksform ein, die nicht länger einem vergeschlechtlichten Deutungsrahmen zu entsprechen haben. Und doch tat sie sich, wie so viele ihrer Zeitgenossinnen, mit einer Selbstpositionierung als Feministin schwer. Als sie 1960 von der Times zum Thema Working Wives interviewt wurde, versicherte sie ihrem Gesprächspartner, eine gemäßigte Position zu vertreten: „Sie dürfen mich wirklich nicht als eine militante Feministin abschreiben […] Eine unbeabsichtigte – oder sogar zufällige [Feministin], das würde der Sache näher kommen.“[19] Diese Zurückhaltung ist aus heutiger Perspektive aller Wahrscheinlichkeit nach auf das antifeministische Klima der Nachkriegszeit zurückzuführen, galten ausgewiesene Feministinnen – auch noch nach so vielen Jahren der Ersten Frauenbewegung – als männerhassend, verrückt, frigide oder exzentrisch. Insofern hielten sich viele Akademikerinnen, die sich frauenpolitischen Themen zuwendeten, bedeckt, wenn es darum ging, öffentlich feministische Positionen zu vertreten.[20]

Hatte sich Klein bis in die 1950er-Jahre mit zahlreichen Widrigkeiten konfrontiert gesehen, die sie nicht zuletzt als jüdische Soziologin mit einem feministischen Forschungsschwerpunkt adressierten, erlangte sie schließlich doch wissenschaftliches Renommee: Sie war Mitglied in der britischen und internationalen Gesellschaft für Soziologie und – neben soziologischen Größen wie René König und Richard Titmuss – Mitbegründerin und Herausgeberin des International Journal of Comparative Sociology.[21] In den 1960er-Jahren führte sie im Auftrag der OECD eine internationale Vergleichsstudie zur Situation arbeitender Frauen und ihrer Ausbeutungs- sowie Ungleichheitserfahrungen durch.[22] Zu diesem Zweck sammelte sie Daten aus 21 Ländern.[23] Nach jahrzehntelanger Betätigung als freiberufliche Wissenschaftlerin erhielt Klein 1964 schließlich eine Festanstellung als Lecturer an der soziologischen Fakultät der Universität in Reading, UK. Nahezu mustergültig verkörpert sie einen von Krisen sowie ungleichzeitigen Ein- und Ausschlusserfahrungen geprägten Bewusstseinsmodus, den Mannheim als Voraussetzung für die Genese soziologischen Wissens beschrieben hatte.[24] Immer wieder sah sich Klein mit Widerständen und Ausschlüssen konfrontiert, die ihre machtanalytische Sensibilität für diverse Unterdrückungszusammenhänge schärften und sie in ihrem Engagement für eine von sozialen Zwängen und Zuschreibungen befreite Lebensweise bestärkten. Am 13. Oktober 1973 verstarb Viola Klein unerwartet an den Folgen eines Herzinfarktes.

Der weibliche Charakter als soziales Phänomen!? Eine wissenssoziologische Untersuchung moderner Weiblichkeitstheorien

Es ist gerade Kleins 1946 erstmals publizierte Studie The Feminine Character. History of an Ideology zur geistes- und sozialwissenschaftlichen Konstruktion eines weiblichen Charakters, die nicht nur wesentliche Erkenntnisse der Wissenssoziologie und Geschlechterforschung vorwegnimmt und sie für disziplingeschichtliche Analysen unabdingbar werden lässt, sondern auch für die Betrachtung rezenter sozialwissenschaftlicher Forschungsgegenstände fruchtbar sein kann. Dass ‚die Frau‘ ab dem späten 18. Jahrhundert in den Fokus der noch jungen Humanwissenschaften geriet, ist Klein zufolge nicht allein darauf zurückzuführen, dass mit ihnen versucht wurde, die Natur und Umwelt des Menschen auf allen Ebenen analytisch zu durchdringen und zu gestalten. Vielmehr schienen zuvor ordnungsstiftende Systeme wie etwa die ständische Organisation der sozialen Welt, die in feudalen Gesellschaften durch religiös-mystische Doktrine abgesichert waren, nicht mehr zu den Konditionen der sich im industriellen Wandel befindlichen westlichen Gesellschaften zu passen. Die gesellschaftliche Positionierung der Frau war damit keine Frage göttlicher Fügung mehr, sondern bedurfte einer wissenschaftlichen Begründung.[25] Mit der Französischen Revolution als Impulsgeberin für einen anthropologischen Paradigmenwechsel wurde der Mensch zum Zentrum wissenschaftlicher und politischer Bemühungen. In den vormodernen Feudalgesellschaften hatte sich noch kein Interesse an den Phänomenen der mundanen Welt ausgebildet; vor allem, da zu dieser Zeit das menschliche Sein und Tun vollumfänglich dem Transzendentalen gewidmet war und die diesseitige Existenz als profan galt und starren Regeln unterworfen war. Das aufklärerische Diktum einer Befreiung des Menschen aus seiner eigenen Unmündigkeit und von seinen standesgebundenen Fesseln setzte eine Verwissenschaftlichung und Politisierung der natürlichen und sozialen Umwelt voraus. Der Mensch konnte erst mit demokratischen Rechten und Pflichten ausgestattet werden, als diese zur logischen Konsequenz seiner nun gestaltbaren Existenz auf Erden erhoben wurden.[26] Die kursive Schreibweise – Der Mensch – kommt nicht von ungefähr, denn das anthropologische Forschungsinteresse wie auch die Begründung allgemeingültiger Prinzipien folgte einem androzentrischen Diktat.[27] Zwar sahen die neu eingeführten humanistischen Ideale eine universale Erweiterung des menschlichen Handlungsspielraums vor. Die im 19. Jahrhundert aufkeimende Industrialisierung brachte jedoch eine sozialräumliche Trennung zwischen Privat und -Erwerbssphäre mit sich. An die Stelle der häuslichen Manufaktur oder des Bauernhofs rückte nun die Arbeit außerhalb der familialen Bezüge, nämlich in der Fabrik, der Universität oder im Amt. In bürgerlichen Kreisen erfolgte darauf eine parallel zu diesen Entwicklungen verlaufende idealtypische Differenzierung geschlechtsspezifischer Zuständigkeitsbereiche: Der Privatraum war der Reproduktion der Arbeitskraft zugedacht, die unter kapitalistischen Vorzeichen keinen Eigenwert besitzt und als genuin weibliche Wirkungssphäre galt. Vice versa war die öffentlich ausgetragene Produktionsarbeit dem Mann vorbehalten. Die Legitimation des bürgerlichen Ideals vergeschlechtlichter Hierarchisierung erfolgte mit szientistischer Unterstützung. Nicht nur ging es darum, eine weiße, bürgerliche Vormachtstellung zu zementieren, sondern auch, die untergeordnete Sonderstellung der Frau als sanftes, fühlendes Wesen auf den Plan zu rufen und so den sich ausdifferenzierenden kapitalistischen Entwicklungen zu einer analogen Umgebung zu verhelfen.[28] Durch die Separierung zweier anatomisch determinierter Geschlechtercharaktere lag, „[d]ie Wissenschaft […] genau auf der Welle dessen, was die Kultur verlangte“.[29]Der Mann trat in eine neue Sphäre demokratischer Öffentlichkeit ein, die ihm politische und erwerbsmäßige Entfaltung ermöglichte. ‚Das Weib‘ wurde hingegen zur Projektionsfläche wissenschaftlich abgesicherter Besonderung, konnte sich ihrer Geschlechtlichkeit nicht entziehen, wurde auf diese festgeschrieben. Sie war die leere Kategorie, die es in Abhängigkeit von männlichen Standards zu füllen galt.[30] Die anatomische Fixierung auf die Reproduktionsfähigkeit der Frau galt als aprioristisches Explanandum für eine eigenschafts- und verhaltenstypische Essenz – dem weiblichen Charakter –, die gleichzeitig als Gegenpol zu allem Männlichen konturiert wurde; das jedoch nicht in gleicher Weise wissenschaftlich ausdekliniert und damit verengt wurde.

Neben einer sich darin ausdrückenden Ideologie der Differenz, konstituierte sich Klein zufolge im späten 19. Jahrhundert eine weitere Überzeugung, die gleichen Rechten und Fähigkeiten aller Menschen das Wort redet.[31] Das humanistische Klima der Aufklärung habe eben auch zu einer subversiven Denkatmosphäre geführt, innerhalb derer die Soziologie als neue Disziplin gedeihen konnte, die eine „[…] kritische Einstellung gegenüber institutionalisierten Verhaltensweisen und traditionellen Vorurteilen […]“[32] entwickelt und manifestiert habe. Insofern habe die Soziologie eine wissenschaftliche Haltung etabliert, die das Potenzial berge, von einem Forschungsmodus der präsumtiven Affirmation der (geschlechtlichen) Polarität abzurücken und dieser eine Perspektive entgegenzustellen, die interessiert ist an den „[…] Möglichkeiten und Grenzen sozialer Konditionierung, das heißt, […] inwieweit die Charakterstruktur moderner zivilisierter Frauen ein Resultat eines bestimmten Existenzmodus, sozialer Institutionen, Traditionen und Ideologien“ ist.[33] Klein attestiert der Soziologie in dieser Weise eine eigentümliche Nähe zur beginnenden Frauenemanzipation, die mit einer Wahlverwandtschaft vergleichbar ist.[34] Die kritisch-historisierende Hinwendung der Soziologie zu sozialen Problemen der (Spät-)Moderne habe Frauen eine Tür geöffnet, „[…] durch die [sie] ins öffentliche Leben gleiten konnten“.[35] Wie bereits erwähnt spiegelte dieses dialektische Stimmungsbild kontrastierender Ideologien ein in allen gesellschaftlichen Bereichen vorzufindendes mentales Klima wider, dem bürgerliche Frauen ihrer Zeit unmittelbar ausgesetzt waren und das eine Inkohärenz zwischen ihren emotionalen, kognitiven und praktisch-materialen Zuständen provoziert habe. Eine neu eröffnete Autonomie in der öffentlichen Sphäre[36] wurde laut Kleins Analyse von androzentrischen Maßstäben und historisch verankerten Vorurteilen konterkariert und auf diese Weise abgeschwächt.[37]

Kleins wissenssoziologische Arbeit zu meinungs(ab)bildenden Weiblichkeitstheorien in Phasen der sich anbahnenden und in Teilen vollzogenen Frauenemanzipation verfolgt damit zwei wesentliche Ziele:

  1. die machtkritische Identifizierung und Ausarbeitung derjenigen Wissensbestände, die eine weibliche Subjektivierung blockieren und im Geiste historisch überkommener, eindimensional patriarchaler Vorannahmen stehen.
  2. die Extrapolation solcher Theorieelemente, die zu einer relationalen Objektivität (im Sinne Mannheims) beitragen können. Damit ist die Zusammentragung und Integration solcher Perspektiven gemeint, die ihre eigene sozio-historische Bedingtheit in Rechnung stellen und auf diese Weise eine Sicht vermitteln, die „[…] neue Ordnungen für veränderte Lebensbedingungen findet […]“ und neue Organisationsformen des sozialen Lebens vermittelt, die menschlichen Bedürfnissen – ökonomisch wie sozial – entsprechen können.[38] Mit diesem Erkenntnisziel unterzieht Klein neun Ansätzen aus Biologie (Havelock Ellis), Philosophie (Otto Weininger), Psychoanalyse (Sigmund Freud), experimenteller Psychologie (Helen B. Thompson), Psychometrie (L. M. Terman und C. C. Miles), Geschichtswissenschaft (Mathias und Mathilde Vaerting), Anthropologie (Margaret Mead) und Soziologie (W. I. Thomas) einer genaueren Betrachtung und widmet sich ihren Ausbuchstabierungen des weiblichen Charakters. Kleins methodisch-methodologisches Vorgehen orientiert sich zwar an dem Mannheim’schen Programm, muss aber dennoch in seiner Eigensinnigkeit wahrgenommen werden. Während Mannheim etwa die privilegierte Erkenntnisposition randständiger Identitäten proklamiert (etwa von Frauen oder jungen Menschen), sieht Klein in der dauerhaften Markierung marginalisierter Erkenntnispositionen eine machtreproduzierende Verfahrensweise, die eine Beurteilung ihrer Objektivationen immer im Lichte stereotypisierter Merkmale erscheinen lasse. Dies kommt vor allem in ihrer Referenz auf Simmels konstanter Markierung des weiblichen Blickes (im Verhältnis zum männlichen, unmarkierten Blickwinkel) zum Ausdruck.[39] Aber auch in Rekurs auf Margaret Meads und Virginia Woolfs Gedanken zur kreativitätshemmenden Wirkung geschlechtsspezifischer Kategorisierungen, stellt Klein fest, „[dass] diejenigen, die in geräumigen Villen geborgen sind, die ihnen auferlegten Beschränkungen nicht so stark zu spüren bekommen wie diejenigen, die in den vier Wänden eines kleinen Zimmers eingeschlossen sind“.[40]

In ihrer Auseinandersetzung mit ausgewählten Weiblichkeitstheorien nimmt Klein eine diffizile Erkenntnisposition ein, die zwischen Nähe und Distanz situiert ist. Die distanzierte Überprüfung der subjektiven, kulturellen wie auch sozio-historischen Erkenntnisfolien der untersuchten Ansätze wird begleitet von normativ-direktiven Bewertungen ihres Beitrags zu einer emanzipatorisch-progressiven Theoretisierungsweise. Ellis sowie insbesondere Freud und Weininger gelten Klein als Vertreter einer alten Welt an der Schwelle zu einer neuen. Nach Klein tragen diese drei Theoretiker das positive Diktum einer hierarchischen Geschlechterpolarität nahezu unkritisch weiter. Des Weiteren konsolidieren sie Klein Folge leistend die männliche Suprematie durch den zu dieser Zeit üblichen Hinweis auf die anatomisch begründete Varianzarmut (Ellis) respektive die Mangelhaftigkeit (Freud & Weininger) des weiblichen Charakters.[41] Helen Bradford Thompsons experimentelle Untersuchung psychischer Geschlechterunterschiede verortet Klein bereits im ideologischen Bereich eines geschlechtlichen Gleichheitspostulats. Thompson unterzog erstmals die bis dato unhinterfragten Geschlechtergewissheiten einer (nicht-repräsentativen) Überprüfung; wenngleich sie noch keine kausalen Erklärungen für erhobene Geschlechterdifferenzen lieferte.[42] Bei Terman und Miles stößt Klein auf den akribischen Versuch markttaugliche, weibliche Qualitäten zu bestimmen, die den Eintritt von Frauen in die öffentliche, weiterhin männlich attribuierte Welt beherrschbar und intelligibel machen sollten.[43] Vaerting & Vaerting wie auch Mead liefern Klein zufolge dagegen (alternative) Erklärungsversuche für geschlechtstypische Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, die nicht in naturalistischen Setzungen aufgehen. Wenngleich ihnen Klein einen unleugbaren Stellenwert in der Abbildung sozialer Komplexität zuteilt – die Relevanz und Organisation von Geschlechtlichkeit in diesen Ansätzen also wahlweise herrschafts- (Vaerting &Vaerting) oder kulturspezifisch (Mead) ist – macht Klein in ihnen dennoch die Hypostasierung eines einheitlichen Verursachungsprinzips (statt Natur nun Herrschaft und Kultur) aus.[44] Thomas erfährt von Klein eine gesonderte Berücksichtigung, denn sie erkennt in seinem soziologischen Beitrag eine Perspektive, die den historisch-kontingenten Entwicklungen mit der ihnen gerecht werdenden theoretischen Offenheit begegnet. Interdisziplinäre Überlegungen voranstellend erkennt Thomas in der psycho-sozialen Nachhaltigkeit historisch überholter Geschlechtereigenschaften eine persistente Wirkmacht, die die Situationsdeutungen von Männern und Frauen weiterhin belaste und so zu einer Reproduktion hierarchischer Geschlechterdifferenzen beitrage.[45]

Der in ihrer Studie eingangs gestellten Frage „Gibt es so etwas wie ‚Weiblichkeit‘? […] und wenn ja, worin besteht es (aus der Sichtweise der Experten dieses Gebietes)?“ kann Klein schlussendlich nur mit einem knappen „Ich weiß es nicht“[46] begegnen. Doch diese ehrliche Feststellung beinhaltet ebenso die unverwechselbare Kraft ihrer kritisch-reflexiven Epistemologie: Bei der wissenschaftlichen Erkenntnisgenese kann und sollte es nicht um die Setzung finiter Subjektpositionen gehen. Das Wissen über Geschlecht kann nicht von der Subjektivität seiner Urheber:innen separiert werden – es kolportiert machtschaffende Gewissheiten und Vorannahmen, die durch sozialisatorische Normierungen beeinflusst werden.[47] Vice versa zeitigen solche Wissensbestände vergeschlechtlichende Wirkung und prägen die Körper, Kognitionen und Emotionen ihrer Adressat:innen. Insofern sich wissenschaftliche Forschung menschlichem Leben widmet, muss sie sich der daraus resultierenden Verantwortung stellen und eine belebte, relationale Sicht auf ihren Gegenstand anstreben. Aus diesen Einsichten lässt sich im Umkehrschluss ableiten, dass die Frau, solange diese erkenntnistheoretischen Setzungen nicht kritisch reflektiert und zu einer wesentlichen Komponente wissenschaftlicher Praxis erhoben werden, weiterhin den Status einer starren Projektion derjenigen einnimmt, die sie sich zum Forschungsgegenstand machen.

Schluss

Dieser Beitrag hat den Pioniercharakter von Viola Kleins vernachlässigtem Werk und ihrem lebhaften Einsatz für die Überwindung misogyner Denkstrukturen schlaglichtartig beleuchtet. Als jüdische Exilantin, die sich schon in einem frühen Stadium ihrer Karriere mit der anhaltenden Marginalisierung von Frauen beschäftigt hat, war sie mit einem machtsensiblen Erkenntnismodus ausgestattet, der ihr dazu verhalf, bestehende Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse kontinuierlich zu hinterfragen. Dass die leitenden Vorstellungen von Geschlechtlichkeit im Allgemeinen wie auch von Weiblichkeit im Besonderen immer schon sozio-historisch überformt sind und sich nachhaltig in das Selbst- und Weltverhältnis der damit Affizierten und Adressierten einschreiben, ist eine Erkenntnis, die zum Grundlagenwissen der Geschlechterforschung gehört. Eine umfassende Anerkennung von Kleins vordenkerischer Leistungen in diesem theoretischen Umfeld ist bis heute ausgeblieben. Die Neubetrachtung ihrer Arbeiten könnte nicht zuletzt fruchtbare Impulse für zeitgenössische Strömungen der Wissenssoziologie und Geschlechterforschung liefern: So bietet ihr methodisch-methodologisches Programm, dass sie in The Feminine Character angewandt hat, einen vielversprechenden Ansatz für die intersektionale Analyse von machtgenerierenden Wissensbeständen.

  1. Ausnahmen bilden hier u. a. Shira Tarrant, When Sex Became Gender, New York / London 2006, S. 136; Sondra Farganis, Social Reconstruction of the Feminine Character, Totowa, 1996 [1986]; Ute Gerhard, Feministische Perspektiven in der Soziologie. Verschüttete Traditionen und kritische Interventionen, in: L’homme 24 (2013), 1, S. 73–91; Eva Stina Lyon, Viola Klein: Forgotten Emigré Intellectual, Public, Sociologist and Advocate of Women, in: Sociology 41 (2007), 5, S. 829–842; Eva Stina Lyon, Viola Klein, in: John Scott (Hg.), Fifty Key Sociologists: The Contemporary Theorists, London 2007, S. 151–155; Eve Gianoncelli / Eleni Varikas, Viola Klein, Une Pionnière, in: Cahiers du Genre (2016), S. 61.
  2. Karl Mannheim, Ideologie und Utopie, Bonn 1930 [1929].
  3. Viola Klein, The Feminine Character. History of an Ideology, Urbana/Chicago/London 1972 [1946], S. 4, Übersetzung L.S.
  4. Ebd., S. 5, Übersetzung L.S.
  5. Diese habe laut Klein 1923 eingesetzt und sei auf eine Phase sich emanzipierender Frauen (1872–1923) gefolgt, wobei anzumerken ist, dass es sich dabei lediglich um einen analytischen Orientierungsrahmen handelt (Viola Klein, The Feminine Character. History of an Ideology, London 1946, S. 183.)
  6. vgl. Felicitas Starr-Egger, Women Refugee Academics at the University of London, in: Jana Barbora Buresova / Andreas Hammel (Hg.), Exile and Gender II: Politics, Education and the Arts, Leiden 2017, S. 96–113.
  7. vgl. Janet Sayers, Introduction, in Viola Klein (Third Edition), The Feminine Character. History of an Ideology, London 1989, S. x; Eva Stina Lyon, Viola Klein, in: John Scott (Hg.), Fifty Key Sociologists: The Contemporary Theorists, London 2007, S. 152; Tarrant, 2006, S. 136.
  8. Erst mit Abschluss ihrer Dissertation wurden Viola Klein Célines antisemitische Ansichten bekannt, die er zu dieser Zeit in einem politischen Manifest demonstrierte. Darauffolgend rekurrierte sie nicht länger auf seine Arbeiten. Ihre erste Doktorarbeit „[...] became, for Klein, a case of self-imposed ‘amnesia’” (Eva Stina Lyon, From Literature to Sociology: The Shock of Celine’s Literary Style and Viola Klein’s Attempt to Understand it [With a Little Help from Karl Mannheim], in: Alex Law / Eric Royal Lybeck (Hg), Farnham/Surrey/Burlington 2015, S. 74.
  9. vgl. Ulla Wischermann / Susanne Rauscher / Ute Gerhard (Hg.), Klassikerinnen feministischer Theorie, Band 2, Sulzbach/Taunus 2010, S. 85.
  10. Klein, 1936, zitiert nach Eva Stina Lyon, Viola Klein: Forgotten Emigré Intellectual, Public, Sociologist and Advocate of Women, in: Sociology 41 (2007), 5, S. 829–842, hier S. 831, Übersetzung L.S.
  11. vgl. Eva Stina Lyon, Viola Klein: Forgotten Emigré Intellectual, Public, Sociologist and Advocate of Women, in: Sociology 41 (2007), 5, S. 829–842, hier S. 831 f.; Tarrant 2006.
  12. vgl. Eve Gianoncelli, La subjectivation en pratique: le devenir féministe de Viola Klein entre experiénce de l’altérité et sociologie de la connaissance, in: dies. / Eleni Varikas, Viola Klein, une pionnière, Cahiers du Genre, 61, Paris, 2016, S. 58; Tarrant 2006, S. 136; Sayers 1989, S. xii, Eva Stina Lyon, Viola Klein, in: John Scott (Hg.), Fifty Key Sociologists: The Contemporary Theorists, London 2007, S. 151–155, hier S. 152 f.
  13. Tarrant, 2006, S. 39, Übersetzung und Hervorh. L.S.
  14. vgl. Viola Klein, Married Women in Employment, in: International Journal of Communication, 1 (1960), S. 254–261; Viola Klein, Working Wives: The Money, in: New Society 40 (1963), July; Viola Klein, Britain’s Married Women Workers, London 1965.
  15. Ausgehend von der gestiegenen Lebenserwartung von Frauen zielt das von Myrdal und Klein stark gemachte Vereinbarkeitsmodell nicht auf eine parallele Ausübung von Erwerbs- und Familienarbeit ab, sondern geht von einer auf die gesamte Lebenszeit bezogenen schwerpunktmäßigen Abfolge beider Betätigungsformen aus.
  16. Tarrant, 2006, S. 161.
  17. Jane Lewis, Myrdal, Klein and English Postwar Feminism, 1945–1960, in: Harold L. Smith (Hg.), British Feminism in the Twentieth Century, Hants, UK 1990, S. 167, Übersetzung L.S.
  18. vgl. Eva Stina Lyon, Viola Klein: Forgotten Emigré Intellectual, Public, Sociologist and Advocate of Women, in: Sociology 41 (2007), 5, S. 829–842, hier S. 835.
  19. The Times 1960, S. 15, zitiert nach Sayers 1989, S. xv, Übersetzung L.S.
  20. vgl. Tarrant, 2006, S. 22.
  21. vgl. Gerhard, 2013, S. 88; Eva Stina Lyon, Viola Klein, in: John Scott (Hg.), Fifty Key Sociologists: The Contemporary Theorists, London 2007, S. 151–155, hier S. 154.
  22. Viola Klein, Working Women with Family Responsibilities, OECD, Paris 1965.
  23. vgl. Sayers, 1989, S. xv; Eva Stina Lyon, Viola Klein: Forgotten Emigré Intellectual, Public, Sociologist and Advocate of Women, in: Sociology 41 (2007), 5, S. 829–842, hier S. 838; Eva Stina Lyon, Viola Klein, in: John Scott (Hg.), Fifty Key Sociologists: The Contemporary Theorists, London 2007, S. 151–155, hier S. 154.
  24. vgl. David Kettler / Colin Loader / Volker Meja, Karl Mannheim and the Legacy of Max Weber: Retrieving a Research Programme. Aldershot, England/Burlington 2008, S. 63.
  25. vgl. Klein, 1972 [1946], S. 6.
  26. Regine Gildemeister / Katja Hericks, Geschlechtersoziologie – Theoretische Zugänge zu einer vertrackten Kategorie des Sozialen, München 2012, S. 12 ff.
  27. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass das moderne Diktum der Autonomisierung und Handlungsbemächtigung des Menschen nicht nur andro- sondern eben auch ethnozentrisch ist und damit für Menschen kolonialisierter Länder keine Gültigkeit besitzt. Auf postkolonialistische Theorien, die sich mit den westlichen Axiomen, die während der Aufklärung entstanden sind, kritisch auseinandersetzen und ihre Machteffekte zur Geltung bringen, sei hier nur hingewiesen, vgl. Nikita Dhawan / María do Mar Castro Varela, Kulturkolonialismus und postkoloniale Kritik. Perspektiven der Geschlechterforschung, in: Beate Kortendiek / Birgit Riegraf / Katja Sabisch (Hg.), Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, Wiesbaden 2019, S. 303–312.
  28. vgl. Claudia Honegger, Die Ordnung der Geschlechter, 1750–1850, Frankfurt am Main / New York 1991; Gisela Bock / Barbara Duden, Arbeit aus Liebe – Liebe aus Arbeit. Zur Entstehung der Hausarbeit im Kapitalismus, in: Gruppe Berliner Dozentinnen (Hg.), Frauen und Wissenschaft. Beiträge zur Berliner Sommeruniversität, Berlin 1976, S. 118–199; Karin Hausen, Die Polarisierung der ‚Geschlechtercharaktere‘. Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben, in: dies., Geschlechtergeschichte als Gesellschaftsgeschichte, Göttingen 2013 [1976], S. 19–49; Angelika Sachser, Geschlecht strukturiert die Welt: Die Bedeutung des 19. Jahrhunderts für die Permanenz der Geschlechterhierarchie, in: Birgit Aschmann (Hg.), Durchbruch der Moderne? Neue Perspektiven auf das 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main / New York 2019, S. 171–198.
  29. vgl. Thomas Walter Laqueur, Auf den Leib geschrieben – Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt am Main 1992 [1990], S. 21.
  30. Ebd., S. 36.
  31. vgl. Klein, 1972 [1946], S. 33.
  32. Ebd., S. 97, Übersetzung L.S.
  33. Ebd.
  34. vgl. Teresa Wobbe, Wahlverwandtschaften: Die Soziologie und die Frauen auf dem Weg zur Wissenschaft, Frankfurt am Main 2021 [1997].
  35. Klein, 1972 [1946], S. 17, Übersetzung L.S.
  36. Richteten sich die von Klein identifizierten Weiblichkeitsideologien ausschließlich nach den Lebensrealitäten bürgerlich-mittelständischer Frauen, wurden diese nichtsdestoweniger als universalgültige Aussagesysteme erhoben, in denen die Lebensumstände proletarischer Frauen keinen Ausdruck fanden (Klein 1965, S. 11 f.)
  37. vgl. Klein 1972 [1946], S. 33–35.
  38. Ebd., S. 36.
  39. vgl. Simmel, 1911, zitiert nach Klein, 1972 [1946], S. 83.
  40. Klein 1972 [1946], S. 138, Übersetzung L.S.
  41. Ebd., S. 37–90.
  42. Ebd., S. 91–103.
  43. Ebd., S. 104–112.
  44. Ebd., S. 113–142, Übersetzung L.S.
  45. Ebd., S. 143–162, Übersetzung L.S.
  46. Ebd., S. xviii.
  47. Hier können u. a. Parallelen und Anschlüsse an die feministische Epistemologie Donna Haraways oder an das praxeologische Konzept eines vergeschlechtlichten Habitus nach Pierre Bourdieu erschlossen werden (Pierre Bourdieu, Die männliche Herrschaft, Frankfurt am Main 2017 [1998]; Donna Haraway, Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive, in: Sabine Hark (Hg.), Dis/Kontinuitäten: Feministische Theorie, Wiesbaden 2007 [1988], S. 305–322).

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Nicole Holzhauser, Stephanie Kappacher.

Kategorien: Feminismus Gender Geschichte der Sozialwissenschaften Methoden / Forschung

Lena Spickermann

Lena Spickermann studierte Soziologie und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist seit Oktober 2023 Promovendin des internationalen Graduiertenkollegs „Resonant Self-World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices“ der Universität Graz und des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Geschlechter- und Sozialtheorie, Wissenssoziologie sowie Rassismus- und Migrationsforschung.

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