Zeitschrift
Polar. Politik, Theorie, Alltag
Website: http://www.polar-zeitschrift.de/
Erscheint: 2 Ausgaben/Jahr
Die Frage nach dem Zweck einer politischen Zeitschrift im politischen Diskurs sollten sich alle MacherInnen ernsthaft vorhalten. Man investiert ja einen Haufen Zeit und Energie. Da sollte die Frage des Wozu im Eifer des Gefechts nicht in Vergessenheit geraten. Bei vielen Redakteursstellen geht es ja in Wahrheit noch um ganz andere Dinge, als um die politische oder intellektuelle Einflussnahme: bei bezahlter Redakteurstätigkeit zum Beispiel schlichtweg um den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes; und bei ehrenamtlicher Redaktionstätigkeit nicht selten um Celebrity oder die Herstellung von Kontakten und Netzwerken. Viele RedakteurInnen sind vermutlich auch einfach froh, die eigenen Texte irgendwo unterbringen zu können. Doch all das sollte nicht den Blick darauf verstellen, was man mit dem Format eigentlich bewirken will.
Aus der Frage nach dem Wozu ergibt sich sofort eine Reihe von Anschlussfragen. Um welchen politischen Diskurs geht es eigentlich? Und was ist eigentlich eine politische Zeitschrift?
Politischer Diskurs kann ja sehr unterschiedliches heißen: Von politisch-theoretischen Diskursen in der Wissenschaftsszene bis zu Fachdebatten in bestimmten politisch-weltanschaulichen Milieus, von der breiten intellektuellen Feuilletondebatte bis hin zur noch breiteren medialen Debatte zu einer Frage der politischen Praxis.
Analysiert man die Ingangsetzung der breiten, öffentlichen Diskurse – gleich ob intellektuell-feuilletonistisch oder politisch-praktisch – so muss man konzidieren, dass diese in aller Regel von journalistischer Seite entweder durch Meinungsbeiträge für eine der großen Zeitungen oder durch das Format des Sachbuch-Bestsellers ausgelöst werden. Beide Wege setzen wiederum in der Regel ein hohes Maß an kommunikationsstrategischem Bewusstsein voraus, ergänzt durch ein hohes Plazierungs- bzw. Marketinggeschick der Verlage – zunehmend flankiert durch die Nutzung von Online-Plattformen und Social Media.. Man muss an dieser Stelle keine Namen nennen, denn vermutlich haben eh alle ungefähr die gleichen Selbstvermarktungsgenies im Kopf.
Allen, die unter einem Mangel an breiter öffentlicher Aufmerksamkeit leiden (und das sind nicht wenige), kann man deshalb getrost empfehlen, sich entweder Zugang zu einem der großen Blätter zu verschaffen oder aber an einem möglichst markanten Sachbuch-Bestseller zu arbeiten. Und auch das ist noch lange keine Garantie. Da mag der Schreibstil noch so investigativ daherkommen, da mag der Buchtitel noch so provokant ausgeklügelt sein: hinter der Fassade steckt offenkundig nichts Aufregendes, Relevantes oder Weiterführendes und das öffentliche Interesse tendiert gegen Null. Das musste auch schon so mancher Politiker erfahren, der meinte, er müsse ein Buch zusammenzimmern (lassen). Und selbst da, wo sich Substanz und Marketingstrategie kongenial ergänzen: die Resonanz ist kaum vorhersehbar – es sei denn, man zählt zu dem äußerst kleinen Kreis der meist mühsam aufgebauten Großnamen.
Das führt auf einen ersten wichtigen Punkt: Öffentliche Einflussnahme über politischen Journalismus gelingt oftmals nur über Umwege. Ausgangspunkte sind der Raum und die Zeit, um Gedanken zu entwickeln, um zu experimentieren, um den kostbaren intellektuellen Stoff herzustellen, der dann entsprechend aufgearbeitet und verlängert zum öffentlichen Stein des Anstoßes taugt.
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polar 23: Auf Los
Die Welt um uns scheint aus den Fugen geraten. Wir sehen entsetzt wie identitärer Populismus und Nationalismus wachsen, wie die grundlegenden Werte von Pluralismus und Demokratie unter Druck geraten. Doch obgleich die verschiedenen Phänomene wortreich beschrieben werden, müssen wir besser verstehen, was in unseren und…