Deadline: 04.05.2026
Polarisierte Zukunftsbilder in der Klimakrise
Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem 43. Kongress der DGS vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mainz. Deadline: 4. Mai 2026
In der aktuellen öffentlichen Debatte tritt der Klimawandel angesichts anderer Krisen eher in den Hintergrund. Geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftspolitische Spannungen binden Aufmerksamkeit und verschieben Prioritäten. Doch gerade unter Bedingungen konkurrierender Krisen stellt sich die Frage, wie Klimazukünfte wahrgenommen, bewertet und vermittelt werden, wie sie soziale Ungleichheiten strukturieren und wie sich unterschiedliche Grade gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit herausbilden.
Medial verstärkte Kämpfe um die Glaubhaftigkeit des Klimawandels, die Dringlichkeit von Anpassungsleistungen, sowie die Frage nach der Individualisierung oder Vergesellschaftung von Verantwortung erzeugen konkurrierende Zukunftsbilder und intensivieren die Polarisierung von klimabezogenen Einstellungen und Lebensstilen. Gleichzeitig vergrößert sich die Ungleichheit der Zukunftschancen entlang sozialer und geographischer Demarkationslinien. Zukunft erscheint damit nicht als gemeinsamer Horizont, sondern als umkämpfte Ressource, deren Deutung, Verteilung und Realisierung gesellschaftlich hoch umstritten ist.
Klimazukünfte liegen zwischen skeptisch-relativierenden und überzeugt-alarmistischen Deutungen und deren unterschiedlicher Bewertung von Glaubhaftigkeit, Dringlichkeit und Legitimität politischen Handelns. Individuelle Erfahrungen und Lebensrealitäten, Mediennutzung, politische Einstellungen und Vertrauen in Institutionen beeinflussen die Einstellungen gegenüber dem Klimawandel.
Klimawandel und Klimapolitik polarisieren nicht nur Einstellungen, sondern auch reale Lebensbedingungen und Zukunftschancen. Während privilegierte Gruppen über Adaptionsressourcen verfügen, sind sozial benachteiligte Gruppen stärker von Klimawandelfolgen betroffen, können aber gleichzeitig durch Klimapolitik entstehende (finanzielle) Belastungen schlechter schultern.
Zudem wirkt der Klimawandel auch als Verstärker bestehender regionaler Disparitäten, wenn in manchen Regionen Infrastrukturen angepasst und Emissionsreduktion erfolgreich umsetzen werden, während andere Regionen strukturell überfordert und nicht klimafest erscheinen oder stark von fossilen Industrien abhängen.
Polarisierungstendenzen zeigen sich sowohl zwischen Stadtteilen, zwischen Städten und dem ländlichen Räumen als auch zwischen verschiedenen Regionen und Ländern.
Die Ad-hoc-Gruppe greift diese Aspekte auf, unter anderem mit einem Vortrag von Rasmus Hofmann und Lukas Kroher zum Zusammenhang von Umweltpolitik und Umweltverhalten, und lädt quantitative und qualitative Beiträge ein, die auf eine oder mehreren der folgenden Fragen eingehen:
- Wie stark ist die Wahrnehmung der Glaubwürdigkeit in Bezug auf die Umweltkrise polarisiert? Welche sozialen Gruppen tendieren zu Klimawandelskepsis, welche zu Klimaangst, und welche Rolle spielen dabei individuelle Merkmale und Umfeldcharakteristika?
- Wie wirkt sich die Wahrnehmung des Klimawandels auf der Handlungsebene aus, z.B. in Form von Wahlentscheidungen, Unterstützung oder Ablehnung von Klimapolitik, im Mobilitäts- und Konsumverhalten? Im Zusammenspiel mit welchen individuellen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen erweisen sich Einstellungen zum Klimawandel als handlungsleitend?
- Sind die Auswirkungen des Klimawandels, aber auch der Klimapolitik, in unserer Gesellschaft ungleich verteilt? Wie haben sich diese Belastungen über die Zeit verändert? Wer kann sich Klimaschutz oder Klimaanpassung leisten und handelt dementsprechend? Welche Gruppen erleben Klimapolitik als Schutz, welche als Belastung?
- In welchen Kontexten verstärkt oder reduziert Klimapolitik soziale Ungleichheit? Welche Machtstrukturen beeinflussen klimapolitische Maßnahmen?
- Wie unterscheiden sich Städte und Regionen in ihrer Anpassung an den Klimawandel? Wo werden Emissionen messbar reduziert und wo nicht? Gibt es regionale Unterschiede in den Polarisierungstendenzen bei Einstellungen zu Umwelt und Politik und welche Faktoren verursachen diese?
Wir bitten um die Einreichung von Abstracts (maximal eine Seite) bis 4. Mai 2026 an: claudia.schmiedeberg(at)mwi.uni-heidelberg.de
Organisation: Christiane Bozoyan & Claudia Schmiedeberg (beide Universität Heidelberg)