Deadline: 30.04.2026

Ambivalenzen der Antisemitismusbekämpfung

Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem 43. Kongress der DGS vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mainz. Deadline: 30. April 2026

Vermittelt über eine Vielzahl von Konflikten hat sich in der Öffentlichkeit der BRD die Abkehr von Antisemitismus als Norm durchgesetzt. Eine Folge war ein langfristiger Rückgang antisemitischer Einstellungen. Dennoch gibt es eine Konstanz antisemitischer Bevölkerungsanteile, eine Verbreitung antisemitischer Einstellungsfragmente sowie antisemitischer Vorfälle. Darauf reagiert eine Institutionalisierung von Beobachtung und Prävention seit den 2000er Jahren sowie eine fortschreitende Versicherheitlichung des Themas. Die Bekämpfung des Antisemitismus ist zum zentralen Staatsprojekt geworden, das mit der Formel der „Staatsräson“ auch auf den Umgang mit dem Staat Israel übertragen wurde. 

Gegenwärtig führt diese in Teilen als Erfolgsgeschichte zu betrachtende Entwicklung zu diversen Folgeproblemen und Konflikten, die mit dem 7.10.2023 und seinen Folgen eine immense Zuspitzung erfahren haben. So erweist sich die inzwischen breite Institutionalisierung der IHRA-Definition zunehmend als Instrument des Eingriffs in Wissenschaftsfreiheit und förderrechtliche Gesinnungsprüfung. Zu dieser repressiven Verschiebung im Namen eines Anti-Antisemitismus gehören auch die Versuche der Spitze des BMBF im Jahr 2024, Fördergelder an Wohlverhalten zu knüpfen, hartes (häufig rechtswidriges) polizeiliches Vorgehen gegen palästinasolidarische Proteste, die Verhinderung von Veranstaltungen, die rassistische Externalisierung von Antisemitismus auf Migrant*innen oder die Nutzung des Antisemitismusvorwurfs zur Diskreditierung postkolonialer Theoriebildung, was als „autoritärer“ oder „karzeraler“ Anti-Antisemitismus analysiert wurde.

Die Ad-hoc-Gruppe interessiert sich für Gründe, Formen und Auswirkungen dieser Verschiebung. Wir laden Beiträge ein, die sich theoretisch wie empirisch mit den geschilderten Ambivalenzen im Spannungsfeld von allgemeiner Anerkennung der Norm, mangelnder Normdurchsetzung und faktischer massiver Konfliktaustragung um antagonistisch gedeutete Vorfälle auseinandersetzen, denkbar dabei u.a.:

  • Bildungstheoretische Reflexionen
  • Analysen der Positionierungen im Feld
  • Prozessuale Analyse von Vorfällen
  • Analysen einzelner Handlungsebenen/-felder
  • Diskurs- und Medienanalysen
  • Staats- und regulationstheoretische Einordnungen
  • Analysen der Antisemitismusbegriffe in Praxis und Wissenschaft;
  • wissenschaftstheoretische Reflexionen
  • Reflexion zu Rolle der Soziologie

Wir bitten um die Einreichung von Abstracts (maximal eine Seite) bis zum 30.04.2026 an: ullrich(at)ztg.tu-berlin.dejan.weyand-2(at)uni-hamburg.de 

Organisation: Peter Ullrich (Berlin) und Jan Weyand (Hamburg)

Call for Papers (PDF)

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