Deadline: 18.12.2026
Technologischer Autoritarismus: Analysen, Kritik, Alternativen
Call for Abstracts für eine Spring School vom 1. bis 5. März 2027 in Erfurt. Deadline: 18. Dezember 2026
Die autoritären Entwicklungen in den USA und Europa stehen in engem Zusammenhang mit dem Machtzuwachs großer Technologiekonzerne und der von ihnen geprägten gesellschaftlichen Ordnung von Technologie. Prominente Akteure der Technologiebranche gewannen in den letzten Jahren zunehmend Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse (Bria und Bautista 2026). In ihrem intellektuellen Ökosystem entwickelten sich libertäre und neoreaktionäre Ideen technologischer Optimierung sowie Vorstellungen rassifizierter und geschlechtlicher Ungleichheit (Slobodian 2025, Nosthoff 2026). Ihre digitalen Infrastrukturen revitalisieren nach einigen Diagnosen politische und kulturelle Prinzipien des historischen Faschismus (Coeckelbergh 2026, Bruna della Torre 2026). Gleichzeitig ist die Tech-Ökonomie, etwa in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz, eng eingebunden in die geopolitische Neuordnung von Wirtschaftsmodellen, die mit neuen Beziehungen zwischen Staat und Wirtschaft, nationalen Projekten geopolitischer Souveränität sowie mit einer Militarisierung von Geschäftsmodellen einhergeht (Srnicek 2025; Slobodian & Tarnoff 2026).
In der Spring School des Zentrums für emanzipatorische Technikforschung (ZET) möchten wir uns diesen Entwicklungen in ihren politischen, ökonomischen, ideologischen und gesellschaftlichen Dimensionen widmen. Dabei sollen sowohl die transatlantischen und globalen Verflechtungen autoritärer Technologiepolitik als auch ihre spezifischen Ausprägungen in europäischen Gesellschaften diskutiert werden. Darüber hinaus interessiert uns, welche gesellschaftlichen Konflikte, demokratischen Gegenbewegungen und alternativen Formen technologischer Gestaltung sich im Kontext dieser Entwicklungen herausbilden – etwa in zivilgesellschaftlichen Protesten gegen KI-Infrastrukturen (Rone 2024), Ansätzen neuer Wirtschaftspolitik (Weber 2026) oder Konzepten emanzipatorischer Kybernetik (Heyer und Zeug 2024).
Die Spring School bringt fortgeschrittene Studierende, Promovierende und Early Career Researcher für eine intensive Arbeitswoche an der Universität Erfurt zusammen in Austausch mit Expert:innen des ZET aus Soziologie, Philosophie, politischer Ökonomie sowie Technikfolgenabschätzung. Dazu dienen Keynotes, Lektürekreise, Workshopformate und politische Abendveranstaltungen. Gleichzeitig werden durch die Teilnehmer:innen durchgehend eigene Forschungsskizzen diskutiert und entwickelt.
Als Keynote-Sprecher:innen und Referent:innen beteiligen sich unter anderem: Aline Blankertz (Structural Integrity), Madeleine Böhm (Universität Erfurt), Franziska Cooiman (TU Berlin), Philipp Frey (ITAS Karlsruhe), Felix Gnisa (ITAS Karlsruhe), Simon Schaupp (KU Leuven, IfS Frankfurt), Sandra Sieron (Wissenschaftszentrum Berlin), Walther Zeug (UFZ Leipzig).
Für eine Teilnahme bitten wir um eine Bewerbung bis zum 18.12.2026. Bewerber:innen senden einen tabellarischen Lebenslauf samt persönlichem Anschreiben (max. zwei Seiten), aus dem der akademische Werdegang sowie Forschungsinteressen sichtbar werden. Außerdem bitten wir alle Bewerber:innen um einen Abstract (max. 500 Wörter) zu einem Thema ihrer Wahl. Der Abstract soll Überlegungen über theoretische oder empirische Forschungsvorhaben beschreiben und kann auch explorative oder unfertige Ideen umfassen. Er dient als Grundlage für eine Forschungs- oder Artikelskizze, die im Rahmen von Werkstatt-Sessions während der Spring School weiterentwickelt wird. Für eine begrenzte Anzahl von Stipendiat:innen und Doktorand:innen ohne institutionelle Finanzierung bieten wir auf Antrag die Möglichkeit an, die Reisekosten zu erstatten. Dazu bitten wir um eine kurze Begründung im Anschreiben.
Mögliche Forschungsfragen für den Abstract
Politische Ideen und Philosophien
- Welche politischen Ideen und Philosophien orientieren Projekte des technologischen Autoritarismus?
- Welche (widersprüchlichen) Verbindungen zwischen libertären und neo-autoritären Ideen sind beobachtbar?
- Welche Herrschafts- und Ungleichheitsordnungen sind in bestimmte technologische Prinzipien und Vorstellungswelten – wie etwa Kybernetik, Künstliche Intelligenz, Akzelerationismus – eingebettet?
Politische Ökonomie, Umwelt und Arbeit
- Welche neuen Wirtschaftsmodelle etablieren sich im Kontext des technologischen Autoritarismus?
- Welche neuen Beziehungen zwischen Staat und (Tech)-Ökonomie bilden sich heraus?
- Wie hängt technologischer Autoritarismus mit dem Ende der Globalisierung und der Herausbildung einer neuen geopolitischen Ordnung zusammen?
- Welche Auswirkungen haben wirtschaftliche Transformationen auf gesellschaftliche Naturverhältnisse, etwa in Energie- und Wasserkreisläufen sowie der Ressourcenextraktion?
- Wie prägen neue Geschäfts- und Produktionsmodelle, etwa in der KI-Wirtschaft oder in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, industrielle Beziehungen in der Arbeitswelt?
Gesellschaftliche Ungleichheit
- Welches Verhältnis besteht zwischen technologischem Autoritarismus und rassifizierter und geschlechtsspezifischer Ungleichheit?
- Wie wirken sich tech-autoritäre Projekte auf Migrations- und Sicherheitspolitik aus?
- Welche Wirkungen bestehen zu Biopolitik und Reproduktionsrechten?
- Wie werden demokratische Teilhaberechte über die ökologischen und sozialen Aspekte technologischer Innovation restrukturiert oder abgebaut?
Alternativen und Gegenprojekte
- Welche Konflikte und politischen Bewegungen fordern den technologischen Autoritarismus heraus?
- Welche Konzepte (digitaler) Selbstbestimmung lassen sich gegen eine geopolitisch verengte Vorstellung von Souveränität in Stellung bringen?
- Welche Rolle können wachstumskritische, konviviale oder ludditische Technikpolitiken spielen?
- Welche Formen investiver Wirtschaftspolitik können als Gegenkonzept zu einem neuen militarisierten Staatskapitalismus dienen?
- Welche emanzipatorischen Perspektiven auf Kybernetik und Künstliche Intelligenz lassen sich als Gegenmodell zu autoritären Herrschaftstechniken entwerfen – etwa in Konzepten demokratischer Planwirtschaften?
Die Bewerbung ist zu senden an: vorstand(at)emancipatory.technology
Weitere Informationen: https://emancipatory.technology/