Tobias Werron | Literaturessay |

Was sollte, wer soziologische Theorie betreiben will, über die Geschichte der soziologischen Theorie wissen?

Über George Steinmetz‘ Projekt einer historischen Soziologie der Soziologie

I.

„Wer einen Roman schreibt – sollte der wissen, was ein Roman ist?“. Unter diesem Titel hat sich der Schriftsteller Martin Mosebach vor einigen Jahren Gedanken zu einer Poetologie des Romans gemacht.[1] Als junger Schriftsteller habe er sich Naivität verordnet und versucht, „bedenkenlos drauflos zu schreiben“; erst im fortgeschrittenen Alter sei ihm klar geworden, dass es „Gesetze des Erzählens gab, die sich in Jahrhunderten herausgebildet hatten“, und dass die europäischen Erzähler „bei aller Verschiedenheit eben doch einer grundsätzlichen gemeinschaftlichen Ordnung verpflichtet“ seien. Mosebach skizziert diese Ordnung sodann, indem er – inspiriert von Erich Auerbach[2] – Gewinne und Verluste beschreibt, die in der Gattung des realistischen Romans kondensiert seien. Zu den Verlusten zählt er insbesondere, dass Tragödie und Komödie in Romanen nicht voneinander isoliert und ins Extrem gesteigert werden könnten, sondern miteinander kombiniert und balanciert werden wollten. So betrachtet, steckt zwischen den Buchdeckeln eines jeden Romans ein uraltes europäisch-westliches Genre, das seinen Autor:innen eine Reihe ermöglichender wie limitierender Denk- und Handlungsanweisungen auferlegt – ob sie es wissen (wollen) oder nicht.

Auch die soziologische Theorie ist ein Textgenre, das dem Denken reiche Möglichkeiten eröffnet und subtile Grenzen setzt, zu dem wir uns mehr oder weniger naiv verhalten, zu dem wir mehr oder weniger historisch reflektiert beitragen können. Mosebachs Frage scheint mir daher auch für die soziologische Theoriediskussion wichtig zu sein. Man muss sie nur ein wenig abwandeln: Was sollte, wer soziologische Theorie betreiben will, über deren Geschichte wissen? Was macht die „gemeinschaftliche Ordnung“ der soziologischen Theorie aus? Worin besteht ihr implizites Denk- und Handlungsprogramm, wo liegen ihre historisch gewachsenen Möglichkeiten und Grenzen?

Wer sich für solche Fragen interessiert, wird auf das Werk des US-amerikanischen Soziologen George Steinmetz stoßen. Steinmetz, der an der University of Michigan in Ann Arbor lehrt, arbeitet seit vielen Jahrzehnten mit vielsprachiger Belesenheit, fundierter Quellenkenntnis und beeindruckender Konsequenz an Fragen einer historischen Soziologie der Soziologie. Darüber hinaus ist er ein führender Soziologe neuzeitlicher Imperien und Kolonialreiche. Diese Interessen kombiniert er gegenwärtig in einer mehrbändigen Geschichte der Soziologie der Nachkriegszeit, deren erster Band zur französischen Soziologie unter dem Titel The Colonial Origins of Modern Social Thought. French Sociology and the Overseas Empires erschienen ist; weitere Bände mit Fokus auf die britische und US-amerikanische Soziologie sollen folgen. Fast gleichzeitig hat Steinmetz zusammen mit dem französischen Anthropologen Didier Fassin einen Sammelband zur Geschichte und Soziologie der Sozialwissenschaften herausgegeben, in dem er selbst mit einem programmatischen Beitrag zu konzeptionellen Entwicklungen in der historischen Betrachtung der Sozialwissenschaften vertreten ist. Beide Publikationen gemeinsam bieten einen willkommenen Anlass zu fragen, worum es in Steinmetz‘ monumentalem Projekt einer historischen Soziologie der Soziologie geht (II.)[3] und wie eine soziologische Theorie, die sich als historisch gewachsenes Genre begreift, sich zu ihm verhalten könnte (III.).

II.

1. Wie der Titel The Colonial Origins of Modern Social Thought andeutet, ist die Monografie zur Geschichte der französischen Soziologie nicht nur eine material- und gedankenreiche Überblicksdarstellung zur französischen Nachkriegssoziologie (so kann man sie bei Bedarf auch nutzen), sondern eine analytische Abhandlung mit einer über etwa 400 Seiten hinweg entwickelten These (zuzüglich Anmerkungen und Literatur). Die Kurzfassung dieser These lautet, dass wesentliche Beiträge zur soziologischen Theorieentwicklung im Kontext des französischen Kolonialreichs und im Rahmen von Studien über französische Kolonialgebiete entstanden sind (unter anderem Pierre Bourdieus Sociologie de l’Algérie von 1958). Da diese kolonial-imperiale Prägung in den letzten Jahrzehnten weitgehend in Vergessenheit geraten sei, müsse sie von der historischen Soziologie wiederentdeckt und neu beschrieben werden.

Das Buch entfaltet diese These, indem es zunächst die politischen und intellektuellen Kontexte des „colonial social thought“ im Frankreich der Nachkriegszeit auf eine auch für Nichtexperten in der Geschichte der französischen Soziologie – wie mich – gut zugängliche Weise rekonstruiert. Es folgen Überlegungen zur Kolonialsoziologie in Frankreich zwischen 1918 und den 1960er-Jahren. Steinmetz beschreibt diese als ein von interdisziplinären Verknüpfungen geprägtes und damals durchaus prominentes Sub-Feld der Soziologie. So gerüstet, untersucht er schließlich die intellektuelle Produktion dieses Feldes auf Grundlage einer Neulektüre der Originaltexte von vier (damals) prominenten Autoren: Raymond Aron, Jacques Berges, Georges Balandier und Pierre Bourdieu. Steinmetz, der sich selbst als Neo-Bourdieusianer bezeichnet, setzt die Bourdieu‘sche Feldtheorie dabei relativ undogmatisch ein (offenbar eine Pointe des „neo“), um die exegetischen und erzählerischen Passagen des Buches analytisch zu verknüpfen und das intellektuelle Feld beziehungsweise die aneinander grenzenden Felder, in denen sich die Autoren bewegten, soziologisch zu beschreiben. Dies geschieht auf hoch differenzierte und in vielen Hinsichten augenöffnende Weise. Jedes Kapitel wäre eine eigenständige Rezension wert, denn der Gedankengang ist von enormer theoretischer Reflektiertheit, methodischer Sorgfalt, empirischer Fülle und argumentativer Dichte.

Der für die heutige Theoriediskussion wohl interessanteste Ertrag des Buches findet sich in den Abschnitten zu Pierre Bourdieu. Hier zeigt Steinmetz, dass zentrale Konzepte Bourdieus – Habitus, symbolisches Kapital, Praxis, Strategie – gerade nicht in einem methodologisch nationalistischen Rahmen entstanden sind, sondern sich wesentliche Anregungen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Kolonialsystem Frankreichs, seiner Arbeit an einer Soziologie Algeriens sowie der Kooperation mit dem algerischen Soziologen Adelmalek Sayad verdanken.[4] Dass diese kolonialen Wurzeln heute wenig bekannt sind, habe mit einer Kontraktion des fachgeschichtlichen Gedächtnisses zu tun, die (erst) nach der Unabhängigkeit Algeriens und anderer französischer Kolonialgebiete eingesetzt und dafür gesorgt habe, dass Kolonialismus und Imperialismus in der Prioritätenliste soziologischer Themen nach unten gewandert seien und zugleich das Bewusstsein für die koloniale Herkunft zentraler Konzepte – wie im Werk Bourdieus – geschwunden sei.

Diese Analyse hilft Steinmetz nicht nur, die historische Genese der Bourdieu‘schen Theorie genauer zu beschreiben, sie liefert ihm auch einleuchtende Argumente, um Bourdieu gegen allzu direkte Eurozentrismus-Kritik in Schutz zu nehmen. Denn wenn Bourdieus Denken in kolonialer Erfahrung und kritischer Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus wurzelt, dann lässt er sich kaum sinnvoll in den Kreis der kolonial- und imperialvergessenen westlichen Denker einreihen, die zentrale Strukturmerkmale der Moderne primär an westlichen Industriegesellschaften und Nationalstaaten abgelesen haben. So mündet die Analyse von Bourdieus Frühwerk letztlich auch in eine – im Kern überzeugende – historische Apologie von Bourdieus Theorie.

Auch über den Fall Bourdieus hinaus legt Steinmetz‘ Argumentation nahe, dass das Problem des Eurozentrismus und/oder des methodologischen Nationalismus mindestens für die soziologische Theorie differenzierter formuliert werden muss: Es besteht offenbar weniger darin, dass Kolonialismus und Imperialismus in der Geschichte der soziologischen Theorie übersehen oder vernachlässigt wurden, sondern darin, dass vorhandene Beiträge später wieder vergessen wurden und daher keinen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Faches ausüben konnten – und wenn doch, dann – wie im Zuge der Bourdieu-Rezeption – ohne Reflexion ihrer kolonialen Wurzeln. Kurz: Nicht das Desinteresse an Kolonialismus und Imperialismus an und für sich ist das Problem, sondern disziplinäre Amnesie.[5] Dies wirft die interessante, weithin offene und auch von Steinmetz nicht detailliert behandelte Frage auf, wie es zu dieser Schrumpfung des fachgeschichtlichen Gedächtnisses kommen konnte und wie sich methodologischer Nationalismus beziehungsweise Eurozentrismus später in die Praxis des Faches eingeschlichen haben.

2. Die Steinmetz‘ Projekt zugrunde liegende Perspektive wird noch deutlicher, liest man das Buch zusammen mit dem Aufsatz Concept-Quake: From the History of Science to the Historical Sociology of Social Science aus dem mit Didier Fassin herausgegebenen Band The Social Sciences in the Looking Glass. Die in der Monografie empirisch durchgeführte Bourdieu‘sche Perspektive kommt auch hier vor, bildet nun jedoch nicht den konzeptionellen Ausgangspunkt, sondern den empirischen Schlusspunkt einer „intellectual history of writing on social science“ (S. 48). Der Aufsatz ist eine tour de force durch über 2000 Jahre europäisch-westlicher Geschichtsschreibung über die Wissenschaften, beginnend mit der heurematography im antiken Griechenland über die Historiografie der (Natur-)Wissenschaften in der Renaissance bis hin zur heutigen Diskussion. Der Titel bezieht sich auf die mittleren Abschnitte des Textes, wo die Entstehung der historischen Soziologie der Sozialwissenschaften – und damit auch Steinmetz‘ eigenes Projekt – als Resultat von drei aufeinander folgenden konzeptionellen Umbrüchen beziehungsweise „Begriffsbeben“ beschrieben wird; ein von Friedrich Nietzsche entlehnter, im Original deutscher Ausdruck.[6]

Das erste dieser Beben verortet Steinmetz (1) im geschichtsphilosophischen Denken des 19. Jahrhunderts. Hegel und Marx stellt er hier als Erfinder eines Kontextualismus vor, der darauf insistiert, dass auch das philosophische und wissenschaftliche Denken im Licht der jeweiligen sozialen Kontexte – und im Hinblick auf die „existential connections between science and the social conditions in which it arises“ (S. 31) – zu verstehen sei. Zitiert wird hier beispielsweise Karl Marx‘ Formulierung aus der Deutschen Ideologie, wonach Geschichtsauffassungen „bei jeder geschichtlichen Epoche die Illusion dieser Epoche teilen müssen“. Dieser grundlegende Kontextualismus bilde das Fundament für zwei weitere Umbrüche: (2) Die Formation der Wissenssoziologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und (3) die Entstehung der heutigen historischen Soziologie der Sozialwissenschaften.

Der Begriff der Wissenssoziologie wird von Steinmetz breit gefasst und reicht von Max Scheler und Karl Mannheim über die Durkheim-Schule und marxistische Ansätze bis zu historisch-soziologischen Studien der Naturwissenschaften (Ludwik Fleck). Alle diese Ansätze hätten gemeinsam, die sozialen Entstehungskontexte des (sozial-)wissenschaftlichen Denkens – religiöse Praktiken, soziale Klassen, technologische Innovationen und so weiter – genauer in den Blick genommen und empirisch spezifiziert zu haben. Die Wissenssoziologie sei jedoch in der US-Nachkriegssoziologie weitgehend von einer sociology of science (zentrale Figuren: Pitirim A. Sorokin, Robert Merton) verdrängt worden, die den Glauben an die Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnis verteidigte und den mit der Wissenssoziologie nach Karl Mannheim assoziierten Relativismus abzuwehren suchte. Stattdessen verbündete sie sich mit „empiricism, quantitative methods, and axiological neutrality“ (S. 40). Aus ähnlichen (und zusätzlichen) Gründen sei die Wissenssoziologie auch in Deutschland in der Nachkriegszeit kaum noch praktiziert worden.

In Steinmetz‘ Beschreibung des dritten Umbruchs hin zu einer „full-fledged, explicit historical sociology of social sciences“ (S. 42) kommt erneut Robert Merton prominent vor – dieses Mal mit seinen gegenüber den Anliegen der Wissenssoziologie wesentlich aufgeschlosseneren Überlegungen zu einer „comparative investigation of sociology in its social context“ von 1959. Als weitere wichtige Figuren werden hier genannt: C. Wright Mills (Sociological Imagination, 1958), eine Reihe von „Neo-Mannheimians“ wie Reinhard Bendix, Lewis Coser, Kurt Wolff sowie Peter Berger und Thomas Luckmann, deren The Social Construction of Social Reality von 1967 den Untertitel „A Treatise in the Sociology of Knowledge“ trägt, Alvin Gouldner (Coming Crisis of Western Sociology, 1970), aber auch die französische epistemologie von Bachelard bis Foucault. Das sich vor diesem Hintergrund entfaltende Interesse an einer historischen Untersuchung der Sozialwissenschaften habe sich in den 1960er-Jahren zunächst vor allem auf Psychologie und Anthropologie konzentriert, später auch auf Ökonomie und Soziologie erweitert. Zugleich seien vier theoretisch-methodische Programme für eine historische Soziologie der Sozialwissenschaften entstanden: neo-marxistische Ansätze (unter anderem Göran Therborns Science, Class and Society von 1976); die in der Cambridge School um Quentin Skinner entwickelte kontextualistische Ideengeschichte; die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) beziehungsweise Science and Technology Studies (STS) nach Bruno Latour; eine internationale Gruppe um Peter Wagner und Björn Wittrock, der es vor allem um die Überwindung überholter sozialtheoretischer Dichotomien (etwa mikro vs. makro, internalism vs. externalism) geht.

Die Latour‘sche ANT/STS sieht Steinmetz – bei Anerkennung wichtiger Impulse, die von ihr ausgegangen seien – primär kritisch: Latours Vorbehalte gegenüber der Kontextualisierung von Praktiken („context stinks“) und das Insistieren auf eine „flache Ontologie“ seien für die Entwicklung einer historischen Soziologie der Sozialwissenschaften ebenso problematisch wie die Fokussierung auf Mikro-Praktiken. Ganz anders seine Darstellung der Bourdieu‘schen Soziologie der (Sozial-)Wissenschaften: Sie habe gegenüber allen ihren Vorläufern, seien sie „Mertonian, Kuhnian, and Latourian“ (S. 55), den Vorteil, auf Konflikte und Kämpfe innerhalb der Wissenschaft zu achten sowie besondere Anforderungen an die „scientific reflexivity“ zu stellen. Denn wissenschaftliche Reflexivität im Sinne Bourdieus erfordere einen kognitiven Bruch nicht nur mit Alltagspraktiken und -kategorien, sondern auch mit den Praktiken und Kategorien des wissenschaftlichen Feldes. Wer die eigene sozialwissenschaftliche Praxis verstehen sowie aufgeklärt betreiben wolle, müsse folglich die Geschichte des relativ autonomen sozialwissenschaftlichen Feldes (Meso-Ebene), in dem sich wissenschaftliche Praktiken vollziehen, untersuchen, und diese zu gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen (Makro-Ebene) in Beziehung setzen.

Mit Bourdieu rückt folglich die historische Soziologie der Sozialwissenschaften – verstanden als gesellschaftstheoretisch informierte Analyse der historischen Genese des Feldes der Sozialwissenschaften (und ihrer Subfelder) – ins Zentrum wissenschaftlicher Reflexivität. Steinmetz versichert zwar, dass er die Bourdieu‘sche Perspektive keineswegs als „final telos” dieser ideengeschichtlichen Entwicklung verstanden wissen will, jedoch sei sie die „best current response to the aporias of social theory […] , while simultaneously placing the history of sociology at the center of its understanding of scientific reflexivity” (S. 24). Kurz, die Bourdieu‘sche (Feld-)Theorie markiert den vorläufigen Höhepunkt der hier skizzierten Geschichte des europäisch-westlichen Denkens über die Geschichte der (Sozial-)Wissenschaften. So mündet der Aufsatz letztlich in ein historisch begründetes Plädoyer für die von Steinmetz selbst vorgeschlagene Spielart der historischen Soziologie der Soziologie.

III.

Was kann eine an der historischen Reflexion ihrer selbst interessierte soziologische Theorie von Steinmetz‘ Projekt lernen? Wo liegen die Stärken, wo mögliche Limitationen seiner historischen Soziologie der Soziologie?

1. Aus der Lektüre der Monografie zur französischen Soziologie der Nachkriegszeit bleiben zahlreiche wichtige Erkenntnisse. Sie zeigt, (1) dass sich die Geschichtsschreibung der (westlichen) Soziologie bisher auf eine relativ kleine Auswahl von Autoren und Themen konzentriert hat und wir daher über ein besorgniserregend lückenhaftes Bild unserer eigenen Geschichte verfügen; (2) dass insbesondere solche Texte, die sich mit Imperialismus und Kolonialismus auseinandersetzten und zu ihrer Zeit viel gelesen wurden, später meist wieder vergessen wurden; (3) dass diese disziplinäre Amnesie auch unser Verständnis des Werkes heute noch prominenter Autoren – wie Pierre Bourdieu – limitiert, indem sie den Blick auf die historische Genese zentraler Begriffe verstellt; und (4) dass sich die Frage, inwiefern die europäische Tradition der soziologischen Theorie als eurozentrisch gelten kann, vor diesem Hintergrund bedeutend verkompliziert, weil der Umgang mit der eigenen Fachgeschichte nun als Teil des Problems erscheint.

Darüber hinaus liefert das Buch ein anspruchsvolles und in vielen Hinsichten nachahmenswertes (wenn auch ohne Steinmetz‘ vielsprachige Gelehrsamkeit wohl schwer nachzuahmendes) Vorbild dafür, wie eine historische Soziologie der Soziologie theoretisch gerahmt und methodisch durchgeführt werden kann. Konzeptionell bemerkenswert scheint mir insbesondere, wie Steinmetz die feldtheoretische Perspektive fruchtbar macht, um den distanzierten soziologischen Blick mit einer präzisen Analyse der Texte und der Eigenlogiken des wissenschaftlichen Feldes zu kombinieren. Der Aufsatz zu den „Begriffsbeben“ situiert das Projekt darüber hinaus in der westlichen Tradition des Denkens über die Geschichte der Sozialwissenschaften und zeigt, dass die historische Soziologie der Soziologie zentrale Einsichten einer jahrhundertelangen intellektuellen Entwicklung synthetisiert. Beide Beiträge haben es nicht nur auf eine Anwendung, sondern auch auf eine historische Begründung der Bourdieu‘schen Theorie abgesehen: Während das Buch zeigt, dass Bourdieus Denken auch (anti-)koloniale historische Wurzeln aufweist, die den Vorwurf des Eurozentrismus an Bourdieus Adresse zumindest teilweise entkräften, beschreibt der Aufsatz die Bourdieu‘sche Perspektive im historischen Horizont von Geschichtsphilosophie, Wissenssoziologie und ANT/STS als Theorieinnovation, die frühere Innovationen teils überwindet, teils aufnimmt und bündelt. Die Argumente sind in sich schlüssig und werden mit beeindruckender historischer Umsicht vorgetragen. Ob man ihnen also in jeder Hinsicht folgen will oder nicht (auf Vorbehalte komme ich gleich ausführlicher zurück): Wer sich künftig auf dem Stand der Forschung mit der historischen Soziologie der Soziologie beschäftigen will, sollte beide – insbesondere auch den hoch informativen Aufsatz zu den „Begriffsbeben“ – gelesen haben.

2. Es gibt aber auch Anlass für eine kritische Auseinandersetzung mit Steinmetz‘ Projekt. Sie kann auf zwei unterschiedlichen Ebenen ansetzen. Misst man The Colonial Origins of Modern Social Thought an den eigenen Maßstäben, kann man einwenden, dass die mit dem Titel aufgerufenen Lektüreerwartungen letztlich nicht ganz erfüllt werden. Um zu demonstrieren, dass und inwieweit die kolonial-imperialen Wurzeln das moderne sozialtheoretische Denken geprägt haben, hätten auch die spätere Rezeption sowie die Nicht- und Fehlrezeption der Texte historisch analysiert werden müssen, die den Einfluss dieser Theorien limitiert beziehungsweise (im Fall Bourdieus) die Prägekraft der kolonialen Herkunft der Begriffe abgeschwächt haben. Dieser Prozess des Vergessenwerdens und seine Auswirkungen auf die heutige Theoriediskussion werden vorausgesetzt, jedoch nicht eigentlich untersucht. Insofern wäre „The Forgotten Colonial Origins of Modern Social Thought“ der genauere Titel gewesen.

Interessiert man sich für spätere Prozesse des Erinnerns und Vergessens, fällt zudem auf, dass sich die Vergesslichkeit der Fachgeschichtsschreibung mit Blick auf die hier ausführlicher behandelten Autoren (Aron, Berges, Balandier, Bourdieu) sehr unterschiedlich ausnimmt: Während Berges und Balandier – zumindest außerhalb Frankreichs – heute kaum noch bekannt sind[7] und von Aron viele gehört, aber wohl nur wenige viel gelesen haben, gehört Bourdieu heute zu den meistzitierten soziologischen Autor:innen überhaupt. Und während viele der Kolonial- und Imperialsoziologie zuzurechnende Autor:innen tatsächlich einer, so Steinmetz, „obliteration from disciplinary memory“ (Colonial Origins, S. 44) unterliegen, beschränkt sich die Amnesie im Fall Bourdieus offenbar auf die kolonialen Wurzeln mancher seiner Begriffe. Diese Unterschiede scheinen mir für eine Diskussion der These, das moderne sozialtheoretische Denken habe koloniale Wurzeln, wichtig zu sein – insbesondere wenn man wie Steinmetz das Forschungsinteresse nicht auf Frankreich beschränken und die französische Geschichte der Soziologie mit der US-amerikanischen, britischen und vielleicht weiteren vergleichen möchte. Denn Bourdieu als ein Autor, dessen Werk koloniale Wurzeln hat und gleichwohl nicht vergessen worden ist, dürfte im soziologischen Kanon einen Ausnahmefall darstellen; jedenfalls kann er in dieser Hinsicht gewiss nicht als repräsentativ für das sozialtheoretische Denken insgesamt gelten. Es dürfte beispielsweise schwierig werden, der Sozialtheorie Niklas Luhmanns oder der heute weithin dominierenden Rational Choice-Theorie koloniale Wurzeln nachzuweisen. Vor diesem Hintergrund wäre der Titel noch einmal wie folgt zu präzisieren: „The Forgotten Colonial Origins of Bourdieu’s Social Thought (and of other, largely forgotten authors)“.

3. Diese Anmerkungen sind selbstverständlich nicht als Kritik am Titel des Buches zu verstehen. Titel müssen zuspitzen und Neugier wecken dürfen. Sie führen aber auf eine zweite Ebene der Kritik, auf der es weniger um Steinmetz‘ empirische Beobachtungen und Thesen als die von ihm vertretene theoretische Perspektive geht. Wie oben erläutert, ist die Bourdieu‘sche Perspektive bei Steinmetz Teil der historischen Betrachtung und wird zugleich von ihr begründet und bekräftigt. Das gibt dem Projekt eine hegelianisch anmutende epistemische Geschlossenheit, die man mit Blick auf die kollektive Aufgabe einer historischen Selbstreflexion der soziologischen Theorie auch problematisch finden kann. Der Punkt, um den es mir geht, lässt sich gut an einem Vergleich mit der eingangs angesprochenen Poetologie des Romans erläutern. Wie der Roman ist auch die soziologische Theorie ein Textgenre, das dem Denken Möglichkeiten eröffnet und Grenzen setzt; und wie die Poetologie über die Potenziale und Grenzen des Romans informiert, kann die historische Soziologie der Soziologie über die Potenziale und Grenzen der soziologischen Theorie informieren. Steinmetz‘ primäres Ziel ist es offenbar, historische Gerechtigkeit walten zu lassen und vergessene Leistungen und konzeptionelle Sensibilitäten in der europäisch-westlichen Soziologie (Frankreich, Deutschland, Großbritannien, USA) wieder sichtbar zu machen. Er entdeckt Texte innerhalb dieser Tradition wieder und liest sie neu und genauer als zuvor. So kann er auf Lücken im disziplinären Erinnerungsvermögen aufmerksam machen und zeigen, dass in der französischen Soziologie der Nachkriegszeit mehr über Kolonialismus und Imperien nachgedacht wurde, als heute bekannt ist. Zugleich findet er in der (westlichen) Tradition des Nachdenkens über die (westliche) Wissenschaftsgeschichte Gründe, die für die Leistungsfähigkeit der von ihm selbst präferierten Theorie sprechen. Zusammenfassend könnte man sagen: In Steinmetz‘ Projekt geht es darum, das Gedächtnis der europäisch-westlichen soziologischen Theorie zu reparieren und dadurch ihre „gemeinschaftliche Ordnung“, in der Formulierung Martin Mosebachs, wieder oder gar erstmals in Ordnung zu bringen.

Ich habe jedoch Zweifel, ob ein solches Vorgehen das heuristische Potenzial der historischen Soziologie der Soziologie hinreichend erschließen kann. In diesem Zusammenhang zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen der Poetologie des Romans und der Soziologie der Soziologie: Die Poetologie schaut von außen auf die Geschichte des Romans; sie behandelt den Roman, nicht auch die Poetologie. Die Soziologie dagegen ist eine Soziologie auch der Soziologie. Sie kommt in ihrem Gegenstand selbst vor, kann sich selbst historisch thematisieren und – potenziell – problematisieren. Steinmetz macht sich diese Möglichkeit zunutze, bewegt sich dabei jedoch innerhalb der westlichen Tradition und hält sich aus Überzeugung in einem Bourdieu‘schen Denkrahmen. Nicht zuletzt untersucht er auch Bourdieu selbst aus einer Bourdieu‘schen Perspektive. Seine historische Soziologie der Soziologie setzt sich selbst voraus, auch wenn sie sich mit sich selbst beschäftigt, ist also bei näherem Hinsehen nicht nur eine reflexive, sondern auch eine (bewusst) zirkuläre Perspektive. Das ist mit Gewinnen, aber auch mit Kosten verbunden. Einerseits verleiht es der historischen Reflexion theoretischen Boden, leitet sie begrifflich an und verortet sie in einem diskutier- und kritisierbaren Erkenntnisprogramm. Andererseits kann es die westliche Tradition selbst nicht von außen betrachten und nicht konsequent der historischen Kritik aussetzen.

Ob man die Gewinne oder die Kosten stärker gewichtet, hängt davon ab, was man von einer historischen Soziologie der Soziologie erwartet oder erhofft: (nur) historische Aufklärung und Selbstvergewisserung der westlichen Tradition oder (auch) Verunsicherung und Erneuerung der soziologischen Theorie insgesamt. Wer Aufklärung und Selbstvergewisserung der westlichen Tradition erwartet, wird von Steinmetz reichlich versorgt. Da jedoch die von ihm gewählte Perspektive selbst dieser Tradition zugehört, kann seine historische Analyse das Genre der (westlichen) soziologischen Theorie letztlich nur performativ befestigen. Die Kernmerkmale des Genres können nur bestätigt, nicht verunsichert werden. Insofern scheint es mir kein Zufall zu sein, dass die spätere Theorieentwicklung bei Bourdieu und deren Rezeption – einschließlich sich später möglicherweise zeigender Tendenzen zum methodologischen Nationalismus oder Eurozentrismus – in der Monografie nicht mehr untersucht werden und auch der Aufsatz über die „Begriffsbeben“ die von Bourdieu inspirierte historische Soziologie nahezu ausschließlich im Kontext westlicher Traditionen der Geschichtsschreibung situiert.

4. Eine wesentliche Attraktion der Neubetrachtung der soziologischen Tradition im Horizont von Kolonial- und Imperialgeschichte sowie der Diskussion über postkoloniale Kritik und Eurozentrismus scheint mir nun aber genau darin zu liegen, dass sie uns dazu anregt, das eigene Genre kritisch zu betrachten, neue theoretische Perspektiven (auch außerhalb des westlichen Kanons) in Erwägung zu ziehen und so auch das eigene Denken neu in Bewegung zu setzen. Die Diskussion verspricht mit anderen Worten, die gemeinschaftliche Ordnung der soziologischen Theorie vorübergehend in Unordnung zu versetzen und die Möglichkeiten und Grenzen des Genres zu erweitern beziehungsweise zu verschieben.

Wie alternative, dieses Potenzial erschließende Konzeptionen der historischen Soziologie der Soziologie aussehen könnten, kann hier nicht ausführlich erörtert werden. Einige vorläufige, sich im Lichte älterer und neuerer Diskussionen aufdrängende Möglichkeiten seien jedoch angedeutet. Als analytisches Modell könnte Donald N. Levines Visions of the Sociological Tradition von Mitte der 1990er-Jahre dienen, das unterschiedliche Zweige der westlichen Theorietradition auf ihre Argumentationslogiken und historische Genese hin untersucht sowie typologisch geordnet hatte.[8] Ähnlich, wenn auch weniger typisierend-ordnend haben Raewyn Connell in Southern Theory sowie Syed Farid Alatas und Vineeta Sinha in Sociological Theory beyond the Canon nicht-westliche sozialtheoretische Autor:innen vor und nebeneinander gestellt.[9] Und Julian Go hat in Postcolonial Thought and Social Theory mögliche Konsequenzen postkolonialen Denkens für die – so seine These – von einem „imperialen Standpunkt“ aus entwickelte westliche Sozialtheorie diskutiert.[10]

In der Rezeption und Diskussion solcher und weiterer Texte müsste es zunächst darum gehen, sozialtheoretische Traditionen in ihrer globalen Vielfalt zu erfassen und alle diese Traditionen auf ihre historischen Entstehungsbedingungen, sozialen Standpunkte, leitenden Fragestellungen und konzeptionellen Ideen zu untersuchen. Auf dieser Grundlage könnte dann genauer diskutiert werden, was die Ausgangspunkte einer gemeinsamen sozialtheoretischen Tradition sein könnten und welche Gewinne und Kosten mit möglichen Neuausrichtungen des Genres verbunden wären.

Ein Zweig dieser Diskussion müsste sich mit der kritischen Reflexion der westlichen Sozialtheorie beschäftigen. Dazu gehört nicht zuletzt eine historisch aufgeklärte Neulektüre der soziologischen Klassiker. Denn wie Manuela Boatcă eindrücklich an Max Weber vorgeführt hat, können Marx, Durkheim, Weber und andere klassische Autoren im Licht von Imperial- und Kolonialgeschichte neu interpretiert werden mit Blick auf die Frage, inwieweit die (Nicht-)Auseinandersetzung mit Imperialismus und Kolonialismus ihr Werk geprägt und die Bildung ihrer Begriffe beeinflusst und limitiert hat.[11] Theorien mit universalem Anspruch werden in solchen Untersuchungen als Produkte spezifischer historischer Konstellationen und partikularer Perspektiven erkennbar. Weitere Inspirationen könnten von historischen Analysen der sozialtheoretischen Themen- und Problemgeschichte kommen, beispielsweise von Anthony Smith (Nationalism and classical social theory) sowie Hans Joas und Wolfgang Knöbl (Kriegsverdrängung), die gezeigt haben, dass in der westlichen Tradition nicht nur frühe Beiträge zur Soziologie des Imperialismus und Kolonialismus vergessen worden sind, sondern dass infolge der Fokussierung auf bestimmte, für primär gehaltene Strukturmerkmale der Moderne (Rationalisierung, Kapitalismus, funktionale Differenzierung und so weiter) andere für die Genese der Moderne zentrale Phänomene – wie Krieg und Nationalismus – vernachlässigt und unzureichend theoretisiert worden sind.[12]

Alle diese Texte zeigen Möglichkeiten und Grenzen des Genres „soziologische Theorie“ auf, indem sie die westliche Theorietradition einer kritischen Revision unterziehen und/oder auf andere Theorietraditionen aufmerksam machen, ohne sich selbst auf eine bestimmte Theorie festzulegen. Sie öffnen das Feld der soziologischen Theorie historisch, ohne es sogleich wieder zu schließen. In einer programmatischen Hinsicht nähern sie sich damit wieder der oben zitierten Poetologie des Romans an: Sie schauen wie von außen auf das eigene Genre und mischen sich doch auch engagiert in den Diskurs über die künftige Gestaltung der soziologischen Theorie ein. Eine historische Soziologie der Soziologie, die die Anliegen dieser Texte aufnimmt und miteinander verbindet, liefe auf eine Art „globale Poetologie der soziologischen Theorie“ hinaus. Sie bestünde aus historischen Untersuchungen, die die Vergangenheit des Faches neu entdecken und zugleich auf eine Öffnung des Genres hinwirken.

Was allen diesen Arbeiten freilich bislang fehlt, ist die von George Steinmetz systematisch betriebene Verknüpfung von detaillierter Lektüre der Originaltexte und sorgfältiger Untersuchung der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entstehungskontexte. Diese Qualitäten verdanken sich nicht zuletzt seiner Rezeption und konsequenten Anwendung der Bourdieu‘schen Theorie. Das Interesse an zusätzlichen heuristischen Potenzialen dieser Diskussion schmälert daher in keiner Weise die Leistung und Bedeutung von Steinmetz’ Entwurf der historischen Soziologie der Soziologie. Vielmehr lässt es hoffen, dass ihm weitere Entwürfe folgen werden, die sich auf vergleichbar hohe theoretische und methodische Ansprüche einlassen – dabei jedoch die westliche Theorietradition nicht nur von innen neu erkunden und befestigen, sondern auch von außen infrage stellen und in Bewegung setzen.[13]

  1. Martin Mosebach, Wer einen Roman schreibt – sollte der wissen, was ein Roman ist?, in: Jahrbuch des Wissenschaftskollegs zu Berlin 2009/2010, S. 274–292.
  2. Erich Auerbach, Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur [1946], 11. Aufl., Tübingen 2015.
  3. Was die Monografie betrifft, konzentriere ich mich hier auf eine Würdigung zentraler Erkenntnisse und ihrer Implikationen für die historische Reflexion der soziologischen Theorie. Für eine umfassendere Auseinandersetzung sei hier auf die bereits vorliegende Soziopolis-Rezension von Christian Dayé verwiesen: Der Nachhall französischer Kolonialsoziologie. Rezension zu „The Colonial Origins of Modern Social Thought. French Sociology and the Overseas Empire“ von George Steinmetz, 15.05.2023.
  4. Zur Kooperation mit Ayad vgl. ausführlicher Amín Pérez, The Reinvention of Sociology. Into the Trenches of Fieldwork at the Time of the Algerian Liberation War, in: Didier Fassin / George Steinmetz, The Social Sciences in the Looking Glass. Studies in the Production of Knowledge, Durham, NC / London 2023, S. 147–171.
  5. Ein ähnliches Argument hatte Raewyn Connell vor einigen Jahren mit Blick auf die Kanonisierung der „Klassiker“ der Soziologie vorgetragen: Die Kanonisierung der Werke von Marx, Weber, Durkheim (und weniger anderer vielfach gelesener Autoren) habe dazu geführt, dass viele um 1900 im Kontext von Imperialismus und Kolonialismus entstandene – und zeitgenössisch ebenso prominente – soziologische Texte später vergessen wurden (Raewyn W. Connell, Why Is Classical Theory Classical?, in: American Journal of Sociology 102 (1997), S. 1511–1557.
  6. Eine frühere, deutschsprachige Fassung dieses Aufsatzes unterscheidet insgesamt acht Begriffsbeben, mit der Bourdieu’schen Soziologie als letztem (vgl. George Steinmetz, Begriffsbeben. Von der Wissenschaftsgeschichte zu einer historischen Soziologie der Sozialwissenschaften, in: Mittelweg 36 (2020), 3, S. 79–100.
  7. Für eine neuere geschichtswissenschaftliche Rezeption von Balandiers La situation coloniale vgl. aber Daniel Speich Chassé, Was the Rise of the ‘Third World’ a Theory Effect? International Relations and the Historicity of Economic Expertise, in: Klaus Schlichte / Stephan Stetter (Hg.), The Historicity of International Politics. Imperialism and the Presence of the Past, Cambridge 2023, S. 247–266.
  8. Donald N. Levine, Visions of the Sociological Tradition, Chicago/London 1995.
  9. Raewyn Connell, Southern Theory: Social Science and the Global Dynamics of Knowledge, London 2007; Syed Farid Alatas / Sinha Vineeta, Sociological theory beyond the canon, London 2017. Siehe aktuell: Julian Go, Thinking against empire. Anticolonial thought as social theory, in: British Journal of Sociology 74 (2023), S. 279–293.
  10. Julian Go, Postcolonial Thought and Social Theory, Oxford 2016.
  11. Manuela Boatcă, „From the Standpoint of Germanism“. A Postcolonial Critique of Weber's Theory of Race and Ethnicity, Political Power and Social Theory 24 (2013), S. 55–80. Zur postkolonialen Neulektüre weiterer klassischer Autoren zuletzt: Gurminder K. Bhambra / John Holmwood, Colonialism and Modern Social Theory, Cambridge 2021.
  12. Antony D. Smith, Nationalism and classical social theory, in: The British Journal of Sociology 34 (1983), S. 19–38; Hans Joas / Wolfgang Knöbl, Kriegsverdrängung. Ein Problem in der Geschichte der Sozialtheorie, Frankfurt am Main 2008.
  13. Ich danke Simon Hecke, Frank Meyhöfer und Carlos Spoerhase für Anmerkungen zu einer früheren Fassung dieses Textes.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Jens Bisky, Stephanie Kappacher.

Kategorien: Epistemologien Geschichte Geschichte der Sozialwissenschaften Kolonialismus / Postkolonialismus Methoden / Forschung Wissenschaft

Tobias Werron

Tobias Werron ist Professor für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie an der Universität Bielefeld.

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