Deadline: 20.06.2026

Diaspora und Exil aus postmigrantischer Perspektive: philosophisch, sozialkritisch, (queer)feministisch analysiert

Call for Papers für einen Workshop vom 12. bis 13. November 2026 in Berlin. Deadline: 20. Juni 2026

Die Hinwendung zur postmigrantischen Perspektive in den Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften – insbesondere im deutschsprachigen Raum – ist heute nicht zuletzt durch die Notwendigkeit bedingt, auf die „neue Härte in der Flüchtlingspolitik“ zu reagieren. Entscheidend für die postmigrantische Perspektive ist die Betrachtung von Migration als gesamtgesellschaftliche Erfahrung, die die gesellschaftlich etablierte Trennlinie zwischen Migrantinnen und Nichtmigrantinnen überwindet und ein neues Verständnis von gesellschaftspolitischen Konflikten, Narrativen und Identitätspolitiken erfordert (Yıldız und Hill). Im Ergebnis sollte diese Perspektive zur Stärkung der Demokratie beitragen, da sie den nationalstaatlichen Raum anders, nämlich pluralistischer und vielfältiger interpretierbar macht.

Diaspora und Exil, die ein breites Spektrum von Erfahrungen und Ausprägungen umfassen, werden heute ebenfalls aus einer postmigrantischen Perspektive betrachtet. Einen der wichtigsten Impulse dafür gab am Ende des 20. Jahrhunderts die Anthropologin Avtar Brah, für die es wichtig ist, soziale Beziehungen und Interaktionen nicht nur zwischen diasporischen, sondern auch zwischen diasporischen und nicht-diasporischen Akteur*innen zu analysieren. Das erfordert nicht nur ein anderes Verständnis von diasporischen Gemeinschaften, sondern problematisiert auch die Subjektposition des „Einheimischen“. Darüber hinaus betrachtet Avtar Brah Exil und Diaspora intersektional und machtkritisch.

Der intersektionale Ansatz zur Betrachtung von Diaspora und Exil ist unter anderem eine Reaktion darauf, dass diese Phänomene in der akademischen und politikbezogenen Literatur in der Vergangenheit und teilweise auch heute noch als geschlechtsneutral betrachtet werden. Eine dezidiert feministische Analyse fehlt in der Diskussion um die postmigrantische Gesellschaft ebenfalls. Diese Lücke wiederum unterstützt nicht nur die Machtasymmetrien innerhalb der Diasporagemeinschaften, sondern ignoriert auch den Beitrag von Care- und Reproduktionsarbeit und -tätigkeiten zur Konstitution postmigrantischer Gesellschaften.

Der Workshop zielt auf einen Austausch philosophischer, sozialkritischer und (queer)feministischer Perspektiven auf Diaspora und Exil. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich postmigrantische soziale Beziehungen heute – insbesondere im Kontext von Exil und diasporischen Gemeinschaften – herausbilden und gestalten.

Dabei interessieren uns vor allem folgende Fragen:

  • Welche Erfahrungen und Praktiken prägen Exil und Diaspora heute – in der Situation einer rechtskonservativen Wende einerseits und neuer postmigrantischer Denkstrategien andererseits?
  • Welche philosophischen, sozialkritischen und (queer)feministischen Begriffe und Konzeptionen (können) helfen, diese Erfahrungen und Praktiken sichtbar zu machen und zu analysieren?
  • Inwiefern verändern diasporische Netzwerke politische, kulturelle und soziale Räume? Wie verändern diasporische und exilische Erfahrungen Vorstellungen von Zugehörigkeit und (politischer) Gemeinschaft?
  • Wie beeinflussen intersektionale Kategorien diasporische Gemeinschaften? Wie konstituieren Care- und Reproduktionsarbeit heute Exil und Diaspora, und welchen Beitrag kann eine kritische und nicht eindimensionale Analyse dieser Prozesse zur Überwindung der aktuellen Care- und Demokratiekrise leisten?
  • Welche Subjektpositionen entstehen in postmigrantischen Konstellationen von Exil und Diaspora? Welche Formen von Solidarität, Fürsorge, politischer Organisierung und Widerstand entstehen in diasporischen und exilischen Kontexten?

Wir laden ein zur Einreichung von Vorschlägen für einen 25-minütigen Beitrag zum Workshop. Dazu reichen Sie bitte bis zum 20. Juni 2026 ein Abstract von nicht mehr als 500 Wörtern ein.

Bitte senden Sie Ihre Einreichungen und eventuelle Rückfragen an: diaspora.postmigrantisch(at)fernuni-hagen.de

Der Workshop findet statt vom 12. bis 13. Nov. 2026 auf dem Campus der FernUniversität in Berlin.

Organisiert von:

Dr. Olga Shparaga (Humboldt-Fellow, FernUniversität in Hagen)
Prof. Dr. Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)

Call for Papers (PDF)

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