Deadline: 01.06.2026

Die Rückkehr des Krieges: Sozial- und politiktheoretische Perspektiven auf Techniken, Normen und Ordnungen gegenwärtiger Konflikte

Call for Papers für einen Workshop vom 9. bis 10. Juli 2026 in Marburg. Deadline: 1. Juni 2026

Der Krieg war nie aus der Welt – aber erst in jüngster Zeit ist er wieder mit voller Wucht ins öffentliche Bewusstsein getreten. Kriege in der Ukraine, in Gaza oder im Iran, Debatten über militärische Aufrüstung, Wehrdienst sowie neue globale Konfliktlinien machen deutlich, was lange verdrängt, vernachlässigt oder übersehen wurde. Während namhafte Sozialwissenschaftler:innen (bspw. Habermas 2022) diese neuen Entwicklungen öffentlich kommentiert haben, steht eine akademische und theoretisch fundierte Auseinandersetzung mit den neuen (Kriegs-)Realitäten bislang weitgehend aus. Der Workshop verfolgt das Ziel, Sozialwissenschaftler:innen, die sich theoretisch mit den Kriegen der Gegenwart beschäftigen, in einen interdisziplinären Austausch zu bringen. Der besondere Erkenntnisgewinn des Vorhabens liegt in der gemeinsamen theoretischen Durchdringung gegenwärtiger Konflikte unter Einbezug von Soziologie, Politikwissenschaft und angrenzenden Disziplinen. Damit soll über isolierte und fachspezifische Einzelanalysen hinaus eine breitere Perspektive auf die kriegerisch geprägte Gegenwart eröffnet werden. Die besondere Aktualität des Workshops besteht darin, die nunmehr verstärkt als kriegerisch wahrgenommene Gegenwart besser zu verstehen.

Die Erschließung dieses vielschichtigen Themenfeldes soll entlang der drei Begriffe Techniken, Normen und Ordnungen erfolgen.

Techniken

Gegenwärtige Kriege sind von einer „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ gekennzeichnet, die sich in spannungsvollen technischen Zwischenräumen zeigen. Im Ukrainekrieg treffen etwa hochmoderne Drohnenschwärme auf antiquiert wirkende Schützengräben, die an den Ersten Weltkrieg erinnern. Zu fragen ist daher, wie die insbesondere durch technische Artefakte erzeugten neuen Kriegsrealitäten angemessen theoretisiert werden können. Dies berührt auch die Frage, wie sich gegenwärtige Kriege in ihrer technikzentrierten Ausführung überzeugend theoretisch beschreiben lassen. Mit anderen Worten: Was folgt auf das sozialwissenschaftliche Paradigma der „Neuen Kriege“ (Kaldor 1999)?

Normen

Kriege restrukturieren staatlich organisierte Gesellschaften, indem sie an der Grundfrage der politischen Institutionalisierung von Gewalt rühren (vgl. Hobbes 1996; Popitz 1992). Der Workshop fragt daher, wie Kriege und bewaffnete Konflikte die normativen Grundlagen einer Gesellschaft verschieben: Auf welche Weise werden sie etwa „kriegstüchtig“ und wie versuchen sie Wehrhaftigkeit zu institutionalisieren – etwa in Form von Berufsheeren oder einer allgemeinen Wehrpflicht? Welche Normenkonflikte entstehen und welche Affekte werden dabei mobilisiert? Schließlich: Wie könnte Kritik an Kriegsbereitschaft heute aussehen (vgl. Hindrichs 2024)?

Ordnungen

Kriege transformieren nicht nur einzelne Gesellschaften und Nationalstaaten, sondern auch globale Ordnungen. Im dritten Themenkomplex werden daher unter anderem folgende Fragen aufgeworfen:

  • Welche globalen, geopolitischen Ordnungsmuster bilden sich mit den aktuellen Entwicklungen heraus (vgl. Münkler 2023)?
  • Welcher Stellenwert könnte Kriegen in einer „postliberalen Weltordnung“ zukommen (vgl. Pilkington 2025)?
  • Handelt es sich bei den gegenwärtigen Konflikten um ressourcenzentrierte Verteilungskämpfe und wie hängen diese mit dem globalen Klimawandel zusammen (vgl. Latour 2022)?

Abstracts für geplante Beiträge (ca. 400 Wörter) können bis zum 01.06.2026 an folgende Adressen gesendet werden:

Die Auswahl erfolgt bis spätestens Mitte Juni.

Call for Papers (PDF)

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