Deadline: 18.10.2026
Kämpfe um Demokratie - Geschlechterforschung als Demokratieforschung
Call for Papers für ein Sonderheft der Gender – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Deadline: 18. Oktober 2026
Analysen zum Zustand der liberalen repräsentativen Demokratie diagnostizieren seit längerem eine tiefgreifende Krise. Spätestens seit dem unübersehbaren Aufstieg rechts-autoritärer Kräfte wird zivilgesellschaftlich und institutionell zum Schutz der Demokratie aufgerufen. Das wirft aus der Perspektive einer (intersektionalen) Geschlechterforschung die Frage auf: Was bedeutet eigentlich in welchen Kontexten Demokratie? Welche Demokratie soll von wem unter welchen Bedingungen verteidigt werden? Denn die Idee und Praxis demokratischer Gesellschaftsorganisation war schon immer umkämpft: Die demokratischen Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit galten niemals für alle und sind weiterhin von strukturellen Gewaltverhältnissen durchzogen, die sich u. a. in patriarchalen, kolonialen, rassistischen, antisemitischen und kapitalistischen Logiken gründen. Rechtsautoritäre Akteur_innen können entsprechend an die in liberale Demokratien eingeschriebenen Ungleichheiten und Herrschaftsverhältnisse anknüpfen.
Das Sonderheft fragt vor diesem Hintergrund, wie eine Revitalisierung der Demokratie und eine Demokratisierung des Demokratischen gelingen und welchen besonderen Beitrag eine (intersektional) geschlechterforscherische Perspektive dabei leisten kann. Damit verknüpft ist die Frage, wie Demokratie aus einer solchen Perspektive überhaupt verstanden werden kann. Für das Sonderheft suchen wir hierzu theoriefokussierte und empirische Beiträge.
Mögliche Themen und Fragestellungen
- Historische oder gegenwartsbezogene Beispiele für (ent)demokratisierende Geschlechterpolitiken/sexuelle Politiken
- Intersektionale Analysen antidemokratischer Medien- und Kommunikationsstrategien sowie ggf. Gegenstrategien
- Auswirkungen und Umgangsweisen mit aktuellen antidemokratischen Dynamiken auf Bildungskontexte, zivilgesellschaftliche und professionale Praxen
konzeptionelle oder empirische Arbeiten, die emanzipatorische Potenziale jenseits der bloßen Verteidigung des Erreichten aufzeigen, z. B.:
- in den (Alltags-)Praxen derjenigen, die von antidemokratischen, antifeministischen und autoritären Akteur_innen (nicht erst seit Kurzem) angegriffen werden,
- in Kämpfen um die sozialen und materiellen Bedingungen demokratischer Partizipation oder in Konzepten/Praxen der historisch-politischen Bildung.
- Diskussion präfigurativer trans*, queerer und/oder feministischer Praxen, Beziehungsweisen und konkreter Utopien als Demokratisierung der Möglichkeiten geschlechtlicher und sexueller Weisen des Seins, Liebens und Begehrens
- Analyse der (kolonialen, patriarchalen, etc.) Leerstellen und Ambivalenzen von Begriffen der Demokratie(-Theorie) wie Gleichheit oder Demos
- demokratie- und geschlechtertheoretische Zusammenführung von Begriffen und Praxen wie Care, soziale Rechte, Commons oder Nachhaltigkeit
Verfahren und Zeitplanung
Wir bitten um die Einreichung eines ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 18. Oktober 2026. Beiträge aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland können gern auch auf Englisch eingereicht werden. Bitte senden Sie Ihren Vorschlag als Word-Datei an manuskripte(at)gender-zeitschrift.de (Betreff: Schwerpunkt „Geschlechterforschung als Demokratieforschung“). Die Einladung zur Beitragseinreichung erfolgt im Falle einer positiven Einschätzung bis zum 01. November 2026. Der Abgabetermin des fertigen Beitrags im Umfang von max. 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen (Dokument mit allen zusätzlichen Angaben wie Zusammenfassungen, Fußnoten, Literaturverzeichnis und Angaben zur Person) ist der 04. April 2027. Alle eingereichten Beiträge durchlaufen ein mehrstufiges Review-Verfahren, auf dessen Grundlage die endgültige Auswahl der Beiträge getroffen wird; dabei sind Hinweise zur Überarbeitung eher die Regel als die Ausnahme. Diese werden den Autor_innen von den Herausgeberinnen zurückgemeldet. Im Falle einer hohen Anzahl von positiv begutachteten Beiträgen behält sich die Redaktion vor, eine abschließende Auswahl vorzunehmen und ggf. Beiträge in einer späteren Ausgabe zu veröffentlichen. Die Manuskriptrichtlinien sind auf der GENDER-Website unter https://www.gender-zeitschrift.de/manuskripte zu finden.
Über GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft
Das Spektrum der Zeitschrift umfasst gesellschaftliche und kulturelle Themen – sozialpolitische Fragen zu Gleichheit und Gerechtigkeit haben ebenso Platz wie Fragen nach den Inszenierungen und kulturellen Deutungen von Geschlecht. Intendiert ist ein breites Spektrum von Themen und wissenschaftlichen Disziplinen, in denen Geschlechterfragen reflektiert werden. Dem multidisziplinären Charakter der Zeitschrift entsprechend sind sozialwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche, naturwissenschaftliche und andere Analysen willkommen. Die Zeitschrift erscheint dreimal jährlich jeweils mit einem thematischen Schwerpunkt und einem Jahresumfang von rd. 480 Seiten. Beiträge für den offenen Teil der Zeitschrift sind – unabhängig vom jeweiligen Schwerpunktthema – jederzeit herzlich willkommen!
Haben Sie noch Fragen?
Herausgeber_innen des Hefteschwerpunkts: Prof. Dr. Christina Brüning (brueninc(at)uni-marburg.de) Dr. Funda Hülagü (funda.huelaguedemirbilek(at)staff.uni-marburg.de) Prof. Dr. Mike Laufenberg (mike.laufenberg(at)sw.hs-fulda.de), Dr. phil. Johanna Leinius (leinius(at)em.uni-frankfurt.de) und Dr. Inga Nüthen (nuethen(at)uni-kassel.de). Für alle formalen Informationen, Fragen zur Einreichung und zum Publikationsprozess wenden Sie sich bitte an die Korrespondenzadresse der GENDER-Redaktion (redaktion(at)gender-zeitschrift.de). Manuskripteinreichungen bitte nur über manuskripte(at)gender-zeitschrift.de.
Zum Call for Papers (PDF)