Deadline: 31.01.2027

Empirische Perspektiven auf biografieorientiertes Lehren und Lernen im Kontext pädagogischer Professionalisierung

Call for Papers für ein Themenheft der Zeitschrift für Bildungsforschung. Deadline: 31. Januar 2027

Gastherausgeber:innen: PD Dr. André Epp (TU Braunschweig), Dr. Magdalena Förster (Universität Erfurt), Dr. Franziska Heyden (Universität Rostock), Dr. Lea Kallenbach (Universität Erfurt) & Dr. Mark Weißhaupt (Fachhochschule Nordwestschweiz) 

Biografie wird seit längerem im Professionalisierungsdiskurs erziehungs- und bildungswissenschaftlicher (Teil-)Disziplinen in unterschiedlicher Reichweite als eine „Grundkategorie erziehungswissenschaftlichen Denkens“ (Marotzki, 2002, S. 53) und professionellen pädagogischen Handelns ausgewiesen (Schulze 1993, S. 13; Fabel & Tiefel, 2004, S. 14). Damit steht die Ein-sicht in Verbindung, dass die Reflexion beruflichen Handelns – die in der professionsbezogenen Forschung als eine Schlüsselkompetenz hervorgehoben wird (bspw. Berndt, Häcker & Leonhard, 2017; Pachner, 2018; Disep, 2025) – nicht losgelöst von biografischen Erfahrungs- und Deutungshorizonten der Handelnden betrachtet werden kann (bspw. Dewe, 2009; Helsper, 2018). Entsprechende Befunde professionstheoretischer Forschungen belegen die Relationen zwischen Biografie und professionellem Handeln (bspw. Fabel-Lamla, 2004; Kraul et al., 2002). 

Mit Blick auf die hochschuldidaktische Anregung von Reflexion werden hiervon ausgehend seit einigen Jahren verstärkt auch biografieorientierte Elemente in der Aus-, Fort- und Weiter-bildung von Pädagog:innen diskutiert und einbezogen, so zum Beispiel in der Lehrkräftebil-dung, der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik, der Erwachsenenbildung, der Kindheitspädagogik, der Organisationspädagogik oder der Sonder-/Inklusionspädagogik. Entsprechende Angebote setzen dabei nicht nur unterschiedliche Schwerpunkte, wie bspw. das Fokussieren auf die ei-gene Biografie oder Biografien anderer, sondern weisen ebenso unterschiedliche Rahmungen auf, u.a. bezüglich ihrer obligatorischen bzw. fakultativen Einbettung, ihrer Benotung oder ih-rer anderweitigen Kontextualisierung, z.B. in Hochschullernwerkstätten (bspw. Epp et al., 2025; Jung & Kaiser, 2020; La Luzerne-Oi & Kirschenmann, 2018; Richards et al., 2022, Kallen-bach, 2025; Weißhaupt, 2024).

Trotz der aufgezeigten Relevanz biografischer Verwobenheiten für Professionalisierungsprozesse und einer Vielzahl empirischer Befunde professionstheoretischer Studien, fehlt es bislang jedoch weitgehend an konkreten empirischen Forschungen zu biografieorientiertem Lehren und Lernen im Kontext der Professionalisierung angehender Pädagog:innen, wie etwa Lehrkräften, Kindheitspädagog:innen, Erwachsenenbildner:innen, Sozial- und Sonderpädagog:innen. Bisher bleibt weitgehend unklar, zu welchen Ergebnissen, Effekten und Aus-/Wir-kungen – erwünschten und unerwünschten – biografieorientiertes Lehren und Lernen führt und wie bzw. mit welchen (forschungs-)methodischen Zugängen biografische Reflexionen als Ausdruck von Professionalisierung untersucht und analytisch überhaupt erfasst werden können (Ausnahme: Epp et al., 2025; Haynes, Quinn & Miller, 2020). Mit der Erforschung biografieorientierter Lehr-Lernsettings sind zudem erkenntnistheoretische, methodische und ethi-sche Fragen verbunden; insbesondere, wenn Dozierende zugleich als Forschende agieren und in institutionelle Arbeits- und Bewertungslogiken eingebunden sind (Herzmann et al., 2019; Wilkesmann, 2019). Fragen nach Freiwilligkeit, Reflexivität, Rollenkonflikten sowie nach der Wirkung asymmetrischer Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse in (pädagogischen) Arbeits-beziehungen im Hochschulkontext sowie im Forschungsprozess werden an dieser Stelle relevant. 

Mit dem Schwerpunktheft wollen wir an diesen Leerstellen ansetzen und aktuelle empirische Forschungsbemühungen versammeln, die biografieorientiertes Lehren und Lernen im Kontext pädagogischer Professionalisierung systematisch aus unterschiedlichen Perspektiven fokussieren und die Breite empirischer Zugänge, wie etwa qualitative, quantitative und Mixed-Methods, nutzen. 

Mögliche Themenfelder (gerne auch in spezifischen Verschränkungen) werden nachfolgend skizziert. Die Auswahl ist jedoch nicht als abschließend zu verstehen, sondern als offen angelegter Rahmen, der durch weitere thematische Setzungen ergänzt und differenziert werden kann. Der Schwerpunkt liegt auf empirischen Perspektiven, um eine vertiefte und gegenstandsnahe Auseinandersetzung zu ermöglichen: 

  • Biografieorientiertes Lehren und Lernen aus Sicht der Beteiligten, z.B. hinsichtlich ungleicher Erfahrungen, sozialer und habitueller Bedingungen 
  • Sensibilität für lebensgeschichtliche Diversität in pädagogischen Beziehungen, für spezifische Spannungen, ethische Herausforderungen und Wechselwirkungen als Teil der biografieorientierten Lehre
  • Analysen spezifischer Ansätze und Methoden biografieorientierter Lehre (z.B. ästhetische oder forschende Zugangsweisen, unterschiedliche biografische Formate, wie etwa autobiografische oder autosoziografische) 
  • Bedingungen, Ergebnisse, Erlebnisse und Aus-/Wirkungen im Hinblick auf Professionalisierungsprozesse, Rollenkonflikte, ethische Fragestellungen 
  • Weitere Perspektivierungen: Stellenwert in Curricula, Studiengängen, Weiterbildungs-angeboten etc., systematische Variation der Forschungsmethodik mit Blick auf die unterschiedliche Konstitution des Gegenstandes Biografie und die Grenzen der jeweiligen empirischen Zugänge 

Beiträge: 

Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Bitte senden Sie Ihre Abstracts unter folgender Adresse an: ag.biol(at)uni-erfurt.de  

Das Abstract sollte folgende Informationen enthalten: 

  1. Titel des Beitrags (auf Deutsch und Englisch) 
  2. Name/n der Autorin bzw. des Autors / der Autor*innen, institutionelle Zugehörig-keit(en), Kontaktinformationen 
  3. Abstract (1.000 bis 1.500 Wörter, exklusive Literaturverzeichnis): Forschungsfrage, Studiendesign, (antizipierte) Ergebnisse, Bedeutung der Studie für das Themenfeld 

Zeitplan 

  • 31.01.2027: Einreichung der Abstracts: Abstracts werden geprüft 
  • 15.03.2027: Aufforderung zur Einreichung vollständiger Beiträge Die ausgewählten Autor:innen werden aufgefordert, ein vollständiges Manuskript einzureichen, das für die Aufnahme ins Themenheft in Betracht gezogen wird.
  • 31.10.2027: Einreichung vollständiger Beiträge Alle Beiträge, die für eine Begutachtung geeignet sind, werden von mindes-tens zwei unabhängigen Gutachter:innen (double blind peer review) geprüft. 
  • 2028: Geplante Veröffentlichung in Heft 3/2028 

Es gelten die Richtlinien der Zeitschrift für Bildungsforschung (ZBF). Bitte beachten Sie: Die Aufforderung zum Einreichen des vollständigen Beitrags garantiert keine Veröffentlichung im Themenheft. Dieses wird letztendlich auf der Grundlage der Ergebnisse des double-blind review Prozesses und der bestmöglichen Passung der vollständigen Beiträge zusammengestellt. Beiträge, die nicht in das Themenheft aufgenommen werden können, aber das Peer-Review erfolgreich durchlaufen, können als Beiträge in einer regulären Ausgabe der Zeitschrift veröffentlicht werden.

Zum Call for Papers und Literatur (PDF including english version)

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