Tagung
Verantwortung interkulturell denken: Fälle, Narrative und Zukunftspraktiken
Im Rahmen der Intekulturellen Sommerakademie (ISA) kommen Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen und Studierende zusammen, um aktuelle Perspektiven auf Interkulturalität zu diskutieren, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Impulse für Forschung und Praxis zu entwickeln.
Mit dem Fachgebiet interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Verein interculture.de e. V. ist Jena seit mehr als drei Jahrzehnten Bestandteil des interkulturellen Diskurses und der interkulturellen Praxis und Teil einer breiteren wissenschaftlichen, bildungspolitischen sowie gesellschaftlichen Bewegung: Interkulturalität ist fest in Studienprogrammen, Forschungsprojekten, Fortbildungen, Beratungspraxis, Kulturarbeit und institutionellen Strategien verankert. Dennoch zeigt sich, dass die gesellschaftliche Fähigkeit zum reflektierten und nachhaltigen Umgang mit Vielfalt, Machtverhältnissen, Mehrsprachigkeit, und pluralen Zugehörigkeiten keineswegs selbstverständlich mit dieser Institutionalisierung wächst. Öffentliche Debatten, Konflikte in Bildungsinstitutionen, mediale Darstellungen und politische Polarisierungen machen deutlich, dass interkulturelle Kompetenz kontinuierlich reflektiert und in konkreten Kontexten verantwortet werden muss. Die Online-Tagung im Rahmen der diesjährigen ISA nimmt dieses Spannungsfeld zum konstruktiven Ausgangspunkt. Sie fragt nach Verantwortung: Welche Erfahrungen liegen aus drei Jahrzehnten interkultureller Arbeit vor? Welche Modelle, Begriffe und Methoden haben sich bewährt? Wo zeigen sich Grenzen, blinde Flecken oder unbeabsichtigte Reproduktionen von Differenzordnungen? Und welche zukunftsgerichteten Wege eröffnen sich für Wissenschaft, Schule, Kulturarbeit, Institutionen und Zivilgesellschaft?
Kontakt: isa(at)interculture.de
Wir laden Beiträge ein, die kritisch reflektierte Erfahrungen genau wie zukunftsweisende Ansätze vorstellen. Willkommen sind sowohl Analysen problematischer Routinen oder theoretische Konstrukte als auch Beispiele gelingender Praxis und wissenschaftlicher Zugänge. Beiträge können sich unter anderem mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Welche Art interkultureller Arbeit trägt wohin – etwa in Richtung Reflexivität, demokratische Urteilsfähigkeit, institutionelle Veränderung oder solidarische Beziehungen? Welche Bildungs-, Kommunikations-, Forschungs- oder Praxisformate haben sich bewährt, und wo zeigen sich ihre Grenzen? Welche Begriffe, Bilder, Narrative und Modelle stabilisieren Vorstellungen von „uns“ und „den anderen“; auch dort, wo eigentlich das Gegenteil intendiert ist? Wie können Migration, Mehrsprachigkeit und Pluralität nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Ressourcen demokratischer Gesellschaften erzählt und bearbeitet werden? Wie kann interkulturelle Arbeit die Frage produktiv machen, warum Rassismus und Diskriminierung ein Problem für alle sind – auch für jene, die sich selbst nicht als unmittelbar betroffen verstehen? Welche Verantwortung tragen Expert:innen der Interkulturellen Studien, wenn Themen wie Migration, Gleichberechtigung, Mehrsprachigkeit oder Zugehörigkeit gesellschaftspolitisch aufgeladen sind? Wie können Zivilgesellschaft, Unternehmen, Bildungsinstitutionen und weitere gesellschaftliche Akteure handlungsfähig bleiben, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse und demokratische Grundprinzipien in Spannung zu politischen Entscheidungen oder öffentlichen Deutungen geraten? Welche künstlerischen, mehrsprachigen, dialogischen oder experimentellen Formate eröffnen neue Zugänge zu Verantwortung in interkultureller Arbeit? Beiträge können aus unterschiedlichen Forschungs- und Praxisfeldern – z.B. Bildungspraxis, Kulturarbeit, Organisationsentwicklung, Sozialer Arbeit – kommen. Willkommen sind theoretische, empirische, praxisnahe und kreativ-experimentelle Zugänge ebenso wie Beiträge, die offene Fragen und Prozesse oder unabgeschlossene Suchbewegungen sichtbar machen. Da wir das Programm didaktisch vielseitig und zweisprachig (dt. / engl.) gestalten möchten, bitten wir bei der Einreichung neben dem inhaltlichen Abstract auch um eine Angabe zum geplanten Format (z. B. interaktiver Workshop, Impulsvortrag mit Diskussion, Experiment o.Ä.), zur Sprache sowie zur voraussichtlichen Dauer. Entscheidend ist, dass das Format online umsetzbar ist und zur dialogischen Reflexion über Verantwortung in interkultureller Arbeit beiträgt.