Deadline: 15.07.2026

Die Räume des Wirtschaftens

Call for Papers für eine Tagung vom 10. bis 11. Dezember 2026 in Berlin. Deadline: 15. Juli 2026

Was bedeutet Raum heute für Handeln, soziale Ordnung und Machtverhältnisse in der Wirtschaft? Die Krisen und Konflikte der vergangenen Jahre zeigen, dass ökonomische Räume sozial konstruiert, aufrechterhalten und verändert werden. Geopolitische Konflikte, wie um die Zugehörigkeit Grönlands, die Entführung des venezolanischen Präsidenten oder das Rin-gen um Handelsabkommen, -embargos und Sonderwirtschaftszonen verdeutlichen, dass Räume von zentraler Bedeutung für ökonomische Interessen und ökonomisches Handeln sind. Sei es der Zugriff auf natürliche Ressourcen, die Organisation und Regulierung von Wertschöpfung oder die räumliche Entkopplung von Produktion durch Outsourcing und Homeoffice: Räume des Wirtschaftens sind im Wandel begriffen und umkämpft. Handeln, soziale Ordnung und Machtverhältnisse in der Wirtschaft sind stets räumlich bestimmt. 

Die Mittelbautagung rückt mit Räumlichkeit eine strukturierende Kategorie ökonomischen Handelns in den Mittelpunkt, die meist implizit und selektiv thematisiert wird (vgl. Jessop et al. 2008, Baur et al. 2025). Gleichwohl gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte, um Räume des Wirtschaftens zu analysieren. So beschreiben Durkheim (1988 [1893]) und Simmel (2020 [1900]) die räumliche Verdichtung sozialer Interaktion in Städten als ursächlich für die Verbreitung funktionaler Arbeitsteilung und objektivierter Sozialbeziehungen. Neuere Arbeiten untersuchen, wie die räumliche Nähe von Unternehmen zu Spezialisierung und Lock-ins regionaler Wirtschaften führt (Grabher 1993, Storper & Salais 1997). In den Arbeiten von Bourdieu (2005) oder im Varieties of Capitalism-Ansatz (Hall & Soskice 2001) werden Märkte als Ausdruck institutioneller Ordnung in nationalstaatlichen Territorien konzeptualisiert. Beiträge zu Digitalisierung und Finanzialisierung zeigen, wie transnationale Wertschöpfungsprozesse die Bedeutung von Orten und nationalen Grenzen verändern (Castells 2017 [2003], Fligstein 2001, Heeg 2013). Zuletzt erklären weltsystemanalytische sowie post- und dekoloniale Ansätze die Ungleichheit zwischen Zentrum und Peripherie durch räumlich-hierarchisch strukturierte Warenketten und Ausbeutungsverhältnisse (Wallerstein 2011 [1974], Quijano 2024, Changnon et al. 2022, Espeter 2025). Der Überblick zeigt, dass wirtschaftssoziologische Zugänge zu Räumen vielfältig sind. Sie fokussieren jedoch stets bestimmte räumliche Formen. Die Tagung soll verschiedene Perspektiven ins Gespräch mit-einander bringen, um die Bedeutung von Räumen für Handeln, soziale Ordnung und Macht-verhältnisse in der Wirtschaft zu verstehen. 

Die Mittelbautagung lädt wirtschaftssoziologisch orientierte Promovierende und Postdocs dazu ein, empirische Forschung und konzeptionelle Überlegungen zu „Räumen des Wirtschaftens” zu diskutieren. Wir begrüßen Beiträge zu den folgenden und weiterführenden Fragen:

  • Welche Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ringen um die räumliche Ordnung ökonomischen Handelns? Wie gestalten sich die Aushandlungsprozesse um ihre Interessen?
  • Welche (selbstverständlichen) Funktionen erfüllen räumliche Strukturen für ökonomisches Handeln? Welche Machtverhältnisse verfestigen sich in diesen Strukturen?
  • Wann wird Raum vom selbstverständlichen Hintergrund zum umkämpften Gegen-stand wirtschaftlichen Handelns?
  • Wie werden räumliche Strukturen aufrechterhalten, wie werden sie durch wirtschaftliches Handeln herausgefordert oder verändert?
  • Welche Deutungsmuster und Imaginationen liegen der räumlichen Ordnung wirtschaftlichen Handelns zugrunde?
  • Wie werden Räume zur strategischen Ressource wirtschaftlichen Handelns?
  • Welche empirischen Felder eignen sich besonders, um das Verhältnis von Wirtschaft und Räumen zu untersuchen? 

Um eine dialogorientierte Umgebung zu schaffen und nachhaltige Kooperationen zu fördern, verbindet die Tagung formellen (Vorträge, Paneldiskussion) und informellen Austausch. Eine gemeinsame Publikation der Tagungsergebnisse soll die erarbeiteten Impulse über die Konferenz hinaus sichtbar machen und den wirtschaftssoziologischen Diskurs zu Räumen des Wirtschaftens fördern. 

Die Tagung findet am 10. und 11. Dezember 2026 in Präsenz am Sonderforschungsbereich Refiguration von Räumen an der Technischen Universität Berlin statt. Wir bitten um Beitragsvorschläge in Form eines Abstracts (max. 500 Wörter) bis zum 15.07.2026 per Mail an das Organisationsteam. Bitte signalisieren Sie auch, ob Sie den Beitrag zu einem Aufsatz für eine gemeinsame Publikation weiterentwickeln wollen. 

Wir streben an, Teilnehmende bei der Finanzierung von Reisekosten zu unterstützen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie eine Reisekostenbeihilfe für die Tagungsteilnahme benötigen. 

Organisationsteam:

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und den Austausch in Berlin! 

Die Tagung wird von der Sektion Wirtschaftssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie sowie dem Institut für Soziologie und dem Sonderforschungsbereich Refiguration von Räumen an der TU Berlin unterstützt.

Zum Call for Papers (PDF)

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