Deadline: 30.04.2026

Soziologie der Reparatur

Call for Papers für eine Ad-hoc-Gruppe auf dem 43. Kongress der DGS vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mainz. Deadline: 30. April 2026

Reparaturen halten Gesellschaften am Laufen. Auch in der viel beklagten „Wegwerfgesellschaft“ bleibt Reparatur zentral und gewinnt angesichts gegenwärtiger sozioökologischer Krisen weiter an Bedeutung. Vordem Hintergrund ihrer international zunehmenden Relevanz in verschiedenen speziellen Soziologien (wie Konsum-, Stadt-, Technik- oder Umweltsoziologie), fragt die Ad-hoc Gruppe nach dem aktuellen soziologischen Mehrwert von Reparatur als theoretisches Konzept sowie als Gegenstand empirischer Analysen.

Ausgehend von einem mikrosoziologischen Interesse an Reparaturen von Interaktion hat sich in den letzten Jahrzehnten eine breitere soziologische Beschäftigung mit Reparatur entwickelt (u.a. Graham/Thrift 2007, Jackson 2014; Schubert 2021), deren analytisches Potential neu justiert werden kann. Die soziologische Beschäftigung erfolgt auch in Auseinandersetzung mit den Science and Technology Studies (Jarzabkowski/Pinch 2013; Domínguez Rubio 2025) und feministischen Perspektiven, in denen es als Teil von „Care“ verstanden wird (Graziano/Trogal 2021). So stellen sich auch Fragen nach der gesellschaftlichen Verteilung und Un-/Sichtbarkeit von Reparaturen.

Dabei halten wir zwei gesellschaftliche Entwicklungen für besonders relevant:

  • Erstens werden Reparaturen im Zuge von Digitalisierung in zweifacher Hinsicht technischer. Sie treten einerseits technisch vermittelt auf: Die zu reparierenden Objekte umfassen distribuierte Systeme und Infrastrukturen (Henke/Sims 2020; Röhl 2022), Reparaturen sind zudem seit den 1980er Jahren vermehrt organisatorisch ausgelagert. Andererseits tritt komplexe Technik spätestens mit der Verbreitung maschinell lernender Systeme selbst als (zu) reparierender Akteur auf (Stone/van Wynsberghe 2024). Reparatur muss so in ihren Praktiken, beteiligten Akteur:innen und der verwendeten Mittel als verteilt betrachtet werden.
  • Zweitens erschweren kapitalistische Produktions- und Wertschöpfungsketten Reparaturen, oder lassen sie als Freizeitvergnügen erscheinen. Hier hat Reparatur jedoch zuletzt an politischer Relevanz gewonnen, etwa in Bestrebungen auf ein „Recht auf Reparatur“ sowie zivilgesellschaftlichen Reparaturinitiativen (Kannengießer 2018). Technische Kommunikation weitet sich im Sinne partizipativer (Online-)Kulturen auch auf Peer-Beratung aus (Trischler 2025). Neben Nachhaltigkeit spielen dabei weitere Dimensionen von Ungleichheit wie Geschlecht und Klasse eine Rolle (Young/Rosner 2019).

Die Ad-Hoc Gruppe soll einen Raum für Austausch bieten für Forscher:innen, die sich mit Reparatur befassen.

Wir laden empirische wie konzeptionelle Beiträge ein, die sich aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven und/oder methodischen Ansätzen mit Reparatur in verschiedenen Forschungsfeldern auseinandersetzen. Neben mikrosoziologischen Studien zum Vollzug von Reparaturen sind auch Narrative und Imaginationen des Reparierens relevant. Dabei weisen Reparaturen zwischen Erhalten und Gestalten verschiedene Zukunftsbezüge auf, die im Sinne des diesjährigen Kongressthemas ebenso in den Beiträgen Beachtung finden können, aber nicht müssen.

Wir bitten um die Einreichung von Abstracts (maximal eine Seite) bis zum 30.04.2026

an: kevin.wiggert(at)tu-berlin.de, ronja.trischler(at)tu-dortmund.de

Organisation: Ronja Trischler (TU Dortmund), Kevin Wiggert (TU Berlin)

Zum Call for Papers (PDF)

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