Workshop
Interfacing Work
Die AG Interfaces der Gesellschaft für Medienwissenschaften lädt zu ihrem Workshop an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein, der am 7. und 8. Mai 2026 in Mainz stattfinden wird.
Sei es an den Bildschirmen von Endgeräten, bei der Anwendung von Industriemaschinen oder im technischen Backend: Interfaces prägen, wie Arbeit organisiert, wahrgenommen und durchgeführt wird. Interfaces sind dabei aber nicht bloß Werkzeuge, sondern bedingen die sozialen Organisationsformen und kulturellen Bedeutungszuschreibungen von Arbeit. Diese Bedingungen werden im doppelten Sinne durch Interfaces realisiert: Interfaces dienen der Verarbeitung, aber sind auch Gegenstand von Bearbeitung. In diesem Sinne sind die Leistungen von Interfaces nicht nur ein Faktor innerhalb von Veränderungsprozessen der Arbeit, sondern wirken auch auf das gesellschaftliche Alltagsverständnis von Arbeit zurück (was sich an Begriffen wie ‘Bildschirmarbeit’ zeigt). Dieses Verhältnis lässt sich mit Blick auf gegenwärtige Arbeitskulturen ausbuchstabieren, lädt aber auch zu historischen Reflexionen auf die Transformation von Arbeit entlang von mit Interfaces assoziierten Medienumbrüchen ein.
Die medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Interfaces hat in den letzten Jahren stark zugenommen; in der theoretischen Debatte ist z. B. ein differenziertes Verständnis der Operativität von Interfaces entwickelt worden. Gleichwohl blieb das Verhältnis zur Arbeit vielfach unterbelichtet. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Workshop der AG Interfaces den verschiedenen Diskursen, Praktiken und Artefakten, durch die das Verhältnis von Interface und Arbeit bestimmt wird. Gefragt wird dabei immer nach der hier skizzierten Wechselwirkung zwischen einer Arbeit an und mit Interfaces, die unter den Bedingungen der durch das Interface definierten Leistung vollzogen wird. Interfaces sollen entsprechend als Elemente medientechnischer Infrastrukturen verstanden werden, die Arbeit ermöglichen, strukturieren und transformieren – in industriellen wie in postindustriellen Kontexten, vom Handwerksbetrieb bis zur Plattformökonomie.
Im Zentrum stehen unter anderem folgende Fragen:
Wie formen Interfaces die Organisation von Arbeit – z. B. durch Kommunikationsplattformen wie Slack oder Teams?
Inwiefern betreffen Interface-Dynamiken unterschiedliche Formen und Orte von Arbeit: von der digitalen Wissensarbeit über industrielle und handwerkliche Arbeit bis hin zur Care-Arbeit, die auch und gerade in nicht-professionellen, häuslichen und intimen Räumen stattfinden kann?
Welche kulturellen Differenzen zeigen sich im Umgang mit und in der Gestaltung von Interfaces? Dies betrifft auch und gerade Wissenskulturen (Knorr-Cetina 2002), die in professionellen Kontexten unterschiedliche Handhabungsweisen und Deutungsmuster entwickeln.
Wie vermitteln Interfaces zwischen implizitem und explizitem Wissen in der Arbeit?
Wer arbeitet an und mit Interfaces – und unter welchen Bedingungen und innerhalb welcher Hierarchien?
Wie verändert sich Arbeit selbst durch Interfacing – von historischen Entwicklungen bis hin zu zeitgenössischen Konzepten wie Gamifizierung?
Wie verändern Interfaces die Zeit- und Raumstrukturen von Arbeit?
Was sind spezifische Wandlungsprozesse von Arbeit, die durch Interfaces mitgeprägt werden (Büroarbeit, Sexarbeit, Gewaltarbeit …)
Wie beeinflussen KI-gestützte Interfaces (etwa Chatbots, Assistenzsysteme, algorithmische Filter und Suchwerkzeuge) Produktions- und Machtverhältnisse?
Allgemeine Programminfos
Wir freuen uns über alle, die mitdiskutieren wollen. Die Beteiligung von Studierenden ist ausdrücklich möglich & erwünscht! Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Anmeldung per (info(at)aginterfaces.net). Die Anmeldung läuft bis 30. April 2026, Teilnehmer:innenanzahl begrenzt.
Organisationsteam:
Jana Hecktor (IZEW Uni Tübingen), Marcel Thiel-Woznica (Uni Mainz), Christoph Ernst (Uni Bonn), Benjamin Doubali (Uni Mainz), Sascha Dickel (Uni Mainz)