Tobias Schädel | Rezension |

Wie aus Pippi Langstrumpf Donald Trump wurde

Rezension zu „Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet“ von Alexander Bogner

Alexander Bogner:
Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet
Deutschland
Ditzingen 2021: Reclam
132 S., 6 EUR
ISBN 978-3-15-014083-3

Seit etwas mehr als einem Jahr bietet die Covid-19-Pandemie die Bühne für ein Schauspiel, in dem die eigentümliche Verwobenheit von wissenschaftlichem Faktenwissen und divergierenden Haltungen in gesellschaftlichen Werte-, Interessens- und Glaubensfragen anschaulich inszeniert wird. Von Anfang an war die Pandemie eine Wissenskrise: Woher kommt das Virus, wie verbreitet es sich? Wie gefährlich ist es? Es verwundert nicht, dass bei der Bewältigung der Krise große Hoffnungen auf der Wissenschaft und ihrem aufklärerischen Potenzial lagen. Die Wissenschaft – insbesondere Virologie und Epidemiologie – sollte uns einmal mehr die Welt erklären und in ihrem sachlichen wie nüchternen Tonfall den Glauben an die rationale Beherrschbarkeit der Krise vermitteln. Diesen Ton hat man auch in der Politik zunächst dankbar aufgenommen, bis der evidenzbasierte, administrative Politikmodus bald schon allerorts von gesellschaftlichen Konflikten eingeholt wurde: Wiegt Gesundheitsschutz dauerhaft schwerer als ökonomische Prosperität? Ist es gerechtfertigt, das öffentliche Leben stillzulegen? Die Durchquerung eines fragilen Wissenshorizonts durch einen krisenhaften gesellschaftlichen Wertkonflikt hat wiederum den Ruf nach differenzierterem, besserem Wissen laut werden lassen: Sind Schulen „Pandemietreiber“? An welchen Orten ist die Ansteckungsgefahr höher, wo niedriger? Im zyklischen Oszillieren zwischen Wissenssuche und gesellschaftlichem Wertestreit sind die Charakteristika einer Gesellschaftsformation scharfgestellt worden, für die sich in der Soziologie die Bezeichnung Wissensgesellschaft etabliert hat.

Ebendiese Wissensgesellschaft samt ihrer demokratietheoretischen Aporien und Ambivalenzen ist es auch, die den thematischen Rahmen des pünktlich zum einjährigen Jubiläum der Pandemie erschienenen Essays von Alexander Bogner absteckt. Auf knapp einhundertzwanzig Seiten erkundet der Autor eine gesellschaftspolitische Tendenz, die er „mit etwas Mut zum Soziologendeutsch als ‚Epistemokratie‘ bezeichnen“ (S. 17) und einer inhaltlich zugespitzten Analyse zuführen will. „Epistemokratie“ meint die Neigung gegenwärtiger demokratischer Systeme, „viele politische Krisen und Konflikte primär als epistemische Probleme“ zu begreifen, womit die „kühne Unterstellung“ einhergeht, „dass sich hinter Streitfragen eigentlich nur Sachfragen verstecken“ (S. 16). In der Konsequenz breitet sich eine verhängnisvolle Negation dessen aus, was eigentlich im Zentrum des Politischen steht: „divergierende Werte, Interessen und Weltbilder“ (S. 17). Bogner verfolgt diese leitende These in sieben thematisch gegliederten Kapiteln, in denen er die im Wissensstreit zentralen Felder benennt (Kap. 2), den Status der liberalen Demokratie in der Wissensgesellschaft thematisiert (Kap. 3) sowie Kontroversen der Epistemologie und Wissenschaftsphilosophie problemillustrierend aufgreift (Kap. 4). Hinzu kommt die unumgängliche Frage nach Einfluss und Macht von Expert*innen (Kap. 5) und eine an die ausgeführten Themenkomplexe rückgebundene Einordung wissensförmig argumentierender „Konsensleugner“ (Kap. 6). Ein abschließendes Fazit resümiert die vorgetragenen Argumente und verdichtet sie zu einem Appell an die Politik, sich nicht in der administrativen Umsetzung von wahrem Wissen zu verlieren, sondern Raum des Streits und der Auseinandersetzung zu sein (Kap. 7). Zentral für die inhaltliche Organisation aller Kapitel ist die in der Wissensgesellschaft stets kontroverse Grenzziehung zwischen politischen Wert- und epistemologischen Wissensfragen.

Zwar hat sich die Vorstellung einer wissenschaftlich identifizierbaren Eindeutigkeit der Welt im Zuge der reflexiven Wende in der Wissenschaft längst als ein modernistischer Mythos offenbart,[1] trotzdem führt der damit einhergehende „Autoritätsverzicht“ der Wissenschaft[2] nicht zu ihrer generellen Abwertung. Vielmehr „diffundieren“ die wissenschaftliche Methode und Argumentationsweise großflächig in alle nur denkbaren sozialen Kontexte und bewirken so eine Verwissenschaftlichung der Gesamtgesellschaft, in der kein adressierbares Wahrheitsmonopol mehr existiert.[3] Vor diesem bekannten Hintergrund soziologischer Theorie diagnostiziert Bogner einen kulturell verankerten Glauben an die konfliktentscheidende „Macht von Zahlen und Fakten“ (S. 18), der seiner Ansicht nach verdeckt, dass politische Konflikte in Wahrheit Konflikte über divergierende Interessen und Werte seien. Diese szientistische Verschleierung blockiere die Lösung politischer Problemstellungen durch „endlose[] Kontroversen über die richtigen Zahlen bzw. Interpretation der vorliegenden Zahlen“ (S. 19). Aktuell denke man hier etwa an die öffentliche und parlamentarische Debatte um die Beurteilung der Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz sowie deren dominanten Stellenwert als Legitimierungsgrundlage für angeordnete Lockerungen oder Verschärfungen des pandemiebedingten Lockdowns. Als richtungsweisender Faktor in der Einschätzung der Pandemielage hat der Inzidenzwert andere Maßzahlen wie etwa den R-Wert, an dessen wissenschaftlicher Aussagekraft sich im Wesentlichen nichts geändert hat,[4] weitgehend verdrängt.

Demokratietheoretisch prekär wird die Privilegierung von Wissensfragen dann, wenn die Teilnahme am demokratischen Prozess durch eine explizite oder implizite Forderung nach einer kognitiven Mindestkapazität geregelt werden soll. Bogner arbeitet sich hier vor allem an den Thesen des US-amerikanischen Philosophen Jason Brennan ab,[5] der all jene Menschen aus politischen Prozessen ausgeschlossen sehen will, die durch ignorantes Verhalten auffallen. An einem solchen Politikmodell, so Bogner, zeige sich „überdeutlich, dass der Intellektualismus (oder Ratiozentrismus) möglicherweise die letzte gültige Ideologie in der Wissensgesellschaft“ ist (S. 42). Auch gemäßigteren Varianten, die das Feld der Politik wieder auf reine Wertefragen verengen und Wissensfragen an kompetente Expertengremien auslagern wollen, wie etwa Helmut Wilke vorschlägt,[6] schließt sich der Autor ausdrücklich nicht an, denn: „Nur unter Bedingungen von weitreichendem Wertekonsens können wir glauben, dass es so etwas wie reine Wissensfragen gibt, die sich gefahrlos delegieren lassen.“ (S. 50)

Hinsichtlich der Macht von Expert*innen, die durch die zentrale Aufgabe der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an Öffentlichkeit und Politik[7] in der Wissensgesellschaft auch für Bogner eine herausgehobene Stellung einnehmen, verweist er auf die Logik der funktional differenzierten Gesellschaft: „Das Wissen ist der Macht dienlich, doch weder sind die Mächtigen die Wissenden, noch haben die Wissenden die Macht inne.“ (S. 78) Expertise bringe lediglich eine „Deutungsmacht“ (ebd.) mit sich, die eine „notwendige kognitive Infrastruktur“ (S. 79) zum kompetenten Umgang mit Wissensproblemen für Politik und Öffentlichkeit liefert.

Konterkariert wird das Expertentum freilich von ganz anderen Figuren, die in der Logik der Wissensgesellschaft mit ebensolcher Notwendigkeit auftauchen müssen. Gemeint ist das bunte Potpourri aus „Wissens- und Konsensleugnern“, die versuchen, „weitreichenden Expertenkonsens in Frage zu stellen und systematisch Zweifel zu säen“ (S. 95), um derart die expertisegestützte „Verschwörung der Besserwisser“ (S. 96) zu brechen. Die diversen Leugner*innen bedienen sich zu diesem Zweck paradoxerweise gern einer wissenschaftsförmigen Art der Kritik, um die Gültigkeit angewandter Methoden und Theorien in Zweifel zu ziehen. So wird ihrerseits etwa das Fehlen einer völligen Eindeutigkeit von Wissen beklagt, was wiederum zur Legitimierung der eigenen Gewissheiten in Anschlag gebracht und mittels der Aussagen „willfähriger Gegen- oder Pseudoexperten“ (S. 108) mit einem Anstrich von Wissenschaftlichkeit versehen wird. Äußerst anschaulich und überzeugend zeigt Bogner hier auf, dass die Ideologie der Wissensgesellschaft sogar noch ihre esoterischen und verschwörungstheoretischen Ränder integriert. Deren Werte und Weltbilder werden zumindest in der Außendarstellung so aufbereitet, dass sie in der Logik der Wissenskonflikte bestehen können. Genau diese Paradoxie ist es, die Bogner dazu bewegt, den „ausschließlichen Rekurs auf wissenschaftliches Wissen“ in der Politik als irreführenden Weg anzumahnen (S. 109).

Die politische „Herrschaft der Wissensförmigkeit“ (S. 119) entstammt letztlich der Dialektik von Entzauberung und „Wiederverrätselung“ (S. 100) der Welt, die der modernen, hochspezialisierten Wissenschaft unweigerlich innewohnt. So kommt es auch, dass diese Produzentin systematischer Unsicherheit[8] immer wieder im Namen lebensweltlicher Gewissheit affirmativ oder ablehnend herangezogen wird. Am Ende seines Essays kommt der Autor daher nicht umhin, ein Fazit zu ziehen, das diese Dialektik in sich aufnimmt: „Profunde Wissenschaftskenntnisse stellen heute in vielen Fällen eine unabdingbare Voraussetzung dafür dar, an politischen Auseinandersetzungen ernsthaft teilhaben zu können“ – dennoch werden die immer involvierten „Werte-, Interessens- und Glaubensfragen […] auch bei richtiger Beantwortung dieser Wissensfragen noch ungelöst sein.“ (S. 123) Aus Sicht des Rezensenten argumentiert der Autor hier für mehr Ehrlichkeit in politischen Debatten. Statt sich hinter der Maske wissenschaftlichen Zwangs zu verstecken, sollten politische Akteure die eigene Wertehaltung offensiv vertreten und stärker in den Vordergrund treten lassen – allerdings ohne die Gültigkeit von Wissen selbst gleich umfassend der demokratischen Debatte zu überantworten. Auf diese Weise würde auch die altehrwürdige Institution der Wissenschaft nicht dauerhaft überstrapaziert werden. Wissenschaft liefert eben „nur“ wahres Wissen und keine transzendentale Gewissheit – auch nicht in der Wissensgesellschaft.[9]

In Bogners Argumentationsgang dominiert stellenweise eine funktionalistische Perspektive auf Gesellschaft, mit deren Hilfe die liberale Demokratie in ihrem Wesen verteidigt werden soll. Zu diesem Wesen gehört die arbeitsteilige Grenze zwischen Politik und Wissenschaft unbedingt hinzu. Wissen und Macht lässt der Autor ganz bewusst als geschiedene Sphären nebeneinander existieren,[10] was insbesondere in seiner Auffassung zur Rolle von Expert*innen deutlich wird. Die scharfe Trennung von Wissen und Macht weist aber auch auf den wunden Punkt dieser und ähnlicher Argumentationen hin. Um beide Aspekte voneinander getrennt halten zu können, bedarf es eines gemeinsamen gesellschaftlichen Rahmens, der die Eskalation von Konflikten bei Werte-, Interessens- und Glaubensfragen so weit verhindert, dass eine gemeinsame Welt der Möglichkeit nach in Erscheinung treten kann. Diese Rahmung kann nur in einem geteilten Glauben an objektive Wahrheit gefunden werden, die als „notwendige Fiktion“ (S. 57) die Einheit im relativistisch-mannigfaltigen Gemenge simulieren muss. Ohne diesen imaginären und „unsichtbaren Zement“[11] würde es gar keine Möglichkeit und eben auch keinen Grund geben, überhaupt in einen konfliktären, aber produktiven wie ehrlichen Austausch von Argumenten einzutreten und eine gemeinsame Wirklichkeit auszugestalten. Die Gefahr dabei ist, entweder in einen subjektiven Wahrheitsdogmatismus oder in relativistisches Schulterzucken zu verfallen, womit das Gemeinsame gewaltsam monopolisiert oder aber als integratives Ideal aufgegeben wäre.

Bogner selbst gibt neben einem routiniert-liberalen Verweis auf mehr Bildung und eine „anspruchsvollere Debattenkultur“ (S. 46) nur wenige Hinweise, wie diese notwendige Fiktion hergestellt und etabliert werden kann. Der Fähigkeit des Aushaltens von Ambivalenzen[12] steht in der Spätmoderne eben auch ein hoher Bedarf an Gewissheit und Eindeutigkeit gegenüber.[13] Die vom Autor eingeforderte Medienvielfalt (ebd.) könnte, das zeigen Entwicklungen der letzten Jahre wie etwa die zunehmende Digitalisierung und Verlagerung des öffentlichen Diskurses auf soziale Medien leider auch, ebenso gut den gegenteiligen Effekt einer Erosion des gemeinsamen Bezugsrahmens zugunsten einseitiger Echokammern haben.[14] So argumentiert Bogner letztlich für die Beibehaltung und Stärkung eines Modells, dessen Grundvoraussetzung ja gerade fraglich geworden ist. Das funktionalistische Argument fußt daher auf einer fragilen normativen Komponente. Sein titelgebender Appell einer Einhegung der „Epistemisierung des Politischen“ hat damit auch eine erkenntnistheoretische Schlagseite. Eine zu weitgehende Relativierung wissenschaftlichen Wissens droht die Gesellschaft in eine „Reihe voneinander abgeschotteter Wahrheitsgemeinschaften“ zerfallen zu lassen (S. 64). Naiverweise gehe man davon aus, dass die Kritik an der vermeintlichen Eindeutigkeit der Tatsachen „schon aus der richtigen Ecke kommen wird“ (S. 67). Der Gleichwertigkeit sämtlicher Wissens- bzw. Wahrheitsansprüche muss im Namen der liberalen Demokratie demnach genauso eine Absage erteilt werden wie dem kritischen Dauersturm auf die Bastion der „eindeutigen“ Tatsachen. Eine solche, epistemische Demokratisierung des Wissens öffnet ungewollt Tür und Tor für populistisches Lügen, regressive Wirklichkeitsleugnung und am bloßen Machterhalt interessiertes Bullshitting – Erscheinungen, die dem emanzipatorisch gemeinten Konstruktivismus die Grundlage entziehen: „Aus Pippi Langstrumpf wurde Donald Trump.“ (S. 14) Daher ist umgekehrt von einer zu weitreichenden Politisierung des Epistemischen abzuraten.

Alexander Bogner legt hier einen thematisch vielschichtigen und politisch hochaktuellen Essay vor, dessen intellektueller Mehrwert nach Meinung des Rezensenten gerade in der Verteidigung einer notwendigen Fiktion objektiver Wahrheit besteht – gerade weil er hier selbst politisch und notwendig normativ wird. In soziologischer Manier vertritt der Autor einen gesellschaftspolitisch liberalen und epistemologisch eher konservativen Standpunkt, der aber an keiner Stelle die Auseinandersetzung mit abweichenden Auffassungen scheut. Konstruktivistische Positionen werden nicht einfach übergangen, jedoch funktionalistisch eingehegt. So schafft Bogner es auch, seinen eigenen Appell für eine aufrichtig ausgetragene Debatte über Werte und Interessen, die sich nicht hinter epistemischen Argumenten versteckt, einzulösen. Es entsteht eine Melange, deren Verschränkung von offen normativen und vorsichtig funktionalen Erwägungen auf eigentümliche Weise selbst als Symbol für die gesellschaftlich allerorts grassierende Wahrheitsfrage dienen kann. Hier ließe sich die soziologisch fruchtbare Frage anschließen, ob es einen tragenden „Wahrheitsrahmen“ in der spätmodernen Wissensgesellschaft geben kann, ohne dabei in normativen Ekel oder fragwürdigen Beifall für die „postfaktische Konstellation“ (S. 112) einzuschwenken. Weniger anregend ist dagegen die Proklamation einer „Epistemokratie“, deren inhaltliche Aufarbeitung sich kaum von der schon bei Ulrich Beck beschriebenen Entgrenzung von Glauben und Wissen unterscheidet.[15] Ebenso wird letztlich nicht ganz deutlich, wie sich Bogner tatsächlich von anderen im Buch angeführten Positionen abgrenzt. Klar ist nur, dass er sehr viel stärker als andere, funktionalistisch argumentierende Kommentator*innen der Wissensgesellschaft auf die Unterscheidung von der Politik und dem Politischen[16] abhebt, allerdings ohne diese Unterscheidung explizit zu thematisieren und mit dem Vorbehalt, epistemologische Fragen weitgehend aus dem konfliktären Raum des Politischen herauszuhalten. Auch die Grundthese einer grundsätzlichen Dominanz der Wissensförmigkeit politischer Auseinandersetzungen könnte vor dem Hintergrund populistischer, aber auch emanzipatorischer Vorstöße in den politischen Diskurs als theoretisches Artefakt der Wissensgesellschaft gedeutet werden. Theoretisch anregend sind die vorgebrachten Ausführungen auch deshalb, weil sie selbst als Symbol dafür gelesen werden können, wie die stets prekäre Trennung von Wissen und Macht ideologische wie utopische Elemente der liberalen Moderne vereint.

In der Summe bietet „Die Epistemisierung des Politischen“ für routinierte Leser*innen soziologischer und politphilosophischer Literatur anregenden und möglicherweise affizierenden Diskussionsstoff, während sich das Buch ebenso als thematisch zugespitzte und stilistisch angenehme Einstiegslektüre in die demokratietheoretischen Problematiken der Wissensgesellschaft eignet. Bleibt zu hoffen, dass Bogner seine hier versammelten Einsichten zukünftig über das essayistische Format hinaus zu einer systematischeren Darlegung weiterentwickelt.

  1. Vgl. Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, München 1986, S. 259–266.
  2. Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1992, S. 672.
  3. Vgl. Peter Weingart, Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft, Weilerswist 2001, S. 14 f.
  4. Die Art der Berechnung wurde allerdings mehrfach verändert, vgl. Wulf Rohwedder, Was ist der R-Wert? https://www.tagesschau.de/faktenfinder/r-wert-101.html (24.03.2021).
  5. Jason Brennan, Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen, Berlin 2017.
  6. Helmut Wilke, Dezentrierte Demokratie. Prolegomena zur Revision politischer Steuerung, Berlin 2016.
  7. Vgl. Nico Stehr / Reiner Grundmann, Expertenwissen. Die Kultur und die Macht von Experten, Beratern und Ratgebern, Weilerswist 2010, S. 43–60.
  8. Vgl. Ebd., S. 97.
  9. Diese ist schließlich keine „Wissenschaftsgesellschaft“ geworden, vgl. Weingart, Die Stunde der Wahrheit, S. 12.
  10. Damit bewegt er sich sehr nahe an einer Auffassung, die auch von Hannah Arendt vertreten wurde und die zeitlich in etwa parallel zum soziologischen Diskurs um die Wissensgesellschaft entstanden ist. Vgl. Hannah Arendt, Wahrheit und Politik, in: dies., Wahrheit und Lüge in der Politik. Zwei Essays, 2. Aufl., München 1987 [1969].
  11. Die Formulierung stammt aus Cornelius Castoriadis, Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie, Frankfurt am Main 1990, S. 246.
  12. Vgl. Andreas Reckwitz, Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne, Berlin 2018, S. 16.
  13. Vgl. Oliver Dimbath, Gewissheit in unsicherer Zeit. Ein Essay zur Einleitung, in: ders. und Michaela Pfadenhauer (Hg.), Gewissheit. Beiträge und Debatten zum 3. Sektionskongress der Wissenssoziologie, Weinheim/Basel 2021, S. 30–42.
  14. Zum psychologischen Mechanismus hinter filter bubble und echo chamber siehe bspw. Tanja Messingschlager / Peter Holz, Filter Bubbles und Echo Chambers, in: Markus Appel (Hg.), Die Psychologie des Postfaktischen. Über Fake News, „Lügenpresse“, Clickbait & Co., Berlin 2020, S. 91–102.
  15. Vgl. Beck, Risikogesellschaft, S. 277.
  16. Zur Genealogie dieser Unterscheidung siehe etwa Oliver Marchart, Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy, Lefort, Badiou, Laclau und Agamben, Berlin 2010, S. 32–58.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher.

Kategorien: Gesellschaft Gesundheit / Medizin Politik Wissenschaft

Tobias Schädel

Tobias Schädel hat Soziologie an den Universitäten Marburg und Gießen studiert und ist Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC). In seiner Dissertationsarbeit beschäftigt er sich in kultursoziologischer Perspektive mit der Transformation des gesellschaftlichen Imaginären der Moderne.

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